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ratiopharm-Headcoach Thorsten Leibenath im Interview: „Mein Leben – mein Spiel“

ratiopharm-Headcoach Thorsten Leibenath im Interview: „Mein Leben – mein Spiel“

Er ist jung, er ist ehrgeizig – er ist der neue Headcoach von ratiopharm ulm. Im Interview spricht Thorsten Leibenath über sein neues Team, seinen Führungsstil und seine wichtigsten Prinzipien. Das gesamte Interview erschien in der OrangeZone, dem Magazin der Region Ulm/Neu-Ulm.
1317887189/img_Thorsten_Leibenath_ratiopharm_Ulm.jpgHerr Leibenath, wo waren Sie, als Chris Welp Deutschland am 4. Juli 1993 zur Europameisterschaft geworfen hat?
Thorsten Leibenath: „Ich war in Leverkusen und habe das Spiel gemeinsam mit einem Mannschaftskollegen angeschaut. Und ich habe meine Eltern beneidet, weil sie Karten für das Spiel in München hatten. Im Anschluss an das EM-Finale habe ich mit meinem Kumpel Autokorso durch Leverkusen gemacht. Das hat damals niemand verstanden – was uns aber egal war. Wir haben trotzdem gehupt wie bekloppt.“

image_1288779294890.png.

Vor 18 Jahren kam der EM-Titel aus dem Nichts, im Sommer 2011 glaubten plötzlich 43 Prozent der Deutschen an dessen Wiederholung. Wie kommt es zu so einem Stimmungsbild?
Thorsten Leibenath: „Basketball ist mittlerweile einfach stärker in der Öffentlichkeit verankert. Es könnte sicherlich noch viel besser sein, aber wir finden in den Medien heutzutage etwas mehr statt. Das sind aber nur Nebengeräusche. Der Hauptgrund heißt Dirk Nowitzki. Weil Dirk in der NBA über sich hinausgewachsen ist und das Unmögliche wahr gemacht hat, hatten sehr viele Menschen den Glauben, das schafft er mit der Nationalmannschaft auch.“

Sie sind in Leverkusen geboren – in einer Stadt, in der zwischen 1990 und 1996 sieben Deutsche Meisterschaften in Folge gewonnen wurden. An Basketball führte da kein Weg vorbei, oder?
Thorsten Leibenath: „Bei mir war das eher familiär bedingt. Ich habe als Jugendlicher einen Haufen Sportarten ausprobiert, war aber nie richtig zufrieden. Als ich als Neun- oder Zehnjähriger frustriert vom Handballtraining nach Hause kam, sagte meine Schwester: ‚Zwei meiner ehemaligen Klassenkameraden, die wirklich cool sind, spielen Basketball. Versuch das doch mal.’ Der eine hieß Uwe Brauer, spielte in Leverkusen und war immerhin Nationalspieler. Der andere hieß Detlef Schrempf, den kannte sogar ich damals. So kam ich zum Basketball.“

Wie ging es weiter?
Thorsten Leibenath: „Angefangen habe ich in der Schul-AG unter Achim Kuczmann. Anschließend spielte ich für Leverkusen in der Jugend, habe von der Tribüne mit Legenden wie Clinton Wheeler, Henning Harnisch und Chris Welp mitgefiebert und natürlich auch die sieben Meisterschaften gefeiert.

„Ich habe als Jugendlicher auf viele Dinge verzichtet“

Sie sind mit Leverkusen B-Jungendmeister geworden, haben von früh an miterlebt, wie professioneller und ambitionierter Basketball funktioniert. Das prägt, oder?
Thorsten Leibenath: „Zusammen mit Lichterfelde war das Leverkusener Programm damals sicherlich das professionellste in Deutschland. Wir haben als 14-Jährige zweimal täglich trainiert. 1992 die Deutsche Meisterschaft zu gewinnen, war für mich der Höhepunkt. Das prägt natürlich. Dadurch hat sich bei mir die Begeisterung für Leistungssport verankert.“

1317887243/img_OrangezoneTitel.jpgHaben Sie im weiteren Verlauf Ihrer Karriere immer davon profitiert, im Basketball-Mekka aufgewachsen zu sein? Kann einen das nicht auch versauen? Schließlich mussten Sie beispielsweise in Schottland mit ganz anderen Bedingungen klar kommen?
Thorsten Leibenath: „Nein, meine Erfahrungen aus Leverkusen waren immer eine Hilfe. Ich habe als Jugendlicher auf viele Dinge verzichtet, die für andere normal waren. Das ist der Preis, den du als Leistungssportler zahlst. Da ich damals auch noch viel Musik gemacht habe, musste ich sehr diszipliniert und strukturiert sein. Aber Basketball war schon damals mein Leben, für mich gab es nichts Besseres. Versaut wurde ich dadurch nicht, ich habe eher gelernt, strukturell und professionell zu arbeiten. Das hat mir in Schottland geholfen – und das hilft mir immer noch.“

Von Glasgow über Gießen nach Quakenbrück: Mit Spielern wie Toby Bailey, Darren Fenn, Adam Hess, Lamont McIntosh sollten Sie 2008 wieder auf der großen Bühne – sprich in den Playoffs – mitspielen. Es hat nicht geklappt. Auch das Jahr darauf nicht. Sind Sie im Artland gescheitert?
Thorsten Leibenath: „Ich versuche das etwas differenzierter zu betrachten. Zunächst habe ich in den zwei Jahren sehr viel gelernt. Auch in der Nachbetrachtung konnte ich viele wichtige Schlüsse ziehen. Die Zielvorgabe für beide Jahre lautete: die Playoffs. In beiden Jahren haben wir das nicht geschafft. Diesbezüglich sind wir gescheitert. International lief es dagegen viel besser – und hier sehe ich auch die Verbindung zur Liga. Wir haben es nicht geschafft, nach Siegen über spanische, italienische oder serbische Teams im Eurocup den notwendigen Heißhunger zu entwickeln, dass wir in der Beko BBL beim Tabellensechzehnten gewinnen. Das war mit ausschlaggebend dafür, warum wir die Playoffs zweimal knapp verpasst haben.“

„Ich versuche mich immer wieder selbst zu hinterfragen“

In Ulm haben Sie von Beginn an einiges auf den Kopf gestellt: Die Leistungsdiagnostik, der frühe Saisonvorbereitungsbeginn, die Intensität oder die klaren Regeln, die Sie dem Team abverlangen. Sie glauben an die Planbarkeit von Erfolg. Sind Sie ein Kontrollfreak?
Thorsten Leibenath: Bestimmt nicht. Ich bin aber sehr strukturiert in dem, was ich mache – auch im Privaten. Pünktlichkeit ist mir beispielsweise sehr wichtig. Außerdem arbeite ich gerne. Ich bin davon überzeugt: Je mehr du investierst, je mehr bekommst du heraus. Ich bin nicht fanatisch, was zum Beispiel die Laktatwerte anbelangt. Aber wenn du sie richtig nützt, kannst du die Leistung optimieren. So betrachte ich jeden Bereich: Athletik, Taktik oder den mentalen Bereich. Ist es beispielsweise richtig, einen Spieler zum zehnten Mal anzuschreien oder sollte ich ihn mir besser einmal individuell zur Brust nehmen? Ich versuche mich immer wieder selbst zu hinterfragen.

Das komplette Interview mit Thorsten Leibenath finden Sie in der aktuellen Ausgabe der OrangeZone: http://www.basketball-ulm.com/OrangeZone_11-12/ausgabe01/
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