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Raus aus der Warteschleife: Wie der ehemalige „Eisbär“ Jan Lipke seine lange Pause überbrückt hat

Raus aus der Warteschleife: Wie der ehemalige „Eisbär“ Jan Lipke seine lange Pause überbrückt hat

Ehemaliger Kapitän eines Beko BBL-Teams. Ehemaliger A2-Nationalspieler. Distanzwurf-Spezialist und „Kampfschwein“. All’ diese Empfehlungen reichten Jan Lipke nicht, im Sommer einen neuen Klub zu finden. Sein Vertrag bei den Eisbären Bremerhaven war nach ...
1324626772/img_Jan_Lipke_2.jpg... einer schweren Verletzung nicht verlängert worden. Nun ist der 28-Jährige wieder topfit – aber bis vor kurzem immer noch arbeitslos. Jetzt hat er einen neuen Klub gefunden: das ProA-Schlusslicht BG Leitershofen/Stadtbergen.

image_1288779294890.png.

Am schlimmsten ist das Warten. Warten darauf, dass das Telefon klingelt. „Am Anfang hat es mich fast umgebracht. Man sitzt zu Hause auf heißen Kohlen und hofft auf einen Anruf.“ Seit Ende März war Jan Lipke zur Untätigkeit verdammt: Erst setzte den ehemaligen Kapitän der Eisbären Bremerhaven eine Verletzung monatelang außer Gefecht, anschließend fand er keinen neuen Arbeitgeber. Warum, kann sich Lipke nicht erklären. „Natürlich war ich verletzt und habe eine lange Rehabilitation hinter mir, aber im Grunde bin ich seit Ende Juli wieder fit; so fit wie wahrscheinlich noch nie“, betont er.

Zehn Wochen Gips, zehn Wochen Reha, neun Monate in der Warteschleife

Rückblende. Der 27. März 2011. Jan Lipke gastiert mit den Eisbären bei Aufsteiger BBC Bayreuth. Der Deutsche ist ein wichtiger Rollenspieler im Team von Coach Douglas Spradley, wichtig auf und neben dem Parkett. Nicht umsonst ist Lipke, der seit 2007 das Bremerhavener Trikot trägt, im zweiten Jahr Kapitän. Gerade einmal drei Minuten steht der Shooting Guard an diesem späten Nachmittag auf dem Parkett, als es passiert: „Ich bin weggerutscht und mit dem vollen Gewicht auf dem Fuß gelandet“, erinnert sich Lipke an den Augenblick, in dem er sich „die schwerste Verletzung meiner Karriere“ zuzog.

Die Untersuchung tags darauf brachte die Diagnose: Riss des Syndesmosebandes. Glück im Unglück: Um eine Operation kommt der gebürtige Hamburger herum, dafür muss er zehn Wochen Gips tragen. Weitere zehn Wochen sind notwendig für die Rehabilitation, die Lipke in der MediaPark-Klinik Köln absolviert. „Die Klinik hat einen sehr guten Ruf, außerdem wohnt meine Freundin in Köln“, erklärt das „Nordlicht“. Vor einem Vierteljahr hätte er es sich nicht träumen lassen, dass er den Blick auf den Dom länger genießen sollte als ihm lieb ist...

„Ich hätte gerne bei den Eisbären weitergespielt“

Bevor Jan Lipke die Schwere seiner Verletzung erfassen sollte, hoffte er noch, zu den Playoffs wieder fit zu sein. „Wenn die Jungs bis Juni durchhalten, kann ich in dieser Saison vielleicht doch noch einmal mitwirken“, zeigte sich der Routinier, der in der Saison 2000/2001 im Dress der EWE Baskets Oldenburg erstmals Erstliga-Luft schnupperte, damals noch optimistisch. Das Viertelfinale gegen den späteren Meister Brose Baskets fand jedoch ohne den „Energizer“ von der Bank statt. Überhaupt sollte die Partie in Bayreuth Lipkes letzter Auftritt für die Eisbären gewesen sein. Sein Zwei-Jahres-Vertrag lief im Sommer aus und wurde nicht verlängert. „Ich hätte gerne bei den Eisbären weitergespielt, aber ich will der Sache jetzt auch nicht nachweinen“, sagt Lipke, der in seinen vier Jahren an der Nordseeküste Publikumsliebling bei den Eisbären-Fans war.

„Man kommt ins Grübeln: Ist Basketball der richtige Weg?“

1324626734/img_Jan_Lipke_3.jpgWas er seinerzeit noch nicht ahnen konnte: Bis vergangene Woche fand das 1,93 Meter große Kraftpaket keinen neuen Arbeitgeber. Über die Gründe kann er nur rätseln. „Sicher, ich hatte diese Verletzung, die nicht unerheblich war. Aber die ist seit knapp fünf Monaten ausgeheilt, und ich habe überhaupt keine Beschwerden.“

Ein Deutscher, der seine Liga-Tauglichkeit im Laufe der vergangenen Jahre eindrucksvoll unter Beweis gestellt hat, der aufgrund seiner vorbildlichen Arbeitseinstellung und Kämpfernatur eigentlich in jeder Arena das Zeug zum Fan-Liebling hätte, ist kaltgestellt. „Wenn man dann so lange zu Hause sitzt, kommt man schon ins Grübeln. Habe ich mit Basketball den richtigen Weg eingeschlagen? Schließlich geht es um die eigene Existenz“, so der 28-Jährige.

Auch Bruder Tom war lange auf Jobsuche

Also wartete Lipke ab und hielt sich fit. Allein, ohne Teamkameraden, beim Lauftraining im Wald, im Fitnessstudio oder beim Wurftraining in der Halle. Fit bleiben für den Fall der Fälle, und tatsächlich: Über seinen neuen Agenten Ademola Okulaja kam der Kontakt zum Tabellenletzten der ProA, der BG Leitershofen/Stadtbergen, zustande. Sein Einstand am Wochenende war direkt von Erfolg gekrönt: Die BG gewann bei den Saar-Pfalz Braves überraschend deutlich mit 100:86, Lipke steuerte 13 Punkte und vier Assists bei.

Das Schicksal der Arbeitslosigkeit teilte Jan Lipke im Sommer übrigens mit seinem drei Jahre jüngeren Bruder Tom. Der stand bis letzte Saison beim ProA-Ligisten Chemnitz unter Vertrag. Aber auch Toms Vertrag wurde nicht verlängert – somit waren beide Lipkes zu Beginn der neuen Spielzeit ohne Arbeitgeber. „Man wird auf jeden Fall nervös, wenn sich in Sachen Vereinssuche nichts tut“, sagt Tom. „Mit meinem Bruder war ich im Sommer in jeder Halle, die offen war. Wir haben zusammen trainiert und uns gegenseitig Mut gemacht.“ Dann war der Jüngere dem Älteren einen Schritt voraus: Seit Ende Oktober ist Tom Lipke für den ProB-Neuling BG Dorsten auf Korbjagd.

Prominenter Trainingsgast ist Inhaber der B-Trainer-Lizenz

1324626698/img_Jan_Lipke_1.jpgFür Jan Lipke bedeutete dies: Wieder allein trainieren, wieder alleine warten. Um die Zeit sinnvoll zu überbrücken, hat er seine Trainer-B-Lizenz gemacht. Außerdem schaute er regelmäßig bei seinem alten Kumpel aus Oldenburger Zeiten, Johannes Trawinski, vorbei. Dieser ist Headcoach des Jugend-Basketball- Bundesliga-Teams BBV Köln-Nordwest und lud Lipke öfter als prominenten Trainingsgast ein.

„Das Training mit den Jungs hat Spaß gemacht. Bei manchen Spielen habe ich mich auch als Co-Trainer auf die Bank gesetzt“, erzählt Lipke. Dass er sich nach überstandener Verletzungspause zutraut, auf professionellem Niveau wieder Akzente auf dem Parkett zu setzen, daran lässt sein entschlossener Blick keine Zweifel: „Ich bin bereit!“

Zur Person:
Name: Jan Lipke
Geburtsdatum: 24.07.1983
Geburtsort: Hamburg
Größe: 1,93 Meter
Position: Shooting Guard
Stationen (von neu nach alt): Eisbären Bremerhaven, Spotter Leuven (Belgien), New Yorker Phantoms Braunschweig, EWE Baskets Oldenburg

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