FB Twitter Instagram YouTube Google+
Robert Lottermoser im Interview

Robert Lottermoser im Interview

Für Deutschlands Top-Schiedsrichter Robert Lottermoser war das erste Euroleague-Final Four in Barcelona nicht nur der bislang persönliche Höhepunkt seiner aktiven Karriere. Die Nominierung des 34-Jährigen, der damit der jüngste der acht Unparteiischen am vergangenen ...
1304939637/img_RL1.jpg... Wochenende war, zeigt auch, welchen Stellenwert das deutsche Schiedsrichterwesen mittlerweile auf internationaler Ebene genießt:

image_1288779294890.png.

Seit Bestehen der Euroleague im Jahre 2000/2001 gab es keinen deutschen Schiedsrichter bei einem Euroleague-Final-Four. Souverän meisterte der studierte Diplom-Ingenieur aus Brandenburg das Halbfinale und das Finale. Wie er sich auf seine Premiere vorbereit hat, wie der Kontakt zu den Akteuren auf dem Parkett ist und wo die deutschen Referees im internationalen Vergleich stehen, erklärt er in folgendem Exklusiv-Interview.

Wie war Ihr erstes Euroleague-Final-Four?
Robert Lottermoser: „Ich müsste lügen, wenn ich sagen würde, ich wäre ganz cool gewesen. Man bemüht sich natürlich nach außen hin, immer eine gewisse Gelassenheit auszustrahlen. Aber innerlich ist man doch sehr aufgeregt. Das ist eine Art positiver Stress, durch den man konzentrierter ist. Schließlich muss man sich vor Augen halten, dass nur acht Schiedsrichter aus Europa für solch ein Großereignis nominiert worden waren.“

Welchen Stellenwert hat diese Veranstaltung im globalen Basketball-Business?
Robert Lottermoser: „Hierbei handelt es sich um das größte Basketballevent nach den NBA-Finals – was die Vermarktung der Fernsehrechte in 173 Länder unterstreicht. Der globale Stellenwert zeigt sich auch an den zahlreichen NBA-Scouts oder den Klubbesitzern aus Amerika und Asien, die vor Ort waren.“

Wohl dosierte Informationsbeschaffung

Was bedeutet es Ihnen, bei solch einem Turnier dabei sein zu dürfen?
Robert Lottermoser: „Das ist bis jetzt der absolute Höhepunkt meiner Schiedsrichterkarriere. Darauf bin ich sehr stolz. Es steckt aber auch eine Menge harter Arbeit dahinter – über Jahre hinweg. Das Maßgebende ist, dass man konstant gut arbeitet, verlässlich und flexibel ist. Wenn man konstant gute Leistungen über die Saison hinweg gezeigt hat, wünscht man sich natürlich, bei solch einem Top-Event dabei sein zu dürfen - wenngleich der Druck hier immens groß war.“

Bereitet man sich auf ein Final Four gezielt vor?
Robert Lottermoser: „Es gibt aus meiner Sicht zwei Philosophien. Die eine ist, sich gar nicht weiter damit zu beschäftigen – weil man im Unterbewusstsein vielleicht doch beeinflusst werden könnte. Auf der anderen Seite, und so habe ich es teilweise gemacht, schaue ich mir Videos an und verfolge ein bisschen, was zuletzt in den nationalen Ligen der teilnehmenden Teams passiert ist. Ich übertreibe das aber nicht, sondern suche mir wohl dosiert heraus, was für mich wichtig sein kann. Alles andere ist überflüssig und lenkt vom Wesentlichen ab.“

„Unser Job ist es, so weit wie möglich im Hintergrund zu stehen“

1304939771/img_RL3.jpgGab es von der Euroleague ein spezielles Briefing?
Robert Lottermoser: „Nein. Das Gros der Schiedsrichter, die in der Euroleague zum Einsatz kommen, weiß, was es zu tun hat. Vielmehr wurde noch einmal deutlich heraus gearbeitet, welchen Stellenwert dieses Event hat. Unser Job ist es, so weit wie möglich im Hintergrund zu stehen, ohne die Kontrolle zu verlieren.“

Wie zufrieden waren Sie mit Ihrer Leistung?
Robert Lottermoser: „In Anbetracht der Tatsache, dass es für mich eine Premiere war, kann ich sehr zufrieden sein. Natürlich gab es einige Situationen, die man vielleicht hätte anders entscheiden können. Dies lässt sich aber grundsätzlich nicht vermeiden. Auch das Feedback seitens des Referee-Departments vor Ort war positiv.“

Komplette Bandbreite des taktischen und strategischen Vermögens

Wie war im Spiel der Kontakt zu den Akteuren?
Robert Lottermoser: „Die Coaches nutzen natürlich die komplette Bandbreite ihres taktischen und strategischen Vermögens aus. Sie wollen in jeder Situation einen Vorteil für ihr Team herausschlagen. Bei Freiwürfen zum Beispiel ist ein Schiedsrichter immer direkt vor der Bank eines Teams. Dadurch entstehen häufig Situationen, in denen mit den Coaches kommuniziert wird. Bei Spielern ist es eher weniger der Fall. Klar, in hitzigen Situationen kommt es vor, dass ein paar emotionale Worte gewechselt werden. Ansonsten wissen die Spieler, dass viele Diskussionen ohnehin nichts bringen.“

Wie haben Sie die Zeit zwischen den Spielen verbracht?
Robert Lottermoser: „Ich habe versucht, möglichst viel zu relaxen. Vor allem psychisch ist es ein hoher Druck, der auf einem lastet. Deshalb ist es wichtig, dass man regeneriert, rausgeht und nicht an Basketball denkt.“

Konzentration auf das Wesentliche

Waren Sie, abgesehen von der Award Ceremony am Samstagabend, in weitere Aktivitäten rund um das Final Four eingebunden?
Robert Lottermoser: „Nein. Die Schiedsrichter sollen sich auf das Pfeifen der Spiele konzentrieren. Das ist das Wichtigste. Wir Referees haben mit unseren Entscheidungen eine unheimliche Verantwortung. Wenn wir durch irgendwelche anderen Aktivitäten abgelenkt sind, dann ist es der Sache nicht förderlich. Mir persönlich ist es sehr recht, dass ich Ruhe habe. Intern hatten wir diverse Meetings und gemeinsame Essen. Das war’s aber auch.“

1304939983/img_RL5.jpgWorin unterscheiden sich ein Final Four und ein Playoff-Spiel in der Beko BBL?
Robert Lottermoser: „Natürlich von der Größe und dem organisatorischen Umfang, inklusive der medialen Präsenz. Aber auch von der Atmosphäre. Alles ist noch ein bisschen größer und professioneller.“

Wie ist das Standing der deutschen Schiedsrichter in Europa?
Robert Lottermoser: „Es hat sich in den letzten Jahren vieles enorm entwickelt – dies zeigen auch die anderen Nominierungen deutscher Unparteiischer. So ist beispielsweise Oliver Krause für das Euroleague-Final-Four der Frauen und für die Herren-EM in Litauen nominiert; Moritz Reiter kommt bei der Frauen-EM in Polen zum Einsatz. Insofern brauchen wir uns nicht vor den Kollegen aus den anderen europäischen Ligen verstecken.“

Zur Person:
Robert Lottermoser machte mit 18 Jahren (1994) seine erste Schiedsrichterlizenz. Seitdem ging seine Karriere als Unparteiischer steil bergauf. Nach dem Erwerb der A-Lizenz pfiff der heute 34-Jährige sein erstes Erstligaspiel im Dezember 2000. 2004 erhielt er die internationale Lizenz. Seit 2005 steht er für die ULEB als Schiedsrichter auf dem Feld, 2008 war er erstmalig in der Euroleague im Einsatz.

Robert Lottermoser leitet Euroleague-Finale

Robert Lottermoser, einer der Top-Schiedsrichter aus der Beko Basketball Bundesliga (Beko BBL), hat am vergangenen Sonntag das Endspiel des Turkish Airlines Final Four in Barcelona geleitet.

1304924121/img_Vorlage_Beko_BBL_Kopie1.jpgNachdem der Bernauer im Halbfinale zwischen Panathinaikos Athen und Montepaschi Siena eine hervorragende Leistung gezeigt hatte, wurde er von der Euroleague als einer von drei Unparteiischen für das Finale zwischen Athen und Maccabi Electra Tel Aviv nominiert.

image_1288779294890.png.

Lottermoser wurde damit als erstem deutschem Referee die Ehre zuteil, ein Finale dieses Wettbewerbs zu leiten. Im wichtigsten Klub-Endspiel auf europäischer Ebene knüpfte der 34-jährige Diplom-Ingenieur, der erstmals bei der Endrunde der „Königsklasse“ zum Einsatz gekommen war, an seine vorzügliche Leistung aus dem Semifinale an.

Beko BBL-Geschäftsführer Jan Pommer, der zusammen mit dem Präsidenten der AG Basketball Bundesliga, Dr. Thomas Braumann, das Final Four vor Ort verfolgt hatte, zeigte sich sehr erfreut, dass „ein Unparteiischer aus der Beko BBL fest zur Spitze der europäischen Top-Referees gehört. Robert Lottermoser hatte sich seine Nominierung ohne Zweifel durch seine konstant sehr guten Leistungen verdient.

Zugleich ist es auch eine Auszeichnung und wichtige Bestätigung für unsere Arbeit im Schiedsrichterwesen. Zeigt es doch, dass unsere intensiven und umfangreichen Maßnahmen unter der Federführung von Jens Staudenmayer und Harald Steinhoff in diesem sehr wichtigen Bereich Früchte tragen.“

Fotos: www.fotoduda.de
easyCredit Telekom TipBet Spalding Ranko Simba Dickie Group Kinder plus Sport