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Über Treviso nach Treviso?

Über Treviso nach Treviso?

In dieser Woche startet das Viertelfinale in Euroleague, Eurocup und EuroChallenge. Aus der Beko BBL hat sich die BG Göttingen im Eurocup für diese Runde der letzten Acht qualifiziert, wo die Veilchen am Mittwoch (23. März, 19:30 Uhr) auf Benetton Treviso treffen.
image_130069958720.jpegAllein das Erreichen dieses Viertelfinales ist für das Team von Trainer John Patrick schon ein schöner Achtungserfolg, sind die „Veilchen“ doch in der über 50-jährigen Europapokalgeschichte erst der siebte deutsche Club, der im zweithöchsten europäischen Wettbewerb überhaupt so weit gekommen ist.

Richtig Basketballgeschichte schreiben könnten die Göttinger aber jetzt mit dem Einzug ins Halbfinale, denn das gelang zuvor erst zwei deutschen Clubs: 1988 Bayer Leverkusen im Europapokal der Pokalsieger und in der letzten Saison ALBA BERLIN, das als erster deutscher Club sogar das Eurocup-Finale erreichte. Umso kurioser ist es, dass die auf europäischer Ebene so erfolgreichen Göttinger in der Beko BBL sogar um die Playoff-Teilnahme kämpfen müssen.

Auch Benetton ein Team mit zwei Gesichtern

Aber dem Gegner Benetton Treviso geht es ähnlich. Europäische und nationale Erfolge gehen offenbar auch in Italien nicht zwangsläufig Hand in Hand: So wie die Göttinger in der Beko BBL auf Rang 9 um die Playoff-Teilnahme fürchten müssen, rangiert Benetton in der mindestens genauso ausgeglichenen und unberechenbaren italienischen Serie A mit einer negativen Bilanz von 10:12 Siegen gerade mal auf Rang 10. Im stärker besetzten Eurocup hat Benetton von zwölf Spielen nur eines verloren und weist damit sogar die beste Bilanz aller Eurocup-Teilnehmer auf.

„In der nationalen Liga haben wir einfach zu viele Siegchancen unnötig verstreichen lassen“, erklärt Benetton-Trainer Jasmin Repesa. Es könnte aber genauso gut ein Zitat von John Patrick sein. Nun stehen beide vor dem Kunststück, sich im Liga-Endspurt noch einen der letzten Playoff-Plätze zu erkämpfen und gleichzeitig im Eurocup nach den Sternen zu greifen, was für Benetton doppelt attraktiv ist, denn die „Eurocup Finals“, das Finalturnier am 16./17. April, findet in diesem Jahr in der eigenen Halle, im Palaverde von Treviso statt.

Der Sieger qualifiziert sich für die „Eurocup Finals“ in Treviso

Das Gastspiel am kommenden Mittwoch in Göttingen ist für die Italiener somit auf jeden Fall das letzte Auswärtsspiel der laufenden Eurocup-Saison, während die Göttinger in diesem Viertelfinal-Hinspiel zum letzten Mal vom Rückhalt profitieren können, den ihnen die Kulisse in der Lokhalle gibt. Anders als in der Euroleague (best-of-5) und in der EuroChallenge (best-of-3) gibt es im Eurocup-Viertelfinale nur zwei Spiele – wer in der Addition der beiden Resultate mehr Punkte erzielt, erreicht das Halbfinale, die „Eurocup Finals“.

Bei der Vorbereitung auf die beiden wichtigen Spiele am Mittwoch in Göttingen und eine Woche später in Treviso (für dieses zweite Spiel am 30. März plant der TV-Sender Eurosport 2 übrigens eine Live-Übertragung) profitierte Benetton-Trainer Jasmin Repesa von einer zweiwöchigen Spielpause, die die italienische Liga wegen des Allstar Games einlegte. Zwar präsentierte sich Benetton am Samstag bei der Wiederaufnahme des Spielbetriebs in Pesaro entsprechend etwas „eingerostet“, fand aber im Laufe des Spiels immer besser ins Spiel und gewann beim Tabellensechsten 71:65.

„Professor“ Devin Smith und NBA-Veteran Brian Skinner

image_1300699813392.jpegEntscheidend für den Sieg in einer von beiden Seiten sehr physisch geführten Partie war dabei Benettons größere Präsenz unter den Körben mit den beiden kräftigen Centern Greg Brunner (8 Punkte + 11 Rebounds) und Brian Skinner (10 + 9), die kluge Regie des 33-jährigen Aufbauspielers Massimo Bulleri (gewann mit Italien 2002 in Sydney die olympische Silbermedaille) und Topscorer Devin Smith (18 Punkte), der immer wenn es brenzlig wurde, seine Dreier traf und wegen seiner Souveränität in Treviso voller Ehrfurcht „der Professor“ genannt wird.

Schon in den letzten Spielen vor der zweiwöchigen Spielpause war zu beobachten, dass bei Benetton jetzt das routinierte Trio Bulleri / Smith / Skinner immer mehr Verantwortung übernimmt. Der US-Außenspieler Devin Smith zerstörte vor vier Wochen in der Last16-Runde fast im Alleingang mit 35 Punkten ALBA BERLINs damals frisch einstudierte Zonenverteidigung. Der nach 13 NBA-Jahren seit Januar in Treviso sein Europa-Debüt gebende US-Center Brian Skinner dominierte gegen Sevilla die Bretter mit 17 Rebounds.

Gentile und Motiejunas : Mit 18 und 20 schon in der ersten Fünf

Aber auch Trevisos junge Stammspieler müssen die Göttinger auf der Rechnung haben. Allen voran ist hier natürlich das 20-jährige litauische Wunderkind Donatas Motiejunas zu nennen, in dem einige NBA-Späher bereits einen „neuen Nowitzki“ erkennen wollen. Auch am Samstag in Pesaro beobachteten gleich vier NBA-Vertreter, darunter Torontos Präsident Bryan Colangelo, den 2,13 m großen Litauer, der mit im Schnitt 12 Punkten bereits der zweitbeste Scorer Trevisos ist.

Neben Motiejunas und dem 22-jährigen starken serbischen Nationalspieler Stefan Markovic (22, Aufbau) startete bei Benetton zuletzt regelmäßig der erst 18-jährige Alessandro Gentile, so dass Trevisos Startformation ein Durchschnittsalter von knapp 23 Jahren aufweist. Der Sohn des früheren Nationalspielers Ferdinando Gentile trat übrigens beim traditionellen Allstar Game vor einer Woche mit einem 16-minütigen Einsatz auch im italienischen Nationalteam in die Fußstapfen seiner Vaters. Gentile steuerte fünf Zähler zum 90:88 der italienischen Auswahl über die Ausländer bei.

Trevisos individuelle Klasse gegen Göttingens tiefere Bank

Mit dem bulligen Greg Brunner (ein US-Center, der im letzten Sommer im Schweizer Nationalteam debütierte) und dem athletischen und vielseitigen kroatischen Forward Hrvoje Peric komplettieren zwei weitere Nationalspieler Trevisos kompakte und hochklassig besetzte Achterrotation, auf die sich der frühere kroatische Nationaltrainer Jasmin Repesa schon seit einigen Wochen fast ausschließlich stützt.

Göttingens Trainer John Patrick setzt eine aus den letzten Bundesligaspielen eingespielte Neunerrotation dagegen, die im Eurocup, wo die Regularien keine Ausländerbeschränkung vorschreiben, durch Kyle Bailey (feierte am Sonntag ein gelungenes Comeback) auf eine Zehner-Rotation ausgeweitet wird. Wird diese größere Tiefe zusammen mit dem Zauber, den die Lokhalle gewöhnlich entwickelt, ausreichen, um gegen die individuell sicher besser besetzten Italiener einen Vorsprung herauszuspielen, der in der nächsten Woche in Treviso Bestand hat?

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