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Überraschungserfolg in Bonn - 82:70-Sieg bei den Telekom Baskets

Überraschungserfolg in Bonn - 82:70-Sieg bei den Telekom Baskets

Die WALTER Tigers Tübingen haben am 20. Spieltag ein Ausrufezeichen gesetzt und einen überraschenden, aber hoch verdienten Auswärtssieg vor 5230 Zuschauern bei den Telekom Baskets Bonn gelandet. Mit 82:70 gewann die Mannschaft von Tigers-Cheftrainer Igor Perovic im Rheinland und konnte im zweiten Duell binnen 24 Tagen den deutschen Vizemeister aus dem Jahr 2009 bezwingen. Perovic konnte nach der Begegnung sein Glück kaum fassen und rang sichtlich gerührt nach den richtigen Worten: „Es haben sicherlich nicht viele Leute auf uns gesetzt. Doch wir haben an uns geglaubt und beherzt gekämpft. Die Bonner hatten große Probleme mit unserer Zonen-Verteidigung und im Angriff haben wir in der zweiten Halbzeit wichtige Treffer erzielt“, sagte der 36-Jährige bei der Pressekonferenz im Bonner Telekom Dome.
Freude auf Tübinger, Frustration und Sprachlosigkeit auf der anderen Seite. Baskets-Cheftrainer Michael Koch konnte das Auftreten seiner Schützlinge nach einer dreiwöchigen Spielpause nicht erklären. „Wir haben uns eine Woche gezielt auf diese Partie vorbereitet. Ein Viertel konnte das Team den Gameplan umsetzen, anschließend kam ein totaler Bruch und es war nichts mehr zu sehen, aber auch gar nichts. Tübingen hat verdient gewonnen, ich bin etwas sprachlos und auch schockiert“, so der Europameister aus dem Jahr 1993, der im nächsten Atemzug ergänzte, „dass wir den Spielern wieder die einfachsten Dinge erklären müssen.“

Der Triumph der Schwaben gewinnt an noch größerer Bedeutung, da die Tigers-Spieler Chris Oliver, Kenny Williams und Radovan Markovic stark angeschlagen in das Spiel gehen mussten. Alle drei Basketballprofis konnten unter der Woche wegen Bronchitis kaum trainieren. Doch alle bissen tapfer auf die Zähne. Bei Williams waren die Schmerzen jedoch so groß, dass er in der Schlussphase nicht mehr eingreifen konnte, ähnliches galt für Markovic. Oliver kämpfte sich durch das Spiel, markierte 15 Punkte, holte sieben Rebounds und trug auch seinen Teil dazu, dass die Schwaben die Rückfahrt mit einem Sieg antreten konnten. Tigers-Regisseur Branislav Ratkovica zeigte einmal mehr, dass er ein Großer ist. Der 25-Jährige Beko BBL ALLSTAR spielte ab der 27. Minute mit vier Fouls und erlebte das erfolgreiche Ende auf dem Spielfeld. Mit zwölf Punkten und zehn Assists führte er die Gelb-schwarzen zum Sieg. Einzige Schwäche: Von der Freiwurflinie traf Ratkovica nur fünf von zehn Versuchen. Bester Spieler im Tigers-Trikot war am Sonntagabend jedoch Center Anatoly Kashirov mit 20 Punkten und neun Rebounds. Zudem ackerte der 23-Jährige auch defensiv unter den Körben und machten seinen Kontrahenten Chris Ensminger, Tim Ohlbrecht und Jacob Jaacks reihenweise das Leben schwer.

Zum Spielverlauf. Der Gastgeber startete wie die Feuerwehr. Nach 180 Sekunden führte die Koch-Truppe bereits mit 8:2 und man musste sich erneut große Sorgen um den Tigers aus der Neckarstadt machen. Die Bonner ließen den Ball gut laufen und gingen in der Verteidigung aggressiv zu Werke, Punkt für Punkt zogen die Rheinländer ab Mitte der ersten zehn Minuten davon. Die Schwaben mussten Schwerstarbeit verrichten und um jeden einzelnen Zähler kämpfen. Mit einem komfortablen Vorsprung von 23:14 Punkten endete das erste Viertel aus Sicht des Gastgebers. Dane Watts, der zuletzt von der Freiwurflinie merklich schwächelte, glich mit zwei von drei erfolgreichen Freiwürfen in der fünften Minute noch zum zwischenzeitlichen 10:10 aus. Das vermeintliche Pech an den Haaren schnitt er ab und erscheint nun mit deutlich kürzerer Haarpracht. Mit Erfolg: Watts gelang ein gutes Spiel, erzielte 16 Punkte, holte acht Rebounds und traf vier von fünf Würfen von der Linie.

Das zweite Viertel war geprägt von viel Krampf, Ballverlusten auf beiden Seiten, eine Reihe von Offensivfouls und insgesamt nur mageren 18 Punkten, Tübingen erzielte elf Punkte, Bonn nur sieben. Perovic stellte nun auf die Zonenverteidigung um, was die Bonner vor extrem große Probleme stellte. Nur sage und schreibe sieben Zähler gelang der Koch-Truppe, die Tigers kämpften vorbildlich und verkürzten den Vorsprung bis zur Halbzeitpause auf fünf Punkte (25:30). Was bedingungsloser Einsatz bedeute, zeigte Watts in der 18. Minute, als er im Kampf um den Ball mit einer 360 Grad Drehung über die Rotorbanden flog. Glücklicherweise ist bei dieser Aktion nichts passiert. Doch dieser Einsatz war symptomatisch wie die Schwaben kämpften, sich nie aufgaben, sich immer gegenseitig anfeuerten und in der zweiten Halbzeit groß aufspielten.

Gelang der Perovic-Truppe vor der Halbzeitpause noch magere 25 Zähler, drehten sie nach dem Wechsel auf und erzielten starke 57 Punkte – und dies in der gegnerischen Arena. In der 24. Minute gingen die Süddeutschen erstmals in Führung (33:32), eine Zeigerumdrehung später heimste sich Watts zum Bedauern der Tübinger jedoch sein viertes Foul ein und musste auf der Bank Platz nehmen. Nicolai Simon konnte nach einem Fehlpass Gegenspieler Folarin Campbell nur mit einem unsportlichen Foul stoppen und ermöglichte es den Bonnern wieder in Führung zu gehen (34:33). Die Begegnung stand bis zum Viertelende nun auf Messers Schneide. Ratkovica kassierte in der 27. Minute bekanntlich sein viertes Foul, Simon schied eine Minute später mit dem fünften Foul sogar vorzeitig aus. Keine guten Voraussetzungen für den Schlussabschnitt – 53:53 stand es nach 30 Minuten.

Doch nun drehten die Tübinger auf, und wie. Alle Akteure zeigten eine Sahneleistung, raubten den Bonnern die Nerven und erzielten überragende 29 Punkten im Schlussabschnitt. Ob Watts (zehn), Johannes Herber (sechs), Kashirov (vier), Oliver (vier) oder Ratkovica (drei), alle vier Tigers-Profis spielten stark und sicherten den hoch verdienten 82:70-Auswärtserfolg der Schwaben. Die Bonner gaben sich schon frühzeitig auf und versuchten ihr Glück nur noch mit Verzweiflungswürfen. Dazu sicherten sich die Gäste wichtige Defensivrebounds und brachten das Spiel souverän über die Zeit. Die Bonner Guards um Jeremey Hunt (18), Nic Wise (15) und Campbell (elf) punkteten zwar alle zweistellig, konnte die Niederlage ihrer Mannschaft aber auch nicht verhindern und bauten besonders in der zweiten Halbzeit stark ab.

Im Kampf um den vorzeitigen Klassenerhalt war der achte Saisonerfolg ein wichtiger Bigpoint. Nun heißt es nachlegen, damit man sich Richtung Tabellenmittelfeld vorarbeiten kann. Am kommenden Samstag (20 Uhr – Paul Horn-Arena) erwarten die Neckarstädter die EnBW Ludwigsburg zum Derby im heimischen Dschungel. Nach der bitteren 86:89-Hinspielniederlage wollen die Mannen um Tigers-Kapitän Jay Thomas diese Ergebnis korrigieren und einen Sieg gegen den württembergische Rivalen aus der Barockstadt landen.
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