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Vom Fußball-Torwart zum Basketballprofi in nur vier Jahren - die ungewöhnliche Karriere des Kurt...

Vom Fußball-Torwart zum Basketballprofi in nur vier Jahren - die ungewöhnliche Karriere des Kurt...

Seit der Saison 2011/12 ist Kurt Looby der neue Partner von John Bowler unter den Körben der EnBW Ludwigsburg. Der Centerspieler wird seinem Ruf als Verteidigungsspezialist dabei bislang voll und ganz gerecht und blockt in nur knapp 18 Minuten Einsatzzeit beeindruckende ...
1321546729/img_Kurt_Looby_EnBW_Ludwigsburg.jpg... 1,6 Würfe pro Partie, um damit ligaweit den fünften Platz zu belegen. Doch wie kam der aus Antigua stammende Looby vom Fußball-Torwart aus der Karibik zum Basketballprofi in Europa?

image_1288779294890.png.

Der karibische Inselstaat Antigua ist in erster Linie für seine traumhaft feinen Sandstrände und das herrliche Wetter bekannt. Nahezu das gesamte Jahr über lädt das tropische Klima zum Relaxen und Entspannen ein. Kein Wunder also, dass auf der 67.000 Einwohner zählenden Insel ein etwas gemütlicherer Lebensstil gepflegt wird. Man ist weder in großer Hektik, noch gestresst, sondern lässt eben alles auf sich zu kommen und geht gelassen seiner Arbeit nach. Bis 1981 stand Antigua unter britischer Kolonialherrschaft. Vielleicht lässt sich auch dadurch erklären, weshalb die Menschen auf der insgesamt fünf Flugstunden von den USA entfernten Insel am liebsten Fußball spielen.

So zunächst auch Kurt Looby, 2,08 Meter großer Center der EnBW Ludwigsburg. Looby wurde am 17. Februar 1984 auf Antigua geboren und wuchs in der Hauptstadt St. John‘s, keine 50 Meter entfernt vom nächsten Fußballplatz, auf. Während seiner gesamten Kindheit bis hin ins Alter von 19 Jahren, jagte Looby mit seinen Freunden dem Fußball hinterher, wobei aufgrund seiner schon damals überdurchschnittlich entwickelten Körpergröße klar war, welche Position er spielen würde - Torwart! Zwar kannte Looby Basketball aus dem Fernsehen, hatte aber selbst dann als er immer größer wurde, nie daran gedacht die Sportart zu wechseln. Wurde ihm doch praktisch das Talent eines guten Torwarts schon in die Wiege gelegt. Kurts Vater, Randolph Looby, war seiner Zeit ebenfalls Fußball-Torwart und freute sich sehr darüber, dass der Sohnemann nun in die Fußstapfen des Vaters treten würde. Auf seiner Schule, an der er damals schon mit seiner heutigen Lebensgefährtin zusammen war, war Looby Junior schon so etwas wie eine kleine Berühmtheit. Jeder wusste über seine Qualitäten als Torwart. Trifft Looby heute Mitschüler von früher und erzählt ihnen, dass er nun als Basketballprofi sein Lebensunterhalt verdient, glaubt ihm das fast niemand.

Doch der Reihe nach: Eines Tages war der damals 19-jährige Kurt auf dem Weg zum nahe gelegenen Supermarkt und sollte dort für seine Mutter ein paar Lebensmittel einkaufen. Kurz bevor er den Supermarkt erreicht hatte, wurde der damals schon über 2,00 Meter große Looby von einem Mann angesprochen: "Hey du, bist du auf dem Weg zu meinem Basketballcamp"? Es stellte sich heraus, dass der Mann Trainer eines amerikanischen Junior Colleges war und zur Zeit auf Antigua ein Basketballcamp für talentierte Spieler der verschiedenen karibischen Inseln veranstaltete. Ziel des Camps war es, einen Spieler auszuwählen und ihn per Stipendium mit nach Amerika zu nehmen. Kurz entschlossen versuchte Looby schließlich sein Glück mit dem orangefarbenen Leder. Zu Beginn sei es für ihn sehr schwierig gewesen, sich auf das neue Spiel und die damit verbundene physischere Spielweise einzustellen. Seine Gegenspieler punkteten reihenweise gegen ihn, was Looby anfangs noch sehr verzweifeln ließ. Im Laufe des Camps kam der Musterathlet aber immer besser mit der schnellen Spielweise zurecht und konnte sich vor allem in der Defense gehörig steigern. Looby versetzte sich während der Pick-Up Games gedanklich immer wieder in seine eigentliche Tätigkeit als Fußball-Torwart zurück und tat das, was er von Natur aus am besten konnte - das Tor bzw. den Korb verteidigen. Der junge Kurt wollte mit allem was er hatte verhindern, dass ein gegnerischer Spieler in die Zone eindringt und zum Korb gelangt. Schaffte es sein Gegenspieler dann doch einen Wurf anzubringen, wurde dieser einfach geblockt. Der amerikanische Coach erkannte dieses Roh-Talent und war fest entschlossen Looby ans Tyler Junior College nach Texas zu holen.

1321546819/img_Kurt_Looby_EnBW_Ludwigsburg_3.jpgDoch Looby plagten Zweifel. Sollte er wirklich seine Heimat verlassen und sich in einer bisher für ihn völlig unbekannten Sportart gegen viel erfahrenere Spieler messen? Auf Ratschlag seiner Eltern folgte Kurt schlussendlich dem Coach nach Amerika und fing an, an seinem Spiel zu arbeiten. Die ersten Wochen in der neuen Heimat waren dabei alles andere als einfach. Die ungewohnte Umgebung und das Fehlen von Familie und Freunden machten dem nun ehemaligen Fußball-Torwart schon sehr zu schaffen. Ganz zu schweigen davon, dass er in den ersten Wochen und Monaten erkennen musste, dass alle anderen Studenten einen riesigen Vorsprung bezüglich des Basketball-IQ´s und des Leistungsniveaus hatten. Er war mehr als nur der übliche Rookie im Team und musste sich damit abfinden, dass seine Mitspieler problemlos gegen ihn scoren konnten. Außerdem war er trotz seiner Größe nicht sehr muskulös, so dass er unter dem Korb gegen kräftigere Gegenspieler nicht dagegen halten konnte.

Das alles setzte Kurt so schwer zu, dass er nach ein paar Monaten in Texas zum Telefonhörer griff und seine Mutter anrief. Er sagte ihr, dass er so schnell wie möglich nach Hause kommen und damit das "Experiment Basketball" abbrechen werde. Seine Mutter erzählte ihm dann am Telefon, dass nahezu alle Menschen auf Antigua, vor allem die Spieler und deren Eltern die am Camp beteiligt waren, schon zu Beginn seiner Abreise daran gezweifelt hätten, ob Looby überhaupt in der Lage sei sich in den Staaten durchzusetzen. Den Leuten war klar, dass das Abenteuer Basketball am Junior College nicht von langer Dauer sein würde und dass Looby dann als "Quitter" zurück in die Karibik kommen würde. Die Worte seiner Mutter brachten Kurt dann dazu seine Meinung zu ändern und von nun an noch härter an seinem Spiel und seinem Körper zu arbeiten. Er wollte seine Skeptiker zu Hause auf Antigua Lügen strafen und alle, die ihm gegenüber mit Zweifeln behaftet waren, vom Gegenteil überzeugen - letztendlich mit Erfolg!

Nach zwei Jahren in Tyler erkämpfte sich Looby im Jahre 2006 ein Stipendium an der Iowa University und spielte von nun an im Team der "Hawkeyes" in einer der stärksten NCAA Division 1 Conferences des Landes. In der Big Ten bekam es Looby jeden Abend mit College "Powerhouses" wie Ohio State, Illinois, Michigan, Michigan State, Purdue oder Wisconsin zu tun. In dieser Zeit lernte er nicht nur auf dem Feld einiges dazu, sondern auch im Hörsaal. Der Defensivallrounder, der an seiner Universität zu den zehn besten Shotblockern aller Zeiten zählt, war für das Studienfach "Afrikanisch-Amerikanische Geschichte" immatrikuliert. Nach Abschluss seiner College-Karriere fand sich Looby im Trainingscamp der Denver Nuggets wieder. Es sei eine tolle Erfahrung gewesen sich mit den besten Athleten der Basketballwelt zu messen, berichtet der bescheidene Antiguaner. Dass es für ihn im Endeffekt nicht zu einem Vertrag bei einem NBA-Team gereicht hat, stimmt die Frohnatur Looby nicht traurig. Er sei dankbar dafür gewesen, sich überhaupt in solch einer Situation wieder zu finden, hatten ihm seine Zweifler doch noch vor nicht all zu langer Zeit nachsagen wollen, dass er es sowieso zu nichts bringen würde.

1321547141/img_Kurt_Looby_EnBW_Ludwigsburg_4.jpgDass Looby Basketball heute als seinen Beruf ausüben kann, macht ihn sehr stolz und glücklich. In den Jahren von 2008 bis 2010 stand er bei drei verschiedenen Mannschaften aus der NBA Development League unter Vertrag. In jeder Saison blockte Looby durchschnittlich mehr als 3,1 Würfe pro Spiel und festigte somit seinen Ruf als Defensivspezialist. Eines seiner wohl spektakulärsten Spiele bestritt der Vater eines heute drei Monaten alten kleinen Mädchens im Jahr 2010, als er sich mit 12 Punkten, 11 Rebounds und 10 Blocks ein lupenreines Triple-Double in den Statistikbogen eintragen ließ. Dies lockte scheinbar auch die ersten Interessenten aus Europa und so kam es, dass Kurt in der Saison 2010/2011 beim griechischen Club Peristeri Athen einen Einjahres-Vertrag unterschrieb. Auch in einer der stärksten Ligen Europas wusste Looby auf Anhieb als starker Defender zu überzeugen und zählte erneut zu den besten Shotblockern und Reboundern der Liga.

Seit August 2011 spielt Looby nun in Deutschland und geht mit der EnBW Ludwigsburg in seine erste Beko BBL-Saison. Gefragt nach seinen Zielen bekommt man eine recht einfache Antwort: "Ich möchte der beste Kurt sein, der ich werden kann". Persönliche Auszeichnungen stellt der Familienmensch dabei gerne in den Hintergrund. "So lange wir als Team erfolgreich sind und ich in der Defense meinen Teil dazu beitragen kann, bin ich zufrieden." Mit Looby konnten die Ludwigsburger nicht nur die in der letzten Saison fehlende Präsenz unter dem eigenen Korb ausmerzen, sondern gewannen auch menschlich gesehen einen tollen Spieler hinzu. Auf dem morgendlichen Weg zur ersten Trainingseinheit des Tages, fragt er sich oft selbst, ob das alles nur ein Traum war oder ob das tatsächlich die Realität ist. Blickt Looby zurück wo er vor acht Jahren als 19-Jähriger stand und wie weit er mit harter Arbeit und Einsatz bis zum jetzigen Zeitpunkt gekommen ist, sagt er immer wieder: "Das ist doch alles wie im Traum".

Blickt Kurt Looby in die Zukunft, sagt er immer wieder, "dass er den Menschen zu Hause auf Antigua etwas zurück geben möchte". Er würde sich gerne sozial engagieren und seine Erfahrungen, die er im Laufe seiner Karriere gesammelt hat, an die Kinder in seiner Heimat zurückgeben. Wer weiß, vielleicht erbaut Looby eines Tages einen Basketballplatz für die Jugendlichen in St. John‘s oder veranstaltet sein eigenes Trainingscamp für talentierte Nachwuchsspieler. Vielleicht findet man ihn aber auch 50 Meter entfernt von seinem Elternhaus wieder – als Torwart auf dem Fußballplatz.

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