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Von der Bank hinter die Bank

Von der Bank hinter die Bank

Dass ehemalige Spieler nach ihrer aktiven Karriere dem Basketball treu bleiben ist keine Seltenheit. Auch Tobias Herrmannsdörfer ist nach wie vor mit dem Basketball verbunden – allerdings nicht als Trainer oder Funktionär sondern als Physiotherapeut.
1303195255/img_P1.jpgDer 26-Jährige ist seit der vergangenen Saison für die therapeutische Betreuung der Spieler des BBC Bayreuth zuständig.

Bis zu seinem 20. Lebensjahr stand Herrmannsdörfer selbst im Team des BBC Bayreuth. Er begann seine sportliche Laufbahn beim Vorgängerclub Basket Bayreuth in der C-Jugend, durchlief alle Nachwuchsteams, spielte Oberfranken- und Bayernauswahl. Georg Kämpf war es, der ihn mit 16 Jahren in den Trainingsbetrieb des Zweitligateams holte. Als 17-jähriger rückte er unter Marco Amelow in den Kader und lief bis 2005 für den BBC auf. Meist jedoch in der zweiten Mannschaft in der Regionalliga, in der zweiten Bundesliga gab es nur sporadische Kurzeinsätze.

Parallel absolvierte der frühere Guard seine Ausbildung als Physiotherapeut. Nach dem Staatsexamen stellte sich die Frage nach der Zukunft. „Ich wusste, dass ich kein Bundesligaspieler mehr werde und hatte an der Physiotherapie sehr viel Spaß. Also machte ich einen Cut und entschied mich für den Beruf.“ Der aktive Sport rückte fortan in den Hintergrund, Tobias Herrmannsdörfer entschied sich für eine Karriere hinter der Behandlungsbank. „Das war die richtige Entscheidung“, sagt er, „ich habe immer davon geträumt, in die Sportschiene zu kommen.“ Also folgte die Zusatzausbildung zum Sportphysiotherapeut, die zwei Jahre berufsbegleitend zu absolvieren war. Zudem erhielt Herrmannsdörfer die Chance, als zweiter Physiotherapeut beim BBC Luft zu schnuppern. Doch zu diesem Zeitpunkt kam das Engagement zu früh. „Das Problem war, dass ich mit den meisten Spielern in der Vorsaison gemeinsam auf dem Feld stand. Nun sollten ich für ihre Gesundheit verantwortlich sein, das war für beide Seiten ein komisches Gefühl“, schmunzelt der 26-Jährige.

Der Kontakt zum Basketball brach nie ab

Zu diesem Zeitpunkt trainierte Herrmannsdörfers Vater die unterklassigen Fußballer aus Ramsenthal, einem Bayreuther Vorort. Und somit wechselte der Sportphysiotherapeut die Sportart, um sein selbst entwickeltes Konzept, das nicht nur Physiotherapie sondern neue, spezielle Elemente und Athletiktraining enthielt, in die Tat umzusetzen. „2006 war das, ich erhielt vom Vorstand und meinem Vater freie Hand, um die Spieler zu behandeln.“ Mit Erfolg: „Kein Spieler war im Lauf der Saison ernsthaft verletzt, alle waren fitter als im Vorjahr“. Voller Stolz berichtet er noch heute vom ersten Erfolg seiner beruflichen Laufbahn.

Zurück zu den Wurzeln

1303196179/img_P2.jpgWas während der Fußballsaison nicht abbrach war der Kontakt ins Basketball-Lager. Durch seine Kontakte erhielt Tobias Herrmannsdörfer die Möglichkeit, die Bayernauswahl der Junioren für ein halbes Jahr zu betreuen. „Ich war bei Turnieren und in Trainingslagern dabei und die Trainer waren mit meiner Arbeit sehr zufrieden“, erinnert er sich. „Alexander Krüger wechselte dann zum DBB und bot mir an, bei einem Leistungscamp im Winter in die Arbeit bei der Nationalmannschaft zu schnuppern.“ Dort war er zunächst dritter Physiotherapeut und sammelte viele Eindrücke der Arbeit bei einem Nationalteam. 2007 folgte die nächste Berufung in den Stab der von Alexander Krüger, Marvin Willoughby und Harald Stein betreuten U16-Nationalmannschaft.

Treffen mit Holger Geschwindner

Während eines Trainingslagers traf er auf den Mentor von Dirk Nowitzki, Holger Geschwindner. Dieser lud ihn zu sich nach Bamberg ein, Tobias Herrmannsdörfer sagte sofort zu und machte sich Anfang 2008 zu einem gemeinsamen Abendessen auf in die benachbarte Domstadt. Noch heute schwärmt er von dem gemeinsamen Abend, dem auch Dr. Thomas Neundorfer, Mannschaftsarzt der Herren-Nationalmannschaft anwesend war. Dabei lernte der Physiotherapeut neue Eindrücke seines Berufes in der Nationalmannschaft und der NBA kennen, einiges davon baute er in sein Konzept mit ein. Wenig später kam dann das Angebot, als Physiotherapeut die U16-Nationalmannschaft in Bosnien zu betreuen. „Das war eine einmalige Chance und mein damaliger Arbeitgeber hat mich für diese Aufgabe freigestellt.“ Über viele Wochen pendelte Herrmannsdörfer zwischen Praxis und Nationalmannschafts-Maßnahmen, die ihn nach Italien oder Belgien führten. Bei der EM in Sarajevo wurde es richtig stressig: „Wir hatten zwölf Spiele in 14 Tagen, Arbeitstage von sieben Uhr morgens bis zwei Uhr nachts waren üblich. Aber es hat auch sehr viel Spaß gemacht, es war ein total cooler Sommer!“

Rückkehr zum BBC Bayreuth

Nach der EM kam es zu den ersten, neuen Gesprächen mit der Vereinsführung des BBC Bayreuth. Zu Beginn der Pro A-Saison 2008/2009 kehrte der mittlerweile 23-jährige zu seinem Heimatverein zurück, zunächst als Athletik- und Fitnesstrainer. Vom damaligen Trainer Derrick Taylor erhielt er für diesen Bereich freie Hand. Auch die Basketball-Profis freundeten sich mit dem Konzept von Tobias Herrmannsdörfer an. So sehr, dass sie nach und nach auch physiotherapeutisch behandelt werden wollten. „Der Club hatte damals noch einen langjährigen Physiotherapeuten, dem ich nicht in die Quere kommen wollte“, erinnert er sich. Vor der neuen Saison boten Derrick Taylor und sein Assistent Tim Nees Tobias Herrmannsdörfer an, das Team künftig auch als Physiotherapeut zu betreuen und sein Konzept vollständig in den Trainingsbetrieb einfließen zu lassen. Das Sommertraining wurde zusammen erstellt und auch nach dem Trainerwechsel blieb Tobias Herrmannsdörfer an Bord: „Ich wusste, dass Andreas Wagner gerne mit dem Physiotherapeuten Markus Pschik arbeitet, den ich auch kenne. Doch nach unserem Kennenlernen war meine Befürchtung, nicht mehr zum Stab zu gehören, ausgeräumt und auch Andreas Wagner schenkte mir sein Vertrauen. Seitdem haben wir eine gute Zusammenarbeit, wir telefonieren täglich, ich werde über Trainingsinhalte informiert und darf meine Ideen mit einbringen.“

Der nächste Schritt: Die eigene Praxis

1303196398/img_P3.jpgSeit rund einem Jahr betreibt Tobias Herrmannsdörfer zusammen mit Christopher Babl das TheapieLoft in Bayreuth. Das Team aus sieben Physiotherapeuten, alle haben eine Fortbildung zum Sportphysiotherapeuten absolviert, und zwei Bürokräften hat einen guten Ruf in der Sportszene.

„Christopher hat früher Fußball gespielt und auch schon Nationalmannschaften betreut. Bei mir ist das gleiche beim Basketball der Fall. Wir haben uns auf Sportler spezialisiert, viele Basketballer, Fußballer, Handballer oder Triathleten kommen in unsere Praxis. Von dem Wissen, das wir im Umgang mit den vielen Sportlern sammeln, können auch unsere normalen Patienten profitieren, für die wir gerne da sind.“ Rund zwei Stunden des Arbeitstages sind dabei für die Spieler des BBC eingeplant. Unterstützt wird die Arbeit des Sportphysiotherapeuten seit dieser Saison von seinem Angestellten Sebastian Reichenberger.

„Er ist oft bei den abendlichen Trainingseinheiten, hilft beim Tapen und ist bei vielen Auswärtsspielen dabei.“ Auch am Wochenende ist Tobias Herrmannsdörfer für die Spieler da. „Es kommt schon vor, dass ich auch Samstags und Sonntags in der Praxis stehe und die Spieler behandele, damit sie für das nächste Spiel fit sind. Das ist mein Anspruch und ich will hier Perfektionist sein. Auf viel Verständnis stößt der 26-jährige dabei bei seiner Frau, die er in der Zeit als aktiver Spieler kennenlernte, und seiner zweijährigen Tochter. „Meine Frau weiß, dass ich Basketballverrückt bin und ich bin ihr sehr dankbar für die Unterstützung.“ Tobias Herrmannsdörfer ergänzt: „Oft sagt meine Tochter 'Papa BBC, große Männer behandeln'. Das erfüllt mich schon mit Stolz, für sie bin ich ein Held.“

Die Zukunft

Viele Pläne liegen noch in der Schublade von Tobias Herrmannsdörfer, der gerne noch einmal für die Basketball-Nationalmannschaft arbeiten würde. „In den letzten beiden Sommern habe ich pausiert um bei meiner Familie zu sein. Ich hätte es mir nicht verzeihen können, zu verpassen, wie meine Tochter aufwächst.“ Ob er im kommenden Jahr wieder ein Auswahlteam betreut hängt auch von der sportlichen Zukunft des BBC ab: „Ich will dem Team auf jeden Fall treu bleiben. Wenn wir es schaffen, in der Beko BBL zu bleiben, bleibe ich ohne Frage an Bord. Sollten wir absteigen, dann könnte ich es mir vorstellen, nebenbei wieder für den DBB aktiv zu werden. Es wäre ein Traum, dies zu realisieren und ich durfte auch schon beim DBB-Physio Jo Kaufmann hospitieren. Aber jetzt konzentrieren wir uns alle erst einmal auf die nächsten Spiele“, sagt Tobias Herrmannsdörfer, auf den schon der nächste Patient wartet: BBC-Center Jared Reiner. Auf dem Weg zum Behandlungszimmer sagt der Physiotherapeut nicht ohne Stolz: „Jared kennt meine Arbeit aus der NBA und der ersten Liga in Spanien. Er lobt meine Arbeit oft und fühlt sich bei mir wohl, das zeigt, dass mein Konzept aufgeht.“

Zur Person:
Tobias Herrmannsdörfer betreut seit der Saison 2009/2010 die Basketballer des BBC Bayreuth als Physiotherapeut. Aktiv spielte der 26-Jährige bis 2005 für die Oberfranken in der Regionalliga und vereinzelt in der 2. Bundesliga.

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