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WALTER Tigers in den Schlusssekunden abgefangen

WALTER Tigers in den Schlusssekunden abgefangen

Freude vor Glück und Frust vor Enttäuschung – diese beiden so unterschiedlichen Gefühlslagen können im Basketball manchmal ganz eng beieinander liegen. So geschehen am Mittwochabend in der Artland Arena zu Quakenbrück. 39 Minuten und 55 Sekunden sind die WALTER Tigers Tübingen die bessere Mannschaft und führen nach einer tollen Mannschaftsleistung verdient mit 93:90. Auszeit Artland Dragons. Tübingens Cheftrainer Igor Perovic gibt seiner Mannschaft vor, auf jeden Fall und so schnell wie möglich zu foulen.
Die Partie geht mit Ballbesitz für die Artland Dragons weiter und der Ball kommt ungestört zu Routinier Darren Fenn, dieser trifft den entscheidenden Drei-Punkte-Wurf zum 93:93 – Ausgleich und Verlängerung. Die 2891 Zuschauer in der nicht ganz ausverkauften Arena toben. Während die Schützlinge von Trainer Stefan Koch wieder Mut schöpften, konnten die Tübinger das Geschehene kaum begreifen. In der Verlängerung war dann das Momentum auf Seiten der Heimmannschaft. Nach 45 Minuten setzten sich die Dragons mit 108:103 durch, für die Schwaben im vierten Spiel die vierte Niederlage. Perovic war nach der Begegnung sehr enttäuscht: „Wir haben unser bestes Saisonspiel gemacht, das Tempo kontrolliert und auch tollen Basketball gespielt. Ich muss meinem Team ein Kompliment machen, wir hatten es nicht verdient, dieses Spiel zu verlieren“, so Perovic. Sein Gegenüber konnte ihm da nur zustimmen und war zeitgleich glücklich und erleichtert, dass diese Partie noch zugunsten der Niedersachsen ausgegangen ist: „Tübingen hatten einen guten Gameplan. Das ist der Verdienst von Igor Perovic. Ich stimme zu, Tübingen hatte es nicht verdient dieses Spiel zu verlieren“, bilanzierte der Cheftrainer der Artland Dragons.

Tübingen bestimmte das Spielgeschehen

Fenn, der den letzten Korb in der regulären Spielzeit erzielte, eröffnete das Spiel mit zwei Punkten (1. Minute). Tyrone Nash konnte wenige Augenblicke später zum 2:2 ausgleichen. Man merkte von Beginn an, dass die Tigers ihre Chance suchen wollten und agierten konzentriert und mit viel Selbstvertrauen. Nach der erneuten Führung durch Fenn zum 4:2 (3.), übernahm die Perovic-Truppe das Kommando und dominierte das erste Viertel. Der überragende Vaughn Duggins (insgesamt 27 Punkte) brachte die Schwaben in der dritten Minute mit 5:4 erstmals in Führung. Diese Führung sollte die Gäste bis ins Schlussviertel nicht mehr abgeben. Über die Spielstände 11:8 (5.) und 18:15 (7.) kontrollierten die noch sieglosen Tübinger das Spielgeschehen. Louis Campbell leitete gut den Spielaufbau, Duggins war immer gefährlich und auch Adnan Hodzic kämpfte sich wacker gegen die lange Garde der Dragons. Mit einem 8:0-Schlussspurt entschieden die Tübinger völlig überraschend den ersten Spielabschnitt mit 26:15 für sich.

Und dies absolut verdient, der Gastgeber wirkte bis daher lethargisch und nicht präsent auf dem Spielfeld.
Und auch im zweiten Viertel waren die Tigers die bessere Mannschaft. Insbesondere drückte Reggie Redding zu dieser Phase des Spiels seinen Stempel auf. Ob von außen, aus der Halbzeit oder unter den Körben – der 23-jährige US-Amerikaner war von den Dragons nicht zu stoppen. Nach 14 Minuten führten die Schwaben mit 33:22, den größten Vorsprung der Begegnung erzielte jener Redding drei Minuten später zum 44:29 (17.). Von David Holston, dem Spielmacher der Koch-Truppe war bis dahin nichts zu sehen. Die Tübinger setzten den 1,70 Meter großen Neuzugang der Niedersachsen mächtig unter Druck und beschäftigen ihn gut. Nach einem unsportlichen Foul von Nicolai Simon an Holston (19.), erzielte Holston seine ersten beiden Zähler zum 34:46 in der Partie. Mit einem Vorsprung von zehn Punkten (48:38) gingen die Tübinger in die Halbzeitpause.

Aufholjagd der Dragons und dramatische Schlussphase

Perovic lobte seine Mannschaft, machte seinen Schützlingen aber sofort klar, dass die Dragons nach dem Seitenwechsel mit viel Wut aus der Kabine kommen werden. Und der Tübinger Übungsleiter hatte Recht. Mit einer Zonenverteidigung kamen die Gastgeber innerhalb von 80 Sekunden auf 44:48 heran. Fenn (fünf Punkte) und Holston (ein Punkt) brachten den Tigers-Gegner schnell wieder heran. Doch die Tübinger ließen sich nicht beirren und spielten weiter ihr Spiel. Campbell und Hodzic konterten zum 53:44, die Tübinger lagen weiter in Front auch wenn die Dragons in Form von Nathan Peavy, Anthony Hilliard und Holston immer besser ins Spiel kamen. Bei den Schwaben schlich sich fortan vermehrt Fehler in die Begegnung, nach einem Korb von Fenn verkürzte der Favorit auf 56:63. Das Spiel lag nun auf der Kippe. Mit einem knappen 65:63-Vorspung die Tübinger ging es in den Schlussabschnitt.
In diesem liefen dann vor allem Holston und Peavy heiß. In der 35. Minute erzielte Holston den 76:76-Ausgleich, Peavy war es 60 Sekunden später, der seine Farben zum ersten Mal seit dem ersten Viertel wieder in Führung brachte – 81:79. Die Tübinger gaben nicht auf und kämpften sich, ja drehten sogar wieder die Partie bis zur vorentscheidenden Szene fünf Sekunden vor dem regulären Spielende. Duggins bewahrte an der Freiwurflinie die Nerven und verwandelte beide Freiwürfe zum 93:90. Der Rest ist bekannt, leider.

Die Verlängerung musste also die Entscheidung bringen. Die Koch-Truppe hatte den besseren Start und erzielte die ersten vier Punkte zum 97:93 (42.). Josh Young hielt die Tübinger mit drei Zählern jedoch im Spiel – 96:97, 43. Dann kam die Zeit des kleinen, großen David Holston. Zwei irre Dreier sorgten für die Entscheidung in der hochdramatischen Partie. 103:98 für die Dragons. Den Vorsprung von fünf Punkten brachte der Favorit nach einer Energieleistung in der zweiten Halbzeit sowie in der Verlängerung über die Zeit. Holston kam insgesamt auf 26 Punkte und zehn Assists. In Peavy (21), Fenn (20) und Hilliard (20) konnten drei weitere Spieler mindestens 20 Zähler erzielen. Bei den Tübingern verdienten sich Duggins mit 27 Punkten und Redding mit 24 Zählern die Bestnoten. Auch Campbell machte eine gute Partie, führte die Mannschaft und kam nach 45 Minuten auf 14 Punkte. Die Tübinger konnten das Reboundduell mit 33 zu 26 für sich entscheiden, die Dragons bekamen von den Unparteiischen mehr Freiwürfe zugesprochen (38 zu 18). Die Quoten bei beiden Teams waren ordentlich, der Gastgeber traf 82% aller Würfe, Tübinger war mit 79% nur unwesentlich schlechter.

Am Sonntag in Berlin

Trotz der bitteren Niederlage müssen die Tübinger nun den Blick weiter nach vorne richten. Bereits am Sonntagabend (17 Uhr – O2 World) muss die Perovic in der Hauptstadt bei ALBA BERLIN antreten. Sicherlich keine einfachere Aufgabe, doch irgendwann wird das Glück dann auch einmal auf Seiten der Schwaben liegen, am besten schon am Sonntag.

Dschungelgeflüster:

Wiedersehen: In der Partie zwischen den Artland Dragons und den WALTER Tigers Tübingen trafen jeweils drei Spieler auf einen ehemaligen Mannschaftskameraden. Reggie Reeding und Anthony King spielten letztes Jahr noch auf Zypern bei Etha Entomis, Louis Campbell und Acha Njei bei den EWE Baskets Oldenburg und Velimir Radinovic und Guido Grünheid beim MBC aus Weißenfels. Entsprechend Redebedarf herrschte vor dem ersten Sprungball.

Beobachtet: Unter den Zuschauern in der Artland Arena befand sich auch Oldenburgs Co-Trainer Ralph Held und scoutete die beiden Gegner der Huntestädter im Dezember. Am 17. Dezember empfangen die Oldenburger die Artland Dragons zum Derby, zehn Tage später geht es gegen das Ex-Team von Tigers-Spielmacher Louis Campbell.

Klein, und doch ganz groß: Wer den neuen Dragons-Spielmacher David Holston zum ersten Mal in Spielkleidung auf dem Parkett sieht, der kann sich kaum vorstellen, dass dieser überhaupt in der Beko BBL mithalten kann und gar Topscorer der Artland Dragons ist. Sein Arbeitsnachweis gegen die Tübinger: 26 Punkte, zehn Assists, vier Rebounds und drei Steals. Einfach nur stark.

Große Augen: Als die Tübinger am Dienstagabend nach neunstündiger Fahrt im Artland ankamen, machten die vielen neuen Spieler der Schwaben teilweise große Augen und fragten sich, wo sie hier sind. Weites Land, kaum Häuser, viel Landwirtschaft und hin wieder Tiere auf Wiesen. Bei Duggins, Nash und Young kam sofort der Gedanke an den Horrorfilm „The Shining“, in welchem sich in der Einsamkeit ein Familiendrama abspielt. Bei den Tigers spielte sich das Drama in den letzten fünf Sekunden des regulären Spiels ab.

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