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Was macht eigentlich... Jens Kujawa? Die Ulmer Center-Legende und das Leben nach dem Basketball

Was macht eigentlich... Jens Kujawa? Die Ulmer Center-Legende und das Leben nach dem Basketball

Jens Kujawa war schon immer ein viel beschäftigter Mann. Der 2,13-m-Hüne, der in der Bundesliga in den späten 80er und 90er Jahren unter anderem in Ludwigsburg und Ulm die Centerposition prägte, jobbte schon während seiner aktiven Laufbahn nebenher und tat ...
1320059691/img_Jens_Kujawa_2.jpg... das, nachdem er seine Sneakers an den Nagel hängte, um so mehr. Einen großen Arbeitseifer, Ehrgeiz und der Wille sich weiterzubilden, hoben ihn damals von vielen anderen Basketballprofis ab und zeichnen ihn noch heute aus.

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Die in Schweiß gebadete Arbeitsuniform des Centerspielers wich einem maßgeschneiderten Anzug mit Krawatte. Heute ist der 46-Jährige in der Unternehmensberatung tätig. Seit fünf Jahren arbeitet Kujawa bei The Pension Consultancy, wo er eine Expertenfunktion inne hat und Mitglied der Geschäftsleitung ist.

„Ich implementiere und konzeptioniere als Unternehmensberater Zeitwertkonten unter dem Mantel der demografischen Veränderung in Unternehmen“, sagt der Fachmann für betriebliche Versorgungsmodelle. Grob gesagt, gehe es bei Zeitwertkonten oder Lebensarbeitszeitkonten darum, Arbeitnehmern einen Vorruhestand durch Ansparen von Zeit und Geld zu ermöglichen.

„Das ist ein wachsender Markt, weil viele Unternehmen den demografischen Wandel sehr stark auf sich zukommen sehen und die Entscheidungsträger es sich nicht vorstellen können, dass ein Großteil der Mitarbeiter bis 67 durchhält.“ Seit zirka vier Jahren hat diese Branche ein starkes Wachstum erfahren und Kujawa war von Anfang an dabei. „Ich habe diesen Markt sicherlich mit geprägt. Es war zum Beispiel meine Idee, den einzigen Verband für dieses Thema, die Arbeitsgemeinschaft Zeitwertkonten (AGZWK), zu gründen, bei der ich als geschäftsführender Vorstand tätig bin.“

„Nur Basketball hat meinen Kopf nicht befriedigt“

1320059766/img_Jens_Kujawa_1.jpgZirka 50 Stunden arbeitet Kujawa in der Woche, in Spitzen sogar noch mehr. Dabei ist das Kraftpaket neben Büro und Home Office auch viel in Deutschland unterwegs. Zwei bis drei Mal wöchentlich tingelt er zwischen den Standorten von Unternehmenskunden hin und her, um Verhandlungen mit Tarifparteien zu führen, Verträge zu erstellen oder über dieses Spezialthema zu referieren. Dabei zählen primär große Unternehmen ab 1.000 Mitarbeitern zu seinen Kunden, wie zum Beispiel Ernst & Young oder Bombardier Transportation. Jeden Morgen um 6.30 Uhr beginnt Kujawas Büroalltag, der alles andere als alltäglich ist.

Gearbeitet hat der Europameister von 1993 eigentlich schon immer. Allein bei seiner ersten Station als Basketballprofi bei Bayer 04 Leverkusen in der Saison 1988/89, nachdem er frisch vom College kam, versuchte er sich voll und ganz auf den Sport zu konzentrieren. Jeden Tag einfach nur zu trainieren, reichte ihm aber nicht. Kujawa: „Da bin ich kirre geworden, ich brauchte mehr als das. Nur Basketball hat meinen Kopf nicht befriedigt.“ Aus diesem Grund buckelte der vom großen Arbeitseifer gepackte Familienvater seit 1990 neben dem Basketball halbtags bei diversen Banken.

Jeden Morgen um 6.30 Uhr klingelte der Wecker des Frühaufstehers (heute übrigens immer noch). Kujawa schlüpfte in seinen Anzug und fuhr zur Bank, während seine Spielerkollegen noch von Gott und der Welt träumten. „Nach der Arbeit gegen 13 Uhr ging's zum ersten Training, danach zur Fitness und Krankengymnastik und anschließend kurz nach Hause, aber manchmal hat es nicht gereicht, bevor es zum zweiten Training um 19 Uhr ging“, berichtet der Vielbeschäftigte. „Erst spät abends war ich wieder daheim und am nächsten Morgen ging das ganze von vorne los. Und am Wochenende hatten wir ein Spiel. Das war schon viel.“ Zu diesem Zeitpunkt hatte Kujawa im Übrigen schon zwei Söhne mit seiner damaligen US-amerikanischen Frau Debbie Nartker, die er 1988 geheiratet hatte: Justin (heute 20 Jahre alt) und Jared (18).

„Ich habe jetzt eine gesunde Work-Life-Balance erreicht“

1320059744/img_Jens_Kujawa_4.jpgWährend seiner Zeit in Oberelchingen von 1997 bis 1999 verschärfte sich Kujawas Hunger nach Beschäftigung und Abwechslung.

In dieser Zeit war er Basketballprofi mit einem Vollzeitjob in einer Bank. Berufsbegleitend machte er seinen „Master of Business Administration“ an der Fernuniversität Hagen und war Basketballabteilungsleiter sowie Trainer von drei Mannschaften im Jugendbereich in Westerstetten, wo er wohnte. Zum Leid der Familie.

„Dann ist irgendwo auch die Ehe zu Bruch gegangen“, blickt Kujawa wehmütig zurück. „Meine Frau wusste eigentlich, worauf sie sich einlässt, aber wir haben die drei Jahre, die wir geplant hatten, nicht durchgehalten.“

Geplant war der gemeinsame Umzug in die USA nach Kujawas aktiver Basketballkarriere. „Nach einem Jahr hat es unüberwindbare Hürden gegeben. Meine Frau ist dann, nach zehn Jahren in Deutschland, auch sehr schnell mit den Kindern wieder in die USA zurückgegangen. Ich habe davon viel gelernt und eine gesunde Work-Life-Balance erreicht. Trotz einer hohen Arbeitsbelastung fühle ich mich sehr wohl und glaube, dass meine Familie jetzt auch nicht mehr zu kurz kommt. Von daher passt es.“ Mit seiner jetzigen Frau Bianca, mit der er in Winsen bei Hamburg lebt, hat Kujawa ein 18 Monate altes Töchterchen namens Jette.

„Ich war immer auf der Suche nach Werten und Normen“

1320059788/img_Jens_Kujawa_3.jpgFamilie und Beruf sind Kujawa aber auch heute nicht genug. „In meiner Freizeit engagiere ich mich sehr stark in der freikirchlichen Gemeinde“, erzählt der 98-fache Nationalspieler, der sich vor sechs Jahren bekehrte und sich neben dem wöchentlichen Gottesdienst mit Gleichgesinnten regelmäßig in einem Hauskreis austauscht. „Das gibt mir sehr viel Inhalt in meinem Leben und hat mir irgendwo gefehlt“, sagt er.

„Ich war immer auf der Suche nach Werten und Normen und nach einer Richtung. Es hilft mir sehr, einen festen Halt sowie eine Basis zu haben und zu wissen, wonach ich mich ausrichten kann. Ich glaube das fehlt vielen Basketballern, weil sie einfach sehr früh mit viel Ruhm, Lob und Geld konfrontiert werden, dann auch hin und wieder Blödsinn machen, und nicht geführt werden.“

Abgesehen davon macht Kujawa zwei Mal in der Woche Fitness und leitet die Nordgruppe von Basketball Aid. Dort versucht er neben der Akquirierung von Geldern für krebskranke Kinder, auch die Region um Hamburg anzukurbeln, wo der Spitzenbasketball nicht so stark vertreten ist. Ansonsten spielt Kujawa gerne mit seinen Söhnen, die mit der Mutter in Phoenix, Arizona leben, über das Internet Strategiespiele, wie „Command & Conquer“ und „Age of Empires“. „Ehrgeiz und Strategie sind genau das Richtige für mich. Mit meinen Söhnen zu spielen, ist immer mit sehr viel Spaß verbunden. Wir skypen nebenher und spielen das zu dritt. Jede Woche haben wir einen festen Termin, worauf ich mich riesig freue. Das war‘s auch. Dann ist meine Zeit ausgebucht.“

Zur Person:
Zu den Highlights in Jens Kujawas Karriere gehört der EM-Sieg 1993 und der damit verbundene „Ball des Sports“ sowie die Ehrung zur „Mannschaft des Jahres“. Weiterhin zählen die Olympischen Spiele 1992 dazu, wo er mit Deutschland auf das „Dream Team“ der USA traf und in 5:40 Einsatzzeit seine bleibenden, persönlichen Erfahrungen mit Michael Jordan („Hab His Airness gefoult“), Karl Malone („Ich konnte mich gegen ihn schmeißen und der hat sich gar nicht bewegt - unglaublich“) und Christian Laettner („Den hab ich geblockt“) machte. Außerdem lernte er bei der Eröffnungsfeier seine Idole Steffi Graf und Boris Becker kennen. Darüber hinaus hatte er seinen Anteil am größten Erfolg der Ulmer Vereinsgeschichte: der Pokalsieg in letzter Sekunde gegen Bayer Leverkusen im Jahre 1996.

Stationen:
1988–1989 Bayer 04 Leverkusen
1989–1993 BG Ludwigsburg
1993–1997 SSV Ulm
1997–1999 SV Tally Oberelchingen
1999–2001 NWS Ludwigsburg

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