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Was macht eigentlich... Marvin Willoughby?

Was macht eigentlich... Marvin Willoughby?

Mike Jackel, Wendell Alexis, Chris Welp, Carl Brown, Norbert Thimm, Klaus Zander, Svetislav Pesic, Terry Schofield, Jimmy Wilkins oder Bo Dukes, um nur einige zu nennen: Sie alle haben Spuren im deutschen Basketball hinterlassen. Was aus ihnen nach ihrer Karriere wurde, ist ...
image_1300264027194.jpeg... bisweilen nur wenigen bekannt. Wir erinnern in unserer Reihe „Was macht eigentlich…?“ an Spieler, Trainer, Offizielle, die untrennbar mit der Beletage verbunden sind und verraten Ihnen, was sie heute machen.

Heute begeben wir uns auf die Spuren von Marvin Willoughby. Der 33-Jährige begann seine Karriere in der 1. Bundesliga 1998 bei s.Oliver Würzburg an der Seite von Dirk Nowitzki. Mit dem heutigen NBA-Superstar feierte Willoughby auch seinen größten Erfolg mit der Nationalmannschaft: Das Erreichen des EM-Halbfinales 2001 in der Türkei. Mit RheinEnergie Köln wurde er zudem zweimal Deutscher Pokalsieger. Willoughby lebt und arbeitet heute in seiner Heimatstadt Hamburg, wo er sich um die Nachwuchsförderung kümmert und aktiv seine Vision von der Hansestadt als Beko BBL-Standort verfolgt.

Verletzung beendet Karriere im besten Basketballalter

Rückblende: Marvin Willoughby steht im Jahr 2005 in der Blüte seiner Karriere. Der 27-Jährige war im Januar nach einem Abstecher nach Italien und Frankreich zu RheinEnergie Köln zurückgekehrt – zu dem Klub, für den er bereits von 2002 bis 2004 gespielt hatte. Doch eine schwerwiegende Knöchelverletzung zwang Willoughby im besten Basketball-Alter, seine Karriere zu beenden – viel zu früh. Der Sportart ist der 35-malige Nationalspieler jedoch treu geblieben: In seiner Heimatstadt Hamburg will er Basketball langfristig auf hohem Niveau etablieren. Basis dafür sind die Arbeit und das Training mit Jugendlichen. Dabei steht für Willoughby die soziale Komponente im Vordergrund.

Guter Draht zu den Kids und ein erfolgreiches Jugend-Projekt

Angefangen hat alles mit der Durchführung von Basketball-Camps für Kinder und Jugendliche, die Willoughby nicht nur organisierte, sondern mit einigen Weggefährten auch als Trainer begleitete. „Ich hatte aufgrund meines Backgrounds als ehemaliger Profi einen ganz guten Draht zu den Kids. Aufgrund dessen war wohl von Beginn an der nötige Respekt da“, schmunzelt der heute 33-Jährige. Nicht nur bei den jungen „Ballern“ kam er mit seiner lockeren Art und direkten Ansprache gut an, auch Willoughby selbst fand Gefallen daran, sein Wissen an die junge Generation weiter zu geben. In die Karten spielte Willoughby dann 2009 die Einführung der Jugend Basketball Bundesliga, kurz JBBL. Unter dem Namen „Piraten Hamburg“ schickte er ein Team ins Rennen, in dem die besten Spieler des U16-Jahrgangs aus verschiedenen Hamburger Vereinen zusammengefasst sind. Und das mit Erfolg: In der aktuellen Saison sind die „Piraten“ unter dem Headcoach Marvin Willoughby neben Titelverteidiger IBBA Berlin eines der stärksten Teams im Nordosten Deutschlands – mit berechtigten Hoffnungen auf das Erreichen der TOP4-Endrunde.

Die Vision von Erstliga-Basketball in Hamburg

image_1300264186273.jpegDer Erfolg auf dem Papier ist für den Sohn einer deutschen Mutter und eines nigerianischen Vaters zweitrangig. „Mir geht es in erster Linie darum, den Kindern und Jugendlichen in Hamburg eine sinnvolle, sportliche Alternative zu bieten und so vielleicht zu verhindern, dass sie Dummheiten machen“, erklärt Willoughby und verweist auf seinen eigenen Werdegang.

„Ich stamme selbst aus einem Stadtteil, der nicht einfach ist. Der Sport hat mir den Weg geebnet, aus meinem Leben etwas zu machen.“ Mittel- und langfristig will er die Strukturen der Jugend- und Talentförderung in der Hansestadt grundsätzlich verbessern. „Es kann eigentlich nicht sein, dass eine Stadt wie Hamburg kein Standort in der Beko BBL ist. Verschiedene Versuche gab es ja schon, aber meiner Meinung nach muss man mit professioneller Basisarbeit anfangen und auf diesem gesunden Fundament alles aufbauen“, erläutert Willoughby seine Vision.

Ab 2014 neue Sportarena dank Internationaler Gartenschau…?

Ein grundsätzliches Problem, an dem schon viele ambitionierte Projekte scheiterten, ist die Hallenfrage in Hamburg. Vereine haben es schwer, Trainingszeiten für Jugendtraining zu bekommen. Andererseits fehlt in der Metropole auch eine Arena mit vernünftigen Dimensionen, die für den Spielbetrieb in der Beko BBL oder auch ProA in Frage käme. Marvin Willoughby will auch dieses Problem in Angriff nehmen – und ist mit seinem gemeinnützigen Verein „Sport ohne Grenzen“ anscheinend auf einem guten Weg.

Im Rahmen der Internationalen Gartenschau, die 2013 in Hamburg stattfindet, wird eine 100 Hektar große Grün- und Brachfläche im Stadtteil Wilhelmsburg – wo Willoughby seine Jugend verbracht hat – für die Ausstellung umgebaut. Im Zuge dessen wird auch eine große Ausstellungshalle aus dem Boden gestampft, die später als Multifunktionshalle genutzt werden soll. Und genau hier kommt Willoughbys Vision ins Spiel: Er will hochklassigem Basketball in Hamburg mit der Halle, die ab 2014 zu einer Sportarena umgebaut werden soll, eine neue Heimat geben.

„InselAkademie“: Lernen und Leistungssport

Dazu wollen der Ex-Nationalspieler und seine Mitstreiter ihr Projekt „InselAkademie“ auf dem Areal etablieren: Die „InselAkademie“ ist aus der Arbeit des Vereins „Sport ohne Grenzen“ (www.sportohnegrenzen.de) hervorgegangen, die ebenfalls Marvin Willoughby initiiert hatte. Das Zentrum soll Freizeit- und Bildungsangebote für bedürftige Kinder und Jugendliche bündeln. Im Haus der „InselAkademie“ ist betreutes Jugendwohnen vorgesehen, Bewegungsförderung im Vorschulalter, Hausaufgabenhilfe sowie Fortbildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen in Kombination mit Leistungssportangeboten in der neuen Sporthalle.

„Mit dieser Kombination aus Sozialarbeit und Leistungssport, speziell Basketball, wollen wir für Sponsoren interessant werden“, erklärt Willoughby. Die Pläne für die anschließende Nutzung des Areals, in das in den kommenden Jahren 70 Millionen Euro investiert werden, wurden Anfang März in der Hansestadt vorgestellt. Für seine Idee haben Willoughby und sein Team bereits eine namhafte Stiftung gewonnen, die das sozial und sportlich ambitionierte Projekt in den kommenden Jahren fördern will.

Im Juniorenbereich gut aufgestellt, im Seniorenbereich noch etwas dünn

image_1300264286203.jpegDie „InselAkademie“ soll in der Zukunft die Basis des Jugend-Basketballs in Hamburg bilden. Mit der JBBL-Mannschaft der Piraten Hamburg und einem Team, das kommende Saison für die Nachwuchs Basketball Bundesliga (NBBL) im U19-Bereich gemeldet werden soll, ist die professionelle Ausrichtung in der Jugend bereits gegeben. „Was mittelfristig noch fehlt, ist ein Seniorenteam, das möglichst hochklassig spielt“, erklärt Willoughby.

Im Auge hat er seinen Stammverein SC Rist Wedel, für den er vergangene Saison noch selbst in der ProB auf Korbjagd gegangen war. „Mit der neuen Halle und einem gesunden Unterbau kann ich mir ein Seniorenteam, zumindest auf ProA-Niveau, in Hamburg sehr gut vorstellen.“ Willoughbys Traum bleibt, Hamburg als Erstliga-Standort zu etablieren. „Wenn wir in den nächsten Jahren die Voraussetzungen für eine stabile Basis für Basketball in Hamburg schaffen, dann muss das kein Traum bleiben“, ist Marvin Willoughby optimistisch.

Zur Person:
Marvin Willoughby

Geburtsdatum: 31. Januar 1978, Hamburg
Familienstand: ledig
Beruf: Diplom-Sportfachwirt
Länderspiele: 35
Stationen als Spieler: SC Rist Wedel, DJK s.Oliver Würzburg, RheinEnergie Köln, Reggio Calabria, Élan Béarnais Pau-Orthez, RheinEnergie Köln, SC Rist Wedel
Größte Erfolge mit der Nationalmannschaft: Halbfinale bei der Europameisterschaft 2001 in der Türkei, Teilnahme an der Universiade 2001 in Peking mit der Studenten-Nationalmannschaft
Größte Vereinserfolge: Pokalsieger mit RheinEnergie Köln (2004 und 2005)
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