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Was macht eigentlich... Matthias Strauss

Was macht eigentlich... Matthias Strauss

Mike Jackel, Wendell Alexis, Chris Welp, Carl Brown, Norbert Thimm, Klaus Zander, Svetislav Pesic, Terry Schofield, Jimmy Wilkins oder Bo Dukes, um nur einige zu nennen: Sie alle haben zu ihrer aktiven Zeit Spuren im deutschen Basketball hinterlassen. Was aus ihnen nach ihrer Karriere ...
image_129784265020.jpeg... wurde, ist bisweilen nur wenigen bekannt. Wir erinnern in unserer Reihe „Was macht eigentlich…?“ an Spieler, Trainer, Offizielle, die untrennbar mit der Beletage verbunden sind und verraten Ihnen, was sie heute machen – zum Beispiel Matthias Strauss.

Der 116-malige Nationalspieler gehörte von 1981 bis 1991 zu den Leistungsträgern von DBV Charlottenburg – dem „Vorgänger“ von ALBA BERLIN. Strauss lebt nach wie vor in der Hauptstadt und arbeitet dort als Zahnarzt.

Matthias Strauss ist Basketballer durch und durch. 20 Jahre (1975 bis 1994) spielte er in Gießen und Berlin in der 1. Bundesliga. Heute, als 54-Jähriger, ist er noch immer aktiv in einer Senioren-Liga. Seit er zwölf ist, hat er das braune Leder nicht mehr aus der Hand gegeben – 42 Jahre pure Leidenschaft.

Der erste Nationalspieler in Berlin

Zu den schönsten Erlebnissen in Strauss‘ Karriere zählt der Gewinn der Deutschen Meisterschaft 1978 mit dem MTV Gießen, für den er sechs Jahre spielte. 1981 wechselte er nach Berlin zum DTV Charlottenburg, wo er dessen erster Nationalspieler wurde. Der DTV war gerade aus der 2. Liga aufgestiegen. „Zu meinen größten Erfolgen zählt, dass wir in der Saison 1981/1982 nicht direkt wieder abgestiegen sind“, erinnert sich Strauss. „Das war sozusagen der Beginn des Aufstiegs des Berliner Basketballs.“

Ein Freiwurf entscheidend für Klassenerhalt

Dramatischer hätte die genannte Spielzeit nicht enden können. „Als Vorletzter am letzten Spieltag glaubte in Berlin niemand mehr an den Klassenerhalt“, erinnert sich Strauss, der seinerzeit von allen „Mattsi“ genannt wurde. Es schien unwahrscheinlich, dass Langen, für die der Abstieg bereits feststand, in Heidelberg gewinnen würde.

image_1297842701132.jpegStrauss: „Wir haben 24 Stunden auf das Ergebnis warten müssen und gezittert. Irgendwann kam dann die Nachricht, dass die Langener überraschend in Heidelberg gewonnen hatten und somit Heidelberg abgestiegen war – und nicht wir.“ Der direkte Vergleich sprach zu Gunsten des DTV. Entscheidend für den Nichtabstieg war ein einziger Punkt Vorsprung gegenüber Heidelberg, ein Freiwurf machte also den Unterschied! Aus dem Feiern kamen die Berliner anschließend tagelang nicht mehr heraus.

Was wäre, wenn die Berliner 1982 abgestiegen wären…?

1985 erreichte Strauss mit Charlottenburg das Finale um die Deutsche Meisterschaft, unterlag dort aber Bayer 04 Leverkusen. 1991 als BG Charlottenburg und 1992 als ALBA BERLIN erreichte der Verein noch zweimal das Meisterschaftsfinale, unterlag aber jeweils erneut gegen Leverkusen. „Sportlicher Erfolg ist für mich, irgendwo hinzukommen und durch kontinuierliche Arbeit, Trainingsfleiß und mit den richtigen Leuten eine Sportart in einer Stadt zu etablieren“, sagt der 1,94 Meter große Flügelspieler, der bis zu seinem Karriereende 1994 in Berlin spielte. „Das ist mit Charlottenburg, das dann in ALBA aufgegangen ist, gelungen. Wären wir damals abgestiegen, wer weiß, ob ALBA BERLIN heute in der o2 World spielen würde.“

„Niemals da hingehen, wo die Ellenbogen fliegen“

Aus seiner aktiven Zeit als Bundesliga-Spieler und in der Nationalmannschaft, für die er in 116 Spielen auflief, hat Strauss eins mitgenommen: „Niemals da hingehen, wo die Ellenbogen fliegen, weil sonst die Zähne weg sind“, scherzt der Mann, der seit 18 Jahren Löcher bohrt. Strauss selbst sieht sich selbst als „Teamplayer“:

image_1297842677410.jpeg„Ich wäre nie Einzelsportler geworden. Meine Welt ist der Mannschaftssport. Nur mit Häuptlingen kannst du kein Spiel gewinnen, du brauchst auch ein paar Indianer.“ Auch in seiner Praxis mit zwölf Angestellten steht der Team-Gedanke an erster Stelle. Hin und wieder behandelt der Vater zweier Töchter auch aktive und ehemalige ALBA-Spieler – so zum Beispiel in der vergangenen Saison Blagota Sekulic, der im Eurocup-Spiel in Badalona einen halben Schneidezahn verloren hatte.

Die Schuhe selbst bezahlt

Von 1976 bis 1979 machte Strauss zunächst eine Ausbildung zum Zahntechniker. Da man zu der Zeit so gut wie kein Geld in der Basketball-Bundesliga verdiente, war es selbstverständlich, dass die Spieler zusätzlich zum Sport einen anderen Job ausübten. Mehr als eine Aufwandentschädigung war nicht drin. Strauss: „Ich weiß noch, was ich Mitte der 70er in Gießen bekommen habe: 30 Mark für einen Heimsieg und 50 Mark für einen Auswärtssieg.“ Die Erlöse aus den Ticketverkäufen seien in erster Linie für Fahrtkosten draufgegangen. „Wir haben 1978 das erste Mal Schuhe von adidas umsonst bekommen. Die ersten zehn Jahre meiner Basketballlaufbahn, von der Jugend bis in die Bundesliga, habe ich meine Schuhe selbst gekauft. Die Vereine hatten damals noch keine Sponsorenverträge.“

Senioren-WM als nächstes Highlight

Obwohl der gebürtige Frankfurter mehr als 20 Jahre jeden Tag trainierte und am Wochenende durch ganz Deutschland zu den Auswärtspartien reiste, spielte Geld damals keine Rolle. Basketball wurde aus Leidenschaft gespielt, nicht zur Sicherung des Lebensunterhalts.

image_1297842664784.jpegAuch heute noch geht der „Basketball-Methusalem“ seiner Passion aktiv nach: In einer Berliner Ü45-Liga, bestehend aus acht Teams, spielt er zusammen mit ehemaligen Nationalspielern wie John Dronsella (heute Orthopäde), Lutz Wadehn (Immobilienkaufmann) oder Burkhard Schröder (Lehrer). Einmal im Jahr nimmt er zudem an den Deutschen Meisterschaften der Ü50-Jährigen teil.

„Nächstes Jahr darf ich zum ersten Mal bei der Ü55 ran“, freut sich der Senioren-Nationalspieler. „Außerdem finden die Weltmeisterschaften in Brasilien statt. Ist zwar alles auf eigene Kosten, aber man trifft die alten Säcke dann auch international wieder.“

Zur Person:
Matthias Strauss

Geboren: 24. Mai 1956 in Frankfurt/M.
Größe: 1,94 Meter
Position: Shooting Guard / Small Forward
Vereine: 1970-1975 Eintracht Frankfurt
1975-1981 MTV 1846 Gießen
1981-1991 DTV Charlottenburg
1991-1994 ALBA BERLIN
Nationalmannschaft: 1975 bis 1983 (116 Spiele für Deutschland)
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