FB Twitter Instagram YouTube Google+
BIG - Basketball in Deutschland
„Das war der perfekte Dunk!“ - Berlins Vielflieger Bryce Taylor in der Playoff-Ausgabe der BIG

„Das war der perfekte Dunk!“ - Berlins Vielflieger Bryce Taylor in der Playoff-Ausgabe der BIG

Bryce Taylor ist einer der spektakulärsten Stopfer der Beko BBL. Er gehört in dieser Saison zu den Leistungsträgern bei ALBA BERLIN. Im BIG-Interview spricht er über seinen legendären Dunk im fünften Finale gegen die Brose Baskets, ein mögliches Playoff-Duell mit dem Rivalen aus Bamberg und das Fahren mit der U-Bahn in Berlin. Ein Profi, der über den Tellerrand hinausguckt.
1335190832/img_2011_Finale_Spiel_5_Bamberg_-_Berlin___14__.jpg
Mr. Taylor, erklären Sie uns, wie der perfekte Dunk aussieht.
Ich würde sagen, wenn ein größerer Spieler in der Defense zu Hilfe kommt, man selbst hat aber den ersten Schritt, er versucht zu blocken und man dunkt über ihn. Das ist der am meisten demoralisierende Dunk, insbesondere weil der Gegenspieler größer ist. Das ist ein Hype für dein Team, bringt es ins Spiel. Das ist für mich der perfekte Dunk.

Dann war Ihr Dunk über Predrag Suput im fünften Finale letzte Saison gegen Bamberg der perfekte Dunk?
Ja, das kam dem schon ziemlich nah.

Was war das damals für ein Gefühl?
Es war einfach aufregend. Das waren meine ersten beiden Punkte im Spiel und es hat mich richtig ins Spiel gebracht. Plötzlich floss das Adrenalin, es war eine Extra-Motivation. Danach habe ich noch einige Punkte gemacht. Das war wie eine Energiequelle.

Kann man so etwas planen?
Nein, das muss sich im Spiel entwickeln. Wenn man zum Korb zieht, muss sich einfach eine kleine Lücke auftun, man muss auch seine Füße in der richtigen Position haben. Das kann man nicht planen.

War das schon immer Ihr Stil?
Ja, ich war schon immer ein guter Athlet. Das begann ungefähr mit 15. Von da an habe ich immer viel in Spielen gedunkt. Am College war ich allerdings noch athletischer. (lacht)

Warum glauben Sie, dass Sie heute nicht mehr so athletisch sind? Was ist passiert?
Das Alter spielt eine Rolle. Dazu ist die Saison in Europa sehr viel länger als am College. Da habe ich einmal von Oktober bis März gespielt. Das war das Längste. Jetzt spiele ich von August bis in den Juni. Da muss man seine Energie im Laufe der Saison gut einteilen. Der Körper wird sehr beansprucht. Das ist sicher ein Faktor. Dazu bin ich heute schwerer als noch am College. (lacht)

Warum?
Im Alter verlangsamt sich dein Stoffwechsel einfach ein wenig. Wenn man sich Fotos von Spielern aus dem College und nach einigen Profi-Jahren anschaut, haben die meisten bestimmt drei bis vier Kilo an Muskeln und auch grundsätzlich zugelegt. Ich denke, das ist ganz natürlich, wenn man es nicht zwingend darauf anlegt, sein Gewicht zu halten. Ich versuche, ein Gewicht von 91 oder 92 Kilo zu halten. Ich wiege mich regelmäßig, um das zu überprüfen.

Sie müssen auf Ihr Gewicht achten, sonst gibt’s Probleme?
Nein, das nicht. Aber als Profi gehört es einfach dazu, seinen Körper zu kennen und zu wissen, welches Gewicht am besten für einen ist. Einer meiner College-Kollegen spielt in Mailand. Dort wird der Körperfettanteil einmal monatlich gemessen. Es ist einfach wichtig für die Schnelligkeit und die Athletik, ein gesundes Gewicht zu haben.

Achten Sie sehr auf Ihr Essen?
Schon, aber nicht zu strikt. Es gibt Sachen, die ich versuche zu vermeiden. Wie zu viel Zucker und zu viel Weißmehl. Dafür esse ich mehr Vollkorn und Obst. Ich versuche einfach, ausgewogen zu essen und vor dem Training gut zu frühstücken. Das ist ein Teil des Lebens als Profi. Ich denke, dass tut jeder. Insbesondere in den späteren Jahren einer Karriere will man gesund bleiben, seine Energie konservieren. Ich lerne da viel von den Veteranen wie Sven (Schultze, d. Red.). Denn ich kenne meinen Körper, wenn ich nicht aufpasse, nehme ich schnell zu.

Was rät Ihnen Sven Schultze?
Er ist mit 33 Jahren der Älteste im Team, hat aber den besten Körper. (lacht) Ich wollte wissen, was sein Trick ist. Wir haben über seinen Diätplan gesprochen. Er hat mir ein paar kleine Tipps und Tricks verraten, z.B. was man abends nicht mehr essen sollte. Sven ist ein wirklich harter Arbeiter. Darum ist er so fit und kann noch auf hohem Level spielen. Er ist immer der Erste beim Training und zieht mit viel Disziplin sein Programm durch.

Sie haben ja noch ein paar Jahre vor sich.
Ja, aber ich versuche von den erfahrenen Spielern zu lernen, damit ich auch so lange spielen kann. Da ist noch Derrick (Allen, d. Red) als Beispiel. Letzte Saison habe ich auch viel von Julius (Jenkins, d. Red.) und McElroy gelernt. In Bonn habe ich mir natürlich viel von Chris Ensminger abgeschaut. Er ist 37 und noch immer einer der Top-Spieler in der Liga. In Italien habe ich mit Kiwane Garris gespielt, der ja auch mal bei Alba war. Er war 34. Wenn man von Spielern lernen kann, die eine lange Karriere haben, kann das nur ein Vorteil sein.



Hatten Sie je ein Vorbild?
Ich bin in Los Angeles aufgewachsen und habe immer den jungen Kobe Bryant verfolgt, der ja sehr athletisch war. Doch jetzt gibt es niemand Bestimmtes mehr. Ich mag Teamspieler, Spieler, die smart spielen. Ich liebe Spieler, die dunken können, aber auch die, die Mannschaftsspieler sind. Die den Extra-Pass spielen, um zu gewinnen und nicht für die eigene Statistik. Ich sehe sehr gerne Euroleague-Spiele. Da können wir auch etwas lernen.

Sind Sie oft zu Lakers-Spielen gegangen?
Ja, ich mochte Kobe, als er noch den Afro hatte. (lacht) Der Kobe von heute ist zu cool. Natürlich weiß ich sein Talent immer noch zu schätzen, doch damals war ich Fan. Ich bin zu den Spielen gegangen und habe seine Schuhe gekauft.

Sie saßen aber nicht mit Jack Nicholson in der ersten Reihe?
Nein. Ich wünschte, aber so viel Glück hatte ich nicht. (lacht)

Das ist jetzt Ihr viertes Jahr in Europa. Sie scheinen es zu genießen, in einer anderen Kultur zu leben.
Ja. Als ich entschieden habe, nach Europa zu gehen, bin ich sehr unvoreingenommen an die Sache herangegangen. Ich will das Beste aus der Chance machen. Natürlich bin ich hier, um Basketball zu spielen, doch man braucht eine Balance im Leben. Da geht es nicht nur um Basketball, sondern auch um Dinge, die um dich herum passieren. Berlin ist z.B. völlig anders als Montegranaro, das mitten in Italien liegt und nur 14 000 Einwohner hat. Das war meine erste Station. Berlin hat dagegen so viel zu bieten, das muss man einfach mitnehmen. Das nimmt mir nicht den Fokus vom Basketball, doch in der Freizeit will ich die Stadt genießen. Man muss sich dieser Chance bewusst sein. Ich bin in meinen Zwanzigern, das ist doch ein cooler Abschnitt im Leben. Du kannst durch Europa reisen, dich selbst besser kennenlernen. Das sind Geschichten, die kann ich noch meinen Kindern erzählen. Das will ich alles aufsaugen.

Was haben Sie schon über sich erfahren? Wie war das erste Jahr in Montegranaro? Sie waren erst 22 Jahre alt.
Das war schon sehr hart. Ich war viel allein. In der kleinen Stadt gab es zwei Restaurants und einen Supermarkt. Was ich über mich gelernt habe? Dass ich mental stärker bin, als ich gedacht habe. Plötzlich hatte ich zweimal am Tag Training. Das gab’s am College nicht. Und der Leistungsdruck war auch höher. Der Klub kämpfte gegen den Abstieg. Ich habe gelernt, mit den Herausforderungen einer langen Saison fertig zu werden. Ich bin als Spieler und Mensch sehr gewachsen.

Hier in Berlin trifft man Sie oft in der U-Bahn. Lernen Sie so Stadt und Leute besser kennen?
Ich mag das Gefühl, wie jeder andere zur Arbeit zu gehen. Manche Profi-Sportler stellen sich zu sehr auf ein Podest. Ich mag es, aufzustehen und zur Arbeit zu gehen. Dankbar dafür zu sein, welche Chance man hat und von der arbeitenden Bevölkerung umgeben zu sein. Das ist für mich wie ein Realitäts-Check, zu sehen: Was geschieht um mich herum? Auch wenn ich als großer Schwarzer sicher ein wenig auffalle.

Haben Sie etwas über Deutschland gelernt?
Was ich sagen kann, ist, dass ich mit allen deutschen Spielern, mit denen ich gespielt habe, befreundet bin. Da gab es immer irgendeine Verbindung. Hier mit Sven, Lucca, Heiko und Yassin. In Bonn waren es Arthur Kolodziesjski, JJ Strasser. Was auch immer die Deutschen haben, ich komme mit ihnen gut klar. (lacht) Ich genieße meine Zeit hier. Ich hatte nie Probleme. Weder sozial noch wurde ich bisher schlecht behandelt. Schön ist auch, dass alle Englisch sprechen, denn mein Deutsch ist noch unterdurchschnittlich. Das macht es viel leichter.



Nach Ihrem Dreier 90 Sekunden vor dem Ende war Alba nah am Titel. Sind die Playoffs Ihre Zeit in der Saison?
Darauf arbeite ich ihn, habe das immer im Hinterkopf. Das ist der Höhepunkt der Saison. Besonders für ein Team wie Alba, mit hohen Ansprüchen. Wir sind hier, um den Titel zu gewinnen. Wir wollen die Hauptrunde natürlich so gut wie möglich abschließen. Doch das Wichtigste ist, sich zu steigern und den besten Basketball im Mai und Juni zu spielen.

Wie schwer war die Niederlage im fünften Finale gegen Bamberg zu verarbeiten?
Es war sehr enttäuschend, weil wir so nah dran waren. Ich konnte es schon fühlen, wir hatten es in der Hand und haben es wieder weggegeben. Doch man darf dem nicht zu lange nachtrauern. Wir haben jetzt eine neue Saison, einen neuen Trainer, neue Team-Kollegen. Doch ich habe mir geschworen, wenn ich diese Chance noch einmal bekomme, werde ich sie mir nicht mehr nehmen lassen. Mehr kann man nicht tun. Ich denke, da spreche ich für alle im Team. Wenn wir noch mal ein fünftes Finale haben, dürfen wir es nicht aus den Händen geben.



Wer nun Geschmack bekommen hat, dem sei die Playoff-Ausgabe der BIG mit dem kompletten Interview des Berliner Vielfliegers empfohlen, die ab Dienstag, den 24.04, im Handel erhältlich ist (Abonnenten haben sie bereits eine Woche früher im Briefkasten).

Weitere Themen im Heft:
- Thorsten Leibenath - der Trainer des Jahres im BIG-Interview
- Bambergs Karsten Tadda über die Mission "Triple Double"
- Johannes Strasser: Köln, Bonn, Quakenbrück und jede Menge Erfolge
- Die Zwillingstürme von der Isar im Portrait: Jared Homan und Chevon Troutman
- Wolfgang Wiedlich: der dienstälteste Präsident der Liga im Interview
- Frankfurts Jimmy McKinney: ein Leben zwischen Basketball und Hollywood
- John Patrick oder: Wie ich den Aufsteiger in die Playoffs führte
- Nils Mittmann: Schweiger, Kapitän und Identifikationsfigur in Braunschweig
- Johannes Voigtmann: Um den Nachwuchscenter reisst sich die halbe Liga
- Positions-Ranking: die Power Forwards
- Kolumne: Demond Mallet
- Undundund

1335190304/img_BIG_Ausgabe_05-2012_Titel.gif

100 Seiten Basketball in Deutschland:
Das ist BIG - DAS MAGAZIN FÜR BASKETBALL IN DEUTSCHLAND!

Telekombasketball.de

Alle Spiele LIVE und in HD!

easyCredit Telekom TipBet Spalding Ranko Kinder plus Sport