FB Twitter Instagram YouTube Google+
BIG - Basketball in Deutschland
„Ich denke an einen Patrick Heckmann oder einen Niels Giffey!“ – Triers Henrik Rödl im BIG-Interview

„Ich denke an einen Patrick Heckmann oder einen Niels Giffey!“ – Triers Henrik Rödl im BIG-Interview

Henrik Rödl setzt als Trainer des TBB Trier auf deutsche Spieler und hat Erfolg. Im BIG-Interview erklärt er, wie er deutsche Bankdrücker zu Nationalspielern formt, wie man den Basketball in Deutschland weiter nach vorne bringen kann, warum Trier so einen starken Saisonstart hingelegt hat und wie interessant für ihn der Posten des Nationaltrainers ist.
Henrik Rödl ist alles andere als ein Wandervogel. 1987 debütierte er als Mitglied des EOSC Offenbach als erster Regionalligaspieler überhaupt in der deutschen Nationalmannschaft. Zwei Jahre später zog es ihn an die University of North Carolina, wo er 1993 die Collegemeisterschaft gewann. Im gleichen Jahr wurde er mit dem DBB-Team völlig überraschend Europameister. Danach schloss er sich Alba Berlin an, wo er insgesamt sieben Meisterschaften, vier Pokalsiege und einmal den Korac Cup gewinnen konnte. Im Januar 2005 begann seine Trainerlaufbahn in Berlin. Mit der ersten Mannschaft gewann er 2006 den Pokal, wurde zu Beginn der Saison 2007/2008 jedoch von Luka Pavicevic abgelöst, um seinerseits Alba Berlins sportlicher Leiter im Nachwuchsbereich zu werden. Zudem war er in der Saison 2008/2009 für die U20-Nationalmannschaft verantwortlich. Im Sommer 2010 verabschiedete sich Rödl nach 17 Jahren schweren Herzens aus Berlin und wurde Headcoach bei TBB Trier. Seine Handschrift war von Anfang an zu erkennen, sein Konzept klar: Mit jungen deutschen Spielern zum Erfolg. So machte er erst Philip Zwiener und später Maik Zirbes zum meist verbesserten Spieler der Liga. Seinem Konzept ist er in seiner dritten Saison in Trier weiter treugeblieben, auch wenn die Mannschaft nun eine komplett andere ist.

Herr Rödl, was würden Ihre Ex-Spieler Maik Zirbes, Philip Zwiener, Oskar Faßler und Oliver Clay über Sie sagen, wenn Sie an einem Tisch sitzen würden?
Das weiß ich nicht genau. Das müssen Sie sie am besten selber fragen.

Sie haben sie schließlich zu gestandenen Bundesligaspielern oder zu Nationalspielern gemacht!
Ja, das war ein Teil unseres Programms, das wir hier in Trier aufgebaut haben, und auch einer der Gründe, warum ich mich für Trier entschieden habe. Sie haben mir in Trier die Chance gegeben auf junge Spieler zu bauen. Ich hatte die Möglichkeit, einige Spieler aus Berlin mitzubringen, auch mit dem Gedanken, dass ich ihnen vertraue. Ich habe ihnen zugetraut, dass sie einen Leistungssprung machen und es in der Bundesliga schaffen können. Dass sie es geschafft haben, freut mich natürlich sehr! Deswegen sagen sie hoffentlich nur Gutes über mich, wenn sie über mich sprechen.

Was ist Ihr Geheimrezept, um die Spieler so zu stärken?
Ich glaube, dass ich ein gutes Verhältnis zu den Spielern habe. Gleichzeitig haben sie hier in Trier gute Bedingungen, um diese Idee, die wir hier verfolgen, umzusetzen. Wir gestalten unser Programm auf eine andere Art und geben unseren jungen deutschen Spielern einfach die Möglichkeit, zu spielen, und das machen sie auch erfolgreich. Dieses Thema haben zu diesem frühen Zeitpunkt auch nicht viele Vereine aufgegriffen. Heutzutage drei, vier Deutsche ins Team zu holen, ist viel schwerer geworden, weil sich die Deutschquote so erhöht hat und der Markt so klein geworden ist.

Sind Sie stolz, dass Sie den deutschen Nachwuchs so nach vorne gebracht haben?
Klar sind wir alle froh, dass das so gelaufen ist. Es ist einfach ein Bereich, in dem ich sehr gerne arbeite. Ich gehe gerne mit jungen deutschen Spielern um. Diese Einstellung ist aus dem Umfeld, das ich in Berlin hatte, geformt worden. Dementsprechend kam da eine Idee auf, die ich in Trier verwirklichen konnte.

Gibt es derzeit das Potenzial, dass noch mehr deutsche Spieler die Führungsrollen in den BBL-Teams übernehmen können?
Ja, auf jeden Fall! Das Ganze muss jetzt natürlich noch wachsen. Es gibt einige sehr interessante und starke Jahrgänge. Einige Spieler sind im Moment auch in Amerika, die wiederkommen könnten und hier eine Führungsrolle spielen könnten. Gerade zu der Zeit, in der ich nach Trier gekommen bin, ging es mit den deutschen Spielern in den USA wieder los, weil es dort keine Begrenzungen mehr gab. Das heißt, vorher hatten Spieler, die in die USA gehen wollten und vorher schon professionell gespielt haben, eine Sperre, bevor sie dort spielen konnten. Da dies nun wegfällt, sind natürlich auch einige deutsche Talente in die USA gegangen. Es wird von dort aus hoffentlich eine Welle von guten Spielern wieder zurückkommen. Ich denke da an einen Patrick Heckmann oder einen Niels Giffey, die hoffentlich wiederkommen und in der BBL spielen. Es ist nach wie vor eine große Versuchung für den ein oder anderen Spieler, in die USA zu gehen. Damit müssen wir eben konkurrieren.

Jan Pommer sagte im BIG-Interview, dass die Quote in den nächsten Jahren nicht erhöht werden soll. Müsste sich dort nicht noch etwas ändern? In der Türkei müssen beispielsweise immer zwei einheimische Spieler auf dem Feld stehen!
Also von der Regel halte ich gar nichts. Ich denke, dass die Quote, so wie sie im Moment ist, für die jetzige Situation ausreicht. Die Entwicklung geht nicht von heute auf morgen. Spieler werden ja nicht in einem Jahr gebacken. Dabei handelt es sich um einen längeren Prozess. Man muss den jungen Leuten Zeit geben, sich zu entwickeln, damit sie auf ein gutes Niveau kommen. Mit der Quote, die wir jetzt haben, haben sich die Chancen für die deutschen Spieler auf jeden Fall erhöht. Sie ist so hoch, dass sich junge Spieler wieder vorstellen können, eine Profikarriere einzuschlagen. Ich würde jetzt also keine zu großen Schritte nachfordern wollen. Dafür muss der Talentpool auch noch größer sein. Aber ich glaube, der wird jetzt auch größer werden. Vielleicht könnte man die Quote in zwei, drei Jahren noch mal erhöhen. Aber dafür müssen wir weiter unheimlich stark arbeiten, dass wir Talente haben, die dieses Niveau spielen können. Man muss keine wilden Schritte machen. 6+6 ist schon eine sehr gute Regel.

In Trier haben Sie einen überraschend guten Start hingelegt. Kritiker zählten Sie zu den Abstiegskandidaten. Was ist in diesem Jahr für Trier möglich?
Wir sind immer noch in der Anfangsphase der Saison. Wir haben einen Spielstil prägen wollen, der auf dem aufbaut, was wir in den letzten Jahren gemacht haben, mit einer aggressiven Verteidigung, mit sehr vielen jungen Spielern und zwei bis drei Leitwölfen. Ich glaube, diese Mischung ist sehr gut. Man guckt dann einfach von Spieltag zu Spieltag. Im Moment hat man das Gefühl, dass es in vielen Situationen sehr viel Platz nach oben gibt. Wir haben zwar eine sehr junge Mannschaft, aber sie ist sehr engagiert, trainiert sehr gut und ist sehr fokussiert. Wir können noch einiges reißen, aber wie weit es geht, kann ich noch nicht beurteilen.

Ihr Vertrag in Trier läuft nach der Saison aus. Sie gelten nicht als Wandervogel. Wie lange bleiben Sie noch in Trier?
Im Moment bin ich sehr zufrieden hier, wie sich das Ganze entwickelt hat. Der Standort hat sich gefestigt, und auch die Idee hat sich gefestigt. Mein Vertrag läuft zwar am Ende der Saison aus, aber eine Wasserstandsmeldung möchte ich zu diesem Thema nicht machen. Das ist ein Thema, welches ich vereinsintern behandle. Ich bin mit der Entwicklung, wie sich der Verein im Moment entwickelt, sehr zufrieden. Schauen wir mal, wie es weitergeht.

Was haben Sie in Zukunft als Trainer noch vor?
Wir wollen eine Mannschaft haben, die jugendliche Energie versprüht. Wir wollten Spieler holen, die eine Perspektive haben, mit Leidenschaft spielen und sich im Laufe eines Jahres verbessern. Natürlich sollte die Mannschaft gleichzeitig konkurrenzfähig sein. Aber wir wollen nicht nur als Verein gelten, der den jungen Spielern eine Möglichkeit gibt, sondern wollen auch dem ein oder anderen Klub gefährlich werden. Wir sind in den letzten zwei Jahren dadurch geehrt worden, dass wir mit Philip Zwiener und Maik Zirbes die sich am besten entwickelnden Spieler der Liga in unseren Reihen hatten. Außerdem hat mich gefreut, dass unserem Konzept so viel Respekt entgegengebracht wurde und dass ich zum All-Star-Coach gewählt worden bin. In dieser Saison haben wir unsere Mannschaft komplett umstellen müssen, weil einige Leistungsträger gegangen sind. Trotzdem haben wir mit unserer Idee weitermachen können, auch durch interessante Neuverpflichtungen, wie Bastian Doreth und Mathis Mönnighoff. Dementsprechend ist das eine schöne Sache, die sich hoffentlich vertiefen kann.

Als der Nachwuchsmacher im deutschen Basketball wären Sie geradezu prädestiniert für den Posten des Nationaltrainers!
Jeder Trainer, der in einem Land arbeitet, wäre froh, wenn er eines Tages die Nationalmannschaft vertreten kann. Im Jugendbereich habe ich ja schon ein Jahr gearbeitet. Natürlich ist das der Traum eines jeden Trainers. Wenn er das nicht wäre, dann wäre auch irgendetwas falsch. Aber im Moment liegt meine volle Konzentration natürlich auf Trier.

Das komplette Interview gibt es in der aktuellen Ausgabe der BIG (Abonnenten haben sie bereits eine Woche früher im Briefkasten) und außerdem noch folgende Themen:

- Mister Oldenburg: Rickey Paulding
- Im Interview: Gießens Headcoach Mathias Fischer
- Im Interview: Münchens Sportdirektor Marko Pesic
- Im Portrait: Braunschweigs Dennis Schröder
- Portrait: Bambergs Bostjan Nachbar
- Bobby Brown: "Die Kritik war überzogen!"
- Bonns Eigengewächse: Jonas Wohlfarth-Bottermann und Fabian Thülig
- Herber geht's nicht: Die Kolumne von Joe Herber
- Mein Leben ist Basketball, aber ich lebe nicht davon
-ProA, ProB, DBBL, Player Check, Spiel des Monats, Big Business, Undundund

easyCredit Telekom TipBet Spalding Ranko Simba Dickie Group Kinder plus Sport