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BIG - Basketball in Deutschland
„Ich hasse meinen Namen!“ - Das große P.J. Tucker-Interview in der neuen Ausgabe der BIG

„Ich hasse meinen Namen!“ - Das große P.J. Tucker-Interview in der neuen Ausgabe der BIG

Am kommenden Wochenende tritt er mit den Brose Baskets beim TOP FOUR der Beko BBL in Bonn an – BIG sprach vorab mit P.J. Tucker. Hier einige Auszüge aus dem Interview mit dem Kraftpaket aus der neuen Ausgabe.
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Was hat sich für Sie während der Saison geändert? Im Januar und im Februar hatten Sie individuell einen wahren Höhenflug.
Eigentlich spiele ich nicht anders als zu Saisonbeginn. Aber ich musste erst mal eine Anpassung durchmachen. Man muss wissen: Egal wo ich vorher gespielt habe, ich war immer der Key Player für mein Team, na gut, vielleicht nicht in der NBA, aber sonst war das überall der Fall. Ich war derjenige, der am meisten im Fokus stand und der am Ende die Verantwortung für Siege oder Niederlagen übernehmen musste. Aber als ich hierherkam, war das erst mal was anderes. Hier sind so viele gute Spieler, das Team ist so ausgeglichen. Da musste ich mich erst mal reinarbeiten und konnte nicht etwa sagen: Ich will jeden Ball haben, ich bin sofort der Mann hier. Es hat eine Weile gedauert, aber jetzt habe ich meine Rolle gefunden. Der Prozess war einfach und schwer zugleich. Auf der einen Seite ist das ja hier eine funktionierende Mannschaft, hier findet man leicht rein. Aber auf der anderen Seite war es erst mal eine Umstellung. Also ich meine: Es war wegen der vielen guten Spieler leicht, es war wegen der vielen guten Spieler aber auch schwer.

Haben Sie das Gefühl, der dominanteste Spieler der Liga zu sein?
Oh, also ich bin ehrlich: Ich mache mir eigentlich ziemlich selten Gedanken darüber, wer mich auf dem Feld stoppen könnte. Natürlich habe ich das Gefühl, dass ich einer derjenigen bin, die dem Gegner mehr Probleme als andere bereiten, aber der dominanteste Spieler der Liga? Ich weiß nicht, manchmal stimmt das vielleicht. Was ich aber sicher sagen kann: Ich denke, ich bin derjenige oder einer derjenigen mit dem größten Selbstvertrauen. Ich glaube immer an meine Stärken. Das mag dominant wirken, aber es geht nicht um individuelle Leistungen, dafür ist unser Spiel zu wenig auf mich zugeschnitten, dafür spielen wir zu teamorientiert. Das Ganze liegt aber auch immer an den Gegnern.

Was meinen Sie damit?
Man braucht einen, der einem wirklich alles abverlangt, um zeigen zu können, was man wirklich draufhat. Ich denke nicht, dass ich im Moment großartig spiele, ich denke eher, dass es ganz in Ordnung ist. Um denken zu können, dass ich wirklich großartig spiele, bräuchte ich aber auch Gegner, die mich da hintreiben. Das wird sicherlich noch kommen. Spätestens dann, wenn die Playoffs beginnen.

Je näher das Saisonende kommt, desto mehr wird auch über den MVP-Titel geredet. Ein Thema für Sie?
Ich habe dieses Ding in meiner Profizeit bis jetzt außer einmal jedes Jahr gewonnen. Ich war immer MVP: in Israel, in der Ukraine … eigentlich überall. Wobei das nicht so überraschend ist, denn ich war auch immer der entscheidende Mann in meinen Teams, und ich habe immer bei sehr erfolgreichen Klubs gespielt, egal in welchem Land.

Die deutsche Trophäe fehlt Ihnen noch …
Sagen wir es mal so: Ich tue alles dafür, dass mein Team gewinnt. Und wenn ich dann die Trophäe bekommen sollte, dann ist das natürlich fein. Aber es wäre mehr eine Teamtrophäe. Ich denke, dass der MVP aber auf jeden Fall aus unserem Team kommen müsste, auch wenn ich weiß, dass letztes Jahr DaShaun Wood die Auszeichnung bekommen hat, als er noch für Frankfurt spielte. Und die wurden nur Dritter. Aber: Mir ist der MVP-Titel auch gar nicht so wichtig, am Ende geht’s sowieso nur um die Meisterschaft, nur die zählt. Das ist das Einzige, woran sich die Leute später erinnern werden, nicht an irgendwelche MVP-Titel. Also wenn ich MVP werde, wir aber nicht die Meisterschaft gewinnen, wäre ich unglaublich sauer. Das wäre nicht mal im Ansatz ein Trost für mich.

Interview mit Tucker nach dem Sieg in der Hinrunde gegen den FC Bayern München:


Sie sind zum zweiten Mal Vater geworden. Und nachdem Sie Ihre vier Jahre alte Tochter Aliyah genannt haben, heißt Ihr Sohn nun King. Klingt, als wenn Ihre Frau beim ersten Mal und Sie diesmal entscheiden durften?
Absolut, ja. Meine Frau hat die Sängerin Aliyah geliebt, sie war ein großer Fan und ist es eigentlich auch heute noch. Na ja, und jetzt war ich dran mit dem Namen, das war mein Ding. King, ich liebe diesen Namen, er ist kraftvoll, der Name ist ein Statement, er ist maskulin, ein echtes Ausrufezeichen. Wir haben in den USA auch keine Probleme mit ungewöhnlichen Namen, du kannst dein Kind auch Schnürsenkel nennen, der Sänger von Coldplay hat sein Kind Apple genannt. Dagegen finde ich King fast noch normal.

Wer seinen Sohn King nennt, erwartet wohl so einiges von ihm?
Nein, nein, es ist einfach ein starker Name, ich mag ihn. Ein echter Name, der was ansagt. Das Lustige ist ja, dass die Leute, die mich gut kennen, nicht mal überrascht davon sind, dass ich den Kleinen King genannt habe. Die wissen, dass das gut zu mir passt. Es ist ein Name, der viel Überzeugung ausdrückt. Und das passt zu mir! Außerdem habe ich damit eine Art Tradition fortgesetzt. Mein Vater heißt Anthony senior, ich heiße Anthony junior und der Kleine heißt Anthony King Tucker III. Ich werde ihn aber nicht Anthony nennen, den Namen kann ich eigentlich nicht leiden.

1332166968/img_20120306_loeb_tucker016.jpgMoment Mal, Sie können Ihren eigenen Namen nicht leiden?
Nein, ich muss gestehen, dass ich ihn sogar hasse. Ich habe mich sogar gegen den Namen gewehrt, aber aus irgendwelchen Gründen taucht er immer wieder auf. In der Bundesliga heiße ich auch nur Anthony Leon, wenn ich das höre, ehrlich, ich könnte verrückt werden.

Verstehe, dann stellen Sie sich Folgendes vor: Es ist das Ende der Saison, Sie werden MVP – doch auf der Trophäe steht nicht P.J. – sondern Anthony Leon?
Das wäre echt mies, ich wäre sauer, stinkig. Wirklich, ich heiße P.J.! Und nicht Anthony Leon! Auf allen Pokalen, die ich in meinem Leben gewonnen habe, steht P.J. – und nichts anderes. Aber ich habe eine Idee.

Ich bin gespannt!
Wenn ich mal, was ich natürlich nicht vorhabe, Unfug anstellen sollte und zum Beispiel ins Gefängnis muss, kann man meinetwegen sagen: Anthony Leon Tucker muss hinter Gitter. Das ist mein schlechter Name. Aber mein guter ist P.J., ganz einfach. Guter Name, schlechter Name, darauf sollten wir uns einigen.


Wer nun Geschmack bekommen hat, dem sei die neue Ausgabe der BIG empfohlen, die ab Dienstag, den 20.03, im Handel erhältlich ist (Abonnenten haben sie bereits eine Woche früher im Briefkasten).

Weitere Themen im Heft:
- Svetislav Pesic - der neue Bundestrainer im BIG-Portrait
- Interview: John Bryant
- Kolumne: Herber geht’s nicht
- Interview Mike Koch
- Positions-Ranking: die Small Forwards
- Interview Sebastian Machowski
- Bremerhavens Torrell Martin
- Tübingens Josh Young
- Kolumne: Demond Mallet
- Ein bisschen Linsanity an der Nordseeküste
- Ein Samurai in Sachsen
- Undundund

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