FB Twitter Instagram YouTube Google+

"Die Spieler in München müssen die Zeichen der Zeit erkennen" - SPORT1-Kolumne von Stephan Baeck

SPORT1-Kolumnist Stephan Baeck glaubt, dass die Bayern den Ernst der Lage noch nicht begriffen haben. Lob gibt es dagegen für ALBA Berlin und Headcoach Sasa Obradovic.

Hallo Basketball-Freunde,

Die Bayern haben sich beim Sieg gegen den Mitteldeutschen BC schwer getan. Allerdings ist es auch nicht einfach in Weißenfels zu spielen. Das habe ich mit meinen Kölner Teams schon am eigenen Leib erfahren.

Gerade in der jetzigen Situation war es daher umso schwerer für die Bayern, dort zu bestehen. Die Unruhe im Team, Umfeld und Verein ist greifbar.

Nur Siege helfen der Mannschaft jetzt ein Umfeld zu schaffen, das ruhiges und zielgerichtetes Arbeiten ermöglicht. Schlussendlich ist das nämlich das einzige Rezept, um das Potenzial der Mannschaft abzurufen.

Die Spieler - so scheint es - haben die Zeichen der Zeit immer noch nicht erkannt.

Es ist offensichtlich, dass die Mannschaft nicht das abruft, was sie kann. Als Individuum funktionieren die Spieler bisher selten und als Team noch weniger.

In der jetzigen Situation kann es nur einen Weg zu erfolgreichen Basketball geben und der führt über die Defense.

Gerade auswärts in aufgeheizter Atmosphäre vor frenetischen anfeuernden Fans des MBC heißt es, von der einen Seite bis zur anderen Seite, Druck am Ball auszuüben, um damit ein Zeichen für die ganze Mannschaft zu setzen.

Es muss die Bereitschaft da sein, meinen Gegenspieler zu allererst im Eins gegen Eins zu stoppen.

Dies war bis auf die letzten Minuten des Spiels nicht zu erkennen und zeigte sich sehr deutlich im mangelhaften Reboundverhalten.

In Bayreuth läuft es dagegen bislang optimal. Vor der Saison haben sich die Franken kein allzu hoch gestecktes Ziel gesetzt, und schicken sich nun an, die Rolle von Ulm als Überraschungsteam des letzten Jahres zu übernehmen.

Die Siege waren gut für Selbstvertrauen und Mannschaftsgeist. Das Team kann jetzt mit breiter Brust von Spiel zu Spiel denken kann.

Die Reifeprüfung folgt aber erst in einem Spiel gegen eines der großen Teams. Erst dann kann man sagen, wo die Reise hingeht.

Allerdings sind die bis dahin errungenen Siege ein schönes Polster und nehmen den Druck von der Mannschaft.

Auf den ersten Blick überraschend war sicherlich die Niederlage Bambergs bei den Artland Dragons in Quakenbrück.

Ich denke aber, dass dies sicher auch mit der schweren Partie beim FC Barcelona zusammenhing. Die Pause zwischen den Spielen betrug weniger als 48 Stunden und die vielen Ballverluste zeugen von Konzentrationsmängeln, die sich kein Team in der Beko BBL mehr erlauben kann.

Artland ist trotz der hohen Niederlage gegen ALBA, eine Mannschaft, die dieses Jahr um den Titel spielen will. Sie haben ein exzellentes Team, das jedes Team in Deutschland schlagen kann.

Die Bamberger haben zwar eine neue Mannschaft, aber in Bostjan Nachbar erneut einen Spieler gefunden, der die Liga dominieren kann.

Der Slowene hat sich bereits hervorragend integriert und seine Klasse schon bewiesen. Bamberg wird daher auch in dieser Saison eine Mannschaft sein, die es auf dem Weg zum Titel zu schlagen gilt.

Dazu zählt dieses Jahr für mich, aber auch wieder ALBA Berlin. Man muss dem neuen Trainer Sasa Obradovic ein großes Lob aussprechen.

Er hat es geschafft, ein Team zu formen, das als Einheit auftritt und aggressiv zu Werke geht. Dabei legen sie viel Wert auf die Verteidigung. Alle Spieler übernehmen Verantwortung in der Defensive. Das ist eine sehr gute Ausgangsbasis.

Mit permanentem Druck auf den Gegner hat auch Bamberg in den letzten Jahren dominiert. Die Berliner Mannschaft wirkt in jedem Spiel hungrig und das gefällt Fans und Verantwortlichen.

In diesem Sinne,

Euer
Stephan Baeck

Stephan Baeck, 47, erzielte in 133 Länderspielen 1210 Punkte für Deutschland und wurde 1993 in einem dramatischen Finale gegen Russland Europameister. Der Shooting Guard holte zudem drei Meistertitel mit Bayer 04 Leverkusen, zwei mit dem BSC Saturn Köln und einen mit ALBA Berlin. Mit den "Albatrossen" gewann er 1995 zudem den Korac-Cup. Von 2000 bis 2009 arbeitete Stephan Baeck als Geschäftsführer, Sportdirektor und Head Coach für das Kölner Bundesliga-Team und führte es zu drei Pokalsiegen und zum Meistertitel 2006.
easyCredit Telekom TipBet Spalding Ranko Simba Dickie Group Kinder plus Sport