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BIG - Basketball in Deutschland
Agent Provocateur - Sven Schultze im BIG-Interview: „Es ist nichts Neues für mich, der Buhmann zu...

Agent Provocateur - Sven Schultze im BIG-Interview: „Es ist nichts Neues für mich, der Buhmann zu...

Sven Schultze, Kapitän von ALBA BERLIN, spricht über seine Rolle als Buhmann der Liga, Sasa Obradovic und erklärt, warum er nach der Karriere nicht in seine Heimat nach Bamberg zurückgeht.
Herr Schultze, fühlen Sie sich manchmal ungerecht behandelt?
(überlegt) Nee. Warum?

Weil Sie als der Buhmann der Liga gelten.
Damit bin ich in meiner ganzen Karriere zurechtgekommen. Das ist nichts Neues für mich. Die Situation letztes Jahr bei den Finals in Bamberg war allerdings schon ein anderes Kaliber. Aber als ich im Ausland in Italien war, war das auch schon so. Als wir in der Vorbereitung das Turnier in Varese gespielt haben, wurde ich dort witzigerweise auch ausgebuht. Da haben die Kollegen schon geschaut und gefragt: Sven, was ist los? Was hast du denen getan? Ich habe in Mailand gespielt und Varese gegen Mailand ist ein Derby. Und mit der Spielweise, die ich habe, bin ich offenbar auch dort bei den gegnerischen Fans nicht so gut angekommen.

Die Situation in der Finalserie 2011 in Bamberg, wo Sie in Ihrer Heimatstadt ausgebuht worden sind, hat Sie da mehr mitgenommen?
Ja, anfangs schon. Es ist meine Heimatstadt. Ich bin da aufgewachsen, habe dort bis zu meinem 18. Lebensjahr gewohnt. Das war nicht nur für mich, auch für meine Eltern, die ja mit dem Basketball dort sehr verbunden sind, nicht leicht. Mein Vater hat lange die Pressekonferenzen geleitet und meine Mutter hat an einem Stand gearbeitet und sich dem Verein hingegeben. Da war das schon bitter. Bamberg ist eine kleine Stadt, wo jeder jeden kennt. Dann wurden auch meine Eltern angequatscht, wie ich denn spielen würde. Das fand ich nicht in Ordnung. Sport ist eine Sache. Aber meine Eltern haben damit nichts zu tun. Nach dem verlorenen fünften Finale wurde auch noch gebuht, als ich die Medaille umgehangen bekommen habe. Selbst im Sommer beim Supercup mit der Nationalmannschaft. Das ist im Hinterkopf geblieben, das habe ich mir gemerkt. Aber inzwischen weiß ich ja, dass das kommt.

Wie ist das, wenn Sie heute auf Besuch in Bamberg sind und erkannt werden. Gibt es da auch Zuspruch?
Es gibt die Leute, die mich kennen. Die sagen dann natürlich, es sind nicht alle so. Aber ich kenne ja nicht alle 7000 Menschen in der Halle. Natürlich muss man da drüberstehen. Steffen (Hamann, d. Red.) hatte letzte Saison auch so eine Situation, als er in Quakenbrück beschimpft wurde. Oder als er in Berlin gespielt hat und nach Bamberg zurückkam, wurde er auch ausgebuht. Bamberger Fans sind halt sehr emotional. Sie beschützen ihr Team, das ist ihr Ein und Alles. Und wenn dann jemand kommt, der eine Angriffsfläche bietet, wie ich es getan habe, weil ich hart gespielt habe, gibt es für sie halt einen Aufhänger sich aufzuregen. Das macht man in Bamberg gerne.


Doch mal Hand aufs Herz: Ein bisschen Provokation und Trashtalk gehört doch sicher zum Spiel dazu?
Ja, klar. Die Bamberger haben es damals ja auch nicht anders gemacht. Die haben auch Trashtalk gemacht. Es ging um die Deutsche Meisterschaft und jeder wollte gewinnen. Casey Jacobson, Suput und ich auch. Da ging es eben hart zur Sache. Aber das ist Vergangenheit.

Gibt es eine Art Kunst der Provokation, zu wissen was man mit wem im richtigen Augenblick machen kann?
Ich gehe nicht in Spiele rein und gucke, mit wem ich stänkern kann. Es gibt Leute, die richtig Trashtalk machen können und auch noch gut spielen. Ich habe schon in meinen jüngeren Jahren die Erfahrung gemacht, wenn ich anfange zu reden und zu kabbeln, dass ich dann nicht gut gespielt habe. Meine Art ist eher, hart zu spielen. Ich lasse mir nichts gefallen. Ich gebe eher Antworten mit Härte, ehe ich anfange zu quatschen.

Bekommen Sie das mit, wenn es den Gegenspieler beeindruckt oder nervt?
Klar. Er sagt es dir oder gibt dir auch eine mit. Die reagieren auch darauf. Entweder verbal oder auch mal mit versteckten Fouls.

Wie schwierig ist es, mit Sasa Obradovic auszukommen. Von außen sieht es manchmal ganz schön heftig aus, wenn er Spieler bei einer Auswechslung lautstark zusammenstaucht.
Ja, aber er kommt dann auch schnell zu einem und sagt: Das darfst du nicht mehr machen. Dann bekommt man eine zweite Chance. Er ist da nicht nachtragend. Er coacht mit Emotionen, wie er auch als Spieler war. Als Außenstehender denkt man sicher: Oh Gott. Oder im Training könnte man denken, jetzt platzt ihm gleich der Kopf. Aber was er sagt und macht, hat Hand und Fuß. Er war einer der besten Aufbauspieler, er versteht das Spiel. Mit Sasa Djordjevic hatte ich in Mailand einen ähnlichen Trainer. Auch er gehörte zu den besten Aufbauspielern. Er war damals als Coach noch relativ neu. Ähnlich wie Sasa, war er sehr emotionsgeladen und wollte sehr hart verteidigen lassen. Ich kannte das also schon. Djordjevic und Sasa Obradovic sind sehr gut befreundet und ich wusste dadurch, was der eine und was der andere denkt und verlangt. Sie sind sich beide sehr ähnlich.

Die Handschrift von Sasa Obradovic ist schon deutlich zu erkennen.
Ja. Schon im Trainingslager haben mich viele Übungen an die alte Pesic-Schule von 1998, als ich in Berlin angefangen habe, erinnert. Das war back to the roots für mich. Doch ich finde das gut. Die Energie, mit der wir spielen und vor allem verteidigen, ist das A und O.

War die Vorbereitung härter als gewohnt?
Sie war hart. Aber nicht so, dass ich sage, es war die härteste meines Lebens.

Also nicht so wie bei Svetislav Pesic?
Nee. Damals war ich ja auch noch jünger und da kann man ja noch mehr einstecken. Nein, zum Pesic-Training gibt es keinen Vergleich. (lacht)

Sie sind jetzt 34 Jahre alt. Sehen Sie die Zeit schon davonlaufen oder machen Sie sich da noch keinen Kopf?
Schon. Ich habe mir gesagt, wenn der Körper mitmacht, gebe ich mir noch zwei Jahre. 36 ist ein gutes Alter. Mein großes Vorbild ist Wendell (Alexis, d.Red.), der war ja ungefähr so alt wie ich, als er kam und war unglaublich fit. Wenn man seinen Körper fit hält, kann man schon noch ein paar Jährchen spielen. Aber natürlich schaue ich schon, in welche Richtung es nach der Karriere einmal gehen könnte. Ob ich im Basketball bleibe oder etwas ganz anderes mache. Aber da gibt es noch nichts Konkretes.

Haben Sie sich schon überlegt, wo Sie nach der Karriere leben wollen? Geht es trotz allem nach Bamberg zurück?
Ich glaube nicht. Nach Bamberg wird es nicht zurückgehen. Wir fühlen uns in Berlin sehr wohl. Der Sohn geht in hier in die Schule. Meine Tochter ist in der Kita. Unser sozialer Bereich hat sich erweitert. Wir haben viele Freunde hier, meine Frau arbeitet hier. Man darf auch nicht vergessen, wir sind jetzt schon wieder drei Jahre hier. Davor waren wir, wenn auch ohne Kinder, schon vier Jahre in Berlin. Es steht ja auch auf meiner Autogrammkarte drauf: Berlin ist meine zweite Heimat. Wir können uns schon vorstellen, hierzubleiben.

Das komplette Interview gibt es in der aktuellen Ausgabe der BIG (Abonnenten haben sie bereits eine Woche früher im Briefkasten) und außerdem noch folgende Themen:

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