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BIG - Basketball in Deutschland
Bayerns Anführer Steffen Hamann im BIG-Interview: „Wir werden näher rankommen, das weiß ich!“

Bayerns Anführer Steffen Hamann im BIG-Interview: „Wir werden näher rankommen, das weiß ich!“

In der neuen Ausgabe der BIG: Point Guard Steffen Hamann vom FC Bayern München über die Jagd auf Bamberg, seine Zukunft in der Nationalmannschaft und die Anfeindungen im Viertelfinale gegen die Artland Dragons.
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Das Aus ist verdaut. Steffen Hamann wäre mit seinem FC Bayern im ersten Bundesligajahr natürlich liebend gerne noch etwas weiter gekommen als in die erste Playoff-Runde. Doch gegen Artland leisteten sich die Münchner eine ungewohnte Heimniederlage (eine von nur zwei in der gesamten Bundesligasaison), dann flutschte ihnen die Serie aus den Fingern. Für Hamann aber waren das keine normalen Spiele, denn aufgrund einer Rangelei im zweiten Duell in München, bei der er mit Artlands David Holston aneinandergeraten war und der Dragon-Guard im Anschluss vom Feld flog, wurde Hamann im dritten Spiel in Quakenbrück vom Publikum dermaßen heftig attackiert, wie man es bei einem Nationalspieler sonst nie erlebt hat. Ein paar Wochen später, nach einem ausgiebigen Urlaub, hat der 31-Jährige die für ihn unschönen Erlebnisse verdaut. BIG hat ihn in München getroffen und mit ihm über das Geschehen in den Playoffs und über die kommende Saison gesprochen.

1340873627/img_4.jpegSteffen Hamann, auch wenn ein paar Wochen Freizeit nach der Saison sicherlich ganz angenehm waren, Sie hätten lieber drauf verzichtet. Nicht wahr?
Natürlich, mir wäre weniger Urlaub viel lieber gewesen. Wir waren drauf und dran, ins Halbfinale zu kommen. Da wollten wir hin. Und das hatten wir von unserem Potenzial her auch drauf. Aber jetzt ist das Ganze abgehakt. Die Finals habe ich dann wieder verfolgt. Das tat natürlich noch mal ziemlich weh, das aus der Ferne sehen zu müssen. Als Bamberg dann gewonnen hatte und die Party begann, habe ich den Fernseher auch ausgemacht.

Können Sie der ersten Saison der Bayern in der Bundesliga denn trotzdem etwas Positives abgewinnen?
In unseren letzten drei Monaten haben wir richtig gut gespielt. Das war in Ordnung. Da hatten wir uns gefunden, endlich ein paar Spiele in Serie gewonnen. Aber dass wir den hart erkämpften Heimvorteil in den Playoffs dann so leichtfertig wieder verschenkt haben, bleibt einem einfach im Gedächtnis haften. Natürlich kann man mit der Entwicklung des Vereins und dem ganzen Drumherum zufrieden sein, das lief alles in die richtige Richtung und wird auch sicher so weitergehen, aber als Sportler hat man eine andere Perspektive, da zählt nur das Maximum. Von daher überwiegt die Enttäuschung, das wird auch so bleiben.

1340873708/img_5.JPGWahrscheinlich auch, weil Sie letztlich kurz davor waren, die von vielen Fans im ganzen Land erhoffte Halbfinalserie gegen Bamberg zu erreichen.
Genau, vor allem auch, weil wir gegen sie in der Liga gut ausgesehen haben. Herr Heyder hat ja selbst nach unserem Spiel in Bamberg gesagt, wir hätten als Gegner eines der besten Spiele auf deren Court gemacht, an die er sich in der Liga erinnern konnte. Dann haben wir sie ja sogar daheim geschlagen. Ich habe natürlich größten Respekt vor ihren Leistungen, trotzdem glaube ich, dass Bamberg richtig froh war, uns in den Playoffs nicht sehen zu müssen. Wir wären alles andere als machtlos gewesen, auch wenn ich vor Bamberg am Ende der Saison mal wieder meinen Hut ziehen muss. Die waren wieder herausragend. Aber jetzt sind wir mal gespannt, wie sie und wir und die anderen in die nächste Runde gehen. Wir werden sicherlich näher rankommen, das weiß ich.

Sie blieben Herausforderer. Genau wie Alba und Ulm. Erwarten Sie nächstes Jahr einen echten Vierkampf um den Titel?
Das ist zwar noch lange nicht abzusehen, aber das kann ich mir nicht vorstellen. Auch andere haben die Zeichen der Zeit erkannt, die Zuschauerzahlen steigen, die Budgets damit auch, Mannschaften können sich mehr leisten und haben höhere Erwartungen. Da greifen mehr als nur die vier Teams an. Die Bundesliga war schon jetzt so ausgeglichen und aufregend, wie ich sie noch nie erlebt habe. Wenn man sieht, dass eine Mannschaft wie Oldenburg die Playoffs nicht geschafft hat und dass mit uns und Würzburg zwei Aufsteiger drin waren, dann sagt das viel aus. Bei Alba wird Obradovic neuen Wind in die Segel blasen, Ulm wird bestimmt noch besser, wir wollen auch deutlich mehr. Es wird bestimmt nicht so sein wie in Griechenland, wo immer die gleichen Mannschaften ins Finale kommen.

Rechnen Sie mit einem neuerlichen personellen Aufrüsten Ihres Clubs?
Eines steht auf jeden Fall fest: Auf noch mal Platz fünf und nur die erste Playoff-Runde hat hier keiner Lust. Wir haben hier alle höhere Ansprüche. Aber ich finde gar nicht, dass man zwingend etwas ändern müsste. Natürlich werden neue Spieler hinzukommen, aber ich halte es immer für eine gute Sache, wenn man den Kern einer Mannschaft beisammenhält und nicht im Sommer wieder von vorne anfangen muss. Außerdem heißt es ja nicht, dass wir uns auf dem Markt frei bedienen können, nur weil wir der FC Bayern sind. Ich bin selbst gespannt, wer zu uns kommt und ob ich eine andere Rolle haben werde. Mittlerweile gibt es ja viele scorende Point Guards in der Liga. Letztes Jahr bin ich gestartet, das bleibt auch weiter mein Ziel. Aber ich hätte auch kein Problem, von der Bank zu kommen, wenn ein stärkerer Einser bei uns wäre. Ich muss alles akzeptieren und um meinen Platz kämpfen. Am Ende geht es um das Maximum für das Team, ob ich dabei 30 oder 15 Minuten spiele, ist nicht entscheidend. Trotzdem muss ich auch sagen, dass ich kein Problem damit gehabt hätte, wieder mit der gleichen Truppe wie letztes Jahr in die Schlacht zu ziehen.

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Eine Schlacht war es auch, die sich der FC Bayern mit Artland in der ersten Playoff-Runde lieferte. Keine andere Serie ging sonst über die volle Distanz. Doch was sich in Quakenbrück gegen Sie als langjährigen Nationalspieler abspielte, war in der Härte überraschend. Wie erklären Sie sich das?
So richtig kann ich es auch nicht, aber das ist ja im Grunde nichts Neues für mich. Und man kennt das ja aus dem Sport. Im Fußball wurde ein Oliver Kahn sogar mit Bananen beworfen, und der Mann war eine Ikone im deutschen Sport. Trotz seines Standings hätte der sich sogar gewundert, wenn es keine Schlachtrufe gegen ihn gegeben hätte. Vielleicht werde ich nach den vielen Jahren als Nationalspieler intensiver wahrgenommen als manch anderer. Und ich bin natürlich auch jemand, der mit Gestik, Emotion und Aggressivität im Spiel arbeitet, davon lebe ich. Das macht mich aus. Das kann man, wenn man es denn möchte, auch als provozierend interpretieren, auch wenn das nie so gemeint wäre. Und schon entsteht ein gewisses Drama, das Fans natürlich dankend aufgreifen.

Wie haben Sie die Stimmung gegen Sie in Quakenbrück denn verarbeitet?
Ich bin ehrlich, das tat schon ziemlich weh. Vor allem, als mir danach noch mal einige Bilder durch den Kopf gegangen sind. Was ich dort in Spiel drei erlebt habe, ist mir vorher nie passiert. Und das alles, obwohl ich mit Holston überhaupt kein Problem hatte. Wir haben hart gegeneinander gespielt, und als die Serie vorbei war, haben wir uns in die Augen geschaut, die Hand gegeben und alles war cool zwischen uns. Im Nachhinein muss ich diese Dinge einfach so hinnehmen und über ihnen stehen. Ich gehe auch nicht davon aus, dass sich das noch mal ändern wird, aber so extrem wie in diesem einen Spiel muss ich es nicht mehr erleben. Da reicht mir das eine Mal.

1340873574/img_3.jpgKönnten Sie sich überhaupt wehren?
Ich weiß gar nicht, ob ich das überhaupt wollen würde. An diese ewigen Steffi, Steffi-Rufe habe ich mich eh schon lange gewöhnt, das fing ja schon vor vielen Jahren in meiner ersten Playoff-Runde damals gegen Bonn an. Und zu einem gewissen Grad habe ich auch Verständnis, die Leute wollen unterhalten werden, sie wollen Themen haben. Sie wollen sich im Büro unterhalten. Sport ist nun mal Entertainment. Wenn man sieht, dass man für ein Champions-League-Finale eine Million Karten hätte verkaufen können und sich im Endeffekt alles nur um 90 Minuten Fußball dreht, dann merkt man erst mal, wie wichtig der Sport den Menschen ist. Wie er Leute mitreißen kann und wie sehr sie sich dafür hingeben. Aber sie vergessen schnell, dass das auf dem Rasen oder auf dem Basketballcourt auch Menschen sind, denen Beleidigungen was ausmachen können. Manchmal ist es traurig, dass wir erst so einen Fall wie mit Robert Enke erleben mussten, bevor sich die Menschen Gedanken über Respekt untereinander gemacht haben.

Haben Sie das Gefühl, nach 131 Länderspielen nicht entsprechend respektiert zu werden?
Das kann ich so nicht sagen. Was ich auf jeden Fall sehr schade finde, ist, wenn kleine Kinder wie jetzt in Quakenbrück Schilder hochhalten mit der Aufschrift: Du bist kein Vorbild. Da überlege ich mir dann hinterher schon, wie so was passieren kann oder ob ich was falsch gemacht habe. Ich bin jetzt 31 und habe fast jeden Sommer für Deutschland gespielt. Ich habe das immer voller Stolz gemacht. Ja, im Endeffekt finde ich es einfach schade, wenn es dann solche Momente gibt. Anders kann ich es nicht beschreiben.

Was die Fortsetzung Ihrer Karriere im Nationalteam betrifft, hatten Sie ja bereits mit einem Ende geliebäugelt. Nun nominierte Sie der neue Trainer, Svetislav Pesic, dennoch für den Kader. Was werden Sie tun?
Wenn ich ehrlich bin, ist das die schwerste Entscheidung, seitdem ich damals Bamberg verlassen habe. Ich habe vor den Playoffs ein Gespräch mit ihm geführt, und er hat mir gesagt, dass er mich dabeihaben will, weil er mich braucht. Das hat mich erst mal gefreut Das ist eine große Ehre. Aber ich bin ehrlich, ich muss die Zeichen der Zeit erkennen. Und es gibt viele Talente, die richtig gut sind und es verdient haben, sich beim DBB zu beweisen. Außerdem hat die Saison wieder viel Kraft gekostet. Wir lagen ein paar Mal richtig am Boden und sind aufgestanden. Außerdem bin ich einer, der sich voll mit dem Projekt identifiziert und die Sache im Kopf auch oft mal mit nach Hause nimmt. Heißt also, von der Belastung her wäre es gut, in Zukunft im Sommer freizuhaben. Auf der anderen Seite weiß ich aber noch genau, wie das damals war, als ich neu dazukam und von den Erfahrenen gelernt habe, Marko Pesic, Patrick Femerling, Stephen Arigbabu. Die Rolle wird nun auch von mir gefordert. Ich werde mich mit dem Bundestrainer sehr bald noch mal zusammensetzen. Dann gibt es eine Entscheidung. Bis dahin ist alles offen.

In der neunten Ausgabe der BIG, die seit Dienstag, den 26.06. im Handel erhältlich ist (Abonnenten haben sie bereits eine Woche früher im Briefkasten) gibt es außerdem noch diese Themen:

- Der große Saisonrückblick auf 30 Seiten
- Die Liga-Bilanz: Wo steht die Beko BBL im internationalen Vergleich
- Interview Sasa Obradovic: Der neue Chef an der Seitenlinie
- John Patrick: Warum musste er trotz einer starken Saison in Würzburg gehen?
- Kolumne: Joes Ecke - Herber geht's nicht
- Sascha Leutloff: Der Chef des Wolfrudels im Portrait
- Kyle Hines: früher in Bamberg, nun EL-Champion
- Kolumne: Demond Mallet
- Undundund

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Das ist BIG - DAS MAGAZIN FÜR BASKETBALL IN DEUTSCHLAND!

Steffen Hamann mit dem Dreipunktspiel gegen das Team USA:



Drei typische Körbe von Hamann aus seiner Zeit in Berlin:



Und natürlich der Klassiker:

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