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BIG - Basketball in Deutschland
Das Bamberger Herz - Anton Gavel im BIG-Interview:

Das Bamberger Herz - Anton Gavel im BIG-Interview: "Wir sind das Borussia Dortmund des Basketballs"

ANTON GAVEL wurde im Sommer von vielen Top-Klubs umworben. Nach langem Poker verlängerte der Slowake beim Double-Sieger in Franken. Die Verantwortlichen bezeichnen ihn als „Herzstück“ des Teams. Im BIG-Interview spricht er über die neue Saison, den Hunger nach weiteren Titeln, seinen Kumpel Heiko Schaffartzik und den deutschen Pass


Anton Gavel, in den letzten Wochen vor dem Saisonstart mit Bamberg haben Sie eine ganz spezielle Erfahrung gemacht. In der EM-Qualifikation gab es mit der Slowakei fast nur Niederlagen. Doch Sie waren mit rund 26 Punkten im Spiel bester Scorer in Europa. Gaben Ihnen die Spiele Rückenwind für die Saison oder war’s doch eher ein Knacks wegen der vielen Pleiten?

Gavel: Ich habe auf jeden Fall versucht, das Positive mitzunehmen. Eine andere Wahl hatte ich auch nicht. Nach der Absage unserer wichtigsten Spieler hatte ich mehr Verantwortung im Team, deswegen waren viele Systeme auf mich zugeschnitten und ich hatte auch viel Freiraum. Es war ganz okay, wie ich selbst gespielt habe, wie ich versucht habe, uns auch offensiv im Spiel zu halten. Aber natürlich ist es schade, dass wir nur einmal gewonnen haben. Ich hätte meine Punkte lieber gegen Siege eingetauscht. Ich werde wahrscheinlich nie die Möglichkeit haben, bei einer EM oder einer WM zu spielen, natürlich auch nicht bei Olympia. Das ist schon bitter für mich. Wenn ich mit meinem besten Kumpel Heiko (Schaffartzik, d. Red.) rede und er mir von großen Turnieren erzählt, dann merke ich, wie sehr ich so was auch mal gerne erleben würde.

Sprechen wir über Bamberg. Sie haben Ihren Vertrag um zwei Jahre verlängert. Fiel es Ihnen schwer, sich nach den großen Erfolgen der letzten Jahre für Bamberg neu zu motivieren?

Eigentlich nicht, nein. Es ist immer sehr einfach, zu sagen: Hier habe ich alles gewonnen, jetzt gehe ich woanders hin. Aber so bin ich nicht. So war ich auch nie. Ich glaube, wir können hier trotzdem weiter gewinnen. Casey (Jacobsen, d. Red.) zeigt das hier als Vorbild immer wieder, wie man viel erreichen kann. Ich will weiterhin oben stehen. Klar, die Mannschaft hat sich fast komplett geändert, aber ich weiß, was ich hier habe. Ich weiß, dass Basketball hier die Sportart Nummer eins ist. Aber jetzt ist es die Herausforderung, das neu zu beweisen. Ich habe die letzten Jahre hier miterlebt und weiß, wovon ich rede. Ich will die Geschichte fortsetzen. Weitere Titel gewinnen, das ist das Ziel. Wenn ich Berlin, Ulm, München, Artland und andere sehe, die alle angreifen wollen, dann wird das nicht einfach, aber man braucht im Leben immer neue Ziele. Und wir bleiben diejenigen, die man schlagen muss, um die Meisterschaft zu gewinnen.

Dennoch: Auch Sie haben sich mit der Unterschrift etwas Zeit gelassen. Musste Sie abwägen?

Das würde ich gar nicht mal sagen. Die Entscheidung war nicht wirklich schwer, aber ich habe mir länger Zeit genommen als sonst, das stimmt. Die meisten Spieler warten ja immer etwas ab und schauen, wer wohin wechselt, und entscheiden sich dann für eine konkurrenzfähige Mannschaft. Ich habe zwar auch ein wenig überlegt, aber dann habe ich bewusst gesagt: Ich unterschreibe jetzt hier als einer der Ersten und dann können sich ja hoffentlich andere anschließen. So ist es auch gekommen. Das war nicht leicht für den Verein, denn wir haben ja richtig starke Abgänge. Die sind alle einen Level höher gegangen. Zwei sind in die NBA, Brian (Roberts, d. Red.) und P.J. (Tucker, d. Red.), Tibor (Pleiß, d. Red.) und Marcus (Slaughter, d. Red.) spielen in Spanien, das sind noch größere Adressen als Bamberg. Ich hatte auch Angebote und hätte auf ein höheres Level springen können, aber ich wollte einfach hierbleiben und will versuchen, nach den gleichen Zielen wie in den letzten Jahren zu streben. Das ist auch möglich. Wir können die Erfolge fortsetzen. Wir haben Leute geholt, die schon viel erreicht haben im Leben. Über Bostjan (Nachbar, d. Red.) müssen wir gar nicht reden. A.J. (Ogilvy, d. Red.) hat in Valencia und bei Besiktas gespielt, das sind Topvereine. Teddy (Gipson, d. Red.) hat sich auch bewiesen. Sharrod (Ford, d. Red.) hat in Italien und bei Alba hervorragende Rollen gespielt. Das sind keine No-Names, die wir geholt haben. Das sind richtig gute Spieler. Das macht einen schon sehr hoffnungsvoll, wenn es erst einmal Klick macht.

Heißt also, für Sie bietet die Bestätigung der Erfolge mit Bamberg einen größeren Ansporn, als woanders nach Titeln zu streben?

Ja, hier sehe ich die absolute Herausforderung. Ich will immer wieder beweisen, dass wir ganz oben stehen. Das war früher bei Leverkusen oder bei Alba auch nichts anderes. Die haben auch nicht nach drei Titeln gesagt: Es reicht, wir haben genug und hören jetzt auf. Für mich war dieser Umbruch der Mannschaft eine neue Herausforderung, auch eine Aufgabe. Meine Rolle wird sich vielleicht etwas ändern, darauf freue ich mich natürlich.

Diese neue Rolle hat Manager Wolfgang Heyder treffend beschrieben. Nach Ihrer Vertragsverlängerung sagte er, man könne nun ein Team um Sie herum aufbauen. Wenn das mal keine Ehre ist.

Das freut mich natürlich sehr. Aber ich weiß doch, wie es hier läuft. Hier dreht es sich immer um mehrere Spieler, und das ermöglicht erst den Erfolg. Ich habe Casey immer als Hauptperson in dem ganzen Rudel gesehen. Er war für mich immer der Erfolgsgarant hier im Team, der Leader. Und das bleibt auch so. Trotzdem dreht es sich hier um mehrere Spieler, es war hier nie eine One-Man-Show. Auch nicht mit P.J., der hervorragend gespielt hat. Das hat mir immer gefallen. Ich bin auch nicht der Typ, der in einer Mannschaft spielen will, in der alles von einem Spieler abhängt.



Stichwort Euroleague: Sie haben eine Gruppe voller Topteams erwischt, hat Ihnen diese Auslosung die Vorfreude ein wenig verdorben?

Auf keinen Fall. Aber wir sind diesmal noch krasserer Außenseiter als in den letzten Jahren, das stimmt. Vielleicht können wir trotzdem eine Überraschung schaffen. Ich bin da sehr optimistisch, man rechnet nicht mit uns. Das ist gar nicht so schlecht. Wir wollen uns in Europa neu beweisen. Mich treiben diese Spieler immer wieder neu an, das war schon immer so. Ich darf hier Euroleague spielen, das ist für mich eine Ehre. Ich kann mir nichts Besseres vorstellen, die Euroleague ist das Höchste für mich. Dafür muss ich bereit sein. Dafür müssen wir alle bereit sein. Für die Auslosung können wir leider nichts. Wir haben ZSKA, Partizan, Barcelona, Besiktas Istanbul, das ist sehr hart. Letztes Jahr hatten wir uns große Chancen ausgerechnet, wir hatten es selbst in der Hand, jeder hat mit uns gerechnet. Jetzt sagt jeder: keine Chance. Das sind alles Landesmeister in der Gruppe. Das ist doch eine schöne Ausgangslage.

Ihnen geht’s also wie Dortmund im Fußball. Sie haben national dominiert, wollen sich international beweisen. Treffen da jetzt aber auf bärenstarke Gegner.

Ja, stimmt. Wir sind sozusagen das Borussia Dortmund des Basketballs. Aber genauso wie ich es denen zutraue, glaube ich auch an uns. Wir dürfen uns nur keine Fehler erlauben. Es gibt keine Zeit, einen Patzer auszugleichen. In der Bundesliga kann man noch mal was umbiegen in einer Saison. Aber in der Euroleague ist es nach drei oder vier Niederlagen so gut wie vorbei.

Wie viele Trainer haben Ihnen eigentlich gesagt, dass die Flugkurve Ihres Wurfes nicht gerade ideal ist?

Ach, da gab es ziemlich viele. Mir macht aber dieses Wort „Flugkurve“ heute nichts mehr aus, ich habe das schon zu oft gehört. Mein Schuss ist zu flach, ich weiß das selbst. Der ganze Schuss sieht auch komisch aus, das denke ich mir jedes Mal, wenn ich ihn selbst sehe. Aber jetzt ist es etwas zu spät, um daran was zu ändern. Vielleicht hat mich der Schuss sogar daran gehindert, noch höher zu spielen. Vielleicht. Ich arbeite immer wieder daran. Aber der Wurf bleibt wohl so, wie er ist. Und manchmal geht er ja auch rein, also ganz so schlimm ist es gar nicht (lacht).

Den feinen Schuss hat Ihnen Ihr Kumpel Heiko Schaffartzik voraus …

Ja, vor allem glaubt er immer daran, dass er reingeht. Ich kenne kaum jemanden, der so ein großes Selbstvertrauen hat wie er, das habe ich immer bewundert. Wenn er eine Meinung hat, dann ist das die richtige, so denkt er auf dem Feld, und das finde ich auch gut. Viele haben ja immer gesagt, er spielt wild. Aber das ist Quatsch, es ist einfach seine Art zu spielen. Er war schon oft abgeschrieben, aber er hat immer zurückgeschlagen und es zur WM, zur EM und zu einem der besten Point Guards in Europa geschafft. Ich bin froh, dass uns eine enge Freundschaft verbindet, wir haben ja damals vor vielen Jahren in Gießen eine super Saison zusammengespielt. Wir kamen bis ins Halbfinale gegen Bamberg, da hatten wir uns schon super verstanden. Heute pflegen wir eine tolle Freundschaft, wir besuchen uns oft mal, machen viel zusammen, wir sind ja auch vom gleichen Jahrgang.

Sie bewundern sein Selbstvertrauen. Was schauen Sie sich denn sonst noch von anderen Spielern ab?

Vor allem offensiv kann ich noch viel dazulernen. Ich mag es zum Beispiel sehr, bei Dimitris Diamantidis von Panathinaikos zuzugucken und zu sehen, wie er Situationen liest und löst. Ihn verfolge ich schon seit mehreren Jahren, er hat eine Hammerkarriere gespielt. Jasikevicius hat auch wieder ein wahnsinniges Jahr gespielt, also ich schaue mir da schon sehr viel an und nehme auch viel auf. Oder Leute wie Navarro, die so wahnsinnig gut die Screens nutzen. Ich gucke deswegen fast alle Euroleague-Spiele an, man schaut immer nach der kleinen Situation, die man sich abschauen kann, da geht es um minimale Details. Ich verfolge fast nur europäischen Basketball. Von einem LeBron James brauche ich mir nicht viel abzuschauen, weil ich das sowieso nicht schaffen würde. Also ich sage nicht, dass ich das, was Navarro macht, auch hinbekomme, aber es wäre doch etwas realistischer. (lacht)

Eins noch: Sie sollen bald einen deutschen Pass bekommen. Damit hätte es auch Ihr Verein nach der neuen Ausländer-Regel einfacher.

Das kann sein, ja. Es besteht die Möglichkeit, einen deutschen Pass zu bekommen. Ich habe darüber mit Wolfgang Heyder gesprochen. Für mich ist Deutschland heute eine zweite Heimat. Ich bin jetzt seit bald zwölf Jahren weg aus der Slowakei, davon lebe ich knapp neun Jahre in Deutschland. Hier wird ja immer viel über Integration geredet. Ich denke, ich habe das ganz gut hinbekommen. (lacht) Als ich mit 16 nach Deutschland gekommen bin, habe ich sofort Deutsch gelernt, später dann auch das Abitur gemacht. Also wäre das mit dem Pass der nächste Schritt.

Das komplette Interview gibt es in der neuen Ausgabe der BIG, die ab Dienstag, den 25.09. im Handel erhältlich ist (Abonnenten haben sie bereits eine Woche früher im Briefkasten) und außerdem noch folgende Themen:

- Die große Saisonvorschau für die Beko BBL
- Die Experten - Stephan Baeck, Patrick Femerling und Björn Harmsen über die anstehende Spielzeit
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