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Der „FIBA World Cup“: EM nur alle vier Jahre und Streit zwischen der Euroleague und dem Weltverband?

Der „FIBA World Cup“: EM nur alle vier Jahre und Streit zwischen der Euroleague und dem Weltverband?

Die Vorfreude auf die neue Euroleague-Saison könnte in Deutschland nicht größer sein: In der Spielzeit 2012/2013 wird die Beko BBL gleich zwei – oder vielleicht sogar drei – Eisen im Feuer haben. Die deutschen Vertreter müssen sich jedoch auf einige Neuerungen einstellen, denn Euroleague-Commissioner Jordi Bertomeu kündigte am Rande der Euroleague-Auslosung an, dass es neben den Änderungen im TOP16-Modus und der Verschiebung der Spiele auf Termine am Donnerstag und Freitag auch Änderungen bezüglich der Regeln geben soll.
Dabei handelt es sich vorerst um veränderte Interpretationen der offiziellen Basketballregeln. Bevor die Euroleague mit ihren Vorstellungen an den Weltverband FIBA herantritt (ihm obliegt die Regelhoheit), sollen sich bis zum Herbst dieses Jahres die Klubs eine Meinung bilden. Indes: Begnügen will sich die Eurolegaue mit dem Interpretieren der vom Weltverband vorgegebenen Regeln jedoch nicht. Der „Euroleague Rule Summit“ hat auch Regeländerungen vorgeschlagen, die nun bei der FIBA eingefordert werden. „Länger als zwei Jahre können wir nicht auf diese Änderungen warten“, erklärte Bertomeu auf einer Pressekonferenz.

„Euroleague Rule Summit“: Spiel soll sauberer, spektakulärer und kurzweiliger werden



1342105081/img_Jordi_Bertomeu.jpgAuf dem „Euroleague Rule Summit“ debattierten Trainer, Spieler, Schiedsrichter, Manager sowie Medien- und Marketing-Experten darüber, wie man das Spiel sauberer, fairer und für die Zuschauer spektakulärer gestalten kann. Heraus kam dabei die Empfehlung, das Stoppen von Schnellangriffen durch Fouls konsequenter zu bestrafen. Auch sollen die Regeln bezüglich des Halbkreises strikter zugunsten des Angreifers interpretiert werden. In engen Schlussphasen soll das Instant Replay, also die Zuhilfenahme von TV-Bildern durch die Schiedsrichter, noch stärker und transparenter (Video-Würfel) genutzt werden als bislang.

Mittelfristig will die Euroleague bei der FIBA darüber hinaus Regeländerungen einfordern, um das Spiel schneller, transparenter und attraktiver zu gestalten. So soll der besitzanzeigende Pfeil wieder durch einen Sprungball ersetzt werden, die Viertelpausen sollen kürzer werden – und auch die Freiwürfe sollen zügiger ausgeführt werden. Nach einem Offensivrebound soll die Wurfuhr nur noch auf 14 Sekunden zurückgestellt werden. Auch eine zusätzliche Mini-Auszeit (30 Sekunden) im Schlussviertel und eine veränderte Strafe für technische Fouls (ein Freiwurf plus Ballbesitz) stehen auf dem Wunschzettel.

Abseits dieser Forderungen besteht weiterer Gesprächsbedarf zwischen der Euroleague und dem Weltverband: Denn die Pläne von FIBA Welt sehen vor, mehr Raum im internationalen Kalender für den neuen „FIBA World Cup“ der Nationalmannschaften zu beanspruchen – was wiederum die Euroleague und die ihr angeschlossen Ligen wenig amüsieren dürfte. Angesichts der Dimension dieser Pläne, verwundert es nicht, dass hinter den Kulissen die Zeichen bereits auf Sturm stehen.

Brisante FIBA-Pläne zur Reform der Weltmeisterschaft



FIBA Welt will in fünf Jahren den „FIBA World Cup“ ins Leben rufen, der an die Stelle der bisherigen Weltmeisterschaften tritt. Ziel des Projekts ist es, die Nationalteams in einem Vierjahres-Zyklus stärker in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken, der 2018 mit einer Qualifikationsrunde für den „FIBA World Cup“ beginnen soll. 2019, also ein Jahr nach der Fußball-WM, würde dann der „FIBA World Cup“ seine Premiere feiern. Bei dieser Veranstaltung würden dann auch die Startplätze für Olympia 2020 ausgespielt werden. Erst 2021 könnte dann wieder eine Europameisterschaft stattfinden, für die dann im neuen Kalender nur noch alle vier Jahre Platz wäre.

Ihres lukrativsten Events, die Europameisterschaft, bei der die Startplätze für die Olympischen Spiele ermittelt werden, beraubt, wäre FIBA Europa der große Verlierer dieses neuen Modus. Entsprechend frostig ist derzeit auch die Atmosphäre zwischen München (FIBA Europa) und Genf (FIBA Welt). Aber auch der Euroleague und den angeschlossenen Ligen wie der Beko BBL schmecken die Pläne von FIBA Welt nicht sonderlich, denn an den Qualifikationsspielen zum „FIBA World Cup“ sollen bis zu 130 Nationen teilnehmen, für die jeweils im Folgejahr terminierte Endrunde qualifizieren sich 32 Teams.

Unter dem Strich ergibt das laut FIBA-Präsident Yvan Mainini bis zu 1.600 Länderspiele, die nicht nur im Sommer, sondern auf das ganze Jahr verteilt stattfinden sollen. Euroleague und Bundesliga müssten bei einer solchen Fallkonstruktion mehrmals im Jahr ihren Spielbetrieb für jeweils zwei, drei Wochen unterbrechen, um im Kalender Platz für diese Länderspiele zu schaffen. Spätestens an diesem Punkt will Jordi Bertomeu nicht mehr mitspielen und kann sich dabei der Unterstützung der nationalen Ligen sicher sein: „Wir finden die Idee gut, wenn die Nationalteams ihre Qualifikations-Spiele im eigenen Land spielen. Aber diese Spiele im Winter, in der Zeit, die für die Vereinswettbewerbe reserviert ist, zu spielen, kommt nicht in Frage.“

Konfliktpotential Versicherungsschutz



1342104975/img_06.08.10_-_Pommer_solo___quer___-_Kopie.jpgJan Pommer, Geschäftsführer der Beko BBL, versteht zwar „den Ansatz“, gleichwohl bemängelt er „das Fehlen eines Businessplans“. Darüber hinaus stellt sich die Frage, ob der neue WM-Modus überhaupt sein Ziel, eine größere Öffentlichkeit für den Basketball zu interessieren, erreicht: „Eine Begegnung zwischen Real Madrid und dem FC Barcelona besitzt in Spanien Mitte November eine wesentlich höhere Zugkraft als beispielsweise ein Qualifikationsspiel zwischen Spanien und Aserbaidschan – zumal die Spanier auf ihre NBA-Importe verzichten müssten.“

Für zusätzlichen Konfliktstoff sorgt in diesem Zusammenhang auch die aus Sicht der Klubs immer noch nicht zufriedenstellend geklärte Frage des Versicherungsschutzes. Mehr Länderspiele erhöhen schließlich das Risiko, dass Nationalspieler verletzt zu ihren Klubs zurückkehren.

Die Zukunft der EuroChallenge



Es ist eine Ironie der Geschichte, dass sich Euroleague und FIBA Europa, zwischen denen es im vergangenen Jahrzehnt so viele Reibungspunkte gab, im Widerstand gegen die Pläne von FIBA Welt in einem Boot wiederfinden. Nutznießer dieser neuen Konstellation sind nicht zuletzt die Befürworter der EuroChallenge. In den Augen von Jordi Bertomeu ist dieser dritte Wettbewerb, der für viele Teilnehmer ein Zuschussgeschäft ist, überflüssig: „Es ist Unsinn, drei europäische Vereinswettbewerbe zu veranstalten. Euroleague und Eurocup reichen aus.“

Eine Einigung über die in diesem Jahr eigentlich geplante Verschmelzung von Eurocup und EuroChallenge konnte jedoch nicht erzielt werden. FIBA Europa, derzeit auch noch durch interne Grabenkämpfe geschwächt, will sich nicht komplett aus dem Vereinsbasketball verabschieden. Die Euroleague will wiederum den Eurocup nicht abgeben. Überlegungen einiger europäischer Ligen, die EuroChallenge „auszutrocknen“, indem man keine Klubs mehr in diesen Wettbewerb entsendet, wurden zwar angestellt, jedoch möchte man einen weiteren Versuch unternehmen, diesbezüglich mit FIBA Europa zu sprechen. „Denn“, so Jan Pommer, „zwei Wettbewerbe, ausgerichtet von der Euroleague, besitzen eine höhere Güte und sind vollkommen ausreichend.“
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