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BIG - Basketball in Deutschland
Der neue Star der Liga: Bambergs slowenischer Point Forward Bostjan Nachbar im BIG-Portrait

Der neue Star der Liga: Bambergs slowenischer Point Forward Bostjan Nachbar im BIG-Portrait

Bostjan Nachbar war im vergangenen Sommer der größte Name im Wechselspiel in den Kadern der 18 Klubs der Beko BBL. Der Slowene mit der NBA-Erfahrung ist nun einer der Stars der Liga. Seinen in Freak City so beliebten Vorgänger Predrag Suput hat er schon vergessen gemacht. Ein BIG-Besuch bei einem außergewöhnlichen Spieler, der für den Double-Sieger den Unterschied ausmachen kann.

Die Szenerie wirkt bizarr. Bei zwölf Grad und strahlendem Sonnenschein in Richtung Bamberg gestartet, wartet die A70 mit Dunst, Kälte und schlechter Sicht auf. Der Sonne gelingt es nicht, sich durch die sogenannten Hochnebelfelder zu bohren, und so vermittelt der Weg nach Freak City ein ungutes Gefühl, dass man in der Euroleague den gegnerischen Mannschaften wünscht, um diese vorab schon mal ein wenig weichzukochen. So werden sich wohl auch Frodo und Sam gefühlt haben, als sie auf dem Weg zum Schicksalsberg den ersten Fuß auf Mordor setzten. Doch wie von Geisterhand öffnet sich noch auf der Autobahn die Wolkendecke, macht den Weg frei für einen lohnenswerten Blick über die Stadt des deutschen Basketball-Meisters. Im Autoradio dudelt „Hallo Welt“ von Max Herre. Es scheint fast so, als ob sich Wetter und Antenne Bayern entschuldigen wollen.

Die Mütze tief ins Gesicht gezogen, Brose-Baskets-Sweater, New-Jersey-Nets-Hose und kalte Hände. Boki Nachbar hat Zeit gefunden, um sich trotz eines zuletzt eng gesteckten Spielplans und seiner Familie mit uns zu verabreden. Das wir im Abseits, dem ehemaligen Stammcafé von Tibor Pleiß, sitzen, hat keinerlei metaphorischen Bezug zur derzeitigen sportlichen Situation des schlacksigen Slowenen.

Sechs Spielzeiten in der NBA, je zwei Jahre in Russland und der Türkei, der heimatliche Karrierestart 1997 in Maribor sowie die Zeit im Stiefel bei Benetton Treviso und dennoch keine Eingewöhnungsprobleme im vergleichsweise doch eher provinziellen Freak City? „Nein, nicht wirklich“, sagt Nachbar. „Ich komme ja selbst aus einer noch kleineren Stadt in Slowenien, aus einer Umgebung, die mir das Einleben hier so leicht gemacht hat“, sagt der bald zweifache Vater, der vor den Toren Bambergs mit Frau und Kind eine neue Teilzeit-Heimat gefunden hat. „Bamberg hatte sich früh für mich interessiert, war in Person von Wolfgang Heyder im Sommer persönlich in Slowenien vor Ort, um mit mir die möglichen Optionen eines Engagements bei den Brose Baskets zu besprechen. Es ist aus meiner Sicht immer ein gutes Zeichen, wenn man auf diese Art Interesse bekundet, weil man dem Spieler das Gefühl vermittelt, nicht nur eine Nummer zu sein. Zudem ist meine Familie mit den Jacobsens sehr eng befreundet. Ich habe mit Casey bereits gemeinsam bei den New Orleans Hornets gespielt. Unsere Frauen kennen sich sehr gut. Wir haben trotz zum Teil großer Distanz immer den Kontakt gehalten. Als im Sommer das Angebot meines Agenten kam, habe ich mich natürlich auch mit Casey darüber unterhalten. Er konnte mir viele Hinweise, Empfehlungen und Ratschläge geben, war am Ende sicher nicht ganz unbeteiligt daran, dass ich jetzt hier in Bamberg spiele“, sagt Nachbar. „Letztendlich habe ich für mich und meine Familie eine perfekte Situation gesucht und diese in Bamberg gefunden.“

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Als Nachfolger von Predrag Suput längst in Franken angekommen, will sich Nachbar auf keine Position festnageln lassen, sieht sich selbst als variabler Alleskönner. „Ich habe bereits in der NBA bis hinunter auf die Zwei alles gespielt. Am Ende geht es auch nicht darum, ob ich auf der Drei oder der Vier starte, sondern ob und wie es gerade in das System der Mannschaft passt. Chris Fleming sieht das im Übrigen genauso, lässt mir in der Rolle des Pointforwards alle Freiheiten“, sagt Nachbar der nicht müde wird, seinen Coach in den höchsten Tönen zu loben. „Chris ist ein extrem positiver und gelassener Coach. Es gibt viele Trainer, die schreien oder brüllen, an der Seitenlinie herumtoben und in engen Situationen schnell in Panik verfallen. Chris ist das komplette Gegenteil. Ich hatte in meiner Karriere schon etliche Trainer. Seine Persönlichkeit ist mit der eines Mike D'Antoni oder Lawrence Frank zu vergleichen, Trainer, die auf ihre Spieler eingehen und ihnen zuhören, was meinem Naturell entgegenkommt. Natürlich gibt es Momente, in denen er auch mal laut wird. Er hat jedoch die Gabe, sein Basketball-Know-how und seine Vorgaben sehr gut vermitteln zu können, egal ob der gesamten Mannschaft oder nur einem einzelnen Spieler gegenüber, ob im Training oder im Spiel.“

Während zum damaligen Zeitpunkt über die Aussage von Brose-Baskets-Manager Wolfgang Heyder, der dem 32-jährigen Slowenen nach der Präsentation prophezeite, dass er „eine richtig gute Saison spielen wird“, aus heutiger Sicht leicht geschmunzelt werden durfte, ist Nachbar mittlerweile ein unverzichtbarer Baustein des Erfolges. Als Dreh- und Angelpunkt in Flemings Kader sind ihm die Namen der Gegner egal. Mit 18,6 Punkten in der BBL sowie dem identischen Schnitt in Europas Königsklasse, der Euroleague, ist Boki zumindest international ein klares Upgrade zu Vorgänger Predrag Suput.


Die obligatorische Frage nach Idolen und Vorbildern kontert Nachbar mit einem Lachen. „Ja, als ich noch jünger war, zählten Drazen Petrovic, Dino Radja und Toni Kukoc zu meinen Vorbildern. Die Sache mit Idolen musst du dir aber ganz schnell aus dem Kopf schlagen, wenn du plötzlich in der gleichen Liga spielst. Dann kannst du es dir nicht mehr leisten, ihnen bewundernd zuzuschauen“, sagt Boki, dessen Ziele es sind, gesund zu bleiben und sich im sportlichen Bereich nie durch Zufriedenheit mit Erreichtem den Fokus für noch mehr Erfolg verwässern zu lassen. Aber da braucht er sich im zielstrebig und penibel für den Sieg arbeitenden Bamberg sicher keine Sorgen zu machen.

Das komplette Portrait gibt es in der aktuellen Ausgabe der BIG (Abonnenten haben sie bereits eine Woche früher im Briefkasten) und außerdem noch folgende Themen:

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