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Der verlorene Sohn: Demond Mallet - Schnitzel, Ricky Rubio, der Shaqster und der Gewinn der...

Der verlorene Sohn: Demond Mallet - Schnitzel, Ricky Rubio, der Shaqster und der Gewinn der...

Demond Mallet war sechs Jahre ein großer Name in der höchsten deutschen Spielklasse. Heute ist der ehemalige Backcourt-Partner von Ricky Rubio in der Beko BBL eher dafür bekannt, dass er unsere Klubs aus dem Europapokal ballert. Aber nicht nur deswegen ist er der erste Profi, mit dem wir uns in unserer neuen Rubrik „Der verlorene Sohn“ näher beschäftigen – dass der Cousin von Shaquille O’Neal Chancen hat, dieses Jahr die Euroleague zu gewinnen, spielt auch eine Rolle.
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Lange nicht mehr hatten die Playoffs der Euroleague für die Fans der Beko BBL einen so großen Wiedererkennungswert wie in dieser Saison. Wenn in zwei Wochen acht Teams in den Kampf um die vier Tickets für das Final Four der europäischen Königsklasse einsteigen (ausgewählte Spiele werden in Deutschland von Sport1+ übertragen), dann werden mit Chuck Eidson, Boniface N’dong und C. J. Wallace (alle Barcelona), Kyle Hines und Marko Keselj (beide Olympiakos), D’Or Fischer (Bilbao, zur Zeit leider verletzt), Steven Smith (Panathinaikos) und Demond Mallet (Maccabi) gleich acht Spieler auf dem Parkett stehen, die einst in der Beko BBL auf Korbjagd gingen oder wie Mallet (2001 in Braunschweig) hier sogar ihre Profikarriere begannen. Und falls euch in Mallets Fall die Spielweise des Point Guards mit Scorer-Attitüde nicht mehr im Gedächtnis ist, hat Maccabi Tel Aviv einige Highlights zusammen gestellt:



Mallet erlebte bis 2004 in Braunschweig, von 2004 bis 2006 in Bamberg und 2006/07 in Köln sechs Jahre lang alle Höhen und Tiefen einer Basketball-Karriere in Deutschland - vom Meistertitel und Pokalsieg bis hin zu zwei Kreuzbandrissen. Anschließend gewann er 2008 für Joventut Badalona zusammen mit Jan Jagla, Rudy Fernandez und Ricky Rubio als seinem bis heute größten Erfolg den ULEB-Cup … was anschließend dank der Katalanisch-Kenntnisse von Mallet ordentlich gefeiert wurde:





Aber auch in den Jahren nach seinem Abschied aus Deutschland ließ Mallet es sich nicht nehmen, regelmäßig in den deutschen Basketballarenen vorbeizuschauen … und meistens mit dem rosa Durchschlag des Spielberichtsbogens wieder abzureisen. 2008 beispielsweise schenkte er ALBA BERLIN in der Max-Schmeling-Halle 27 Punkte ein:



In der folgenden Saison gelang aber die Revanche. Berlins 79:75-Erfolg in Badalona (Mallet nur drei Punkte) sorgte nämlich dafür, dass der damalige Deutsche Meister anstelle der Katalanen in die TOP16 der Euroleague einzog. Zwei Jahre später stand der Cousin von Shaquille O’Neal – aber schon wieder in der O2 World, um Berlin mit Spirou Charleroi das Euroleague-Ticket vor der Nase wegzuschnappen. Damit aber nicht genug: In der derselben Saison machte er mit 26 Punkten zum 75:61 über die Brose Baskets die letzten Hoffnungen der Bamberger auf einen Einzug in die TOP16 zunichte. Auch in dieser Saison scheiterte ALBA in der Euroleague-Quali wieder an Charleroi und Mallet (zehn Punkte und sieben Assists).

Wieder spielten die Belgier und nicht die Albatrosse in der Euroleague, wo Spirou aber den Sprung in die TOP16 verpasste. Mehr als dieses Aus schockte die Anhänger von Spirou Charleroi aber die Nachricht, die am Rande des letzten Euroleague-Heimspiels gegen Maccabi Tel Aviv die Runde machte: Die Israelis waren auf der Suche nach einem Ersatz für ihren nach dem Ende des Lockouts in die NBA zurückgekehrten Jordan Farmar und hatten Spirou ein Angebot unterbreitet: mit 200.000 Dollar für Mallet und 100.000 für Spirou lockten sie den korbgefährlichen Spielmacher nach Tel Aviv. Den Fans blieben nur wehmütige Erinnerungen an ihren MVP:



So richtig böse sein mochte niemand in Charleroi dem Publikumsliebling. Wann erhält man schon mit 34 Jahren die Chance, für ein Team zu spielen, mit dem man den höchsten europäischen Titel gewinnen und damit einer tollen Karriere die Krone aufsetzen kann? Nur weniger Tage später landete Mallet in Tel Aviv:



Auch wenn er für Maccabi in der israelischen Liga, wo nur fünf Ausländer pro Spiel eingesetzt werden dürfen, nicht zum Einsatz kommt, gibt es für ihn in der Adria-Liga und der Euroleague, wo Maccabi-Trainer auf alle acht zum Kader zählenden Legionäre zurückgreifen kann, genug Spielzeit (im Schnitt 24 Minuten in der Adria-Liga und 18 in der Euroleague). Mit dem Erreichen des Final Fours der Adria-Liga und der Euroleague-Playoffs (gegen Panathinaikos) ist Tel Aviv zudem auf einem guten Kurs und da Mallet zumindest in dieser Saison in der Euroleague keinem deutschen Club mehr in die Quere kommt, drücken wir unserem verlorenen Sohn sowohl die Daumen als auch die großen Zehen.

Und das auch, weil er im Euroleague-Interview nicht nur übers Final Four spricht, sondern eben auch sagt, dass "Deutschland ein Teil von mir ist" und er zudem über seine neue Kolumne in der BIG spricht, etwas ins Schlingern kommt, ob Braunschweig, Bamberg oder Köln seine beste Station in der Beko BBL war und klar macht, dass Schnitzel mit Kartoffelsalat das Highlight seiner Europa-Karriere gewesen sei:



In Charleroi fragt man sich unterdessen, ob der Deal mit Maccabi – obwohl Mallet bereits zugesagt hat, in der kommenden Saison zu Spirou zurückzukehren – nicht ein großer Fehler war. Der belgische Serienmeister ist ohne seinen Spielmacher sichtlich aus dem Tritt gekommen und hat in der Liga vier von zehn Spielen verloren und musste die Tabellenführung bereits an den erstarkten Rivalen Oostende abgeben. Am letzten Wochenende verletzte sich zu allem Überfluss der als Mallet-Ersatz verpflichtete Andrew Wisniewski (noch ein ehemaliger Bundesligaspieler), so schwer, dass er wahrscheinlich für den Rest der Saison ausfällt.

Kehrt Mallet womöglich doch noch in dieser Saison nach Charleroi zurück, um Spirou aus der Klemme zu helfen? Ganz auszuschließen ist das nicht. In der israelischen Liga braucht David Blatt den US-Guard wegen der Ausländerquote nicht, so dass Mallet spätestens nach den Final4-Turnieren in der Adria-Liga (21./22. April) und der Euroleague (11- bis 13. Mai) untätig zuschauen müsste … und die Transferfrist in der belgischen Liga endet erst Mitte Mai vor dem Playoff-Halbfinale.
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