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BIG - Basketball in Deutschland
Deutschlands großes Basketball-Talent im BIG-Portrait: One more year Heidelberg für Paul Zipser!

Deutschlands großes Basketball-Talent im BIG-Portrait: One more year Heidelberg für Paul Zipser!

Er konnte sich vor Anfragen aus der Beko Basketball Bundesliga und dem Ausland kaum retten, doch Paul Zipser bleibt noch ein Jahr in der ProA. Ist das für Deutschlands größtes Talent des Jahrgangs 1994 die richtige Entscheidung? BIG forschte nach.

„Hier, da ist er.“ Triumphierend tippt Alexander Schönhals auf ein altes Mannschaftsfoto. Gerade einmal 13, 14 Jahre alt dürften die Jungs in ihren verwaschenen Trikots sein, und „er“ fällt kaum auf, ist bei weitem nicht der Längste. Heute ist er das größte deutsche Talent seines Jahrgangs. Paul Zipser, 18 Jahre alt, zwei Meter groß. Schönhals ist Zipsers Trainer aus Jugendzeiten und heute noch sein Mentor und Individualtrainer. „Ich kenne Paul, seitdem er sechs Jahre alt ist. Damals war er für sein Alter schon relativ groß. Dass aus ihm ein derart herausragendes Talent wird, war aber natürlich nicht abzusehen.“ Ein Talent, auf das längst große Klubs aus dem In- und Ausland aufmerksam geworden sind. Bayern München wollte ihn haben, auch Bambergs Chris Fleming war interessiert. Henrik Rödl soll Zipser gar mittelfristig einen Platz in der Startformation in Aussicht gestellt haben, was der Headcoach des TBB Trier natürlich nicht bestätigt, sein Interesse aber auch nicht verhehlt: „Ich glaube, es gibt keinen Verein aus der 1. Liga, der nicht bei Paul angefragt hat.“

Angesichts des Rummels um die eigene Person könnte solch ein Youngster schon mal einen Höhenflug bekommen – nicht Zipser. Der frisch gebackene Abiturient (Notenschnitt 3,2) ist „ein ganz Gechillter“, wie U18-Bundestrainer Kay Blümel feststellt. „Bei ihm ist die Gefahr gering, dass er abhebt.“ Und so traf der gefragte Youngster eine für viele überraschende Entscheidung, aber eine, die zu ihm passt. Er wird auch in der kommenden Saison für den ProA-Ligisten USC Heidelberg, seinen Heimatverein, auf Korbjagd gehen. „Ich glaube, dass das Niveau in der ProA im Moment genau das richtige für mich ist“, betont er im Gespräch mit BIG. „Hier will ich nächste Saison mehr Verantwortung übernehmen und gleichzeitig von anderen lernen. Das ist die perfekte Mischung.“ Zipser lümmelt lässig in einem Sessel am Olympia-Stützpunkt Heidelberg, wo er sich mit der U18-Nationalmannschaft auf die Europameisterschaft in Lettland und Litauen vorbereitet hat. Zipsers Stimme ist wohltuend unaufgeregt, was ihn reifer als viele Gleichaltrige wirken lässt. Es scheint wenig zu geben, was den 18-Jährigen aus der Ruhe bringt, auf und neben dem Feld. Seine beiden Dreier zu Beginn der Verlängerung im EM-Testspiel gegen Frankreich sind das beste Beispiel, was ihn ausmacht: Der Wille, Verantwortung in wichtigen Phasen zu übernehmen, und die Fähigkeit, den entscheidenden Wurf zu verwandeln.



Warum er dies noch ein Jahr in Heidelberg tun will, erklärt Zipser mit den veränderten Strukturen, die er bei seinem Klub ausgemacht hat: „Ich denke, der Verein ist dabei, sich professioneller aufzustellen. Hätte sich nach der vergangenen Saison nichts geändert, wäre ich wohl nicht länger hiergeblieben. Mit Carl Mbassa gibt es nun aber beispielsweise zum ersten Mal einen hauptamtlichen Co-Trainer, das ist für mich ein wichtiges Signal.“ Mit dem Engländer Tony Garbelotto ist außerdem ein neuer Headcoach an Bord, mit dem sich der Heidelberger Publikumsliebling schon intensiv über seine neue Rolle ausgetauscht hat. Wahrscheinlich vertraut der 43-Jährige dem Youngster die Starter-Position auf der Zwei an. „Meine Lieblingsposition“, wie Zipser bemerkt. „Hier kann ich beim Ballvortrag helfen, habe den Ball oft in den Händen und kann meinen Wurf nutzen.“ Auch Blümel sieht Zipser in Zukunft als Shooting Guard, wenngleich viele den 18-Jährigen als ersten deutschen Spielmacher mit internationalem Gardemaß sehen: „Die Gefahr besteht, dass Paul darüber seine Wurfqualitäten nicht ausspielen kann.“

Für den Bundestrainer muss es im Übrigen kein Nachteil sein, dass Zipser ein weiteres Jahr in der 2. Liga spielt. Er erinnert an das Beispiel von Elias Harris, der vor fünf Jahren zahlreiche Angebote ausschlug und lieber noch ein Jahr als Leistungsträger in Speyer dranhängte, ehe er ans renommierte US-College von Gonzaga wechselte. Auch er habe Zipser aufgezeigt, welche Optionen möglich seien, sagt Blümel; die Entscheidung wurde dann im Kreise der Familie gefällt. Für Blümel übrigens ein ganz wichtiger Aspekt, dass die Eltern die Zukunft ihres Sohnes genau so gelassen angehen wie Paul selbst. „Paul geht es nicht ums Geld, sondern um seine Entwicklung“, weiß der Bundestrainer. Und für die sei es elementar wichtig, dass der Shooting Guard kommende Saison möglichst viel Spielzeit bekommt. „Wenn nicht, wäre das eine Katastrophe.“

Diese Gefahr dürfte in der ProA nicht bestehen, denn hier war der damals 17-Jährige in der vergangenen Saison der deutsche Shooting-Star. Rund 20 Minuten stand Zipser auf dem Parkett, die er zu acht Punkten, drei Rebounds und einem Block pro Spiel nutzte. „Für mich wird es die erste Saison als Profi sein, wobei mir die Bezahlung wirklich nebensächlich ist. Viel wichtiger ist, dass ich jetzt zweimal am Tag trainieren kann und darüber hinaus jedes Mal in die Halle kann, wenn ich will“, sagt Zipser. Teil des Profi-Daseins ist auch der Abnabelungsprozess von Zuhause; nach der U18-EM bezieht Zipser seine erste eigene Bude. Sein langjähriger Trainer Schönhals hat schon jetzt eine Veränderung bei dem 18-Jährigen festgestellt: „Seit ungefähr einem halben Jahr trainiert Paul mit einer ganz anderen Einstellung. Er geht jede Einheit mit 100 Prozent an und schafft es, über einen längeren Zeitraum auf hohem Niveau zu trainieren, das gelingt nur den wenigsten in seinem Alter.“

Fest steht: Paul Zipser wird kommende Saison unter dem Mikroskop liegen. Die Erwartungen von Fans und Experten sind hoch, denn das Lehrjahr wird das letzte in der 2. Liga sein. Bauermann, Fleming, Rödl und Co. werden Zipser weiter auf dem Radar haben …



In der neuen Ausgabe der BIG, die seit Dienstag, den 28.08. im Handel erhältlich ist (Abonnenten haben sie bereits eine Woche früher im Briefkasten) gibt es außer dem Portrait über Zipser noch folgende Themen:

- Wer kommt? Wer geht? Eine Zwischenbilanz des Transfersommers
- Stefan Koch: der Erfolgstrainer der Artland Dragons im Interview
- Mathis Mönninghoff: Warum der Kapitän der U20 das College schmiss
- Nihad Djedovic: Berlins Bosnier über seine Jahre in Deutschland und die Bürde als Supertalent
- Marius Nolte: Der Center der FRAPORT SKYLINERS über die neue Bescheidenheit in Frankfurt
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