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Die Euroleague macht sich breit – geht das zu Lasten der Beko BBL?

Die Euroleague macht sich breit – geht das zu Lasten der Beko BBL?

In dieser Woche beginnt – leider ohne deutschen Vertreter - die TOP16 der Euroleague, die dabei zum letzten Mal in dem herkömmlichen (seit 2001 gespielten) Modus mit vier Gruppen zu je vier Teams ausgetragen wird. Ab der kommenden Saison 2012/13 wird sich nämlich einiges im höchsten europäischen Wettbewerb ändern, vor allem in der TOP16-Zwischenrunde, die dann in zwei Achtergruppen ausgespielt wird.
Der Wechsel zu (nicht mehr in einer Auslosung, sondern nach einem vorher festgelegten Schlüssel bestückten) Achtergruppen führt zu einer signifikanten Ausweitung des TOP16-Spielplans. Anstelle der bisherigen sechs Spieltage sind dann 14 zu absolvieren.

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Passen acht zusätzliche TOP16-Spieltage in den Kalender?

„Unsere Fans wünschen sich mehr Euroleague-Spiele und die jährlich steigenden Zuschauerzahlen bestätigen das,“ begründet Euroleague-Commissioner Jordi Bertomeu die Neuerung, von der sich vor allem die großen Clubs natürlich auch höhere Einnahmen erhoffen. Acht zusätzliche Spiele versprechen gerade TOP16-Abonnenten wie Panathinaikos, Maccabi oder ZSKA Moskau, die in ihren nationalen Ligen nicht so viel Geld verdienen können, zusätzliche Einnahmen.

Aber ist in dem engen europäischen Kalender überhaupt Platz für acht zusätzliche TOP16-Spieltage? Aus Sicht der Euroleague ja, denn im aktuellen Euroleague-Kalender gibt es noch viel Spielraum. So gab es gerade zwischen Vorrunde und TOP16 eine vierwöchige Spielpause, die gefüllt werden kann. Auch zwischen TOP16 und (den unverändert beibehaltenen) Playoffs ist noch Luft, genauso zwischen Playoffs und dem Final Four, dessen Termin man zudem noch von Anfang Mai auf einen späteren Termin verschieben kann.

Ist eine nationale Liga mit 18 Klubs noch haltbar?

Etwas anders sieht das aus der Sicht der Beko BBL aus, die bisher gerade diese Lücken für eigene Spieltermine nutzte und hier künftig weniger Spielraum haben wird. Zwar qualifizieren sich deutsche Klubs erfahrungsgemäß nur selten – bisher erst zweimal 2006 (Bamberg) und 2009 (Berlin) - für die TOP16, aber das soll ja in Zukunft besser werden und außerdem sollte man eine deutsche TOP16-Teilnahme im Spielplan zumindest theoretisch einplanen, um nicht im „Erfolgsfall“ in akute Terminnot zu kommen.

Speziell die spanische „Liga Endesa“, die Beko BBL und die italienische „Lega“ als die (mit je 18 bzw. 17 Clubs) umfangreichsten nationalen Ligen müssen womöglich sogar über eine (von Bertomeu übrigens bereits angeregte) Reduzierung ihrer nationalen Ligagröße auf nur noch 16 oder gar 14 Klubs nachdenken müssen. In Spanien und Frankreich hat man ohnehin schon seit ein paar Jahren aus Terminproblemen die Playoffs beschnitten (best-of-3 bzw. KO-Modus anstatt best-of-5).

Euroleague am Freitag, Quali nur noch mit acht Teams

Für zusätzlichen Konfliktstoff sorgt die Ankündigung der Euroleague, künftig nicht mehr mittwochs und donnerstags, sondern donnerstags und freitags zu spielen. Mit diesem Ausweichen in Richtung Wochenende geht die Euroleague zwar der Fußball-„Champions League“ aus dem Weg und erste Experimente in dieser Saison haben gezeigt, dass freitags tatsächlich mehr Zuschauer in die Euroleague-Arenen strömen als mittwochs. Die Leidtragenden sind aber auch hier die nationalen Ligen, wenn Europaligisten nach internationalen Freitagsspielen national auf den Montag ausweichen müssen.

Eine dritte Neuerung betrifft die Euroleague-Qualifikation, die zur kommenden Saison im Umfang halbiert wird. Statt der bisherigen zwei Qualifikationsrunden (mit insgesamt 16 Kandidaten) wird es dann nur noch ein Turnier (mit acht Teams geben), dessen Sieger in die Euroleague aufrückt. Auch das ist keine gute Nachricht für die Beko BBL, denn bei nur noch acht Quali-Kandidaten halbiert sich die Chance für deutsche Klubs, sich dafür – sei es sportlich oder mit einer Wild Card – zu qualifizieren. Die Reduzierung auf nur noch einen nachträglichen Qualifikanten schafft im Euroleague-Starterfeld übrigens Platz für einen dritten festen Startplatz für die aktuell in jeder Hinsicht (mit drei Klubs in der TOP16) boomende türkische Beko TBL.

Blick in die Zukunft: Euroleague auf den Spuren der NBA?

Unter dem Strich betrachtet sind die Neuerungen in der Euroleague nach der Einführung des neuen Lizensierungssystems (mit 13 festen Europaligisten bzw. A-Lizenzen) der nächste und logische Schritt in Richtung einer europäischen Liga nach dem Vorbild der NBA, von der die europäische Top-Liga aber – nicht zuletzt bezüglich ihres Spielplans – immer noch weit entfernt ist. Während ein NBA-Team in der Saison allein 82 Punktspiele absolviert, fallen für einen Europaligisten auch nach dem neuen Modus gerade mal 24 Punktspiele an, womit man auch finanziell nicht konkurrenzfähig ist.

Gerade die europäischen Topklubs, die den NBA-Vorbildern am ehesten nahe kommen könnten, erfahren auf nationaler Ebene nämlich kaum noch zusätzliche Herausforderungen. Entsprechend absolvieren Panthinaikos, ZSKA und auch Maccabi ihre oft langweiligen nationalen Ligaspiele vor vergleichsweise bescheidenen Kulissen. Vor dem Hintergrund, dass die Euroleague konsequenterweise den Umzug in große (mehr als 10.000 Zuschauer fassende) und moderne Arenen weiter forciert, ist es deshalb nur logisch, diese mit möglichst vielen Spielen auf höchstem Niveau zu füllen, die es zunehmend aber nur noch in der Euroleague gibt.

Wie sich mit den jüngsten Neuerungen andeutet, wird die Euroleague dabei kaum Rücksicht auf die nationalen Ligen nehmen. Auch das neue TOP16-Format wird nur ein Zwischenschritt auf dem Weg zu einer „echten“ Europaliga sein, in der 16 oder 20 Teams wie in einer nationalen Liga europaweit gegeneinander um den Titel und womöglich – man muss die NBA ja nicht in allem kopieren - auch gegen den Abstieg spielen. Schritt für Schritt werden die Europaligisten sich dann auch aus ihren nationalen Ligen verabschieden, zuerst nur aus der Punktrunde (wie der polnische Meister Asseco Prokom Gdynia das zum Beispiel jetzt schon tut), später wahrscheinlich ganz. Aber das ist noch Zukunftsmusik, die allerdings ab der kommenden Saison etwas lauter erklingen wird.

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