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Experten-Analyse zum zweiten Finale: Kickstart verhindert, aber in der Transition unterlegen

Experten-Analyse zum zweiten Finale: Kickstart verhindert, aber in der Transition unterlegen

Jedes der Finalspiele wird für uns von einem Assistenzcoach aus der Beko BBL verfolgt und anschließend analysiert. Martin Schiller, Co-Trainer der Artland Dragons, mit seiner Meinung zum 86:70-Auswärtserfolg der Brose Baskets im zweiten Finale: bessere Ulmer Defense zu Beginn, Tucker als wandelnder Ein-Mann-Fastbreak und ein Kurzzeitgedächtnis fürs dritte Finale!
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Den Kickstart der Bamberger unterbunden

Die Bamberger sind bekannt dafür mit einem perfekten Start quasi bereits in der ersten Halbzeit Spiele zu ihren Gunsten zu entscheiden. Ulm hat es im zweiten Finale geschafft, durch gute physische Verteidigung diesen gefürchteten Kickstart des Meisters zu unterbinden. Klingt simpel, ist aber eine Grundbedingung, um gegen Bamberg überhaupt eine Chance zu haben.

Bessere Ulmer Offense

1339259148/img_analyse_per.jpegUlm fand zudem durch das hohe Pick-and-roll mit Per Günther gut in die eigene Offense. Immer wieder konnte der Nationalspieler in die Mitte ziehen und - wenn die Defense sich auf ihn konzentrierte - per Pass die freien Mitspieler finden. Daraus resultierte überhaupt erst, dass Bamberg in der Defense öfter als im ersten Finale rotieren musste. Das ist der Schlüssel: Ein Angreifer muss seinen Gegenspieler schlagen und in das Herz der Defense vordringen. Nur dann kann sich das ergeben, was immer wieder im Angriff des Meisters bewundert wird: gute Ballbewegung, schön anzusehende Extrapässe und am Ende ein mehr als offener Wurf. In den ersten rund fünfzehn Minuten des zweiten Finalspiels gelang Ulm das gut, was wiederum zu einer guten Wurfquote führte.



Überragende Transition des Meisters

1339259429/img_analyse_tucker.jpgNach zwei Punkten, die gut für Ulm liefen, kommen wir nun zu den Gründen, warum der Sieger dennoch Brose Baskets hieß. Zum einen geht es dabei um die Transition: Im Übergang von der Defense in die Offense ist Bamberg in dieser Saison überragend. Die folgende Statistik wird normalerweise nicht erhoben, aber ich halte sie für mich immer fest, wenn ich die Brose Baskets beobachte. Dabei gebe ich für jeden Korb aus dem Fastbreak, jeden aus der sich direkt daran anschließenden Early Offense sowie für jedes gezogene Foul aus diesen beiden Situationen einen Punkt. Zusammengerechnet hat Bamberg diese Statistik, nennen wir sie "gute Transition", im zweiten Finale mit 15:5 gewonnen! Das ist deutlich und vor allem P.J. Tucker zu verdanken. Der Combo-Forward ist der Ein-Mann-Fastbreak dieser Liga und wenn er erstmal Fahrt aufgenommen hat im Coast-to-coast zumeist nur durch ein Foul zu stoppen.
Zudem hat Bamberg wieder mal mentale Stärke bewiesen. Ulm hatte zwei Runs in dem Spiel, einen am Anfang des zweiten, einen Mitte des dritten Viertels, von denen der Meister auch beeindruckt war. Aber nach einer Auszeit durch Fleming haben seine Spieler dieses Aufbäumen der Gastgeber nicht nur gestoppt, sondern starteten gleichzeitig zweimal auch einen eigenen Run. Mehr als beeindruckend!

P.J. Tuckers Defense

Aber auch Tuckers Defense auf der Vier ist ein Grund für den deutlichen Erfolg der Bamberger. Wenn Tuckers Gegenspieler einen direkten Block stellt, lässt Chris Fleming in der Regel einfach switchen. Normalerweise würde das ein Mismatch bedeuten, weil der US-Forward dann einen kleineren, aber schnelleren Außenspieler verteidigen muss. Aber Tucker hat einfach die Fähigkeit und die oft zitierte laterale Geschwindigkeit in der Defense, um die Ulmer Guards dennoch vor sich zu halten bzw. zumindest zu schwierigen Würfen zu zwingen.

Mein Rat für das nächste Spiel

1339259308/img_analyse_tommy.jpegFassen wir kurz zusammen: Ulm liegt null zu zwei hinten - die Bilanz gegen Bamberg in dieser Saison steht damit bei 0-5 - und muss nun in der Stechert-Arena antreten, wo die Bamberger national gesehen von den vergangenen 53 Spielen genau eins verloren haben und genau wissen, dass ihnen nur noch ein Sieg fehlt, um mit dem doppelten Threepeat etwas Einmaliges in der Geschichte des deutschen Basketballs zu vollbringen. Und in der Situation soll ich jetzt den ultimativen Ratschlag aus dem Ärmel zaubern? Besten Dank erstmal, und ich versuche mich dennoch mal: Zum einen hätte ich den altbekannten Satz parat, dass du in den Playoffs ein Kurzzeitgedächtnis brauchst. Kostet mich wohl fünf Euro, ist deswegen aber nicht weniger wahr. Mein Rat an die Ulmer: versucht, alles zu vergessen, was bisher war und konzentriert euch nur auf dieses eine Spiel. Ein anderer Hoffnungsschimmer, den ich an dieser Stelle noch erwähnen möchte, ist Tommy Mason-Griffin. Der Backup-Aufbau war in den ersten beiden Finalspielen quasi nicht existent, aber jeder von uns weiß, dass er Spiele offensiv dominieren kann. Wenn er vorne endlich mal explodiert, könnte das Ulm sehr helfen.

Zur Person: Martin Schiller (Artland Dragons)

1327509861/img_Martin_Schiller.jpgÜber die Trainerstationen Köln, Hamburg und Düsseldorf kam Martin Schiller (08.03.1982) 2007 als Jugend-Koordinator und Co-Trainer des Profiteams zum WBC Wels in seinem Geburtsland Österreich. Seit dem Sommer 2010 ist der Absolvent der Deutschen Sporthochschule bei den Drachen zusammen mit Tyron McCoy als Assistent von Stefan Koch tätig.

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