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BIG - Basketball in Deutschland
In der neuen Ausgabe der BIG: Zurück in die Zukunft - Svetislav Pesic im Portrait

In der neuen Ausgabe der BIG: Zurück in die Zukunft - Svetislav Pesic im Portrait

Svetislav Pesic übernimmt das Amt des Bundestrainers – 19 Jahre, nachdem er es abgegeben hat. Der Serbe, der alles gewonnen hat, war Wunschkandidat des DBB. Mit Pesic gewinnt der Verband Glanz zurück, den er durch Dirk Nowitzkis absehbaren Rückzug verlieren wird. Aber die Entscheidung für den Kult-Trainer wird Manches auf den Kopf stellen. Und Manchen, der jetzt noch nicht damit rechnet. Ein BIG-Portrait
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Als Svetislav Pesic am 4. Juli 1993 vor die Presse tritt, hat er eine eigene Frage an die Reporter. Gerade hat er die deutschen Basketballer im Finale der Europameisterschaft als Trainer zu einem 71:70-Sieg gegen Russland geführt, das ungläubige Publikum in der ausverkauften Münchener Olympiahalle kann immer noch nicht so recht fassen, was da eigentlich passiert ist. Wie Christian Welp das Spiel in letzter Sekunde entschieden hat, wie sich die Deutschen nach schwachen Vorstellungen in der Vorrunde noch dermaßen steigern konnten, wie Pesic aus dem krassen Außenseiter Deutschland einen Europameister geformt hat. Svetislav Pesic ist zu diesem Zeitpunkt seit sechs Jahren Bundestrainer. Er weiß, in welchem Zustand er die Nationalmannschaft übernommen hat und welche Anstrengungen er unternehmen musste, um diesen Zustand zu ändern. Für ihn ist die Frage, die er nun an die Journalisten richtet, also keineswegs ungewöhnlich: „Wo bleibt Ihr Applaus?“

Niemand klatscht an diesem Abend. Und auch an einem Vormittag 19 Jahre später wird Svetislav Pesic – Jugoslawischer Meister, Deutscher Meister, Spanischer Meister, Korac-Cup-Sieger, Euroleague-Champion, Europameister, Weltmeister – nicht mit donnerndem Applaus begrüßt. Der Deutsche Basketball-Bund (DBB) hat zur Pressekonferenz geladen, es gibt etwas zu verkünden, das schon ein paar Wochen bekannt ist – und trotzdem noch wie eine Sensation wirkt. Der mittlerweile 62-jährige Pesic lächelt gelassen und nimmt auf dem Podium Platz, für ihn schließt sich an diesem Tag ein Kreis. Der Serbe übernimmt zum zweiten Mal in seiner Karriere das deutsche Nationalteam. „Ich habe immer das Feeling gehabt, dass ich Teil der Entwicklung des Basketballs in Deutschland bin“, sagt Pesic. Jetzt soll der Serbe zum zweiten Mal nicht mehr nur Teil dieser Entwicklung sein, sondern ihr Kopf und ihr Motor.

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Optisch hat sich Svetislav Pesic nur wenig verändert, seit er zum ersten Mal Bundestrainer war. Seine Haare sind ein wenig grauer geworden, der dunkle Anzug sitzt aber immer noch wie angegossen. Ansonsten ist im deutschen Basketball aber alles anders. Als Pesic das Amt des Nationaltrainers 1993 an Dirk Bauermann übergab und zu Alba Berlin wechselte, war ein gewisser Dirk Nowitzki 15 Jahre alt. Jetzt blickt Pesic vom Podium der Pressekonferenz auf ein Plakat des DBB, dass die große Nachwuchshoffnung Tibor Pleiß zeigt. Der Bamberger Center war noch nicht geboren, als Pesic erstmals Bundestrainer wurde, beim EM-Titel 1993 war Pleiß drei Jahre alt. Der „Alte“, wie Pesic von seinen ehemaligen Spielern respekt- und liebevoll genannt wird, bekommt es jetzt mit einer ganz anderen Generation von deutschen Basketballern zu tun, die an einem entscheidenden Punkt ihrer Entwicklung stehen. Werden Spieler wie Tibor Pleiß, Robin Benzing oder Elias Harris das Versprechen ihres Talents einlösen können? Wird die Nationalmannschaft auch ohne das Jahrhunderttalent Nowitzki in den kommenden Jahren um Titel mitspielen? Geht es mit dem deutschen Basketball bergauf oder bergab? Pesic ist der Mann, der all diese Fragen beantworten soll.

Man merkt dem Trainer an, dass er sich auf diese Aufgabe freut. „Ich brauche immer ein Ziel, eine Motivation“, sagt Pesic. Es kommt eine anstrengende Zeit auf ihn zu. Bis zum Ende der kommenden Saison bleibt er auch Trainer beim serbischen Traditionsklub Roter Stern Belgrad, danach soll er hauptberuflich Bundestrainer werden. Pesic gibt zu, dass er sich nicht sicher ist, ob er die Doppelbelastung bewältigen wird. Auch deswegen läuft sein Vertrag erst einmal nur bis zum Ende der Qualifikation für die EM 2013 in Slowenien. Erst danach, Ende September, wollen sich Verband und Trainer zusammensetzen und die nächsten Schritte und Ziele vereinbaren. Per Handschlag hat man sich aber auf eine langfristige Zusammenarbeit bis 2016 geeinigt, dann sollen die deutschen Basketballer möglichst bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro antreten. „Es ist sehr schwer, sich für die Olympischen Spiele zu qualifizieren“, sagt Pesic selbst. „Weil nur zwölf Nationen teilnehmen dürfen.“ Als er das sagt, sieht er aber eigentlich nicht besonders besorgt aus. Große Aufgaben spornen ihn eher an, als dass sie ihn abschrecken. „Ich bin froh, dass ich eine neue Herausfrode ..., Herausfordre … eine neue Challenge gefunden habe“, sagt er lächelnd.

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Als Pesic 1987 erstmals Bundestrainer wird – er hat die jugoslawischen Junioren um Toni Kukoc, Vlade Divac, Dino Radja und Luka Pavicevic gerade zum WM-Titel geführt und dabei die als unschlagbar geltenden Amerikaner besiegt – spricht er kein Wort Deutsch. Zunächst muss ein Dolmetscher zwischen den Nationalspielern und ihrem Coach vermitteln, das Team merkt schnell, was Pesic will – auch wenn der Übersetzer darauf verzichtet, die vielen unflätigen Flüche ins Deutsche zu übertragen. Die Sprachbarriere zwischen Pesic und seinen Spielern ist allerdings noch sein geringstes Problem. Zu dieser Zeit hat kaum ein deutscher Basketballer Lust, überhaupt für das Nationalteam zu spielen. Der deutsche Basketball ist wenig ambitioniert und strukturschwach, niemand glaubt daran, Titel gewinnen zu können. Pesic macht sich daran, das zu ändern. „Er hat viele Dinge nicht geschluckt“, erinnert sich Albas Geschäftsführer Marco Baldi, der mit Pesic später in Berlin jahrelang zusammenarbeitete. „Wenn es hieß: Dieser Spieler kommt nicht, dann hat er sich ins Auto gesetzt und ist zu dem hingefahren.“ Pesic eckt an, Pesic geht auf die Nerven, Pesic brennt. In einer Zeit, in der Nationalspieler zu Lehrgängen gerne ein paar Tage später anreisen, die Freundin mitbringen oder ihr eigenes Programm absolvieren, fordert Pesic eine einheitliche Teamkleidung für jedes Mannschaftsmitglied, vom Physiotherapeuten bis zum Sportdirektor. „Die haben ihn angeguckt wie ein Auto“, sagt Baldi.

Svetislav Pesic will nicht nur guten Basketball spielen lassen, er will ganzheitlich arbeiten. Er will Basketball populärer machen, er interessiert sich auch für Marketingstrategien und Infrastruktur, er will bestimmen, wie die Spieler reisen, wo sie schlafen, wie sie sich ernähren. „Wenn das Essen nicht stimmt, holt er nicht den Kellner, sondern rennt direkt in die Küche“, sagt Marco Baldi. Diese Detailversessenheit und Intensität kann abschrecken, wirkt bei vielen Menschen aber eher ansteckend. Laut Marco Baldi hat Pesic neben seiner fordernden Art nämlich eine zweite Seite, die für seinen Erfolg mindestens genauso wichtig ist: „Er hat ein sehr gewinnendes Wesen. Es ist eine seiner größten Qualitäten, Leute für seine Idee zu gewinnen.“ …

… wer nun Geschmack bekommen hat, dem sei die neue Ausgabe der BIG empfohlen, die inklusive des kompletten Portraits des neuen Bundestrainers seit Dienstag, den 20.03, im Handel erhältlich ist (Abonnenten haben sie bereits eine Woche früher im Briefkasten).

Weitere Themen im Heft:
- P.J. Tucker im Interview: „Ich hasse meinen Namen!“
- Interview: John Bryant
- Kolumne: Herber geht’s nicht
- Interview Mike Koch
- Positions-Ranking: die Small Forwards
- Interview Sebastian Machowski
- Bremerhavens Torrell Martin
- Tübingens Josh Young
- Kolumne: Demond Mallet
- Ein bisschen Linsanity an der Nordseeküste
- Ein Samurai in Sachsen
- Undundund

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