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Kälteeinbruch in der Hauptstadt – ALBA BERLIN ehrt seinen „Iceman“ Wendell Alexis

Kälteeinbruch in der Hauptstadt – ALBA BERLIN ehrt seinen „Iceman“ Wendell Alexis

Die offizielle Saisoneröffnung von ALBA BERLIN an diesem Wochenende (Samstag, 18.00 Uhr in der o2 World) steht ganz im Zeichen der Ehrung der ALBA-Ikone Wendell Alexis, dessen Trikot mit der Nr. 12 künftig unter der Hallendecke der o2 World hängen wird.
Sechs Jahre spielte der „Iceman“ von 1996 bis 2002 für die Hauptstädter und erzielte dabei in 341 Spielen 5.922 Punkte (darunter 3.789 Punkte in 215 Bundesliga-Spielen). Noch beeindruckender ist die Bilanz hinter diesen Punkten, denn Alexis wurde mit ALBA in jenen sechs Jahren regelmäßig Deutscher Meister, gewann darüber hinaus dreimal den Pokal und wurde zweimal zum „Most Valuable Player“ beziehungsweise „Spieler des Jahres“ gewählt.



Auch in der Europaliga führte Alexis die Berliner in zuvor unbekannte Höhen: Dem Einzug ins Achtelfinale 1997 folgte 1998 sogar der ins Viertelfinale, was bis heute der größte Erfolg einer deutschen Mannschaft in der europäischen „Königsklasse“ ist. Wie gut die Berliner damals mit der von Trainer Svetislav Pesic mitunter an die jüngeren Spieler ausgegebenen Devise „Wenn ihr nicht mehr weiter wisst, gebt den Ball einfach zu Alexis“ fuhren, unterstrich in der Saison 1996/1997 die legendäre Berliner Aufholjagd gegen den späteren Champion Olympiakos Piräus, als ALBA innerhalb von nur 17 Sekunden aus einem 56:61-Rückstand einen 62:61-Sieg machte und – natürlich – Alexis den Siegtreffer markierte.



Nicht zuletzt wegen dieser Fähigkeit, selbst in kritischsten Situationen keine Nerven zu zeigen, liebten die Berliner ihren „Iceman“ – und die Gegner fürchteten ihn. Unvergessen zum Beispiel die Szene aus dem dritten Finalspiel 2001, als Alexis auf den Bonner Korb zudribbelte und sich kurz vor dem entscheidenden Dreier die Hose zurechtrückte. Für einen guten Wurf muss eben alles stimmen, auch die Hose muss richtig sitzen.

„Eigentlich wollte ich nur ein Jahr in Berlin spielen“, räumt er heute ein: „Ich wollte mich damals mit einer guten Saison in der Euroleague für bessere Verträge bei größeren Klubs empfehlen.“ Aber wie man sich in Berlin um ihn kümmerte, das hat ihn dann doch sehr beeindruckt. Als er seiner Frau am Telefon das familiäre Umfeld beschrieb, das er an der Spree vorgefunden hatte, erkannte die sofort: „Oh, das klingt so, als ob Du da länger bleiben wirst.“

Schon im zweiten Jahr lebte die ganze Familie Alexis in Berlin und aus einem Jahr an der Spree wurden sechs: „Als ich hier ankam, stand ALBA schon an der Tür zu Größerem. Die Fans waren hungrig, das Team war hungrig und da hat es einfach ‚klick’ gemacht,“ erinnert sich Alexis: „An einem solchen Aufschwung teilzunehmen ist wie ein kleines Baby aufwachsen zu sehen. Ich weiß, dass mich viele amerikanische Spieler um diese seltene Erfahrung beneiden.“



Zur Ehrung an diesem Wochenende begleiten ihn nur seine Frau Nixia und der jüngste Sohn Julian (16). Die beiden älteren Söhne Davide (19) und Anell (22) wären auch gerne mit nach Berlin gekommen, aber Papa Alexis erlaubte das nicht: „Dafür sind sie mir jetzt zwar böse, aber das Studium ist wichtiger.“ Angesichts dieser Strenge erinnert man sich auch sofort wieder daran, dass Wendell Alexis nicht zuletzt wegen seiner Selbstdisziplin zu dem großen Spieler wurde, als der er jetzt ausgezeichnet wird.

„Er war ein sehr ausgeglichener, ruhiger, souveräner Spieler, der nach außen hin wenig bis gar keine Emotionen zeigte“, erinnert sich ALBA-Manager Marco Baldi an seinen langjährigen Star: Aber nach innen hin war er ein sehr harter Wettkämpfer – auch gegen sich selbst.“ Was viele schon damals während seiner Berliner Jahre kaum realisierten, war die Tatsache, dass Wendell Alexis, als er nach Berlin kam, schon 32 Jahre alt war. „Andere Basketballer denken in dem Alter schon ans Aufhören“, blickt Baldi zurück: „Doch Wendell hat in jenen Jahren in Berlin seiner Karriere noch die Krone aufgesetzt.“

„Ich habe in Berlin von Jahr zu Jahr weniger von meinen physischen Möglichkeiten und umso mehr von meiner Erfahrung und von meinem Spielwitz gelebt“, beschreibt Alexis die große Herausforderung, die er bestehen musste und bestand. In seiner Berliner Zeit wurde der elegante US-Forward nicht nur für das europäische Allstar-Game nominiert, sondern wurde auch ins US-amerikanische Nationalteam berufen, als die NBA-Profis im Sommer 1998 wegen eines Tarifstreits nicht für die Weltmeisterschaft in Griechenland zur Verfügung standen.

Alexis gibt gerne zu, dass die ihm nachgesagte vorbildliche Arbeitseinstellung nicht angeboren war. Als junger Spieler musste auch er am College erst lernen, dass es nicht genügt, seinen Instinkten zu folgen: „Da kommt noch viel mehr hinzu: von einer guten Ernährung bis hin zur richtigen mentalen Einstellung.“ Wichtig für seine Entwicklung zu einem so kompletten Spieler war vor allem zu lernen, wie wichtig das Training ist: „Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Du nach gutem Training auch gut spielst.“

Heute arbeitet Wendell Alexis als Manager in einem Krankenhaus im New Yorker Stadtteil Bronx. „Basketball spiele ich auch noch, aber nicht mehr für Geld“, erklärt er verschmitzt: „Wir spielen da in einer Freizeit-Liga, ich nenne es die ‚Legends League’ mit anderen ehemaligen Profis aus der NBA und aus Europa. Der Spielmacher in meiner Mannschaft ist übrigens Derrick Phelps.“ Bezüglich der Ehrung am Samstag freut sich der „Iceman“ am meisten darüber, dass viele ehemalige Mitstreiter zu diesem Anlass in die o2 World kommen: „Die haben schließlich einen großen Anteil daran, dass mein Trikot jetzt unter die Hallendecke gehängt wird.“

Und natürlich wird Alexis sich anschließend mit großem Interesse auch das Spiel gegen den FC Bayern München ansehen, denn er verfolgt ALBAs Werdegang aus der Ferne immer noch mit Interesse: „ALBA hat ein Testspiel gegen den MBC verloren?“ schüttelt er den Kopf als wolle er sagen: „Mit mir wäre das nicht passiert.“ Aber er teilt die Aufbruchstimmung, für die an der Spree derzeit die Rückkehr von Sasa Obradovic sorgt: „Ich bin sicher, dass die Spieler gerne für Sasa spielen und dass er es mit seiner Erfahrung schafft, dass in Berlin wieder ‚ALBA-Basketball’ gespielt wird: schnell und mit hoher Intensität in der Verteidigung.“

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