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BIG - Basketball in Deutschland
Lou Richter im BIG-Portrait: Als Basketball eine Millionen Zuschauer hatte!

Lou Richter im BIG-Portrait: Als Basketball eine Millionen Zuschauer hatte!

Lou Richter war das Basketball-Gesicht Mitte der 90er Jahre. Im NBA-Versuchs-Ballon jump ran moderierte der Niedersachse auf Sat1 die Show, die sich in einer Zeit mit der besten Liga der Welt befasste, als Michael Jordan für seine Ringe noch nicht floppen musste, Detlef Schrempf mit Bürstenhaarschnitt in seiner Triple Threat-Adidas-Werbung nach der zwölften Wiederholung anfing zu nerven und Nick Anderson für die Orlando Magic vier unfassbare Freiwürfe vergab. ?Ein Blick zurück.
1338291301/img_lou_richter.jpgEs regnet in Hamburg, feinstes Londoner Wetter an den Landungsbrücken in Sankt Pauli. Der alte Elbtunnel ist gesperrt und so verzögert sich das Treffen mit Lou Richter um läppische 30 Minuten. Nur ich, der Fotograf Jermain Raffington, seines Zeichens im normalen Leben Eisbär in Bremerhaven und die Frau von Aale-Dieter bilden ein übersichtliches Spalier, als der lange Ledermantel entspannt die Holzplanken herunter geschlendert kommt. Die Baseball-Kappe tief ins Gesicht gezogen und somit optisch um sein markantestes Merkmal – die Frisur – beraubt, perlt der Regen an dem „zwölf-Jahre-ran-Mann“ Richter ab. „Moin, moin“, sagt Lou, Shake Hands mit der ehemals wildesten Frisur in Basketball-Deutschland seit Det the Threat. Nach zehn Minuten, den ersten verregenten Außenaufnahmen und einer verbalen Schnupperrunde hat das Trio vom Regen sowohl Jacke als auch die Schnauze voll. „Ich kenne ein paar gute Lokale umme‘ Ecke“ und so folgen der Schmierfink mit seinem Knipser artig dem Szenekundigen, um sich bei einem netten Italiener aufzuwärmen.

„Damals“ wird das Schlagwort der Geschichte, denn damals in den Neunzigern war alles irgendwie besser, entspannter, kultivierter. Für die Generation, die sich an „damals“ erinnern kann, sicher unnötig zu erwähnen, dass auch der Basketball besser war – zumindest über dem Teich. Kein Hype um Stirnbänder, verzogene Twens oder lächerliche Fouls, sondern echter Männersport. Eine Zeit in der die His Airness im Finale Charles Barkley schlug, Horace Grant eine lässige Sportbrille trug und Kevin Johnson Bälle auf „Thunder Dan“ Majerle passte. „Zum Fernsehen kam ich 1992, damals mit Reinhold Beckmann von Premiere. Anfänglich moderierten ich den Sport im Frühstücksfernsehen, das reguläre News-Format von ran, bevor der Sender durch den Auftritt des 92er Dream Teams zur Olympiade in Barcelona vom Basketball angefixt wurde. Da fing Sat1 an sich für die damalige Trendsportart Nummer 1 zu interessieren“, sagt Lou. „Damals waren die Rechte für die NBA noch erschwinglich, hatte die Liga mit Schrempf ein deutsches Aushängeschild und damals hatte die Nationalmannschaft unter Svetislav Pesic gerade erst die EM gewonnen. Man spürte etwas wie Aufbruchstimmung und so entstand in dieser Zeit die Idee und das Konzept zu jump ran, einem wöchentlichen Basketball-Magazin, dass sich der NBA widmen sollte“.

Schnell hatten sich ein paar Visionäre gefunden, die in der Vor-Nowitzki-Ära den Sport populärer machen wollten. „Als wir in dieser Zeit zu einer Vorbereitungsreise zur Fußball-WM 1994 in die USA aufbrachen, das NBA-Finale zwischen den Chicago Bulls und den Suns aus Phoenix verfolgen konnten, stand fest, genau diese Art des Basketballs hat Potential, perspektivisch“. So kam es wie es kommen musste. Sat1 sicherte sich die Rechte, präsentierte die spektakulärste Liga und die besten Spieler der Welt, ausgestattet mit einem 2-Jahresvertrag im Free TV und bastelte kontinuierlich am eigenen Fankreis. Der Anfang war gemacht, mit festem Sendeplatz, einer noch humanen Uhrzeit, in einem Studio, dass stark an das Lager der Ludolfs erinnerte, jedoch auf seine ganz eigene Art und Weise so etwas wie Sömmeringhallen-Charme versprühte.

1338292581/img_lou_richter_studio_Kopie.jpg„Im Vergleich zu dieser Zeit wären Thomas Gottschalk und Harald Schmidt heute froh, wenn sie unsere damaligen Quoten hätten“, kann sich Richter den Seitenhieb auf den heutigen Konkurrenzkampf nicht verkneifen. Mit sieben bis acht Prozent Marktanteil in der relevanten Zielgruppe der Jugendlichen bis 24 Jahren schwamm „jump ran“ gemessen an der damaligen Situation zunächst in Richtung Erfolg. Erst nachdem Fred Kogel 1995 den Posten des Programmgeschäftsführer bei Sat1 übernahm, aufgrund völlig überzogener Quotenerwartungen versuchte, die angestammten Wochenend-Programmplätze umzubauen, ging es mit dem Magazin rapide bergab. „Anfänglich war das eine richtig geile Zeit, bis zum 6. Oktober 1993“, sagt Lou. Zu diesem Zeitpunkt entschied sich Michael Jordan für sein erstes Karriereende um in Richtung Baseball abzudriften, mit nur sehr mäßigem Erfolg wie wir heute wissen. „Der Sender hatte die Rechte gerade erst gekauft, zwei Monate macht sich MJ aus dem Staub. Für uns war das eine echte Katastrophe nachdem sich das Aushängeschild und der wahrscheinlich beste Spieler aller Zeiten kurz nach Abschluss des Vertrages einfach so verabschiedete. Wir sind dann in die USA zu Jordans Abschiedszeremonie geflogen. Die ganze Basketball-Elite war vor Ort, Wilt Chamberlain und alle noch lebenden Legenden trafen sich zur Verabschiedung. Das Trikot mit der 23 wurde von den Bulls unter die Hallendecke gezogen, die Statue enthüllt und uns blieb mal wieder nur die Zuschauerrolle“.

Das komplette Portrait des Fernsehmannes gibt es in der neuen BIG. Hier ein nicht ganz ernst gemeinter, aber umso amüsanterer Lebenslauf sowie ein Ausschnitt aus der letzten Sendung von jump ran. Lou Richter mit Svetislav Pesic im Whirpool - so durchgeknallt durfte Sport im Privatfernsehen einst präsentiert werden:



In der neunten Ausgabe, die ab Dienstag, den 29.05. im Handel erhältlich ist (Abonnenten haben sie bereits eine Woche früher im Briefkasten), spricht Lou Richter zudem über „ran-Sat.1-Basketball“ als wöchentliches Magazin von 2000bis 2003 über die damalige Basketball-Bundesliga, den verpassten Streetball-Boom der Neunziger und Svetislav Pesic als neuen Bundestrainer. Außerdem gibt es noch diese Themen:

- Positions-Ranking: die Center
- Doktor Axel Schweitzer - der ALBA-Chef im BIG-Interview
- Dane Watts - eben erst Papa geworden, nun spricht er über Ulms Zaubersaison
- Kolumne: Joes Ecke - Herber geht's nicht
- Philipp Schwethelm - der Nationalspieler über seine schwierige Saison in München
- Oldenburgs schwieriges Jahr - Geschäftsführer Hermann Schüller spricht Klartext
- Die Absteiger: Was passiert in Göttingen und Gießen?
- Giants Düsseldorf: die Posse um das Lizenzchaos
- Sajmen Hauer - einmal Star und zurück
- Bundestrainer Svetislav Pesic über Tibors NBA-Pläne und die Probleme deutscher Nationalspieler
- Reportage: Zu Besuch bei den Freaks in der Frankenhölle
- Kolumne: Demond Mallet
- Undundund

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