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OrangeZone: Der Pokal und seine Gesetze

OrangeZone: Der Pokal und seine Gesetze

Nach 1996 könnte ratiopharm ulm erstmals wieder an einem Pokalfinale teilnehmen. Was für ein eigenwilliges Turnier dabei auf Per Günther & Co. wartet, wurde im Ulmer Klubmagazin OrangeZone zusammengefasst.
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Die Geschichte von „David und Goliath“ wird im Sport nirgends häufiger bemüht als im Pokal. Vor allem im Fußball ist das ungleiche Duell zwischen Krösus und Winzling Ausgangspunkt vieler Legenden: Der Erfolg des spielerisch Schwächeren ist an sich so unwahrscheinlich, und im Pokal doch so häufig, dass dem Wettbewerb ein fast mystischer Charakter zugesprochen wird. Er hätte, so sagt man, seine eigenen Gesetze.

Diese galten auch bis 2009 im Basketball. Bis dahin gingen im DBB-Pokal ebenfalls Erst- und Zweitligisten sowie Amateure in einem Turnier auf Titeljagd. Die Wunder vom Favoritensturz blieben allerdings häufig aus – und die Underdogs oft früh auf der Strecke. „Es kam selten vor, dass es ein unterklassiger Verein überhaupt in die zweite oder dritte Runde schaffte“, erklärt Ex-Profit Pascal Roller, der mit Frankfurt 2000 den Cup gewann. Im selben Jahre also, in dem es seit 1993 erstmals ein Zweitligist (Rhöndorf) unter die besten vier schaffte.

Ein Wettbewerb fährt zweigleisig

In der Saison 2009/10 wurde der traditionelle Modus also entrümpelt. Die Clubs der Beletage tragen seitdem den neu gegründeten Beko-BBL-Pokal aus, die unterklassigen Vereine messen sich im beibehaltenen DBB-Pokal. Mit der Zweiteilung haben sich auch die Gesetze des Pokals verändert. Für die Bundesligisten bedeutet das: statt einer langwierigen Ausscheidungsrunde ist nun das Abschneiden in der Liga der Maßstab. Denn für den Pokal qualifizieren sich lediglich die besten sechs der Vorrunde.

Das soll für eine möglichst hohe Leistungsdichte im Wettbewerb sorgen, ist aber auch als Ansporn gedacht. Denn nur wer einen guten Saisonstart hinlegt, hat Chancen auf das Top Four, wie Thorsten Leibenath weiß: „Die guten Leistungen von Teams wie dem unseren, werden in gewisser Weise mit der Pokalteilnahme honoriert“, so Leibenath, der mit seiner Mannschaft zum vierten Mal in der Ulmer Bundesliga-Historie (1994, 1995, 1996) ins Top Four vordringen könnte.

Und wer einmal drin ist im Pokal, hat den Titel bereits in Sichtweite. Nach der Qualifikationsrunde (Viertelfinale) sind beim Top Four lediglich zwei weitere Hürden (Halbfinale, Finale) zu nehmen. „Leichter kann man einen Titel nicht gewinnen“, so Pascal Roller. Es ist also ein kurzer Weg bis in den Konfettiregen. Über Erfolg und Misserfolg entscheiden dabei häufig temporäre Faktoren wie Tagesform, Momentum oder Verletzungen. Der Pokal ist ein flüchtiges Geschäft, in dem man sich schwarze Tage – anders als in einer langwierigen Playoff-Serie – nicht erlauben darf.





Den Brose Baskets Bamberg wäre diese Tatsache im vergangenen Jahr fast zum Verhängnis geworden: Im Cup-Finale wankten die favorisierten Franken gegen Braunschweig bis zum Schluss äußerst bedenklich (69:66); einige Schlüsselspieler des deutschen Basketball-Primus‘ schwächelten, und auf der Gegenseite machte Ex-Phantoms-Guard Kevin Hamilton sein Spiel des Jahres. „Der Underdog hat nichts zu verlieren und kann befreit aufspielen“, erklärt Pokal-Experte Roller. „Der Favorit dagegen steht unter Druck. Er weiß, dass er in diesem einen Spiel Leistung bringen muss.“ Da könne man als designierter Sieger schon mal verkrampfen, glaubt Roller.

Der Pokal als Barometer für die Meisterschaft

Der Pokal-Wettbewerb ist aber nicht nur die Chance auf einen „schnellen Titel“, sondern gewissermaßen auch der Probelauf für die Meisterschaft. Wenige Wochen vor dem Start in die Endrunde dient das Top Four – sowohl sportlich als auch atmosphärisch – als optimales Barometer für die eigene Playoff-Tauglichkeit.

Das Turnier kann für alle Teilnehmer aber auch zum Scheideweg werden, denn der Erfolg im Pokal-Wettbewerb ist nicht selten maßgeblich für den weiteren Saisonverlauf. „Als Team kann man sich da entweder zusätzlichen Druck aufbürden oder Selbstvertrauen tanken“, unterstreicht Pascal Roller, der aus eigener Erfahrung spricht. 2010 musste er mit ansehen, wie Bamberg in Frankfurt das Top Four im Fotofinish gewann (76:75) – und anschließend Basketball wie vom anderen Stern zelebrierte. Dass die Saison der Bamberger bis zum Pokal-Gewinn einer Hängepartie glich (Hauptrunde: 5. Platz), war da längst in Vergessenheit geraten.

Dass der Pokalsieger im selben Jahr auch Meister wird, ist übrigens keine Seltenheit. Seit der Gründung des Pokalwettbewerbs 1967 gelang bereits 18 Mannschaften das Double – zuletzt den Brose Baskets sogar zwei Jahre in Folge (2010, 2011). Die meisten Zweifachtriumphe, nämlich acht, hat Leverkusen gesammelt, den letzten 1995. Ein Jahr darauf war es dann aber ein gewisser Gary van Waaden, der im Pokalfinale per Gamewinner das Ende der Werksclub-Dynastie ankündigte und dem Ulmer Basketball den größten Erfolg seiner Geschichte bescherte.

Der Pokal-Experte



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Pascal Roller gilt als einer der besten deutschen Spieler in der jüngeren BBL-Geschichte. Elf Jahre ging der 1,80 Meter große Guard für Frankfurt auf Korbjagd und stand dabei in vier Pokal-Finals. Gewonnen hat Roller den Cup allerdings nur in seiner ersten Saison in Frankfurt (2000). Seit dem Abschied vom Profisport im letzten Jahr arbeitet der 35-Jährige u.a. bei einer Sportmarketing-Agentur und als Experte für Sport1.

ratiopharm ulm - EWE Baskets Oldenburg 18:14


Oldenburg hat die ratiopharm arena in schlechter Erinnerung (101:83, 10. Dezember). Ulm ist in der Favoritenstellung: Behalten die ratiopharm-Korbjäger gegen routinierten „Donnervögel“ die Nerven?

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Brose Baskets - Artland Dragons 19:18


Neuauflage des letztjährigen Halbfinal-Krimis (101:93 n.V.). Bamberg zu Hause schier unschlagbar; wenn aber einem Team die Sensation in der Stechert Arena gelingen kann, dann den brandheißen Dragons.

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ALBA BERLIN - New Yorker Phantoms Braunschweig 18:14


Das Duell der Wundertüten; beide Teams mit schwankenden Leistungen in der BBL. Die größere Erfahrung und der Heimvorteil dürften den „Albatrossen“ den entscheidenden Vorteil bescheren.

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Telekom Baskets Bonn 18 Bälle


Als Ausrichter muss sich Bonn nicht durch die Qualifikation kämpfen und ist nur zwei „Heimsiege“ vom Cup-Gewinn entfernt. Mit dem eigenen Publikum im Rücken ist die Überraschung möglich.

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Modus: Pascal Roller bewertet für OrangeZone die Teilnehmer des Beko BBL-Pokals 2012. Maximale Punktzahl pro Kriterium: fünf. Für ein Heimspiel in der Qualifikationsrunde gibt es einen Bonuspunkt, Bonn erhält als Ausrichter des TOP FOUR deren zwei.

Pascal Rollers Fazit: „Für mich ist Bamberg der Titel-Favorit. Das Team besitzt viel Erfahrung und genügend Akteure, die wichtige Spiele entscheiden können. Eine positive Überraschung traue ich sowohl Bonn – wegen dem Heimbonus – als auch Ulm zu: Die Ulmer profitieren sehr von der Euphorie im Umfeld und haben einen tollen jungen Coach. Für Berlin wird der Pokal entweder der nächste Absturz oder die Kehrtwende. Um letzteres zu schaffen, sehe ich sie aber nicht in der nötigen Verfassung.“

Text: ratiopharm ulm / ORANGEZONE

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