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Playoff-Vorschau Bamberg - Bonn: als Team zu fokussiert, am Brett zu tief, in der Defense zu gut!

Playoff-Vorschau Bamberg - Bonn: als Team zu fokussiert, am Brett zu tief, in der Defense zu gut!

Das Duell des Ersten gegen den Achten kann schon mal eine ungerechte Sache werden, das bringt der Modus des Wettbewerbs so mit sich. Überraschungen kann es dennoch geben, aber in der Serie zwischen den Brose Baskets und den Telekom Baskets Bonn (Donnerstag ab 19:50 Uhr das erste Spiel live bei SPORT1 und bei uns auf der Homepage als Stream) müsste der Außenseiter in der Defense schon auf wundersame Art zulegen, um den Meister in den Urlaub schicken zu können.

Brose Baskets (1) – Telekom Baskets Bonn (8)



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Gegenüberstellung: die feste Rotation im Positions-Check:

Point Guard: Brian Roberts vs. Jared Jordan
Der beste Passgeber der Liga gegen den besten Crunchtime-Scorer unter den Point Guards in der Beko BBL (Sorry, Heiko): Ein Duell, bei dem beide Akteure den Fokus auf dem Angriff liegen haben, denn defensiv gehören sowohl Roberts als auch Jordan eher zum Mittelmaß auf ihrer Position. Spielt Chris Fleming vielleicht mit dem Gedanken, Jordan von Gavel verteidigen zu lassen? Schließlich steht und fällt das Bonner Spiel mit dem Floor General der Telekom Baskets.

Shooting Guard: Anton Gavel vs. Benas Vaikalas
Gavel ist der beste Verteidiger der Saison 2011/12 und im Angriff der X-Faktor des Meisters. Der Combo-Guard hat keine Probleme damit, sich dem Kollektiv unterzuordnen, ist manche Spiele fast beängstigend unsichtbar – das sollte aber nicht falsch interpretiert werden vom Gegner, denn wenn er gefordert ist, kann der Slowake sein Team auch in der Offense alleine tragen – wie zuletzt mit seinen 30 Punkten im Pokalhalbfinale gegen Ulm bewiesen. Auf den Litauer Vaikalas wartet als Bonns zweitbester Scorer (13,4 PPG) also nicht nur im Angriff ein harter Job.

Small Forward: Casey Jacobsen vs. Simonas Serapinas
Der Kapitän der Brose Baskets ist in einem Stadium seiner Karriere, in dem er nur aus einem Grund spielt: um nach dem letzten Spiel in der Beko BBL in dieser Saison wieder genau diese Momente zu erleben. Unter dem Stichwort „Vorzeigeprofi“ ist im Duden sein Konterfei zu finden (checkt beizeiten mal das Portrait über ihn bei ESPN Classic), und der Stanford-Absolvent ist verantwortlich dafür, dass beim Champion jeder seine individuellen Ziele dem Kampf um die Meisterschaft unterordnet. Selbst seine verbalen Ausraster, die in den Playoffs 2011 zu kleiner Rudelbildung mit Sven Schultze und Tyrese Rice führten, waren nur Mittel zum Zweck, um seine Mitspieler auf Linie zu bekommen. Serapinas kann außerdem nur empfohlen werden, nicht auf Möchtegern-Experten zu hören, die Jacobsen als reinen Schützen klassifizieren. Der Distanzwurf ist Jacobsens größte Stärke, aber auch sein Drive vom rechten Flügel über die Mitte muss mehr als ernst genommen werden.

Power Forward: P.J. Tucker vs. Tony Gaffney
Für dieses Duell würde ich Geld bezahlen! Zwei außergewöhnliche Athleten. Beide mit NBA-Erfahrung. Der eine beim Scoring vielseitiger als ein Schweitzer Taschenmesser, der andere ein Duracellhase, der in der Liga mit durchschnittlich 1,8 Blocks pro Spiel das Maß aller Abfangjäger war und außerdem jeden Fastbreak ganz vorne mitsprintet. Wenn einem Spieler der Beko BBL zugetraut werden kann, Tucker zumindest zu bremsen, dann ist dies Gaffney samt seiner langen Arme. Und das ist auch dringend nötig, denn über die vergangenen sechs Spieler hat Bambergs Quadrat-Forward 22,5 Punkte im Schnitt bei einer Quote von satten 63,2 Prozent aus dem Feld eingenetzt. „Heiß wie Frittenfett“ ist hierfür angeblich der politisch korrekte Terminus.

Center: Tibor Pleiß vs. Chris Ensminger
Jung gegen Alt. Aktueller gegen früheren Bamberger Center. Tibors Spiel über Ringniveau gegen das intelligente Stellungsspiel von Ensminger am Boden. Und das sind nur drei Gründe, warum dieses Duell interessant wird. Dazu kommt, dass der ewige Ensminger in seinem 13. Bundesligajahr eine seiner besten Saisons gespielt hat und gegen seinen alten Klub besonders motiviert sein wird. Wenn Pleiß als junger Nationalcenter beweisen möchte, dass er signifikante Fortschritte gemacht hat, ist Ense-Sense genau das richtige Kaliber, denn es gibt kaum einen Profi in der Liga, der unbequemer zu spielen ist.

Julius Jenkins vs. Talor Battle
Wenn ein zweifacher MVP als Edelschütze von der Bank gebracht werden kann, reicht das als Aussage über die Qualität des Meister-Kaders. Dem 31-jährigen Jenkins tut es gut, dass er nicht mehr – wie in Berlin immer gefordert – die erste Geige spielen muss. In Bamberg muss er weniger selber mit dem Ball in der Hand kreieren, sondern kann – ähnlich wie Jacobsen – die Blöcke der Mitspieler nutzen, um freie Würfe zu bekommen. Battle hat sich als Nachverpflichtung gut eingefügt in die Bonner Teamstruktur. Eigentlich als reine Entlastung für Jordan geholt, hat er in 17 seiner 23 Spiele zweistellig gepunktet. Beide sind für ihr Team der erste Scorer von der Bank, Jenkins eher auf der Zwei, Battle eher auf der Eins.

Karsten Tadda vs. Andrej Mangold
Tadda gibt bei den Brose Baskets seit einigen Jahren den Kettenhund von der Bank, der sich offensiv zumeist auf den offenen Dreier beschränkt, Mangold ist auf dem Weg, diese Rolle bei den Bonnern einzunehmen. Beim Entscheidungsspiel gegen Frankfurt am 34. Spieltag zum Beispiel führte er Jimmy McKinney von den Skyliners recht eindrucksvoll seine Defensivkünste vor. Vielleicht könnte Mangold offensiv sogar gefährlicher als Tadda werden, aber der Bamberger Jung hat seinem Gegenüber an Erfahrung auf höchstem Niveau natürlich einiges voraus.

Peja Suput und Marcus Slaughter vs. Fabian Thülig und Jonas Wohlfarth-Bottermann
An dieser Stelle wird der größte Schwachpunkt im Bonner Kader offensichtlich: die mangelnde Tiefe des Frontcourts! Bei Bamberg kommen für die Vier und die Fünf ein abgezockter Serbe und der Schlachter-Markus als Vielflieger von der Bank, bei Bonn nach der Trennung von Heißsporn Zvonko Buljan im Prinzip nur Wohlfarth-Bottermann (Thülig ist eher ein Dreier). Der Jungcenter hat zwar zuletzt bewiesen, dass er nicht nur ein herausragender Shotblocker werden kann, sondern auch offensiv dazugelernt hat, aber für Suput und Slaughter ist er natürlich nicht viel mehr als ein zweites Frühstück für den hohlen Zahn. Sollten Ense und Gaffney in Foulprobleme kommen, könnte es richtig bitter für Bonn werden.

Garbage Time:
Bei den Brose Baskets stehen fürs aktive Auslaufen (lies: wenn das Spiel bereits entschieden ist) vor allem Philipp Neumann und Daniel Schmidt bereit, bei den Telekom Baskets Bonn Daniel Hain und Florian Koch.

Die Kontrahenten im bewegten Bild:
Natürlich gibt es von den Brose Baskets jede Menge Videos, wie sie in den vergangenen bald drei Spielzeiten verschiedenste Teams in der Beko BBL sorgfältig in die Einzelteile zerlegen. Diese Saison zum Beispiel die zweitplatzierten Ulmer in deren neuer Arena oder auch vergangenes Jahr das Massaker an den Berlinern, das unverständlicherweise immer noch nicht vom Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag untersucht wurde. Aber an dieser Stelle eingebettet, ist ein anderes Video passender - nämlich wie Chris Fleming und seine Jungs den bis dato letzten Titel beim TOP FOUR in Bonn feierten. Das verdeutlicht nämlich recht gut, den Antrieb von Trainer, Klub und Spielern: mit dem Gewinn der Meisterschaft soll das letzte Puzzleteil für den historisch einmaligen doppelten Threepeat abgegriffen werden:



Bei den Telekom Baskets Bonn ist die Auswahl auch nicht ganz einfach. Die Highlights nach den ersten drei Spielen zeigen eine Mannschaft die beides spielt: selbstlos und spektakulär. Der Sieg in der Berliner o2-World hätte es auch verdient gehabt, hier gezeigt zu werden, aber da oben bereits darüber geschrieben wurde, dass die Bonner sehr von Jared Jordan abhängig sind, gibt es hier nun das Video, wie der Point Guard in Oldenburg 18 Assists austeilt, während die EWE Baskets als Team zusammen nur auf neun kommen:



Zahlenspielchen:

Saisonbilanz: Bamberg 30-4, Bonn 18-16

Direkte Duelle:
Bonn 73:85 Bamberg
Bamberg 97:66 Bonn
Bonn 73:82 Bamberg (Pokalfinale)

Teamstats Bamberg/Bonn:
Punkteschnitt Offense: 89,2 - 80,3
Punkteschnitt Defense: 70,2 - 77,0
Assists pro Spiel: 17,7 – 16,6
Rebounds pro Spiel: 34,4 – 33,8
Feldwurfquote in Prozent: 52,0 – 47,3
Dreierquote in Prozent: 40,8 (298/731) – 34,7 (265/764)
Freiwurfquote in Prozent: 75,9 (647/853) – 76,2 (513/673)

Termine:
Do, 03.05 19:50 Uhr Bamberg - Bonn (live bei SPORT1)
Mi, 09.05 19:30 Uhr Bonn - Bamberg
Sa, 12.05 20:15 Uhr Bamberg - Bonn (live bei SPORT1)
Di, 15.05 Bonn - Bamberg (falls nötig)
Do, 17.05 Bamberg - Bonn (falls nötig)

Fazit:
Bamberg hat alle Trümpfe in der Hand. Bonn müsste fürs Weiterkommen ein Spiel in der Frankenhölle gewinnen und das ist selbst für Berufsoptimisten nur schwer vorstellbar. Es gibt Tage, an denen sieht das Offensivspiel der Truppe von Mike Koch mit den vielen Fastbreaks spektakulär und effizient aus, aber selbst dann müsste Bonn gleichzeitig auch hinten 40 Minuten am oberen Limit verteidigen, um gegen Bamberg zu gewinnen. Und genau das Fehlen dieser Konstanz auf hohem Niveau in der Verteidigung hat Koch diese Saison bereits mehrfach als großes Manko seiner Mannschaft angeführt.

Mein Tipp:
3-0 Brose Baskets
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