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Sensation in der Euroleague: Außenseiter Olympiakos gewinnt in letzter Sekunde

Sensation in der Euroleague: Außenseiter Olympiakos gewinnt in letzter Sekunde

Das Final Four der Euroleague in Istanbul erlebte am Sonntag mit einem verrückten Finale einen denkwürdigen Höhepunkt: Der Außenseiter Olympiakos Piräus, der zwölf Minuten vor Schluss bereits mit 34:53 gegen ZSKA Moskau zurück lag, sicherte sich mit einem sensationellen 28:8-Endspurt zum 62:61 den Titel im höchsten europäischen Vereinswettbewerb.
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Unter den jubelnden Griechen, die selbst Minuten nach der Schlusssirene ihr Glück noch nicht fassen konnten, rang auch der letztjährige Bamberger Kyle Hines nach Worten: „Unglaublich, wir waren der große Underdog und jetzt sind wir Europa-Champion!“



Ab der 29. Minute hatte Olympiakos mit einer enormen Energieleistung und einer großartigen Teamverteidigung Punkt um Punkt aufgeholt. Bis zur letzten Viertelpause verkürzte Olympiakos auf 43:53 und schien neun Sekunden vor dem Ende (61:60) doch umsonst gekämpft zu haben, denn mit Ramunas Siskauskas schritt einer der sichersten Freiwerfer der Euroleague an die Linie, um den ZSKA-Sieg unter Dach zu bringen. Doch der Routinier verwarf beide Freiwürfe, und dann ging es ganz schnell. Olympiakos-Spielmacher Vasilis Spanoulis, über die gesamte Saison der überragende Spieler und Anführer des jungen Teams, brachte den Ball zügig, aber nicht überhastet in die gegnerische Hälfte, zog zum Korb, passte dann aber raus auf Georgios Printezis an der Grundlinie, der per Floater den Siegkorb zum 62:61 markierte.



Zwei Stunden vorher hatte das Finale einen eher mäßigen Start erlebt. Nachdem schon im Halbfinale kein Team mehr als 68 Punkte erzielt hatte, schienen die beiden Kontrahenten das im extrem defensiv ausgerichteten Finale noch überbieten zu wollen. So wie der frühere Kölner Marko Keselj seine ganze Energie verbrauchte, um dem ZSKA-Star Andrej Kirilenko auf Schritt und Tritt zu folgen, schienen sich auch die anderen Akteure ausschließlich auf die Verteidigung zu konzentrieren. ZSKA führte nach zehn Minuten 10:7. Den 17 Punkten beider Teams standen 17 Ballverluste gegenüber.

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Einen rabenschwarzen Tag erwischte auch der Spieler, dem die deutschen Fans am meisten die Daumen drückten. Der ehemalige Bamberger Kyle Hines, im vergangenen Jahr MVP der Finalserie in der Beko BBL, ging in der zwölften Minute ohne Punkt, aber mit drei Fouls und drei Ballverlusten in nur viereinhalb Minuten wieder auf die Bank. Im zweiten Viertel spielte sich endlich ZSKA frei, vor allem Spielmacher Milos Teodosic, der Olympiakos mit drei Dreiern innerhalb von eineinhalb Minuten schockte (25:13). Auch unter den Körben mit 18:12 Rebounds überlegen, ging Moskau mit einer 34:20-Führung in die Halbzeitpause. Auch nach dem Seitenwechsel hatte Olympiakos dem Favoriten um Teodosic (4/5 Dreier bis dahin) und dem immer stärker werdenden neuen Euroleague-MVP Andrej Kirilenko nichts entgegenzusetzen, bis in der 29. Minute die große Aufholjagd begann.



Angesichts der plötzlich wie entfesselt aufspielenden Griechen wuchs bei ZSKA von Minute zu Minute die Verunsicherung. Vor allem Spielmacher Teodosic verlor so sehr die Kontrolle über das Spiel, dass Trainer Jonas Kazlauskas sich hinterher fragen lassen musste, warum er so lange an ihm festgehalten hatte. Bei Olympiakos zählte neben Spielmacher Spanoulis, Shooting Guard Evangelios Mantzaris sowie den Forwards Kostas Papanikolaou und Printezis auch Hines zu den fünf Spielern, die den Endspurt trugen. Der mit seinen 1,98 Metern „kleinste Center der Euroleague“, blieb zwar in der Offensive weiter ohne jeden Erfolg (am Ende 0/4 Würfe und fünf Ballverluste), aber in der Defensive machte er – nicht zuletzt gegen den ihn um 14 Zentimeter überragenden Nenad Krstic – wie alle seine Mitspieler einen hervorragenden Job. Auch Keselj dufte im Schlussviertel noch einmal kurz aufs Parkett und markierte einen wichtigen Dreier zum 53:48, musste aber anschließend dem stärkeren Kostas Papanikolaou (mit 18 Punkten ohne Fehlwurf Topscorer der Partie) Platz machen.



Dass nach dem Spiel nicht Papanikolaou, sondern Spanoulis zum MVP des Finales gekürt wurde, war wieder einmal der Tatsache geschuldet, dass die Organisatoren die Stimmzettel der Jury bereits in der 35. Minute einsammelten, als der erst 22-jährige Forward seine letzten sechs enorm wichtigen Punkte noch nicht erzielt hatte und beim Stand von 55:48 für ZSKA ohnehin kein Juror sich vorstellen konnte, dass der MVP auf Seiten von Olympiakos zu suchen sein würde.



Der Überraschungssieg von Olympiakos, das in der vergangenen Saison mit einem Rekordbudget von 45 Millionen Euro in der Euroleague kläglich gescheitert war und in diesem Jahr mit einem halbierten Budget auf keiner Favoritenliste stand, ist natürlich auch und nicht zuletzt ein Erfolg von Dusan Ivkovic. Die serbische Trainerlegende hat über den Saisonverlauf aus vielen jungen Spielern ein Team zusammenschweißt, das von Monat zu Monat wuchs und am Ende beim Final Four im Halbfinale den FC Barcelona niederrang und dann auch gegen den übermächtigen Gegner ZSKA Moskau das Glück des Tüchtigen hatte. Der letzte Euroleague-Titel des heute 69-jährige Serben, der früher wegen seiner Grantigkeit gefürchtet war, sich aber mehr und mehr in einen netten und liebenswerten „Basketball-Opa“ verwandelt hat, datiert aus dem Jahr 1997 – damals ebenfalls mit Piräus.

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