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BIG - Basketball in Deutschland
Stefan Koch im BIG-Interview:

Stefan Koch im BIG-Interview: "Spieler haben uns abgesagt, weil ihnen Quakenbrück zu klein war"

Stefan Koch spricht als Headcoach der Artland Dragons über die Probleme, Profis für ein Engagement in der 13.000-Einwohner-Stadt zu begeistern, sein neues Drachenteam und seine Pläne für die Zukunft.


Herr Koch, wie sehr werden Sie David Holston vermissen?
Das können Sie mich im November oder Dezember fragen, wenn wir einige Wochen der neuen Saison gespielt haben. Ironischerweise wurde ich genau vor einem Jahr gefragt, wie sehr ich Tyrese Rice vermissen werde. Ohne Frage besitzt David einzigartige Qualitäten, wenn es darum geht, schwierige Würfe zu treffen oder ein Spiel zu übernehmen. Ich glaube aber auch, dass wir kommende Saison mit Demond Mallet auf der Point Guard-Position hervorragend aufgestellt sind.

Mallet, der zwischen 2001 und 2007 schon für Braunschweig, Bamberg und Köln spielte. ist 34 Jahre alt – fürchten Sie, dass er seinen Zenit schon überschritten hat?
Das ist eine typisch europäische Sichtweise. Schauen Sie in die NBA, dort sind viele Leistungsträger weit jenseits der 30. Würden Sie einen Manu Ginobili oder einen Tim Duncan nicht gern im Team haben, obwohl diese Spieler schon etwas älter sind? Unser Team braucht bestimmte Eigenschaften, die Demond mitbringt: Erfahrung, eine gewisse Abgezocktheit und eine Winner-Mentalität. Wir haben ihn vergangene Saison bei Charleroi und Tel Aviv intensiv beobachtet und sind sehr angetan von dem, was wir gesehen haben. Sicher ist Demond keine 24 mehr, aber das spielt für uns auch nicht die entscheidende Rolle.

Spielte es denn bei seiner Verpflichtung eine Rolle, dass er bereits über Deutschland-Erfahrung verfügt?
Nein. Sicher ist es kein Nachteil, dass er das Umfeld von deutschen Klubs bereits kennt. Die Liga kennt er aber nicht, denn die hat sich seit 2007, als Demond von Köln nach Badalona wechselte, sehr verändert. Ich lehne mich aber sicher nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich behaupte, dass Demond keine Anpassungsprobleme haben wird, dafür hat er zu viele Jahre auf höchstem Niveau gespielt.

Mit MarQuez Haynes haben Sie einen weiteren neuen Guard verpflichtet, US-Amerikaner mit georgischem Pass. Ist er Ihnen von Tyrese Rice empfohlen worden, der laut Haynes sein bester Kumpel ist?
Nein, das ist nur ein netter Zufall. MarQuez hat uns schon vergangene Saison überzeugt, als wir gegen ihn und sein damaliges Team Gran Canaria in der Eurocup-Qualifikation gespielt haben. Er wird bei uns hauptsächlich als Shooting Guard zum Einsatz kommen; er ist aber sicher auch in der Lage, Demond auf der Eins zu entlasten.

Das heißt, ihr neues Backcourt-Duo mit Mallet und Haynes steht?
Das ist sicherlich nicht in Stein gemeißelt. Natürlich haben die beiden aufgrund ihrer bisherigen sportlichen Vita viele Argumente auf ihrer Seite, aber ich locke niemanden mit einer Stammplatz-Garantie ins Artland. Wenn Johannes Strasser, Chris Hoffmann und Acha Njei im Training Gas geben und bessere Leistungen als Mallet und Haynes zeigen, haben auch sie alle Chancen.

Mit Sergio Kerusch haben Sie einen jungen Forward verpflichtet, der zuletzt beim griechischen Top-Klub Aris Saloniki unter Vertrag stand und auf den viele Beko BBL-Vereine ein Auge geworfen hatten, weil der gebürtige Amerikaner auch über einen deutschen Pass verfügt. Wie haben die Dragons andere Angebote ausgestochen?
Sergio hatten wir schon im vergangenen Jahr auf dem Schirm und hätten ihn damals schon gern verpflichtet. Er hatte auch Angebote von deutschen Klubs, die mit Sicherheit über einen höheren Etat als wir verfügen, die auf seiner Position aber schon ganz gut aufgestellt waren. Er hat bei uns die größere Chance auf Spielzeit gesehen. Nach seinen Erfahrungen in Griechenland, wo er auch aufgrund der wirtschaftlich unsicheren Lage seine Zelte vorzeitig abgebrochen hat, war er außerdem auf der Suche nach einem in dieser Hinsicht stabilen Umfeld, und da ist Deutschland sicherlich eine gute Adresse.



Namen wie Mallet und Kerusch, dazu Bryce Taylor, der von Alba Berlin kommt, lassen aufhorchen. Wie machen Sie solchen Akteuren das 13.000-Seelen-Dorf Quakenbrück schmackhaft?
Indem ich von Beginn an mit offenen Karten spiele. Ich sage jedem Spieler, mit dem wir verhandeln, was ihn in Quakenbrück erwartet: Eine Kleinstadt-Atmosphäre, in der es ein Kino gibt und gute Restaurants, aber nicht das Flair einer Metropole. Hier ist alles viel intimer, und ein Profi-Basketballer wird in solch einer kleinen Stadt ein Stück weit gläsern; abtauchen wie etwa in Berlin geht hier nicht. Damit müssen Spieler, die sich für Quakenbrück entscheiden, rechnen, und ich gebe zu, dass wir in den letzten zwei Jahren ein halbes Dutzend Absagen bekommen haben, weil unseren Kandidaten die Stadt einfach zu klein war. Viele sehen aber auch die Vorteile: Die Menschen hier sind sehr angenehm im Umgang, die Fans sind sehr begeisterungsfähig, aber nicht fanatisch. Es ist schlicht eine Typ-Frage.

Ein Typ wie Sie passt also sehr gut nach Quakenbrück?
Offensichtlich, ja. Ich fühle mich hier extrem wohl, und das noch mehr, seitdem im vergangenen Jahr auch meine Familie hierher gezogen ist. In meinem ersten Jahr ist sie immer zwischen unserer Heimat Lich und dem Artland hin- und her gependelt.

Thorsten Leibenath, in Gießen Ihr langjähriger Co-Trainer, war Ihr Vorgänger im Amt bei den Dragons. Haben Sie sich seinerzeit bei ihm informiert?
Selbstverständlich, ich schätze Thorsten sehr und gebe sehr viel auf seine Meinung. Ich bin auch durch ihn sehr positiv an meine Aufgabe in Quakenbrück herangegangen, aber ich muss sagen, ich bin noch positiver überrascht worden. Ich mag die Menschen, die für die Artland Dragons arbeiten, und ich komme mit der Mentalität hier sehr gut zurecht. Wenn wir gewinnen, wird hier nicht so getan, als hätten wir das Penicillin entdeckt, wenn wir verlieren, ist Fukushima nicht auf einmal nur zehn Kilometer entfernt. Die Menschen hier haben eine sehr entspannte Art, mit Dingen umzugehen. Das kommt mir sehr entgegen, weil ich manchmal dazu neige, in Stress zu verfallen.

Stefan Koch, das HB-Männchen, das man auch von der Seitenlinie kennt?
Während des Coachings herrscht noch einmal eine andere Stresssituation, aber ich muss schon sagen, dass das Leben hier in Quakenbrück einiges entschleunigt. Außerdem wird man ja auch im Alter etwas ruhiger…



Wenn Sie sich doch im Artland so wohlfühlen: Was hat denn dagegen gesprochen, dass Sie Ihren Vertrag nicht um mehr als ein Jahr verlängert haben?
Schlicht und ergreifend meine private Situation. Im nächsten Jahr wird mein Sohn eingeschult, und da will ich mir alle Optionen offen halten, wo das geschieht. Es wird nie so sein, dass ich meine familiäre Situation an meine berufliche anpasse, sondern ich suche mir meinen Job danach aus, wie es für meine Familie am besten ist. Damit will ich überhaupt nicht ausschließen, noch einmal bei den Dragons zu verlängern und in Quakenbrück zu bleiben. Ich will nur flexibel sein.

Ihr neuer Ein-Jahres-Vertrag hat also nichts damit zu tun, dass Sie davon träumen, noch einmal einen „großen“ Klub wie Bamberg oder München zu übernehmen?
Ich bin jetzt 48 Jahre alt, ich habe keine Träume mehr. Geträumt habe ich mit Anfang 20, als ich noch ein junger Kerl war. Ich bin mit meiner aktuellen beruflichen Situation rundum zufrieden. Wenn aber Bamberg oder München anklopfen würden, würde ich mir alles sicher einmal anhören (lächelt).

Das komplette Interview gibt es in der neuen Ausgabe der BIG, die seit Dienstag, den 28.08. im Handel erhältlich ist (Abonnenten haben sie bereits eine Woche früher im Briefkasten) und außerdem noch folgende Themen:

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