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Vorschau: Bamberg und Berlin am Donnerstag zu Besuch bei den Turnover-Königen der Euroleague

Vorschau: Bamberg und Berlin am Donnerstag zu Besuch bei den Turnover-Königen der Euroleague

Der dritte Euroleague-Spieltag schickt die beiden deutschen Vertreter gen Osten. Während die Bamberger Brose Baskets am Donnerstag (25. Oktober) um 18:15 Uhr MEZ in der über 14.000 Zuschauer fassenden Moskauer Megasport Arena vom russischen Champion ZSKA Moskau erwartet werden, tritt ALBA BERLIN drei Stunden später (21 Uhr MEZ) in der Danziger ERGO-Arena (11.400 Plätze) beim polnischen Meister Asseco Prokom Gdynia an. Beide Spiele werden im Pay-TV (Sport1+) bzw. im Internet als kostenpflichtiger Livestream (Sport1.de) live übertragen. Die Bamberger Partie wird zudem vom Regionalsender TV Oberfranken (ebenfalls live) im Free-TV übertragen.
Der Zufall will es dabei, dass Bamberg und Berlin es am dritten Spieltag ausgerechnet mit den beiden Mannschaften zu tun bekommen, die sich an den ersten beiden Spieltagen die meisten Ballverluste geleistet haben: Der polnische Serienmeister Asseco Prokom Gdynia verlor im Schnitt 20 mal den Ball, sein russisches Pendant ZSKA Moskau gar 21 mal. Dabei gibt es aber entscheidende Unterschiede zwischen beiden Gegnern. So hat ZSKA Moskau, das nicnt nur wegen seines auf 45 Millionen Euro bezifferten Budgets zu den Topfavoriten auf den Euroleague-Titel zählt, trotz der vielen Turnover seine ersten beiden Spiele 75:73 gegen Rytas Vilnius und 76:71 nach Verlängerung bei Partizan Belgrad gewonnen.

Asseco Prokom Gdynia, dessen Budget eine Null weniger als das von ZSKA aufweist, hat hingegen seine ersten beiden Spiele 74:81 bei Elan Chalon und 75:77 gegen Unicaja Malaga verloren und steht am Donnerstag schon mächtig unter Erfolgsdruck gegen ein Berliner Team, das mit einem dritten Sieg in der Gruppe B die Tür zur TOP16 bereits für sich aufstoßen kann. Die bislang sieglosen Brose Baskets haben unterdessen in Moskau nichts zu verlieren. Die Entscheidung über die TOP16-Chancen des Deutschen Meisters fällt sehr wahrscheinlich erst in den noch ausstehenden direkten Duellen mit Partizan Belgrad und Lietuvos Rytas Vilnius.

Sonny Weems aus dem Stand der neue Star bei ZSKA Moskau



Auch wenn ZSKA gegen Vilnius und in Belgrad mit einem blauen Auge davon gekommen ist, wird die hohe Fehlerquote zum Saisonauftakt natürlich diskutiert. ZSKA muss nicht nur den Verlust von Andrej Kirilenko und Alexej Shved (beide in die NBA) kompensieren, sondern auch das Karriereende von Ramunas Siskauskas. Mit der Verpflichtung von Sonny Weems hat ZSKA dabei aber offenbar einen Volltreffer gelandet. Der US-Forward ist mit 22 Punkten pro Spiel nicht nur der Topscorer der ersten beiden Euroleague-Spieltage. Er rettete mit einem geblockten Wurf auch den glücklichen Auftaktsieg über Vilnius und war am zweiten Spieltag beim Verlängerungskrimi in Belgrad mit 30 Punkten der „Player of the Game“.


Dass es bei ZSKA trotz Sonny Weems noch nicht so rund läuft, liegt unter anderen auch daran, dass die bewährte Achse Milos Teodosic und Nenad Krstic mit ihrem gefürchteten blinden Verständnis beim Pick-and-roll noch nicht so richtig in Schwung gekommen ist, was womöglich daran liegt, dass die beiden serbischen Nationalspieler in der EM-Quali bis zum letzten Spieltag gefordert waren und einen Großteil der Saisonvorbereitung bei ZSKA verpassten (Und Teodosic haben die Freaks in Bamberg nicht wirklich in guter Erinnerung). Überhaupt weckten einige ZSKA-Akteure – wohl wissend, dass das Erreichen der TOP16 für ein so hochkarätig besetztes Team praktisch ein Selbstläufer ist – in den ersten beiden Spielen den Eindruck, noch nicht voll bei der Sache zu sein.

Trainer Ettore Messina schmeckt das gar nicht: „Die Außenseiter in der Vorrunde suchen doch mit höchster Motivation auch gegen uns die Siege, die ihnen zum Einzug in die TOP16 verhelfen“, warnt der Italiener seine Spieler, die jedoch am Wochenende in der United League ohne die verletzten Drew Nicholas und Zoran Erceg beim 75:67 in Riga (mit dem früheren Bonner und Quakenbrücker E.J. Rowland) erneut nur so viel taten, wie zum Sieg nötig war und sich 19 Ballverluste leisteten. Bester ZSKA-Akteur war – einmal mehr – Weems mit 13 Punkten (3/4 Dreier), fünf Rebounds und fünf Assists. Ihm folgten Teodosic (sieben Assists) und Krstic (sieben Rebounds) mit jeweils 13 Zählern sowie Power Forward Viktor Khrjapa mit elf Punkten, sechs Rebounds und fünf Assists.


ZSKA Moskau im Stenogramm (*neu im Team)
Guards: Milos Teodosic (25, 195, SRB), Anton Ponkrashov (26, 200, RUS), *Aaron Jackson (27, 193, USA), *Drew Nicholas (31, 193, USA, verletzt?).
Forwards: *Sonny Weems (26, 198, USA), Viktor Khrjapa (30, 203, RUS), *Vladimir Micov (27, 201, SRB), Andrej Vorontsevich (25, 204, RUS), *Zoran Erceg (27, 211, SRB, verletzt?).
Center: Nenad Krstic (29, 212, SRB), Sasha Kaun (27, 213, RUS), Dmitri Sokolov (27, 214, RUS).
Headcoach: Ettore Messina (53, ITA, 16. Europaliga-Saison, im Sommer zu ZSKA zurückgekehrt).

Aufbau-Duo Blassingame & Koszarek als Gdynias treibende Kräfte


Ursachenforschung für die Ballverluste ist auch beim polnischen Serienmeister Asseco Prokom Gdynia angesagt, der sein Heil mehr als jeder andere Europaligist aus der Distanz sucht (23/52 Dreier in den ersten beiden Spielen) und dabei noch schmerzlich seinen besten Schützen, den verletzten US-Forward Drew Viney, bislang vermisste. Beim Auftaktspiel in Chalon brachten sich die Polen mit 25 Ballverlusten um die Siegchance. „Mit so vielen Ballverlusten kann man kein Euroleague-Spiel gewinnen“, registrierte Gdynias Headcoach Kestutis Kemzura (der in den letzten zwei Jahren auch litauischer Nationaltrainer war) enttäuscht, dass es in seinem auf vielen Positionen neu formierten Team noch an vielen Stellen hakt.


Eine mögliche Ursache für Prokoms Ballverluste ist vielleicht die hohe Beanspruchung der beiden Spielmacher im Team. So führt der flinke, zuweilen aber sehr riskant agierende Jerel Blassingame die Euroleague-Statistik zwar mit neun Assists pro Spiel an, verzeichnet gleichzeitig aber auch die meisten Ballverluste (im Schnitt 6,5) in der gesamten Euroleague. Lukasz Koszarek, Aufbauspieler der polnischen Nationalmannschaft, agierte da mit im Schnitt sechs Assists bei nur 2,5 Ballverlusten zuletzt effektiver und hatte mit 16 Punkten und acht Assists (ohne jeden Turnover) am zweiten Spieltag großen Anteil daran, dass Asseco Prokom dem hohen Favoriten Unicaja Malaga nur knapp 75:77 unterlag.


Am Wochenende beim 73:70 über Zielona Gora in der polnischen Liga rückten neben den US-Außenspielern Frank Robinson (spielte 2009 kurz für Ludwigsburg in der Beko BBL) und Alex Acker erstmals in der Saison auch Gdynias Center ins Rampenlicht, die – von Blassingame (elf Assists) und Koszarek (sieben) immer wieder zwingend in Szene gesetzt - beide auf jeweils 21 Punkte kamen. Kann der polnische Nationalcenter Adam Hrycaniuk dabei in seiner fünften Euroleague-Saison auf eine schon recht große Erfahrung zurückgreifen, steht der 21-jährige Rasid Mahalbasic, der im Herbst bei der EM-Quali Topscorer des österreichischen Nationalteams war, erst am Beginn einer vielversprechenden Karriere.

Asseco Prokom Gdynia im Stenogramm (*neu im Team)
Guards: Jerel Blassingame 31, 175, USA), *Lukasz Koszarek (28, 187, POL), *Alex Acker (29, 195, USA), *Piotr Pamula (22, 195, POL), *Tomasz Snieg (23, 190, POL).
Forwards: *Frank Robinson (28, 197, USA), Mateusz Ponitka (19, 197, POL), Robert Witka (31, 206, POL), Piotr Szczotka (31, 196, POL), *Krzysztof Roszyk (34, 200, POL), *Drew Viney (24, 203, USA, verletzt).
Center: Adam Hrycaniuk (28, 206, POL), *Rasid Mahalbasic (22, 210, AUT).
Headcoach: Kestutis Kemzura (42, LTU, erste Eurolegaue-Saison, neu in Gdynia).
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