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Zu Besuch bei den Tigers: Ramiza aus Tadschikistan – eine eindrucksvolle Geschichte

Zu Besuch bei den Tigers: Ramiza aus Tadschikistan – eine eindrucksvolle Geschichte

Es ist Montag, der 22. Oktober 2012, die WALTER Tigers hatten gerade ihr Training in ihrer neuen Trainingshalle im Französischen Viertel beendet, als Ramizakhon („Ramiza“) Fayzulloeva, eine 16-jährige Gastschülerin des Tübinger Uhland-Gymnasiums zusammen mit dem Orthopäden Dr. Marco Götze vom Uniklinikum Tübingen die Halle betraten.
Ramiza war im Jahr 2004 im Alter von erst acht Jahren an einem Knochentumor (Osteosarkom) im linken Oberschenkel erkrankt. In ihrem Heimatland Tadschikistan hatte sie keine Krankenversicherung und somit auch nicht die geringste Überlebenschance. Im Jahr 2005 hatte der damalige Chefarzt Dr. Christoph Tautz von der Kinderklinik in Herdecke (NRW) die Neunjährige Ramiza dank einer Spendenaktion nach Deutschland geholt.

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Entscheidung für Umkehrplastik

Ramiza verbrachte ein ganzes Jahr im Krankenhaus und wurde mit Chemotherapie behandelt. Sie unterzog sich einer sehr seltenen Operation, der „Umkehrplastik nach Borggreve“. Bei der Operation wurde ihr der vom Knochentumor befallene linke Oberschenkel amputiert und ihr gesunder linker Unterschenkel samt Fuß um 180 Grad gedreht an ihre Hüfte implantiert. So ersetzt das Sprunggelenk die Funktion des Kniegelenks. Auf diese Weise musste nicht ihr gesamtes Bein amputiert werden und sie ist im Alltag nur minimal eingeschränkt.

Seit der Operation trägt Ramiza eine spezielle Prothese, wie es nur sehr wenige auf der Welt gibt. In den darauffolgenden Jahren musste sich Ramiza zahlreicher Nachsorgeuntersuchungen unterziehen und deshalb oft nach Deutschland fliegen. Wachstumsbedingt bekam sie regelmäßig neue Prothesen und lernte während ihrer Krankenhausaufenthalte perfekt die deutsche Sprache, ohne jeglichen Akzent. Im letzten Jahr gewann sie bei der „Deutsch-Olympiade“ der tadschikischen Gymnasien die Gold-Medaille.

Zur Anpassung ihrer neuen Prothese sowie zu medizinischen Untersuchungen befindet sich Ramiza seit drei Wochen wieder in Tübingen. Ramiza wird dabei durch die Henri-Thaler-Stiftung aus Ennepetal, „Ein Herz für Kinder“ und das Orthopädiehaus Brillinger aus Tübingen unterstützt. Die Henri-Thaler-Stiftung übernimmt die Finanzierung der Flüge nach Deutschland. Derweil sind „Ein Herz für Kinder“ und die Orthopädie-Firma Brillinger die Sponsoren der neuen Prothese. In Tübingen lebt Ramiza im Ronald Mc Donald Haus auf dem Schnarrenberg. Private Spender kümmern sich um die Verpflegung und ihren Unterhalt.

Ramizas Ziel ist es, die nächste „Deutsch-Olympiade“ in Tadschikistan zu gewinnen und sich damit ein Studienstipendium an einer deutschen Universität – am besten in Tübingen - zu sichern. Nächstes Jahr wird sie das Abitur in ihrem Heimatland machen mit der Absicht, Medizin zu studieren und Orthopädin zu werden.

Ramiza und Dr. Marco Götze – ein Schicksal verbindet

Der Tübinger Orthopäde Dr. Marco Götze (27) teilt das gleiche Schicksal. Auch bei ihm wurde im selben Alter wie Ramiza ein Knochentumor diagnostiziert. Damals kam die Umkehrplastik noch nicht in Frage. Stattdessen wurde der Tumor bestrahlt und Teile davon operativ entfernt.. Wegen seiner langen Krankenhausaufenthalte beschloss er sich dann vor sechs Jahren für die Umkehrplastik.

Nachdem die Sportbegeisterten und Basketballfans Ramiza und Dr. Götze ein signiertes Trikot der WALTER Tigers sowie einen signierten Ball von den Tigers-Profis bekamen, stellten sie sich den Fragen der neugierigen Tigers-Spieler. Alle Spieler lauschten aufmerksam und mit großen Augen.

Fast keine Einschränkungen

Auf die Frage, wie sie die Umkehrplastik im Alltag einschränkt, antworteten Ramiza und Marco: „Nur beim Rennen, Schwimmen und Fahrradfahren ist man leicht eingeschränkt. Aber außer, dass man manchmal den abfahrenden Bus verpasst, zum Schwimmen eine wasserfeste Prothese benötigt und eine Sondereinrichtung am Fahrrad ist alles genauso wie bei allen anderen.“ Und den meisten Menschen falle es überhaupt nicht auf, dass sie Prothesen tragen.

Besonders die Spieler Julian Albus und Ruben Spoden interessierten sich sehr dafür, blieben noch bedeutend länger und nutzten die Situation um Ramiza und Dr. Götze weitere Fragen zu stellen. Ramiza, die perfekt und ohne jeglichen Akzent Deutsch spricht, erzählte dass sich das Leben in Deutschland sehr von dem in Tadschikistan unterscheidet, doch es ihr in Tübingen sehr gefällt und sie sich hier extrem wohl fühlt.

Dr. Marco Götze, der bis heute nur drei Menschen mit Umkehrplastik getroffen hat, erklärte, dass man nach zehn Jahren ohne Rückfall als „geheilt“ gilt, und dass es auch Umkehrplastiken für den Oberarm gibt.

Weitere Informationen über Umkehrplastik steht gibt es bei Wikipedia und auf dieser Fachseite für Tumor-Orthopädie des Klinikums der Uni München.

Wenn Sie Ramiza und andere Kinder mit Umkehrplastik unterstützen wollen, können sie dies mit einer Spende auf folgendes Konto tun:

Spendenkonto Ramiza
HypoVereinsbank Berlin
Kontonummer 20491400
Bankleitzahl 10020890

Ramiza wird am bereits kommenden Samstag wieder zurück in ihre Heimat Tadschikistan fliegen. Dafür wünschen ihr die WALTER Tigers eine gute Heimreise und alles Gute – vor allem Gesundheit und viel Glück für ihren weiteren Lebensweg. Am letzten Samstagabend agierte sie noch als „Glücksbringerin“ beim Spiel der Tigers gegen Gießen. Begeistert schwärmte sie von jedem einzelnen Spieler. Besonders Vaughn Duggins hatte es ihr mit seinem starken Spiel besonders angetan. Bei ihrem nächsten Tübingen-Besuch ist die starke Persönlichkeit „Ramiza“ auf jeden Fall wieder ein gern gesehener Gast im Tübinger Dschungel.
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