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„Wenn Benas freisteht, dann klingelt‘s!“

„Wenn Benas freisteht, dann klingelt‘s!“

Seit dem vergangenen Sommer steht David McCray im Kader der Telekom Baskets. Der variable Guard trug mit durchschnittlich 7,4 Punkten pro Spiel maßgeblich dazu bei, dass Bonn zum 15. Mal in 17 Erstligajahren die Playoffs erreichte - für ihn selbst indes war der Gang in die Postseason eine Premiere. Zwischen diversen Offseason-Workouts nahm sich der 26-Jährige Zeit, um sein erstes Jahr auf dem Hardtberg Revue passieren zu lassen.
David, du bist vor einem Jahr nach Bonn gekommen, um in deiner Karriere den nächsten Schritt zu machen. Mit etwas Abstand zur Saison: Wie fällt dein Fazit aus?
David McCray: „Ja, auf jeden Fall. Ich habe persönlich einen großen Schritt nach vorn gemacht. Für mich war es wichtig, etwas Neues zu machen und in einem anderen Umfeld zu sein. Das hat mir sehr gut getan, hat mir auch neue Motivation gegeben, ein bisschen mehr Antrieb. Ich bin insgesamt sehr zufrieden damit, wie das Jahr für mich gelaufen ist - vor allem aber auch für uns als Mannschaft. Wir haben unser Ziel erreicht, sind in die Playoffs gekommen, und ich konnte meinen Teil dazu beitragen, dass das Team Erfolg hatte.“

Dabei war der Start mit der durchwachsenen Hinrunde nach deinem turbulenten letzten Jahr in Ludwigsburg sicher alles andere als leicht zu verdauen...
„Ich hatte nie das Gefühl, dass es hier in Bonn so werden würde wie in Ludwigsburg. Auch wenn wir schlechte Zeiten hatten und es mal nicht wie gewünscht gelaufen ist, sind wir immer positiv geblieben. Wir haben immer weiter an uns gearbeitet, da kam gar nicht der Gedanke auf, dass alles super schlecht wird. Natürlich standen wir nicht gut dar, und es war auch nicht abzusehen, dass wir einen Run wie in der zweiten Saisonhälfte hinlegen würden. Dennoch wusste ich irgendwie immer, dass wir das noch irgendwie rumreißen.“

Ab welchem Punkt hat es dann tatsächlich „Klick“ innerhalb der Mannschaft gemacht?
„Ich glaube das Spiel in Hagen war für uns in dieser Hinsicht mit ausschlaggebend. Das war ein unfassbar knappes Spiel, in dem wir zwischendurch weit zurückgelegen haben und uns wieder ran gekämpft haben. Das hat allen gezeigt, was wir bewegen können, wenn wir als Team zusammen halten und nach unseren Stärken spielen - und in Hagen zu gewinnen ist wirklich nicht einfach.“

Vor der Saison hast du angekündigt, offensiv mehr Impulse setzen zu wollen. Gerade dein Wurf schien dabei eine immer stärker werdende Waffe zu sein, wie vier von sechs Dreiern gegen München und Bamberg, aber auch fünf von sieben gegen Hagen eindrucksvoll bewiesen haben.
„Dabei habe ich an der Motorik nicht viel verändert. Ich habe einfach ein anderes Vertrauen in meinen Wurf. Während des Sommers arbeite ich regelmäßig hart, wirklich hart an meinem Wurf - jeden Sommer. (lacht) Irgendwann musste sich das ja mal auszahlen. Ich hatte auch schon vor meiner Bonner Zeit eine Saison, in der ich ordentlich von außen geworfen habe. Es ist also nicht so, dass ich in Bonn neu werfen gelernt habe. Ich bin niemand, der aus dem Block kommt und dann drauflötet - werde ich auch nie werden. Aber wenn ich offen bin und den Ball zugesteckt bekomme, werde ich weiterhin meine Schüsse nehmen.“

Wie viel mehr Spaß macht es - gerade, da der Drive ans Brett deine eigentliche Stärke ist - wenn der Gegner deinen Wurf respektieren muss und dir entsprechend enger auf den Füßen steht?
„Es macht das ganze Spiel für mich auf jeden Fall einfacher. Die Leute können nicht einfach von dir wegbleiben und dich stehen lassen. Jetzt kommt die Verteidigung eben doch ein Stück aggressiver auf mich raus, was natürlich meinen Drive öffnet. Und wenn sowohl die Würfe von außen als auch der Zug ans Brett halbwegs funktionieren, macht das schon ein Menge Spaß.“

Du hast gegen Hagen 23 und gegen München 21 Punkte aufgelegt. Ab welchem Zeitpunkt wusstest du: „Jungs, heute schenke ich euch richtig einen ein!“
„Ufff, das ist gar nicht so einfach zu sagen. Ich weiß noch, dass ich gegen Hagen ein Vierpunkt-Spiel aus der Ecke hatte ... dann fühlt man sich natürlich schonmal gut. Aber auch hier war es ja nicht so, dass ich um die Blöcke gelaufen bin und ich explizit gesucht wurde. Das waren alles Sachen, die sich aus dem Spiel heraus entwickelt haben. Oft war es so, dass Jared oder jemand anderes zum Brett gegangen ist, eine Lücke gerissen und die Verteidigung auf sich gezogen hat, und dann war ich halt frei. Da bleibt nicht viel Zeit, um nachzudenken. In dem Moment musst du den offenen Wurf auch direkt nehmen, wenn er schonmal da ist. Wenn du dann die ersten zwei, drei Dinger versenkst, dann gehst du in jeden weiteren Schuss mit viel mehr Selbstvertrauen rein. Irgendwann denkst du nicht mehr großartig nach, sondern drückst einfach ab. Aber diesen bewussten Punkt, dass alles reingeht, gab es nur gegen München, als ich früh ein AND1 und danach einen Dreier hatte.“

Gerade in der Phase um den Jahreswechsel herum, in welcher der gesamte Saisonverlauf für das Team regelrecht in die richtige Richtung gekippt ist, hast du offensiv viel Verantwortung übernommen. Über den Zeitraum von vier Spielen standen für dich durchschnittlich 13,0 Punkte zu Buche.
(überlegt) „Ja, auch. Saisons verlaufen tatsächlich immer in Aufs und Abs - das ist halt so. Zu dem Zeitpunkt hat sich aber auch mein Wurf sehr gut angefühlt, ich hatte sehr viel Vertrauen in mein Spiel, und das haben auch meine Mitspieler gemerkt. So fallen dann doch ein paar mehr Gelegenheiten für einen selber ab. Aber es ist ja nicht nur der eigene Output. Du kannst dem Team auch weiterhelfen, wenn du für andere kreierst oder an der Spitze der Verteidigung hart arbeitest und damit die anderen mitziehst.“

Ein Combo-Guard zu sein, ist nie einfach. Doch wie viel leichter ist es, als Einser einen Shooting Guard wie Benas Veikalas an seiner Seite zu haben, bzw. als Zweier von einem Jared Jordan gefüttert zu werden?
„Also wirklich, Jared macht es einem sehr, sehr einfach. Wenn du ein wenig Spielverständnis mitbringst, gewisse Situationen richtig lesen kannst und dich entsprechend bewegst, dann findet er dich. Wenn du irgendwo, ganz egal wo, frei bist, dann findet er dich. Und das ist auch jedem bewusst, sowohl seinen Mitspielern als auch der Verteidigung. Wenn er eine Aktion startet, zum Beispiel das Brett attackiert, dann musst du bereit für den Wurf sein oder zum Backdoor-Cut gehen. Wenn du mit jemandem wie Benas auf dem Feld stehst, ist es nicht nur dein Job ihn zum richtigen Zeitpunkt an der richtigen Stelle anzupassen, sondern eröffnet auch einem selbst viel mehr Chancen. Die Verteidigung kann von ihm weniger aggressiv weg helfen, weil er sonst den Ball rausgekickt bekommt und immer einen offenen Wurf hat. Die Leute wissen: Wenn ich den freistehen lasse, dann klingelt‘s. Dadurch bleibt sein Mann oft einfach bei ihm, was mir wiederum viele einfache Leger ermöglicht hat, wenn ich meinen Verteidiger geschlagen habe.“

Wie lange hat es gedauert, bis ihr euch mit all diesem feinen Kleinigkeiten im Spiel aneinander gewöhnt habt?
„Das war ja das abstruse. Schon in der Vorbereitung haben wir den Ball sehr gut bewegt, weswegen ich selbst oft total perplex war. Wir haben viel miteinander kommuniziert, was uns als Mannschaft sehr geholfen hat. Das ging also alles recht schnell.“

Am Ende habt ihr euch mit dem Playoff-Einzug selbst belohnt. Wie anders - im Vergleich zur regulären Saison - ist die Postseason, gerade auch für dich, der noch nie in diesen Genuss gekommen ist?
„Es macht den Anschein, als ob es dann tatsächlich nochmal ein bisschen intensiver wird. Die Schiedsrichter lassen dann ein wenig mehr durchgehen, was ich persönlich gut finde. Du kannst aggressiver verteidigen, und das Spiel allgemein wird etwas physischer. Es macht auch einen Unterschied, zu wissen, dass du jetzt die nächsten drei, vier oder vielleicht sogar fünf Spiele gegen die gleich Jungs ran musst. Du kannst nach einem Spiel einige Kleinigkeiten verändern, die in der Serie selbst einen großen Effekt haben. Da waren einige Dinge dabei, die sich für uns wirklich bezahlt gemacht haben - das zu sehen macht großen Spaß.“

Zum Abschluss nochmal der Dreh zur Sommerpause: Was steht auf der To-do-List des David McCray für die kommenden Wochen?
„Ich werde weiter an meinem Wurf arbeiten - mal wieder. Auch an den Freiwürfen muss ich nochmal schrauben, die Quote war dieses Jahr nicht so richtig gut. Am Ballhandling gibt es immer etwas zu tun, das gesamte Paket ist noch ausbaufähig. Im Juli werde ich mit meiner Familie wahrscheinlich eine Woche Urlaub machen, um dann die Tanks komplett aufzufüllen, ehe im August die Vorbereitung richtig losgeht.“
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