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Bamberg gegen Bayern: Die Wachablösung? / Hamann gegen seine Heimatstadt / Gavel vs. Rice

Bamberg gegen Bayern: Die Wachablösung? / Hamann gegen seine Heimatstadt / Gavel vs. Rice

Die Brose Baskets stehen seit einer gefühlten Ewigkeit dort, wo der FC Bayern hin möchte: an der Spitze des deutschen Basketballs. Dieses Jahr sorgten aber viele Veränderungen im Kader dafür, dass die Mannschaft von Chris Fleming sich bisher nicht wieder zu einer solch perfekt geölten Maschine entwickeln konnte. Die Münchner dagegen werden unter Svetislav Pesic nach fast zwei Jahren Erstligazugehörigkeit ihrem eigenen Anspruch gerecht und zählen zu den Topteams der Liga. Auch wenn es weiterhin vor allem auswärts an der Konstanz hapert. Uns erwartet eine Serie, die für manche Beobachter gar als vorgezogenes Finale gilt und enger werden könnte, als es im Münchner VIP-Raum noch fünf Minuten nach Halbzeitende zugeht.

Depth-Chart der Rotationsspieler (Bamberg/München):

Point Guard: Alex Renfroe, John Goldsberry, Daniel Schmidt
Shooting Guard: Anton Gavel, Karsten Tadda
Small Forward: Casey Jacobsen, Matt Walsh
Power Forward: Sharrod Ford, Bostjan Nachbar
Center: Maik Zirbes, Philipp Neumann, A.J. Ogilvy

*Einer der sieben ausländischen Profis muss aussetzen, bisher war das immer der verletzte Matt Walsh.

Point Guard: Steffen Hamann, Tyrese Rice
Shooting Guard: Yotam Halperin, Demond Greene
Small Forward: Robin Benzing, Brandon Thomas
Power Forward: Jan-Hendrik Jagla, Chevon Troutman
Center: Jared Homan, Lawrence Roberts

*Die Starting Five aus Hamann, Halperin, Benzing, Jagla und Homan schickte Pesic im ersten Viertelfinale das erste Mal aufs Parkett – und blieb die Serie über dabei. Gegen Bamberg kann das aber anders aussehen.


Die bisherigen Duelle in dieser Saison:

18.11.2012 – Hinspiel in Bamberg:
Spielbericht aus Bamberger Sicht:


07.02.2013 – Pokal-Qualifikation in Bamberg:
Spielbericht aus Bamberger Sicht:


03.03.2013 – Rückspiel in München:
Spielbericht aus Münchner Sicht:


Duell im Fokus: Sharrod Ford und Chevon Troutman

Chevon Troutman ist der "Mr. Zuverlässig" des FC Bayern. Mit 15,9 Effektivitätspunkten pro Spiel war er in der Hauptrunde der wirkungsvollste Spieler der Münchner. Dabei verrichtet er seine Arbeit auf fast schon unauffällige Weise. Er punktet nicht aus Setplays, die für ihn gelaufen werden, sondern durch ehrliche Reboundarbeit und Hustle-Plays. Im Viertelfinale kam er nach überstandenem Muskelfaserriss erst langsam wieder in Tritt, doch inzwischen sollte er wieder voll da sein.

Sein Gegenüber Sharrod Ford war in Bamberg nicht immer unumstritten. In letzter Zeit aber überzeugt er auf der ganzen Linie. Mit durchschnittlich 18,5 Punkten und 22,0 Effektivitätspunkten war er in der Viertelfinalserie gegen Hagen der Bamberger MVP:


Das Duell zwischen Ford und Troutman wird interessant zu beobachten sein. Übertrumpft einer der beiden den anderen über die gesamte Serie hinweg, könnte das ein wichtiger Faktor sein. Oder aber die beiden großen Jungs egalisieren sich gegenseitig … womit wir zum nächsten Punkt kommen:

Wichtigster Spieler der Serie: Anton Gavel

Die Bedeutung von Anton Gavel für die Brose Baskets kann nicht oft genug hervorgehoben werden. Es gibt im Basketball nicht oft Spieler, die von sich behaupten können, vorne wie hinten der wichtigste Mann ihres Teams zu sein. "Tono" kann das. Er wurde zum zweiten Mal in Folge zum besten Verteidiger der Liga gewählt. Er ist Topscorer und effektivster Spieler der Bamberger - obwohl seine Wurfkurve flacher ist als manche Wortspiele dieses Artikels. Wenn es ihm gelingt, Tyrese Rice aus dem Spiel zu nehmen und trotzdem noch genügend Luft für die Offense zu haben, kann er zum entscheidenden Mann der Serie werden.

Wer in der Crunchtime den Ball haben sollte: Caseyton Nachbarvel und Tyrese Rice

Wem drücke ich in den letzten Sekunden eines engen Spiels den Ball in die Hand und sage: "Mach mal"? Auf Münchner Seite ist die Frage leicht zu beantworten. Außer Tyrese Rice hat bisher niemand so recht den Willen bewiesen, das Heft in die Hand zu nehmen. Auch wenn böse Zungen sagen, Rice würde einfach niemandem die Chance dazu geben, weil er selbst gern der Held sein mag. Welche Interpretation auch stimmen mag - Crunchtime ist beim FC Bayern Rice-time. Und dass diese Tatsache eine echte Herausforderung werden kann, haben die Brose Baskets vor zwei Jahren in den fünf Halbfinalspielen gegen die Artland Dragons erfahren. In der vierten Partie legte Rice 30 Zähler für die Drachen auf und lieferte sich ein unterhaltsames Rededuell mit Bambergs Kapitän Jacobsen:


Bei den Bambergern ist die Frage nach dem Go-to-Guy schwerer zu beantworten. Mit Anton Gavel, Bostjan Nachbar und Casey Jacobsen gibt es mindestens drei Spieler, welche die Cojones und die Erfahrung haben, am Ende die wichtigen Würfe zu nehmen - und auch zu treffen. Was eine Prognose ebenso schwer macht wie das Konzipieren einer guten Defense gegen den letzten Brose-Angriff in einem knappen Spiel. Allerdings hatten die Bamberger vor allem in der Euroleague dieses Jahr wenig Glück in engen Spielen: Acht Spiele in der Königsklasse gingen mit weniger als fünf Punkten verloren.

Zahlenspiele – die interessante Statistik:

5,33 – der magere Punkteschnitt des Bamberger Superstars Bostjan Nachbar in den bisherigen drei Partien gegen die Bayern. Weit unter seiner üblichen Ausbeute von knapp 13 Punkten. Zu Nachbars Verteidigung sei gesagt, dass er in den Spielen gegen die Münchner nie völlig fit war, sondern immer angeschlagen aufs Parkett ging. Dennoch, von "Boki" muss in dieser Serie mehr kommen als fünf Pünktchen pro Spiel.


Darauf freuen wir uns besonders:

Auf deutsche Spielanteile. Beide Teams haben vier deutsche Spieler als festen Bestandteil in ihrer Rotation - Zirbes, Neumann, Tadda und den eingebürgerten Gavel bei Bamberg; Hamann, Benzing, Jagla und Greene bei München.

Was keine Rolle spielen wird:

Die Münchner Vergangenheit von Sharrod Ford. Wenige Tage vor Beginn der Saison 2011/2012 verließ Ford den FC Bayern plötzlich, ohne je ein Pflichtspiel für die Münchner absolviert zu haben. Warum, das ist bis heute nicht öffentlich bekannt. Nach seinem abrupten Abgang verschwand er fast ein Jahr völlig von der Bildfläche, ehe er zu Beginn dieser Saison in Bamberg anheuerte. Man könnte meinen, dass das Münchner Publikum ihm das noch nachträgt und ihn mit gellenden Pfiffen begrüßt. Pustekuchen. Ford war verschwunden, bevor die Münchner Fans ihn überhaupt richtig registriert hatten. Er ist für den Audi Dome ein gegnerischer Spieler wie jeder andere auch.

Die Storyline der Serie:

Franken gegen Bayern. Serienmeister gegen Emporkömmling. Basketballverrücktes Dorf mit jahrzehntelanger Tradition gegen hochgepushtes "Projekt" aus der fußballaffinen Millionenstadt. Gefürchtete Dominanz der letzten Jahre gegen befürchtete Dominanz der kommenden Jahre. Vermeintliche Gegensätze gibt es zwischen den Teams einige, aber die schönste Story der Serie ist die große Gemeinsamkeit: Beide Teams sind in Teilen der Basketballgemeinde unbeliebt. Übertrieben erklärt: Für viele Fans aus anderen Beko BBL-Standorten spielt hier trotz Anerkennung der starken Leistungen beider Teams Pest gegen Cholera. Das Positive daran: Egal wird die Serie keinem Basketballfan sein!

Was die gegnerischen Fans sagen werden:

Schon jetzt ist ein Großteil der beiden Fanlager damit beschäftigt, sich gegenseitig die Favoritenrolle zuzuschieben. Aus sportlicher Sicht könnten die Bamberger Fans bei einem Ausscheiden darauf verweisen, dass der FC Bayern ohne europäischen Wettbewerb ausgeruhter ist und von Verletzungssorgen verschont blieb. Und im Notfall verlässt man den sportlichen Bereich und spricht über Steuern …

Die Münchner Fans werden bei einer Niederlage auf die große Dominanz der Bamberger in den letzten Jahren verweisen und die eigene Saison nach dem turbulenten Beginn inklusive zweier Trainerwechsel dennoch zu einem Erfolg erklären. Zu Recht. Und sich gegebenenfalls über die angeblich mittelmäßige Sicht aus dem Gästeblock in der Bamberger Arena beklagen …

Der kranke Link:

2011/2012 - Im Rückspiel zwischen München und Bamberg fiel die Entscheidung erst in der zweiten Verlängerung. Eine aberwitziges Partie. Gut möglich, dass uns solche Spiele in dieser Serie erneut erwarten. Jemand Lust auf ein fünftes Halbfinale mit Double-Overtime?


Aktueller Aggregatzustand:

Die Brose Baskets haben eine ungewohnt holprige Saison hinter sich. Durch Fehlgriffe bei der Teamzusammenstellung, Verletzungen, Nachverpflichtungen und Abgänge fehlte lange die Ruhe im Kader, und es konnte sich kein perfekt harmonierendes Team entwickeln wie in den letzten Jahren. Der aktuelle Starter auf der Eins, Alex Renfroe kam beispielsweise erst Anfang März nach Bamberg. Langsam greifen die Automatismen, doch im Viertelfinale gegen Phoenix Hagen tat der amtierende Meister sich schwerer als erwartet. Dennoch: Uterschätze nie das Herz eines Meisters … und schon gar nicht eines Meisters unter der Führung von Chris Fleming.

Der FC Bayern ist seit dem Amtsantritt von Svetislav Pesic zuhause eine Macht. Die letzten 14 Spiele im Audi Dome gewannen die Münchner, die letzte Heimniederlage liegt gute sechs Monate zurück. Auswärts dagegen strauchelten die Bayern mit schöner Regelmäßigkeit, verloren vor den Playoffs sechs der letzten sieben Auswärtsspiele in der Liga. Aber: Ausgerechnet in der schier uneinnehmbaren Bamberger Stechert Arena gelang im Februar in der Pokalqualifikation ein überzeugender Auswärtssieg. Man darf gespannt sein, ob es Svetislav Pesic gelungen ist, die Konzentration seines Teams genug zu schärfen, damit dieses Kunststück wiederholt werden kann. Im Viertelfinale gegen Berlin waren die Münchner auf jeden Fall auf den Punkt genau voll da.

Und zum Abschluss noch mal als Appetitanreger unser Trailer zum Duell der beiden Klubs im Rahmen der Übertragung des Rückspiels von kabel eins:

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