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BIG - Basketball in Deutschland
Bambergs Nationalspieler Maik Zirbes im BIG-Interview: „Die Kritik ging mir ziemlich nahe!“

Bambergs Nationalspieler Maik Zirbes im BIG-Interview: „Die Kritik ging mir ziemlich nahe!“

Maik Zirbes hat es als Nachfolger von Tibor Pleiß bei den Brose Baskets Bamberg nicht einfach. Der Center musste schon Kritik von Manager Wolfgang Heyder und den Fans einstecken. Im BIG-Interview räumt der Nationalspieler mit Missverständnissen auf und zeigt sich als harter Arbeiter, der weiß, wie schwer der Weg an die Spitze ist
Als Nachfolger von Tibor Pleiß waren es sicher große Schuhe, die es in Bamberg zu füllen galt. Wie fühlt sich das neue Zuhause an, haben sich die Erwartung an Bamberg bisher erfüllt?
Ich hatte das Gefühl, dass ich für den nächsten Schritt bereit bin. Natürlich bin ich mir bewusst, dass die Erwartungshaltung in Bamberg und unter den Fans aufgrund der vielen Erfolge in den letzten Jahren ordentlich gestiegen ist. Inwiefern unser Coach Chris Fleming meine bisherigen Leistungen beurteilt, sollte man wohl besser ihn befragen. Ich hab bislang mein Bestes gegeben, werde das auch weiterhin tun und versuchen, den Anforderungen gerecht zu werden. Ich habe den Eindruck, dass unser Trainer mit meiner Leistung nicht unzufrieden ist, sonst würde ich wahrscheinlich nicht die entsprechenden Spielanteile erhalten. Die Vergleiche mit Tibor werden aus meiner Sicht übertrieben dargestellt. Spieler kommen und gehen. Es stellt sich ja auch keiner hin und sagt, dass Boki Nachbar das Erbe von P.J. Tucker angetreten hat. Tibor und ich sind vom Spielstil viel zu verschieden, um uns miteinander zu vergleichen. Im Profi-Sport ist es an der Tagesordnung, dass neue Spieler kommen, wenn etablierte Spieler sich verabschiedet haben. Jeder hat seine Stärken und Schwächen.

Wo sehen Sie Ihre Stärken, wo Schwächen?
Fangen wir erst einmal mit meinen Schwächen an. Mein nicht sonderlich beständiger Wurf muss noch konstanter werden. Ich werfe zwar besser als viele Leute denken, nehme aber eher seltener offene Schüsse. Auch athletisch gilt es aus meiner Sicht primär bei meiner Schnelligkeit nachzulegen, mein linker Hookshot ist noch ausbaufähig. Letztendlich wird es im Basketball nie langweilig, weil du dich kontinuierlich verbessern kannst und zwar in fast allen Bereichen. Zu meinen Stärken zähle ich in erster Linie das Pick-and-Roll. Zudem stelle ich gute Blocks für meine Mitspieler. Ich bekomme meine Leute fast immer frei, die ich freigespielt haben möchte. Zudem glaube ich, dass ich über ein ganz gutes Spielverständnis verfüge. Ich will jetzt nicht behaupten, dass dies sich schon auf höchstem Niveau befindet, dennoch habe ich im Vergleich zu anderen Spielern subjektiv schon einen Vorsprung.

Wie macht sich das im Training bemerkbar? Sie haben auf den großen Positionen ja eine ganz ordentliche Rotation.
Mit Philipp Neumann und AJ Ogilvy duelliere ich mich im Training meist mit zwei völlig unterschiedlichen Spielertypen. Einmal muss ich gegen einen athletischen Langen spielen, der andere Gegner ist dafür wesentlich kompakter und spielt körperbetonter. Damit ist schnell die Palette der Gegner des Alltags abgedeckt. Die Variabilität ist enorm hilfreich und tut der Entwicklung ganz gut, wie allgemein fast alles hier. Der Weg, den ich gegangen bin, war aus meiner Sicht der beste, den man gehen kann. Zunächst konnte ich in Trier die Erfahrungen sammeln, habe Spielzeit bekommen und konnte reifen. Das war ja letztendlich der Grundstein für den Wechsel zu den Brose Baskets. Bamberg ist die beste Adresse in Deutschland.

Wie kommen Sie als Rheinland-Pfälzer mit der fränkischen Basketball-Seele klar? Es gab vor ein paar Wochen sehr kritische Worte in Ihre Richtung von Manager Wolfgang Heyder.
So viel will ich dazu eigentlich gar nicht sagen, da das Thema schon ausgiebig durchgekaut wurde. Es hat riesengroße Wellen geschlagen. Die Geschichte hat uns allen nicht gutgetan. Die Ansicht mir gegenüber war danach völlig hinüber. Es gab und gibt viele, die mich als eine Person gesehen haben oder immer noch sehen, die ich absolut nicht bin. Es gibt etliche Leute, die sich nur anhand eines Zeitungsartikels ein vorschnelles Urteil über einen bilden. Das finde ich persönlich sehr schade. Ich bin absolut nicht so, wie es im damaligen Artikel beschrieben wurde. Aus diesem Grund gab es danach auch Einzelgespräche mit Wolfgang Heyder und mit den Coaches. Ich habe mich mit meiner Freundin, mit meinen Eltern zusammengesetzt, weil mir dieser Artikel, wenn ich ehrlich bin, schon ziemlich nahegegangen ist. Ich wurde als jemand beschrieben, der genau in das Schema einer Person passte, die ich selbst normalerweise nicht leiden kann. Ich konnte mir in dem Moment auch nicht erklären, woher die Kritik kam. Wolfgang Heyder und ich haben uns im Anschluss zusammengesetzt, kamen überraschend gut miteinander klar, konnten ganz offen miteinander reden und die Probleme ausräumen. Ich glaube, dass er erkannt hat, dass ich nicht so bin, wie ich in diesem Artikel dargestellt wurde.

Dann war es ein Kommunikationsproblem oder hatten Sie sich vorher nicht genug miteinander unterhalten?
Es gab schon immer wieder mal zwischendurch Gespräche, allerdings waren da keine längeren Unterhaltungen dabei und es war ja jetzt auch nicht so, als ob wir uns jeden Tag zum Kaffeetrinken verabreden. Natürlich kannte ich ihn als unseren Manager, allerdings hat er eben auch seinen ganz regulären Alltag und noch genügend andere Sachen zu tun. Für mich hatte sich nach dem Interview mit ihm zunächst auch ein falsches Bild von ihm ergeben. Doch auch das konnte in unserem Gespräch ausgeräumt werden. Wir haben uns wie echte Männer hingesetzt, auf Augenhöhe miteinander geredet und das Thema ein für alle Mal geklärt. Zwischen den beiden betroffenen Personen ist alles gegessen. Ich mag ihn.


In Bamberg gibt es nicht wenige Experten, die sagen, dass es doch schlauer gewesen wäre, entsprechende Spielzeit in Philipp Neumann zu investieren statt in Maik Zirbes. Wie sieht Ihre Meinung dazu aus?
Es wird allgemein viel erzählt. Da würde mich das nicht großartig wundern. Die Ansicht einiger Bamberger mir gegenüber ist sicher nicht die, wie ich sie mir insgeheim erhofft hatte. Ich habe keine Ahnung, was in den Leuten vorgeht, und es kann ja auch jeder seine Meinung vertreten. Wenn ich mich um jeden kümmern müsste, der irgendetwas Negatives über mich erzählt, hätte ich wahrscheinlich keine Zeit mehr, um mich auf den Basketball zu konzentrieren. Natürlich ist das traurig, wenn man solche Geschichten hört. Als Beispiel sei nur die Szene in Athen erwähnt. Ich hab mir die Hand verletzt, komme zum Doktor und sage ihm, er soll mir den Daumen reinziehen, eine Pferdedosis verpassen, damit ich weiterspielen und der Mannschaft helfen kann. Solche Sachen sehen die Fans nicht. Vielleicht komme ich wirklich arrogant rüber. Doch auch wenn ich mich wiederhole, so bin ich tatsächlich nicht. Philipp spielt momentan super, und ich denke, dass wir beide Bamberg stärker weiterhelfen als nur einer von uns beiden.

Sie waren beim letzten NBA-Draft als 90er-Jahrgang automatisch angemeldet. Gab es Interessenten, die in Erwägung gezogen hatten, Sie zu picken?
Ich hatte mich tatsächlich mit einem NBA-Team unterhalten. Die hatten überlegt, mich eventuell in der 2. Runde zu picken. Am Ende hat sich das aber zerschlagen, insofern will ich über die ungelegten Eier nicht sprechen und auch keine Namen nennen.


Das komplette Interview mit Zirbes gibt es in der aktuellen Ausgabe der BIG (Abonnenten haben sie bereits eine Woche früher im Briefkasten) und außerdem noch folgende Themen:

- Portrait: Bayerns Robin Benzing
- Reportage: Thorsten Leibenaths Aufstieg mit Ulm
- Interview mit dem Trainer des Jahres: Oldenburgs Sebastian Machowski
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- Portrait: Artlands Johannes Strasser
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