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Bonns Aufbau Jared Jordan über seine Zauberpässe: „Wirklich erklären kann ich das nicht“

Bonns Aufbau Jared Jordan über seine Zauberpässe: „Wirklich erklären kann ich das nicht“

Im Schnitt verteilt Jared Jordan 7,8 direkte Korbvorlagen pro Spiel, und führt damit die Beko Basketball Bundesliga in dieser statistischen Kategorie an. Während der laufenden Saison kam der 28-Jährige bereits auf fünf Double-Doubles mit Punkten und Assists. Im Gespräch berichtet er von zu hohen Korbanlagen, verrückten Pässen auf Tony Gaffney und dem „perfekten Spiel“.

Kinder fangen mit Basketball an, weil sie den Ball in den Korb werfen wollen. Wie war das bei dir?

Jared Jordan: „Das war bei mir am Anfang nicht anders. Du siehst einen Korb, hast einen Ball in der Hand ... und dann geht‘s los. Wir haben damals einen Korb an unserem Haus befestigt, der jedoch zu hoch für mich war. Die Stange war starr, so dass wir ihn nicht etwas tiefer hätten hängen können. Ich weiß noch, dass ich meiner Mutter immer erzählt habe, er hinge zu hoch. Aber als ich mit der Zeit älter und kräftiger wurde, hat sich das Problem eh von allein erledigt. Wir haben immer gern und viel gespielt ... einfach, um Spaß zu haben.“

Was ist dann schiefgelaufen? Wann hast du angefangen, lieber zu passen als den Ball auf den Korb zu werfen?

„Ganz ehrlich: Ich habe keine Ahnung. Vielleicht hing es damit zusammen, dass ich schon immer mehr Freude daran hatte, den Ball zu dribbeln anstatt zu werfen. Meine Eltern haben mich - unabhängig vom Sport - dazu erzogen, uneigennützig zu sein. Es geht nicht darum, über sich selbst zu sprechen - das ist die Aufgabe anderer. Wahrscheinlich kommt es ein Stück weit daher, dass ich mir auf dem Feld auch Gedanken um meine Mitspieler mache. Und so hat sich mein Spiel zu dem entwickelt, was es heute ist.“

Es gibt viele Definitionen eines „perfekten Spiels“. Wie sieht deine aus?

(überlegt) „So viele Assists wie möglich verteilen, hoffentlich nicht zu viel Ballverluste haben ... und natürlich das Spiel gewinnen.“

Wie nah kommen null Punkte, vier Rebounds, 16 Assists und ein 90:76-Sieg gegen Trier an deine Vorstellung eines „perfekten Spiels“ ran?

„Ja, das ist gut, das ist ziemlich nah dran. Für mich persönlich ist es überhaupt nicht wichtig zu punkten. Wenn ich muss, dann muss ich. Aber wenn ich am Ende des Tages mit null Punkten vom Feld gehe, tut mir das überhaupt nicht weh. Ich erinnere mich an einen Bericht über Jason Kidd, in dem stand: Er kann ein Spiel dominieren, ohne scoren zu müssen. Ich war damals auf dem College, als ich es gelesen habe und fand die Vorstellung sehr cool. Du musst nicht unbedingt 30 Punkte machen, um das Spiel zu kontrollieren. Aber als Point Guard sollte es doch viel mehr deine Aufgabe sein, die Mitspieler gut in Szene zu setzen und so Einfluss aufs Spiel zu nehmen.“

Es gibt einen schönen Spruch: Ein Assist zählt auch zwei Punkte. Wie wertvoll ist ein Assist aus deiner Sicht?

„Bezogen auf unsere Situation hier in Bonn muss ich sagen, dass wir letztes und dieses Jahr ein extrem uneigennützig spielendes Team sind. Und ich hoffe, dass meine Spielweise dazu beiträgt, erfolgreich zu sein. Wir sind, was die Assists angeht, eines der besten Teams der Liga - das sagt viel über unsere Mentalität aus. Wenn ich versuche die Jungs gut in Szene zu setzen, hoffe ich immer darauf, dass auch sie bereit sind, den Ball nochmal weiter zu geben, wenn jemand besser positioniert ist.“

Wann hast du für dich selbst erkannt, welchen Wert deine Passgeber-Qualitäten für dein Team haben?

„In der Highschool habe ich auch schon versucht, viel zu passen. Aber richtig bewusst geworden, welchen Einfluss ich damit auf's Spiel nehmen kann, ist es mir erst am College, als ich das Spiel an sich besser verstanden habe. Wir hatten damals einige gute Schützen - ähnlich wie jetzt hier in Bonn - im Team, auf die ich immer gesondert geachtet habe, um auch ihren Job einfacher und erfolgreicher zu machen. Die Jungs haben ein Talent dafür, Körbe zu werfen, also liegt es an mir, die für sie besten Voraussetzungen in Form eines guten Passes zu schaffen.“


Wie sehr ärgert es dich, wenn am Ende eines gut gelaufenen Plays, bei dem du den finalen Pass spielst, der Wurf daneben geht?

„In der Highschool hat mich sowas noch wahnsinnig gemacht. Heute weiß ich, dass es Teil des Spiels ist, dass Würfe ihr Ziel verfehlen. Außerdem hast du überhaupt keine Zeit, darüber großartig nach zu denken. Vielmehr geht es darum, sich direkt darauf zu konzentrieren, die nächste gute Wurfchance zu kreieren.“

Wie sieht es mit nicht forcierten Ballverlusten oder beispielsweise schlechten Entscheidungen aus Pick-and-roll-Situationen heraus aus?

„So etwas macht mich, wenn ich an mein eigenes Spiel denke, verrückt. Oft weiß ich just in dem Moment, wenn der Ball meine Hand verlässt, dass der Pass in die Hose geht oder es in dieser Situation eine bessere Option gegeben hätte. Momente, in denen ich zu spät erkenne, dass ein Mitspieler beim Pick-and-roll frei ist ... über sowas ärgere ich mich sehr.“

Wobei du ja nicht immer zwangsweise passen musst, sondern den eigenen Abschluss suchen kannst. Wie schwer ist es als Pass-First-Point Guard, eine gewisse Scorer-Mentalität zu entwickeln?

„Ich bin ein Stück weit dazu gezwungen worden. Ich bin jetzt das insgesamt dritte Jahr in der Liga und die gegnerischen Teams wissen wie ich spiele, wo meine Stärken und Schwächen sind. Den Ball zu passen ist meine beste Qualität, also versuchen viele Mannschaften mich dazu zu zwingen, den Ball zu behalten und selbst abzuschließen - zumindest lese ich das auch oft. Sie wollen die anderen Spieler eng verteidigen und mich werfen lassen. Das ist ein smarter Ansatz, und für mich geht es bei der ganzen Sache darum, mich darauf einzulassen und die Möglichkeiten, den eigenen Wurf zu kreieren, auch auszunutzen. Es bleibt aber knifflig, weil ich von Natur aus kein Scorer bin. Deswegen bin ich froh, wenn Coach mich ab und an zur Seite nimmt, um mich daran zu erinnern, nicht nur auf den Pass zu schauen.“

Scorer sind manchmal „in the zone“, aber wo bist du? Die FIVE titelte unlängst über dich „Gefangen in der Matrix“ ... siehst du auf dem Feld wirklich überall diese grünen Buchstaben und Zahlen um dich herum herabrieseln?

(lacht) „Das ist wirklich schwer zu beschreiben, und ich habe selbst noch keine genaue Erklärung dafür gefunden, woher es kommt. Aber ich sehe gewisse Dinge einfach. Das sind Winkel, Bewegungen der Spieler ... all das kommt irgendwie zusammen. Meine liebsten Pässe sind die, wo ich in den Augen des Verteidigers sehen kann, dass er glaubt, noch mit den Fingern an den Ball zu kommen, ich aber schon vorher weiß: er packt es nicht. Ich versuche immer eine möglichst gute Position auf dem Feld zu haben, um mir Optionen offen zu halten, und die bestmöglichen Winkel ausnutzen zu können. Wie stehen die Verteidiger? Wie bewegt sich der Gegner, wenn ich hier oder dort hinlaufe? Welche Räume eröffnen sich dadurch für meine Mitspieler? Kann ich sie immer noch anspielen, wenn ich einen Block nutze oder in die Zone penetriere? Ich mache mir über viele Dinge Gedanken und versuche sie vorauszuahnen, ehe sie geschehen.“

Die vielzitierte „Court Vision“ ... ist das erlernbar, oder wird ein Spieler damit geboren?

„Ein Stück weit ist das bestimmt erlernbar. Ich denke aber, dass das etwas ist, dass du zum großen Teil in dir haben musst und es im Laufe der Zeit kultiviert wird. Das ist ein generelles Gefühl für gewisse Dinge, dass es weiter zu sensibilisieren gilt. Mir hat es zum Beispiel immer geholfen, viel Fußball zu spielen.“

Wie spürst du, ab wann merkst du, dass einer deiner Mitspieler „heiߓ läuft?

„Das ergibt sich meist aus dem Spiel heraus. Wenn jemand ein, zwei Würfe in Folge trifft, dann versuche ich ihn danach möglichst wieder zu finden, da er gerade einen guten Rhythmus hat. Wir hatten dieses eine Spiel, wo Benas allein im ersten Viertel vier Dreier versenkt hat. Da spürst du einfach, wie er diese Würfe will, und dementsprechend haben alle anderen versucht für ihn zu spielen. Gegen Hagen war es Rob (Robert Vaden, die Red.), der nach der Halbzeit zwei Dreier in Folge hatte. Beim nächsten Angriff hätten wir vielleicht auch andere Optionen gehabt, aber mein einziger Gedanke war: Ich muss ihn finden. Das ist das Schöne daran, wenn du mit solchen Schützen zusammen spielst, die auch mal mehrere wichtige Würfe in Folge treffen können ... das macht das Leben als Aufbau viel spannender.“

Hast du Pässe, die dir Zeit deines Lebens in Erinnerung bleiben werden?

„Einer der verrücktesten Pässe war definitiv vergangene Saison im Spiel gegen Quakenbrück. Ich bin über die Mitte zum Korb gegangen und habe den Ball hinter dem Rücken nochmal raus an die Dreierlinie gepasst, wo Tony (Gaffney, die Red.) plötzlich stand und den Wurf verwandelt hat. Ich bin mir nichtmal sicher, ob ich ihn überhaupt dort habe stehen sehen, weil er schräg hinter mir stand, aber irgendwo her wusste ich, dass er da ist. Sagen wir mal so: Als ich über die Mitte penetriert bin, ist er aus dem Lowpost in die Ecke gegangen - also musste er schonmal irgendwo links von mir sein. (lacht) Aber wirklich erklären kann ich die ganze Situation auch nicht.“

Wie oft hast du dich schon dafür entschuldigen müssen, dass du einem Teamkollegen den Ball an den Kopf gepfeffert hast?

„Im College ist mir das tatsächlich öfter passiert. Mein Trainer hat immer gesagt: Jungs, ihr müsst immer bereit sein! Coach Koch hat es vergangenes Jahr auch nochmal während der Vorbereitung gesagt. Es ist mir lieber, wenn so ein „Treffer“ während der Vorbereitung mal passiert, als dass wir im Spiel dadurch einen Ballbesitz vermasseln.“

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