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Dennis Schröder im Interview: „Jeder Spieler kämpft für eine Nominierung für den ALLSTAR Day!“

Dennis Schröder im Interview: „Jeder Spieler kämpft für eine Nominierung für den ALLSTAR Day!“

Am Wochenende wird Dennis Schröder in der Beko BBL der jüngste ALLSTAR aller Zeiten werden. Seine Ausbildung erhielt er aber zu großen Teilen in der Nachwuchs Basketball Bundesliga. In einem Interview auf der Homepage der NBBL spricht der Braunschweiger Aufbau über angeschlagene Knöchel und Schmerztabletten, den Nutzen von WhatsApp, seinen steilen Aufstieg und die Nominierung für Nürnberg:
Vor zwei Jahren führte Dennis Schröder die Junior Phantoms Braunschweig/Wolfenbüttel ins NBBL TOP4. In der Saison darauf ging es für ihn zum U19-Bestentreffen nach Ludwigsburg, in der ProB griff er am Ende der Spielzeit 2011/2012 den Titel des „Youngster des Jahres“ ab. Gegenwärtig steht der 19-Jährige fest im Beko BBL-Kader der New Yorker Phantoms Braunschweig und steht beim anstehenden ALLSTAR Day (19. Januar in Nürnberg) im „Team National“. Im Gespräch mit der NBBL-Redaktion spricht Dennis Schröder offen und ehrlich über Erinnerungen aus dem Jugendbereich, Vertrauensbeweise seiner Coaches und den herausfordernden Vergleich mit anderen einheimischen Aufbauspielern.


Dennis, am 19. Januar findet in Nürnberg der ALLSTAR Day statt. Letztes Jahr warst Du in Ludwigsburg beim NBBL-Game dabei, obwohl Du zu dem Zeitpunkt auch schon viel in der ProB gespielt hast. Wie überrascht warst Du von deiner Nominierung?
„Ich kannte das schon von Daniel (Theis, die Red.), der im Jahr zuvor auch schon viel in der 2. Liga gespielt hat und NBBL ALLSTAR war, obwohl er relativ wenige U19-Spiele gemacht hat. Die Situation war bei mir dann fast gleich, und die Spiele, die ich in der NBBL gemacht habe, waren ja auch gut.“

Und dann wärst Du fast nicht hingefahren, da Du den Knöchel kaputt hattest ...
„Ach ja, stimmt. Das hatte ich fast schon vergessen. Ich glaube, ich hatte ein Band angerissen und der Knöchel selbst hatte auch was abbekommen. Aber ich wollte unbedingt hinfahren, auch wenn ich nicht voll spielen und den Fuß belasten konnte.“

Warum dann also das Risiko eingehen, sich vielleicht noch schlimmer zu verletzen, anstatt sich auszukurieren?
„Ich dachte schon, dass ich spielen und mich beweisen kann, was eigentlich ganz gut geklappt hat. Hätte ich überhaupt nicht gehen können, wäre ich nicht hingefahren. Das Risiko war gar nicht so groß, und mit ein paar Schmerzmitteln war das auch kein Problem mehr.“ (lacht)

An was kannst Du Dich vom Spiel noch erinnern?
„Paul Zipser hat am Ende nochmal richtig aufgedreht ... wobei David Taylor ihm aber auch einige echt gute Pässe gegeben hat. Ich fand, dass wir mit dem Norden ganz gut gespielt haben, auch wenn es nicht ganz gereicht hat - aber das gehört jetzt der Vergangenheit an.“

Was ist neben dem TOP4 2011 und dem ASD 2012 aus Deiner NBBL-Zeit am meisten haften geblieben?
„Das TOP4 war natürlich eine große Nummer ... mit Daniel, mir, Dennis Nawrocki, der jetzt in Wolfenbüttel spielt, und den anderen Jungs. Das ist hängen geblieben. Ich denke, wir haben in dem Jahr wirklich von Anfang an darauf hingearbeitet und alles dafür gegeben. Gegen Jena war es in den Playoffs unheimlich schwierig, da sie mit einer ganzen Reihe an ´93er-Nationalspielern am Start waren. Für uns war es zusätzliche Motivation, dass Jena vorher schon das TOP4 als klares Ziel ausgegeben hatte.“

Und dann kam das Halbfinale gegen Breitengüßbach ...
„... wo wir in der ersten Halbzeit ja wirklich gut gespielt haben. Hinten raus hat uns ein wenig die Kraft gefehlt. Ich ärgere mich immer noch, dass ich in dem Spiel nicht weiter auf der Eins geblieben bin und den Aufbau übernommen habe, sondern auf die Zwei gegangen bin. Und dann haben wir am Ende eben dumm verloren, dabei hätten wir es auch gewinnen können.“

Vor dem Spiel stand das Duell zwischen Daniel Theis und Philipp Neumann im Fokus. Aber plötzlich kommt Dennis Schröder daher und legt 31 Punkte und sechs Assists auf...
(lacht) Es liegt ja nah, auf die beiden besten ´92er-Innenspieler zu gucken. Die beiden haben das Duell ja auch gesucht. Ich selbst habe einfach nur mein Spiel gemacht. Habe versucht, gut zu verteidigen und ab und zu gepunktet, wenn es für uns vorne nicht lief. Und so waren es dann eben 31 Punkte an dem Abend.“

Habt ihr es denn auch in der ProB öfter forciert, Dich als Flügel auflaufen zu lassen?
„Ja, teilweise schon. Wobei wir ohnehin so gespielt haben, dass über die Positionen Eins, Zwei und Drei viel Pick‘n‘Roll gelaufen wurde. Von daher ist es eigentlich egal gewesen, ob ich den Ball gebracht habe oder nicht. Da wir letzte Saison in der ProB öfter Probleme mit dem Ballvortrag hatten, bin ich dann öfter auf die Eins gerückt und habe mir dann Daniel zum Pick‘n‘Roll hochgeholt.“

Siehst Du Dich denn eher als Aufbau, denn als Flügel?
„Eigentlich schon. Bei den Phantoms in der Beko BBL spiele ich allerdings auch meistens eher die Zwei. Oft rücke ich dann später auf die Eins, um für die anderen zu kreieren. Ich versuche das immer einigermaßen auszubalancieren, ja nachdem, was wir gerade brauchen.“

Wie viel mehr Freiheiten hattest Du als Spieler in der NBBL oder auch ProB gegenüber der Beko BBL, um auch mal Fehler machen zu dürfen?
„In der NBBL kannst du als Spieler viel ausprobieren und dadurch dein Spiel an sich verbessern. In der 2. Liga hat mir Liviu Calin vertraut, so dass ich auch dort viel versuchen konnte. Bei den Phantoms gibt mir Coach Flevarakis viel Selbstvertrauen, da er genau weiß, dass ich nicht übertreibe. Aber ich kann auch weiterhin viel ausprobieren.“

Welche Rolle spielt dabei Coach Calin, der bei den Phantoms ebenfalls im Trainerstab ist?
„Natürlich bin ich immer noch ein Stück weit sein Spieler, ganz klar. Er hat mich all die Jahre nach vorn gepuscht, ich habe ihm unheimlich viel zu verdanken. Wir reden nach jedem Spiel miteinander, und er sagt mir ganz offen, was ich gut und was schlecht gemacht habe. Es tut meinem Selbstvertrauen sehr gut, wenn er gewisse Dinge lobt, spornt mich aber auch an, wenn er Kritik übt.“

Thema Doppelbelastung: Wie schwer ist es, als junger Spieler mehrere Spiele pro Wochenende unter einen Hut zu bekommen?
„Das ist nicht immer einfach, das kann ich sagen. Letztes Jahr haben wir mit der NBBL in den Playdowns gestanden - da musste ich allein schon für Coach Hakim Attia ran. Da sind wir bis nach Leverkusen gefahren und mussten da alles geben, obwohl ich auch in der 2. Liga einen Tag vorher über 35 Minuten ran musste. Das ist schon sehr anstrengend, aber meiner Meinung nach in erster Linie eine Kopfsache. Aber wenn ich etwas gern mache, dann ist es für mich auch kein Problem, mich mit den Jungs in den Bus zu setzen. So habe ich mich im Endeffekt ja auch fit gehalten und bin gut vorbereitet mit der U20 zur EM nach Slowenien gefahren.“

Inwiefern ist das eher für den Kopf belastend, als dass es in die Beine geht?
„Es geht darum, sich selbst zu puschen. Du kannst nicht an das gestrige Spiel denken, sondern musst dich auf die neue Aufgabe konzentrieren. Das hilft auch dabei, nach einer Niederlage nicht zu lange den Kopf hängen zu lassen und nach einem Sieg keinen Höhenflug zu bekommen. So ist eben meine Denkweise, die Beine waren eigentlich nie so sehr das Problem - zumindest nicht beim Spiel selbst. Wir hatten einmal ein Spiel in Trier, nach dem wir erst mitten in der Nacht um sechs Uhr nach Hause gekommen sind und am nächsten Nachmittag das Derby gegen Wolfenbüttel hatten. Bei beiden Spielen stand ich über 30 Minuten auf dem Feld, das habe ich dann einen Tag später auch gemerkt.“ (lacht)


Das klingt, als seist Du ein alter Mann. Mit 19 muss man doch eigentlich alles mitnehmen, was sich anbietet...
„Ja, das ist richtig. So etwas bringt dich als Spieler ja auch weiter. Und deswegen werde ich in der ProB auch noch einige Spiele machen. Wobei die Situation in der 2. Mannschaft ja durch den neuverpflichteten Ami auf der Eins etwas entspannter ist. Spätestens in den Play-Offs werde ich aber sicher wieder dabei sein. Ganz am Anfang, vor zwei Jahren, habe ich in der NBBL, der ProB und sogar noch der 2. Regionalliga gespielt, um Spielpraxis zu bekommen. Das hilft dir individuell auf jeden Fall weiter. Je mehr du mitnehmen kannst, desto eher kannst du dich verbessern.“

Wie gut haben Dich die Erfahrungen in der 2. Regionalliga und der ProB auf den Sprung in die Beko BBL vorbereitet?
„Es war insofern gut, als dass ich schon gegen physisch stärkere Gegner gespielt habe. Aber vor allem haben mich die Sommer mit der Nationalmannschaft weitergebracht. Bei der U18-EM in Polen sind wir Elfter geworden. Das hat mir sehr geholfen, da das Niveau unheimlich hoch war und wir auf dem Level irgendwie mithalten mussten. Auch 2012 mit der U20-Nationalmannschaft war wichtig, da dort in der Spitze richtig starke, physische Jungs spielen. Das bringt dich auf jeden Fall nach vorne, wenn du da gefordert bist.“

Wie wichtig war dabei der teaminterne Vergleich zu den beiden Aufbauspielern Ole Wendt und Mario Blessing, die ein Jahr älter sind als Du?
„Ich denke, dass ich viel von Ole mitnehmen konnte, der ja schon 2011 als Jahrgangsjüngerer bei der EM gestartet ist. Im Training haben wir uns gegenseitig gut verteidigt und alles gegeben, um sich für die Starterposition zu empfehlen. Mit ihm habe ich mich gern gemessen und erkannt, dass ich da gut mithalten kann. Mario hat bei der EM zwar nicht so viel gespielt, hat aber auch sehr viele Qualitäten, die uns als Team geholfen haben.“

Gibt es etwas in dem Spiel der beiden, das Du für Dich übernehmen wollen würdest?
„Beide sind unheimlich abgezockt. Gerade Ole ist jemand, der nicht wie ein klassischer deutscher Point Guard spielt.“

Klassischer deutscher Point Guard?
„Naja, ich meine damit jemanden, der bloß keine Turnover produzieren will und den Ball nach vorne bringt, um ein Play anzusagen und danach zu verteidigen. Der nicht risikoreich spielen will. Bei Ole und mir ist es so, dass wir dann doch auch mal den Alley-Oop-Pass versuchen oder andere Dinge einfach ausprobieren - das schadet sicherlich nicht. Das ist etwas, was ich mir bei ihm nicht direkt abgeschaut habe, aber das mich darin bestärkt hat, auch mal aus der klassischen Rolle des Einsers auszubrechen. Wir haben uns im Sommer ein Zimmer geteilt und haben viel darüber geredet, was wir an uns verbessern könnten.“

Tauscht Ihr Euch auch jetzt noch regelmäßig aus?
„Ja, auf jeden Fall ... WhatsApp sei Dank (lacht)! Er hat zu Beginn der Saison ja auch viel gespielt und ordentlich Minuten bekommen. Seine Situation in Hagen ist natürlich nicht einfach, aber er trainiert weiter hart und bietet sich an.“

Für dich persönlich läuft es in deinem ersten richtigen Erstligajahr gut. Wie lange hat es gebraucht, ehe du dich komplett an das Niveau gewöhnt hattest?
„Ich würde eher sagen wollen, dass ich früh gemerkt habe: Ja, ich bin bereit für die Bundesliga. Gleich im ersten Spiel mussten wir gegen Ulm mit Per Günther in die Verlängerung, haben dann aber leider verloren. Ich denke, dass Per gemeinsam mit Heiko der beste deutsche Point Guard ist. Da habe ich versucht alles gegen ihn zu geben und habe für mich festgestellt, dass da nicht mehr so viel fehlt. Auch gegen Trier und Basti Doreth habe ich ein ordentliches Spiel gemacht. Da habe ich dann langsam gedacht, dass es für mich ein gutes Jahr werden kann, wenn Coach mir weiterhin die Minuten gibt und mein Selbstvertrauen bleibt. Es ist auf jeden Fall gut für mich zu wissen, dass ich nicht nur kurz aufs Feld geworfen werde, sondern länger bleibe und das Team mich braucht.“

Wie wichtig ist dir der Vergleich innerhalb der Liga gegen die vielen deutschen Einser?
„Ich versuche mich so oft es geht mit den Besten zu messen. Und ich denke, dass ich das Duell gegen jeden deutschen Point Guard gewinnen kann. Ich will es versuchen, das ist meine Herausforderung. Ob es Per Günther, Steffen Hamann oder Heiko Schaffartzik ist ... ich gebe alles und versuche auch das Spiel zu gewinnen.“

Hat es dich überrascht, dass du mit deinem in der „Jungen Liga“ nur schwer zu stoppenden Drive auch in der Beko BBL immer noch so oft und so leicht ans Brett kommst?
„Das ist eben eine meiner Stärken. Durch meine Schnelligkeit ist es schwer, mich ohne Foul zu stoppen. Und wenn dann die Hilfe kommt, kann ich immer noch auf den Center ablegen - oder eben selber punkten, wenn niemand rüber rotiert. Ich wusste, dass ich mit meinem Drive oder auch aus dem Pick‘n‘Roll heraus zum Korb kommen würde. Wobei natürlich klar ist, dass es insgesamt schwieriger ist als in der ProB oder NBBL, da die Verteidiger physischer und schneller auf den Beinen sind.“

Hast du während der Hinrunde überhaupt einen Gedanken daran verschwendet, dieses Jahr zum ALLSTAR Day eingeladen zu werden?
„Ich habe immer nur von Spiel zu Spiel gedacht. Und dann zu erfahren, dass der beste deutsche Trainer dich für den ALLSTAR Day nominiert, ist einfach toll. Da kämpft natürlich jeder für. Es zu schaffen, ist ein schönes Erlebnis, hat mich aber auf jeden Fall überrascht. Meine Hinrunde war ganz gut ... hey, ich bin 19 Jahre und mache im Schnitt knapp zwölf Punkte und drei Assists. Das ist schon in Ordnung. (lacht)
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