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BIG - Basketball in Deutschland
Favoritenschreck Phoenix Hagen in der BIG: „Bei uns wird immer ein Spektakel geboten!“

Favoritenschreck Phoenix Hagen in der BIG: „Bei uns wird immer ein Spektakel geboten!“

Spätestens mit den beiden Siegen über Vizemeister Ulm und Champion Bamberg (Update: sowie Berlin und Oldenburg) ist Phoenix Hagen sein Underdog-Image losgeworden. Dummerweise verspielen die Feuervögel auch immermalwieder klare Führungen – weil sie den Fuß einfach nicht vom Gaspedal nehmen können??…
„Hast du schon gehört, heute kommt die Show in die Stadt!“ „Was denn, wer denn? Bamberg, München, Berlin?“ „Nein, Hagen!“ „Ach?…“

Natürlich, ein fiktiver Dialog zwischen zwei Basketball-Fans, doch einer mit einem wahren Kern. Sicherlich sind die drei Erstgenannten zusammen mit Ulm und Oldenburg die Zugpferde der Liga, doch wer ein Spektakel sehen will, der besucht besser ein Spiel der Feuervögel. Mit knapp 85 erzielten Punkten pro Spiel sind die Westfalen die offensivstärkste Mannschaft der Liga, und die mit Abstand langweiligsten davon sind Freiwürfe. Headcoach Ingo Freyer hat seinen Jungs die Lizenz zum Schießen erteilt, und die machen davon nur zu gern oft und ausgiebig Gebrauch: Im Schnitt werfen Davin White und Co. rund 67-mal auf des Gegners Korb, und das durchaus mit einer brauchbaren Quote von 44,5 Prozent. Auf Platz zwei in dieser Statistik rangiert Vizemeister Ulm, der schon vier Würfe pro Spiel weniger nimmt. Motor dieses Run-and-gun-Stils ist das Guard-Quartett der Hagener: White, David Bell, Mark Dorris und Ole Wendt sitzen bei Phoenix abwechselnd auf dem Fahrersitz. Jeder hat einen anderen Stil, aber eins ist ihnen gemein: Den Fuß haben sie permanent auf dem Gaspedal.

Der Phoenix-Style ist nicht das Ergebnis eines cleveren Marketing-Konzepts, sondern schlicht den Umständen in und um Hagen herum geschuldet. Jeder Zentimeter kostet Geld, und davon hat der Traditions-Klub immer (zu) wenig. „Große, gute Leute haben nun mal ihren Preis, und den können wir oft nicht bezahlen“, macht sich Freyer nichts vor. Also setzten die Verantwortlichen bei der Planung im Sommer früh auf ein guardlastiges System – auch weil sie mit Davin White den Leistungsträger und Garanten für den Klassenerhalt der letzten Saison über den Sommer hinaus halten konnten. „Es ist im Grunde das erste Mal, dass wir einen unserer wichtigsten Spieler auch für die folgende Spielzeit verpflichten konnten“, freut sich Manager Oliver Herkelmann. Ihm zur Seite stellten Herkelmann und Freyer zwei in Hagen bekannte Gesichter: David Bell ging bereits in der Saison 2010/2011 für Phoenix auf Korbjagd und kehrte nach einer Saison in Groningen dorthin zurück. Wiedervereinigung feierte Bell mit Mark Dorris, denn auch der 27-Jährige spielte vor zwei Jahren für Hagen, ehe es ihn für eine (unbefriedigende) Saison zum Ligarivalen Ludwigsburg zog. Als der Guard im Oktober vergangenen Jahres immer noch auf dem Markt war, schlug sein alter (und neuer) Klub zu. „Für uns war die Verpflichtung von Mark das Beste, was uns passieren konnte. Wir kannten ihn, er kannte uns, und er kann die Positionen eins bis drei spielen“, sagt Coach Freyer. Zusammen mit Youngster Ole Wendt bilden die drei Amerikaner ein Backcourt-Kleebatt, gegen das nicht viele gern antreten, denn es bedeutet, als Verteidiger viel hinterherzulaufen und sich als Angreifer gegen eine aggressive Defense durchsetzen zu müssen.

Weil jedes Konzept Vor- und Nachteile hat, tun sich die Feuervögel schwer, mal einen Gang zurückzuschalten, wenn es die Situation erfordert. „Immer den schnellen Abschluss zu suchen und stets Vollgas zu geben, hat sich bei uns einfach eingebrannt“, sagt Freyer. „Das ist aber auch ganz normal. Viele haben das Offensivspiel von Alba Berlin unter Luka Pavicevic kritisiert: zu langweilig, zu berechenbar sei es. Wenn Berlin dann mal schnell spielen sollte oder musste, hat das oft nicht hingehauen; einfach weil es das Team nicht gewohnt war.“ In Hagen haben sie mit der Kehrseite der Medaille zu kämpfen, denn weil die Mannschaft immer mit Sandra Bullock und Keanu Reeves im „Speed“-Bus unterwegs ist, bringt sie einen Vorsprung von zehn Punkten zwei Minuten vor Schluss, wie im Heimspiel gegen Bonn, nicht über die Runden, sondern kassiert in letzter Sekunde noch eine nie für möglich gehaltene Niederlage. Manager Herkelmann kann sich nicht entscheiden, ob es solche Spiele sind, die in ihn an den Rand eines Herzinfarkts bringen, oder diejenigen, die Phoenix nach einem furiosen Comeback – wie gegen Bremerhaven oder Gießen, als die Freyer-Schützlinge 20 bzw. 16 Punkte aufholten – doch noch gewinnen konnte. „Anstrengend sind beide Varianten“, lacht Herkelmann, der inzwischen aber ein Feeling dafür entwickelt hat, ob seine Jungs einen guten oder gebrauchten Tag erwischen. „Bei unseren vielen Würfen steht und fällt natürlich alles mit der Trefferquote. Und ob die gut oder schlecht sein wird, merkt man schon früh in einem Spiel.“ Dem Manager ist bewusst, dass „viele unsere Art, Basketball zu spielen, Streetball nennen“. Das ficht Herkelmann nicht an, denn: „Bei uns wird immer ein Spektakel geboten, und das kommt bei den Zuschauern an; nicht nur bei unseren Fans, sondern auch auswärts.“


Die komplette Reportage über Phoenix Hagen gibt es in der aktuellen Ausgabe der BIG (Abonnenten haben sie bereits eine Woche früher im Briefkasten) und außerdem noch folgende Themen:

- Report: Tim Ohlbrecht in der NBA
- Fünf weitere NBA-Anwärter aus Deutschland
- Matt Walsh: Der neue Shooter für Bamberg
- Reportage: Die neue Arena in Oldenburg
- Portrait: Bonns Robert Vaden
- Interview: Tübingens Vaughn Duggins
- Interview: Demond Greene
- Reportage: Die SKYLINERS im Abstiegskampf
- Profisportler und Fotograf: Bremerhavens Jermain Raffington
- Interview: Rekordnationalspieler Patrick Femerling
- Interview: Vassilis Spanoulis
- Joes Ecke - Herber geht's nicht!
- Mein Leben ist Basketball, aber ich lebe nicht davon
- ProA, ProB, DBBL, Player Check, Spiel des Monats, Big Business, undundund

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