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Simon Says
Simon Says: Unser EM-Team - kleine Einser, keine Vierer, viele Rookies … und eine Chance auf die...

Simon Says: Unser EM-Team - kleine Einser, keine Vierer, viele Rookies … und eine Chance auf die...

Am Mittwoch geht für die Truppe von Bundestrainer Frank Menz die EM in Slowenien mit der Partie gegen Frankreich los. Vorab eine Analyse - Kader, Stärken, Löcher, Chancen:

Reden wir Klartext: Ein Blick auf unseren EM-Kader zeigt, dass dies von den Namen her das schwächste Team ist, welches wir in den vergangenen 20 Jahren zu einem großen Turnier geschickt haben. Selbst bei der WM 1994 und der EM 1997 stand trotz des schlechten Abschneidens mehr Qualität und vor allem Erfahrung im Kader als diesmal.

Und auch während des Generationswechsels der vergangenen vier Jahre waren die Teams stärker besetzt als das jetzige. Bei der EM 2009 standen die Veteranen Patrick Femerling, Jan Jagla, Sven Schultze, Steffen Hamann und Demond Greene noch zur Verfügung, bei der WM 2010 waren zumindest Jagla, Hamann, Greene noch am Start und 2011 gab es das zweiköpfige Zonenmonster Nowitzki & Kaman.

Diesmal ist es für sechs Akteure das erste große Turnier (Debütant Niels Giffey, Karsten Tadda, Bastian Doreth, Andreas Seiferth, Maik Zirbes, Alex King). Per Günther (WM 2010) und Philip Zwiener (Olympische Spiele 2008) standen schon mal bei einem großen Turnier im Kader, wurden dabei aber zumeist als Linksdraußen eingesetzt.

Lediglich Heiko Schaffartzik, Lucca Staiger, Robin Benzing und Tibor Pleiß können mit den Europameisterschaften 2009 und 2011 sowie der WM 2010 Erfahrung von mehreren großen Turnieren vorweisen.
 

Die verwaiste Vier: Kein Power Forward im Kader

Gravierender als die fehlende Erfahrung ist aber die Tatsache, dass kein einziger Power Forward im Kader steht. Neben Swingman Philipp Schwethelm (Rücken) und Neu-Habicht Dennis Schröder, der in Atlanta um seinen Platz in der Rotation kämpft, fehlen satte sechs Spieler, welche die Vierer-Position bekleiden könnten:

- Natürlich Dirk Nowitzki, was aber bereits lange klar war.

- Dazu der letztjährige Kapitän Jan Jagla, der bereits früh verkündet hatte, dass er in diesem Sommer aussetzen werde.

- Tim Ohlbrecht und Elias Harris wollen sich bei den 76ers und den Lakers einen Platz in einem NBA-Roster erkämpfen. Nachvollziehbar, dass sie dafür auf die EM verzichten. Anders als beispielsweise im Fußball träumt ein Jüngling beim Basketball eben nicht in erster Linie davon, mal mit dem Adler auf der Brust aufzulaufen, sondern den Sprung in die NBA zu schaffen.

- Und mit Bambergs Philipp Neumann und Ulms Daniel Theis fällt auch das Big Man-Duo der U20 aus dem vergangenen Sommer verletzt aus.


Keinem dieser Nationalspieler lässt sich ein Vorwurf machen. Einzig bei Jagla hätte nachgefragt werden können, ob er aufgrund der angespannten Personalsituation auf der Vier doch kommt (wie Stephen Arigbabu bei der EM 2007). Aber da der Jaglamann nach sieben DBB-Sommern in Serie früh seinen Verzicht angekündigt hatte und sein Umzug von München nach Berlin anstand, ist auch diese Entscheidung nachvollziehbar.

In der Starting Five werden nach derzeitigem Stand wohl Schaffartzik, Staiger, Giffey, Benzing und Pleiß auflaufen. Allerdings wird Schaffartzik wohl auch mal auf die Zwei ausweichen, damit er sich aufs Scoren konzentrieren kann. Und Benzing wird nicht nur als Vierer, sondern auch auf seiner angestammten Position als Small Forward Minuten sehen. Einer Variante mit Pleiß auf der Vier und Zirbes auf der Fünf hat Menz beim ersten Medientermin in Ljubljana dagegen bereits eine Absage erteilt:
http://www.beko-bbl.tv/taktikstunde-bundestrainer-frank-menz-problematische-situation

Der EM-Kader Deutschlands:

Heiko Schaffartzik (Point Guard, 1,83 Meter, 29 Jahre, FC Bayern München, 82 Länderspiele, EM 09, WM 10, EM 11)
Anführer des Teams und vor der Herausforderung die Aufgaben als Spielorganisator und erste Scoring-Option unter einen Hut zu bekommen. Was wir uns wünschen? Echte Schaffotzik-Würfe wie bei der EM 2009:
http://www.youtube.com/watch?v=eoeNqgvTFrc

Per Günther (Point Guard, 1,84 Meter, 25 Jahre, ratiopharm ulm, 60 Länderspiele, WM 10)
Der beliebteste Spieler der Beko BBL eine schwache Vorbereitung gespielt. Steigert er sich fürs Turnier, könnte Schaffartzik sich auf der Zwei mehr aufs Scoren konzentrieren … wobei der Backcourt für die Defense dann schon arg klein ist.

Bastian Doreth (Point Guard, 1,82 Meter, 24 Jahre, Artland Dragons, 30 Länderspiele)
Dritte Option auf der Eins mit Stärken in der Verteidigung. Wäre er auch dabei, wenn Schröder zur Verfügung gestanden hätte?

Lucca Staiger (Shooting Guard, 1,95 Meter, 25 Jahre, FC Bayern München, 80 Länderspiele, EM 09, WM 10, EM 11)
Zeigte in der Vorbereitung immer wieder, dass er auch zauberschön passen kann und setzte ungewohnt stark am offensiven Brett nach. Dabei tippte er immer mal wieder den Ball nach außen und sicherte seinem Team dadurch zweite Angriffschancen. Viel wichtiger ist in Slowenien aber, dass Deutschlands bester Distanzschütze als zuverlässiger Scorer mit ordentlichen Quoten glänzt.

Niels Giffey (Small Forward, 2,00 Meter, 22 Jahre, University of Connecticut/USA, 13 Länderspiele)
Die Entdeckung der Vorbereitung. Athletischer Swingman mit guten Fundamentals, den die deutsche Basketball-Gemeinde noch nicht wirklich kennt, da er die vergangenen zwei Jahre bei den UConn Huskies am College gespielt hat. Guter Offensivrebounder. Hat bereits demonstriert, dass er auch im Setplay den Driver per Stopfball abschließen kann. Als Belohnung für die starken Auftritte wurde er von Bundestrainer Frank Menz in die Startformation gesetzt.
http://www.youtube.com/watch?v=pJG5y_1mODA

Karsten Tadda (Shooting Guard, 1,90 Meter, 24 Jahre, Brose Baskets Bamberg, 28 Länderspiele)
Ist viermal Meister und drei Mal Pokalsieger mit seiner Heimatstadt geworden und soll nun im Nationalteam die gleiche Rolle wie bei den Brose Baskets ausfüllen: in gegnerische Waden beißen. Dennoch ebenso wie bei Doreth die Frage: Wäre er dabei, wenn Philipp Ratatata, ähh, Schwethelm fit wäre?

Robin Benzing (Small Forward, 2,08 Meter, 24 Jahre, FC Bayern München, 68 Länderspiele, EM 09, WM 10, EM 11)

Ist Starter auf der Vier. Seine Herausforderung, um die er nicht zu beneiden ist: am eigenen Korb die Schneise der Verwüstungen der gegnerischen Power Forwards auf ein möglichst schmales Ausmaß zu beschränken. Wird dabei physisch gefordert sein, wie selten zuvor. Offensiv will der Benzinger etwas reißen, das war bereits in der Vorbereitung zu sehen, und wir brauchen auch mehr solcher Auftritte wie beispielsweise 2011 gegen Litauen mit 18 Punkten bei perfekter Quote (7/7 FG):
http://www.youtube.com/watch?v=_IjnC8snvXA

Alex King (Small Forward, 2,01 Meter, 28 Jahre, ALBA BERLIN, 12 Länderspiele)
Gibt den Energizer von der Bank. Anders als Benzing spielte er auch im Klub zumeist auf der Vier, ist es also gewohnt gegen körperlich stärkere Gegner anzutreten.

Philip Zwiener (Small Forward, 2,01 Meter, 28 Jahre, Eisbären Bremerhaven, 55 Länderspiele, OS 08)
Dritter Mann auf der Vier. Trifft er seine Dreier zuverlässig, kann er als Stretch-Four sehr wichtig sein … leider war das Handgelenk in der Vorbereitung auch bei offenen Distanzwürfen noch nicht wirklich locker …

Tibor Pleiß (Center, 2,18 Meter, 23 Jahre, Laboral Kuxta Vitoria/ESP, 76 Länderspiele, EM 09, WM 10, EM 11)
Unangefochten der Starter auf der Fünf. In den abschließenden vier Vorbereitungsspielen legte er im Schnitt 14 Punkte pro Partie auf, hat aber vorne immer noch Phasen, in denen er unsichtbar ist. Unser Wunsch: öfter und vehementer den Ball im Lowpost fordern und das Eins-gegen-eins forcieren. Das gäbe dem deutschen Angriffsspiel eine andere Dimension. Und selbst wenn mehr Aggressivität bei Pleiß auch ein, zwei wilde Aktionen zur Folge hätte, könnten alle damit leben. Der Gesamteinfluss auf die Offense wäre unterm Strich dennoch positiv. Dieser Rat geht nur selten an jüngere Spieler, aber Pleiß sollte wirklich öfter mal das Tier in sich rauslassen.

Maik Zirbes (Center, 2,07 Meter, 23 Jahre, Brose Baskets Bamberg, 31 Länderspiele)
Klassischer Center, dessen Fähigkeiten als Wühlbüffel dringend benötigt werden. Sucht viel öfter als Pleiß den Abschluss in der Zone. Das Jahr in Bamberg mit Euroleague-Einsätzen hat ihn ordentlich weiter gebracht, aber gelegentlich wird er auf europäischem Niveau immer noch überrascht, wenn er bei einem halbherzig ausgeführtem Move abgebaut wird.

Andreas Seiferth (Center, 2,09 Meter, 24 Jahre, TBB Trier, 21 Länderspiele)
Der Linkshänder ist um einiges schneller und beweglicher als Pleiß und Zirbes. Gute Fußarbeit. Vor allem sein Spinmove ist effektiv, meistens abgeschlossen mit einem Wurf, der wohl am treffendsten mit der gerade ausgedachten Bezeichnung „Hook-Floater“ beschrieben ist. Hier ein paar Highlights aus seiner Saison in Trier:
http://www.youtube.com/watch?v=Ksx9yaf8ieU

Die Chancen: Was ist realistisch?

Normalerweise hätte unsere Nationalmannschaft die Rückflüge bereits vorab direkt nach der Vorrunde buchen können, aber es gibt einen Faktor, der doch eine realistische Chance auf die Zwischenrunde eröffnet: eine historisch schwache Vorrundengruppe.

Mit Frankreich gibt es einen Medaillenfavoriten, ansonsten nur Mitspieler-Teams. Einzig Israel könnte als der einzig weitere namhafte Gegner bezeichnet werden. Bei der Ukraine (Ausrichter der kommenden EM) ist der frühere NBA-Headcoach Mike Fratello mit Abstand der bekannteste Name. Bei Außenseitertipp Belgien fällt mit dem eingebürgerten US-Flügel Matthew Lojeski der Topscorer aus. Großbritannien tritt ohne Luol Deng (Bulls), Ben Gordon (Bobcats), Joel Freeland (Blazers) und Pops Mensah-Bonsu an.

Da drei Teams weiterkommen, ist die Zwischenrunde durchaus drin. Dort warten dann Teams wie Litauen, Serbien, Mazedonien und Montenegro, lies: im Normalfall alle eine Nummer zu groß! Aber natürlich: Es kann immer anders kommen. Das wissen wir nicht erst seit Russland 2007 im EM-Finale die Spanier in deren Halle besiegt hat.

Und weil die Stimmung in der deutschen Basketball-Gemeinde eher pessimistisch ist, muss eines noch mal betont werden: Da es uns allen wichtig ist, nicht als Schönwetterfans rüber zu kommen, und - viel wichtiger - unsere Nationalmannschaft das Größte ist, was wir als deutsche Basketball-Anhänger haben, verdient sie in jedem Fall unsere volle und zu jeder Zeit positive Unterstützung!

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