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BIG - Basketball in Deutschland
Veni, vidi, Vargas - Berlins Shooting Star im BIG-Portrait

Veni, vidi, Vargas - Berlins Shooting Star im BIG-Portrait

Akeem Vargas war der Youngster des Jahres in der ProA. Jetzt spielt er bei Alba Berlin und hat es mit selbstbewussten Auftritten sofort in die Rotation geschafft. Er steht für den neuen Weg in Berlin. Andere der jungen Deutschen im Team tun sich da noch schwerer. Das BIG-Portrait über einen jungen Profi, der hart arbeitet, Trash-Talk mag und Afros cool findet.

Dwyane Wade. Magic Johnson. Nino Garris. Wer bringt ausgerechnet diese drei zusammen? Akeem Vargas – beziehungsweise er hat es getan. Akeem war 15 Jahre alt und Fußball war sein Leben. Doch dann folgten drei verlorene Endspiele in Serie mit der schwäbischen Landesauswahl und er machte Schluss mit Fußball – von heute auf morgen. Vargas begann mit Basketball. Es dauerte nicht lange und er wechselte in die Talentschmiede nach Ehingen, ging dort ins Internat und wurde in die U16-Auswahl des DBB berufen. Vargas musste einen Steckbrief ausfüllen. Vorbilder? Wade, Johnson – und eben Garris. „Ich fand Nino Garris damals richtig gut. In seinem letzten Jahr bei Alba habe ich ihn spielen sehen. Ein ähnlicher Spielertyp: Er war ein aggressiver Verteidiger, Nino war sehr stark, wenn es darum ging, aus dem Dribbling den Wurf zu kreieren. Man sucht sich auch immer einen deutschen Spieler, zu dem man aufschauen kann. Da war er auf jeden Fall der Coolste zu der Zeit“, erzählt Albas neuer Energizer.

Akeem, WoBo und Philipp Neumann sprechen über ihren Weg zum Profibasketball:

Im Sommer ist Vargas bei Alba angekommen und wandelt auf den Spuren seines Idols Nino Garris. Garris kam aus Paderborn nach Berlin. Vargas spielte zuletzt in Göttingen in der ProA. Jetzt haut er sich bei Alba rein und das im wahrsten Sinn des Wortes. Seine Statistiken nach den ersten fünf Spieltagen in der BBL sind bescheiden: 3 Punkte im Schnitt bei einer Wurfquote von 27 Prozent, dazu 2,4 Rebounds pro Spiel und 1,6 Assists. Aber das ist noch nicht wichtig. Das merkt man auch, wenn man mit Sasa Obradovic über Vargas spricht. „Ich bin froh, dass er hier ist. Er hat einen guten Charakter, bringt eine kämpferische Einstellung mit. Er haut sich richtig rein, um seine Minuten zu bekommen. Und er gibt sich nie zufrieden. Er trainiert auch an Spieltagen vor den Matches, ist auch danach noch da. Diese Einstellung wird ihm in seiner Karriere noch sehr helfen. Er hat seine Rolle hier total akzeptiert“, sagt der Alba-Coach. Das ist es, was jetzt zählt, und nicht die persönlichen Stats nach einigen wenigen Partien.

Zudem bringt Vargas eine Komponente ins Spiel der Berliner, die nicht messbar und doch von großem Wert ist: Er ist wohl der bissigste Verteidiger von Alba, und dazu scheut er sich nicht, eine Form von Drecksau-Mentalität ins Spiel zu bringen. „Akeem ist gewieft, intelligent, macht das alles schon ganz clever. Er ist ein harter Verteidiger, manchmal auch ein bisschen dreckig. Aber er geht dahin, wo es wehtut. Das braucht jedes Team“, erzählt Jonas Wohlfarth-Bottermann. WoBo und Vargas kennen sich seit Jahren. Sie waren zusammen für die Juniorenteams des DBB im Einsatz und auch schon in der A2-Nationalmannschaft. WoBo weiß, dass Vargas richtig beißen kann. „Natürlich ist es im Training manchmal nervig. Du denkst: Nicht der schon wieder. Aber da ich ja eher selten im Eins-gegen-eins auf ihn treffe, geht das schon“, berichtet Wohlfarth-Bottermann mit einem Grinsen im Gesicht.

Vargas ist meist der Erste beim Training und nimmt nach den Einheiten oft noch Dutzende Würfe extra. Er beackert seine Mitspieler im Training intensiv, manchmal auch etwas zu intensiv. Das war schon in Tübingen so, als er seine ersten Spiele in der BBL machte und sich wie bei Alba im Training auch mit Reggie Redding kräftig kabbelte. So richtig zur Sache geht es aber natürlich erst in den Spielen. „Das liegt mir im Blut. Es ist immer eines meiner größten Ziele, in jedem Spiel jemanden zu provozieren und aus dem Konzept zu bringen“, sagt Vargas. Das ist auch gut so, zumindest für Alba. Vargas: „Es hilft auch der Mannschaft, wenn ich als Energizer jemanden aus dem Spiel nehme oder anderweitig beschäftige – dreckig, im positiven Sinn. Meine Teammates finden das hoffentlich positiv dreckig, und was der Rest denkt, ist erst mal nicht so wichtig.“

Eine Einschätzung von Akeem vor dem ersten Saisonspiel bei den Artland Dragons:

Vargas weiß, was er will und worauf es ankommt. Er ist zufrieden, dass er bei Alba seinen Platz in der Rotation gefunden hat. Eine faire Chance hatte ihm Sasa Obradovic bei den Gesprächen im Sommer versprochen, und die hat er bekommen und genutzt. Das war es dann aber auch schon, was den harten Arbeiter Vargas momentan zufriedenstellt: „Ich bin Profi-Sportler und nie zufrieden mit meiner Leistung. Ich möchte dahin, wo andere sind, wo Reggie Redding vielleicht ist, wo David Logan ist. Natürlich meine ich das mittelfristig.“

Ein Schritt mit mittelfristiger Wirkung war auch sein Wechsel von Tübingen nach Göttingen. Auch wenn er bei den Tigers in der Saison 2011/2012 nur zehn Spiele machte und dabei im Schnitt acht Minuten aufs Parkett durfte – Tübingen war BBL. Göttingen bedeutete einen Schritt zurück, einen Schritt runter in die ProA. Vargas fiel das nicht leicht. Er hatte den Agenten gewechselt und der meinte, er habe absolut das Zeug, bei einem Top-Klub in der BBL zu spielen. Nur vielleicht müsse er zunächst diesen Schritt runter machen und sich beweisen. Vargas beriet sich auch mit seiner Mutter. „Sie sagte: Du möchtest international spielen. Da wird es ein Jahr mehr oder weniger auch nicht rausreißen. Du kommst immer früher als die anderen und bleibst immer länger. Wenn du das machst, egal wo, wird es funktionieren“, erzählt er.

Mama sollte recht behalten. Göttingens Coach Johan Roijakkers nahm sich Zeit, um mit Vargas zu arbeiten. Der Guard wurde in Deutschlands zweiter Spielklasse schließlich zum „Youngster des Jahres“ gekürt. Ein Schritt zurück kann auch zwei nach vorne bedeuten. So sieht es Vargas und peilt bei Alba den nächsten Schritt in seiner Entwicklung an. Läuft es bei ihm, läuft es auch für Alba – im mittelfristigen Sinn. Denn Alba hat ein neues Team gebaut, junge deutsche Spieler mit langfristigen Verträgen ausgestattet. Kontinuität soll in den Kader. Vargas hat Vertrag bis 2015. Der Kontrakt von Jonas Wohlfarth-Bottermann läuft sogar bis 2016. Fragt man Coach Obradovic nach seiner Einschätzung zu WoBo, fällt auch diese bisher positiv aus. „Ich bin zufrieden mit Jonas. Ganz klar. Klar ist aber auch, dass er das Spiel noch lernen muss. Das ist offensichtlich. Aber schon jetzt sieht man, dass er mit dem Rücken zum Korb besser agiert als noch vor einigen Wochen. Er hat eigentlich hier in Berlin erst richtig angefangen zu trainieren“, sagt Albas Headcoach.

Zwei Puzzlestücke im neuen Alba-Team passen im Herbst der neuen Saison schon mal ganz gut. Das gilt für zwei andere, schaut man auf die jungen Akteure mit deutschem Pass, noch nicht in dem Maße wie für Vargas und Wohlfarth-Bottermann. Bar Timor, sein Vertrag weist eine Laufzeit bis 2016 aus, ist Obradovic dabei noch das größte Rätsel. Ist der Israeli mit dem deutschen Pass eher Point Guard oder Shooting Guard? Eine Frage, die Sasa Obraovic noch nicht genau beantworten kann. Hinzu kommt, dass Timor natürlich eine neue Rolle akzeptieren muss. Der Alba-Trainer: „Bar hat sich einen gewissen Status in Israel erarbeitet. Aber es ist natürlich ein großer Unterschied zwischen der israelischen und der deutschen Liga.“ Für den 21-jährigen Timor bedeutet dies wohl eine Saison der Anpassung, ohne Druck, wie Obradovic betont. Und der 18-jährige Point Guard Ismet Akpinar, dessen Vertrag sogar bis 2017 datiert ist, und der bislang gar nicht zur Geltung kam? Obradovic: „Für Ismet ist alles sehr neu und anders hier. Eine ganz neue Situation, er muss viel lernen und viel verbessern. Er ist hier noch mit dem Körper eines Kindes angekommen. Er hat Talent. Er begreift schnell, worauf es ankommt, auch auf dem Feld. Jetzt braucht er eine Waffe, und die Waffe ist sein Körper.“ So bleiben die Erwartungen an Akpinar in dieser Saison naturgemäß bescheiden.

Hier einige seiner Highlights aus der vergangenen ProA-Saison in Göttingen - damit schuf er die Grundlage für das Interesse der Albatrosse:

Das sieht bei Akeem Vargas natürlich anders aus. Mit der Zeit soll er in der Offense eine kreativere Rolle bekommen. Schon in der Vorbereitung arbeitete Assistant-Coach Mauricio Parra mit Vargas an diversen Schwachpunkten: Dribbling mit der linken Hand, überhaupt das Ballhandling und sein Wurf unter Druck. Drei Wochen vor dem offiziellen Beginn der Vorbereitung bei Alba hatte Vargas mit Parra das Training aufgenommen und dafür dem Bundestrainer abgesagt. Vargas hatte sich in Göttingen mit Frank Menz getroffen und beide besprachen den Sommer-Fahrplan und ob Vargas für die A2-Nationalmannschaft im Einsatz sein würde. Vargas: „Das war eigentlich so geplant, nachdem ich im letzten Jahr abgesagt hatte. Ich habe mich dann aber doch dagegen entschieden. Ich habe ihm erklärt, dass ich mich so gut wie möglich auf mein neues Team vorbereiten möchte.“ Die Entscheidung für Alba war zu diesem Zeitpunkt noch nicht gefallen. Aber Vargas war klar, dass wieder so eine Entscheidung mit mittelfristiger Perspektive zu treffen war: „Ich habe Frank Menz gesagt, dass er im nächsten Sommer keinen Grund haben soll, an meinem Namen vorbeizukommen. Ich möchte nicht kommen und wieder gehen. Ich komme, um zu bleiben.“

Er will international spielen, nicht nur mit Alba, sondern auch mit der deutschen Nationalmannschaft. Kein zu gewagtes Ziel, findet Sasa Obradovic. „Ich denke, dass Akeem das Zeug zum Nationalspieler hat und dort seine Rolle spielen kann“, sagt Albas Trainer. Wie das gehen könnte? So wie bei Alba. „Akeem bringt eine Qualität mit, die ihm immer einige Minuten im Spiel verschafft. Er ackert, arbeitet hart in der Defense und hat einen guten Schuss. Er bringt Energie rein, das brauchen wir“, sagt David Logan über Vargas. Diese Energie, geht es nach Akeem Vargas, soll auch der deutschen Nationalmannschaft weiterhelfen. Das ist sein nächstes großes Ziel. Gelingt ihm der dauerhafte Sprung zu Frank Menz ins A-Team, wäre das die nächste Parallele zu seinem Idol Nino Garris. „Ich möchte mich nicht in Rollen drängen lassen“, sagt er. „Aber klar, Nino war ein guter Spieler, Nationalspieler, war lange bei Alba. Das sind alles Sachen, die ich auch erreichen möchte.“ Die Haare schön, so wie Nino, hatte Vargas übrigens auch schon. In der U16 hatte er den „Nino-Garris-Afro“. Es gibt da auch noch ein verhängnisvolles Bild auf Google von ihm. So werden noch immer Witze über seinen Look von damals gemacht. „Ich fand’s cool. Afro ist ’ne coole Sache“, sagt Vargas. Wofür Idole doch so alles gut sind.


Dieser Artikel über Akeem Vargas stammt aus der aktuellen Ausgabe der BIG (Abonnenten haben sie bereits eine Woche früher im Briefkasten), außerdem gibt es im Heft noch folgende Themen:

- Das Duell: Bamberg gegen Bayern
- Interview: Steffen Hamann
- Blick in den Keller: Würzburg und Bremerhaven im Abstiegskampf
- Interview: Jan Pommer über die Lage in Würzburg
- Die jungen Wilden aus Frankfurt im BIG-Portrait
- Interviews: Artlands Nationalspieler Bastian Doreth
- Dirk Mädrich: Der Big Man Vechtas spielt die Saison seines Lebens
- Philipp Heyden: zweiter Anlauf in Bayreuth
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- ProA, ProB, DBBL, Player Check, Big Business, undundund

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