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BIG - Basketball in Deutschland
Yassin Idbihi in der BIG:

Yassin Idbihi in der BIG: "Mein Traum? Nach der Karriere eine Strandbar in Marokko aufmachen!"

Yassin Idbihi ist in seiner dritten Spielzeit bei ALBA BERLIN. Hier hat er sein Spiel auf das nächste Level gebracht. Im BIG-Interview spricht der Center über seine Jugend in Marokko, seine Zukunft im DBB-Dress und seinen Traum für die Zeit nach dem Basketball.

Herr Idbihi, wie können Sie mit Ihrer unmöglichen Wurftechnik so erfolgreich sein?
(lacht) Ob man es glaubt oder nicht: Früher, als ich jünger war, sah mein Wurf viel, viel besser aus. Irgendwann, als ich kräftiger wurde, war mein Wurf eine Zeit lang richtig schlecht. Da habe ich meine Wurftechnik verändert, die falschen Automatismen benutzt. Meinen Wurf habe ich wieder hinbekommen, doch die schlechten Automatismen sind geblieben. Das liegt auch daran, dass der Wurf manchmal flöten geht, wenn große Spieler kräftiger werden, die früher sehr dünn waren.

Sie haben auch spät mit Basketball angefangen.
Ja, mit 14 Jahren bin ich sehr viel gewachsen. Ich weiß noch, einmal waren das 20 Zentimeter in drei Monaten. Plötzlich war ich 1,96 Meter groß. Dann habe ich angefangen, Basketball zu spielen. In Tanger in Marokko, wo ich aufgewachsen bin, gab es zwar einen Verein, doch der hatte keine Jugendabteilung. So konnte ich nur ab und zu auf einem Freiplatz spielen. Ich bin da aber Basketballfan geworden. Zu meinem 15. Geburtstag hat mir dann mein deutscher Großvater eine Woche Basketball-Camp in Deutschland geschenkt. Das habe ich dann gemacht und bin dort geblieben.

Wie kann man sich eine Jugend in Marokko vorstellen?
Viele denken immer sonst was. Aber es war eigentlich ganz normal. Nur dass wir vielleicht nicht so viele Möglichkeiten hatten, was vielleicht Kinos oder Partys anging. Aber dafür hatte ich einen Strand um die Ecke, wo ich vier, fünf Monate im Jahr einfach hingehen konnte. Das war für mich alles ganz normal. Die Umstellung kam, als ich nach Deutschland ging.

Was ist deutsch, was ist marokkanisch an Ihnen?
Ich bin zwar in Marokko aufgewachsen, war aber auch zu dieser Zeit schon sehr eng mit der deutschen Kultur verbunden. Meine Mutter ist Deutsche. Sie hat mit mir Deutsch gesprochen und mir auch Unterricht gegeben. Sie war in Marokko Deutschlehrerin. Dazu sind wir einmal im Jahr nach Deutschland geflogen. Sie hat auch immer versucht, Weihnachten zu feiern, obwohl es in Marokko gar keine Weihnachtsbäume gibt. So bin ich wirklich mit beiden Kulturen aufgewachsen. Vielleicht bin ich jetzt langsam mehr deutsch geworden, weil ich jetzt schon lange hier lebe. Doch mit 15, 16, als ich hier neu war, habe ich mich schon sehr fremd gefühlt. Aber inzwischen hat sich das ausgeglichen. Ich würde sagen, das ist jetzt so Hälfte-Hälfte.

Was war in diesen Anfangsjahren anders? Womit haben Sie sich da schwergetan?
Das waren Kleinigkeiten. Wenn zum Beispiel jemand in Marokko etwas zu essen hat, dann gehört es sich, dass man dies mit allen teilt. Ich habe eine Tüte Chips und wenn ich die esse und niemandem etwas anbiete, ist das eine Beleidigung. Das gehört sich nicht. In Deutschland im Internat war das so: Wenn ich gefragt habe, ob ich etwas von den Chips abhaben kann, sah man mich als Schmarotzer an. Das ist einfach eine andere Kultur, an die man sich gewöhnen musste. Mit dem kalten Wetter bin ich anfangs auch überhaupt nicht klargekommen. Da gibt es eine lustige Geschichte. Wir hatten ein Auswärtsspiel in der Jugend und bei der Rückfahrt fiel Schnee. Ich sah aus dem Fenster und die ganze Mannschaft hat sich kaputtgelacht, weil ich noch nie Schnee gesehen hatte.

Vermissen Sie Marokko und den Strand?
Ja, klar. Das ist schon eine andere Lebensqualität, so direkt am Strand. Ich glaube, Menschen, die noch nie im Süden gelebt haben, wissen gar nicht, was man da verpasst. Andererseits ist es auch schwer in Marokko, es gibt sehr viel Armut. Das ist der Vorteil von Deutschland. Denn egal was man macht, man kann doch meistens für seine Familie sorgen. In Marokko müssen sich viele Menschen Sorgen machen. Ich kenne viele, die sich jeden Tag Sorgen machen: Wie ernähre ich meine Familie? Habe ich meinen Job noch?

Wie haben Sie den Arabischen Frühling im vergangenen Jahr erlebt?
Der ist an Marokko eher vorbeigegangen. Es gab nur ein paar Demos. Er hat ein paar Veränderungen gebracht. Wir hatten zum Beispiel Wahlen. Auf diese Veränderungen hatte ich gehofft und die gab es auch. Darüber haben wir uns alle gefreut. Jetzt müssen wir abwarten, in welche Richtung es geht. Ich freue mich aber, dass es in ein paar Ländern so etwas wie Demokratie-Bewegungen gibt. Tunesien und Ägypten sind Marokko da ein bisschen voraus. Aber es hat sich in Marokko schon etwas bewegt.

Sie haben Politik studiert, auch aus diesem Grund hat Sie das Geschehen in den arabischen Ländern sicher interessiert.
Ja, als das damals mit Tunesien und dann Ägypten begonnen hatte, klebte ich vor dem Fernseher. Ich habe auch gejubelt, als Mubarak und Ben Ali verjagt worden sind.

Wie wachsen Ihre Kinder auf? Sie haben deutsche und marokkanische Wurzeln, Ihre Frau kommt aus Kanada.
Die Muttersprache des Älteren ist Englisch. Er spricht aber auch gut Deutsch. Das Einzige, was hinterherhinkt, ist das Arabische. Er kann zählen und ein paar Wörter. Sie lernen aber alle Kulturen kennen. Letzten Sommer war sie sechs Wochen in Kanada und vier Wochen in Marokko. Sie wachsen zwischen allen Kulturen auf und ich glaube, das gibt ihnen auch einen Reichtum. Wir werden daran arbeiten, dass sie alles kennenlernen. Den Islam, das Christentum. Kanada, Deutschland usw. Je mehr Kulturen man kennt, umso offener ist man für neue Dinge.

Wenn man Sie zu Auswärtsfahrten in den Mannschaftsbus steigen sieht, sind Sie meist mit „Zeit“, „Spiegel“ und anderen Zeitungen bepackt. Viele andere haben dagegen ihre Laptops und Filme dabei.
Ich gucke auch ab und zu Filme. Doch nach zwei, drei Jahren Profi-Basketball habe ich gemerkt: Du benutzt deinen Kopf gar nicht, spielst nur Basketball. Wer weiß, wann du ihn wieder für einen Job benutzten musst. Da habe ich mir vorgenommen, mehr Zeitschriften und Bücher zu lesen. Das klappt manchmal gut, manchmal weniger. Aber ich habe es mir vorgenommen.

Sie kennen Trainer Sasa Obradovic noch aus Ihrer Kölner Zeit. Er ist ja ein Typ, an den man sich als Spieler wahrscheinlich erst mal gewöhnen muss.
Ja, ich auch. Ich habe gedacht, ich kenne ihn und weiß wie er ist. Doch dann ist er gekommen und ich dachte: Uff, da musst du ich auch dran gewöhnen. Er ist sehr hart. Er verlangt sehr viel von einem. Wenn man einmal im Training einen schlechten Tag hat, wie ihn wahrscheinlich jeder mal hat, dann sagt er es einem ganz klar. Ich weiß noch, als ich von meiner Verletzung zurückkam, hat er gleich hundert Prozent von mir verlangt. Anfangs habe ich nicht so gut trainiert. Da hat er gesagt: Yassin den Ball nicht geben, der macht heute nur Blödsinn. Das ärgert einen natürlich, kitzelt aber auch das Letzte an Leistung aus einem heraus. Ich glaube, es wird eine sehr erfolgreiche Saison. Doch wie gesagt, es ist sehr früh und man weiß nie.

In der Mannschaft ist Heiko Schaffartzik ein guter Freund. Wie ist es, schon so lange mit ihm zusammenzuspielen?
Das hat sich so entwickelt. Früher haben wir schon gegeneinander gespielt. Er bei TuSLi, ich für Rhöndorf. Das waren zwei top Jugend-Mannschaften. Da haben wir uns schon ein bisschen kennengelernt, haben zusammen Blödsinn gemacht. Doch richtige Freunde waren wir nicht. Dann haben zusammen A2 und Universiade gespielt. Wir waren die besten Spieler in der Mannschaft und da haben wir uns gut verstanden. Da habe ich gedacht: ein lustiger Kerl, der Heiko. Dann haben wir irgendwann das erste Mal zusammen in der Nationalmannschaft gespielt und schließlich das Jahr in Braunschweig. Da entwickelt sich das mit der Zeit. Wir waren auch zusammen auf dem Zimmer.


Thema Nationalmannschaft. Dieses Jahr haben Sie mit einer Verletzung wieder Pech gehabt.
Ja, ich weiß nicht, ob ich noch Nationalmannschaft spielen werde. Zweimal hatte ich üble Verletzungen. Dreimal wurde ich vor Turnieren als Letzter gecuttet. Also, das muss ich mir überlegen. Sie müssen sich vorstellen: Man investiert einen ganzen Sommer, hat keine Pause, damit man am Ende leer ausgeht. Irgendwann sagt man dann: Nee, jetzt reicht es. Aber noch bin ich mir nicht sicher. Ich sage jetzt nicht nein, nicht ja. Ich muss es mir einfach überlegen.

Kommen wir auf Marokko zurück. Sie haben mal gesagt, wenn Sie nicht Basketball-Profi geworden wären, hätten Sie eine Strandbar in Marokko. Ist das immer noch ein Ziel?
Es ist ein Traum von mir, nach Marokko zurückzugehen. Wäre ich allein, hätte ich keine Frau, keine Kinder, würde ich hundertprozentig nach meiner Karriere nach Marokko zurückgehen. Zu meinen Eltern, zu meiner Schwester, zu meinen Cousins und Cousinen, mit denen ich zusammen aufgewachsen bin. Doch ich bin nicht mehr alleine, habe Familie. Wenn ich 35 oder 36 bin, ist mein ältester Sohn zehn und hat noch nie in Marokko gelebt. Da kann ich die nicht einfach packen und nach Marokko mitnehmen. Vielleicht werde ich das aber irgendwann machen.

Und dann eine Strandbar aufmachen …
Das wäre der Traum. (lacht)

Marokko ist ja auch ziemlich angesagt.
Ja. Es ist landschaftlich wunderschön. Man hat Strand, Berge zum Skifahren und Wüste. Und ich kann nur jedem empfehlen, dort einmal Urlaub zu machen. Und wer das tun will, mein Cousin leitet ein Tourismusbüro. Ich besorge billige Urlaube. (lacht)

Das komplette Interview gibt es in der aktuellen Ausgabe der BIG (Abonnenten haben sie bereits eine Woche früher im Briefkasten) und außerdem noch folgende Themen:

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