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BIG - Basketball in Deutschland
„Spieler müssen für die Quote kämpfen!“ - Mutapcic im BIG-Interview

„Spieler müssen für die Quote kämpfen!“ - Mutapcic im BIG-Interview

Emir Mutapcic spricht über die EM-Qualifikation, seine Freundschaft mit Svetislav Pesic, das Zusammenspiel der San Antonio Spurs und Nationalspieler, die lieber bei der Summer League als für die DBB-Auswahl spielen.

Emir Mutapcic, wie kam es eigentlich dazu, dass Sie – durchaus überraschenderweise – Bundestrainer wurden? Wurden Sie vom DBB ausgewählt oder hatten Sie sich beworben?

Es war im April, als Marko Pesic auf mich zukam. Der DBB hatte bei ihm angerufen und sich über meine Situation beim FC Bayern erkundigt, das war der erste Kontakt. Mir selbst wurde dann vom DBB mitgeteilt, dass Frank Menz nicht mehr Bundestrainer sei – und dass sie nach einem neuen suchen. Ich sei ein Kandidat, neben noch einem oder zweien. Das alleine war schon eine große Ehre für mich und nach weiteren Gesprächen habe ich die Stelle dann bekommen. Nun habe ich im Sommer keinen Urlaub, aber das ist okay. (lacht)

Hat es lange gedauert, die Sache mit dem FC Bayern zu klären, der Sie nun freistellt?

Ach, es gab ein paar Details, was die Verträge und den Terminplan betrifft. Aber grundsätzlich hat mich der FC Bayern gleich unterstützt. Mir war auch sehr wichtig, was meine Frau sagt – und meine Frau hat auch Ja gesagt.

Ihr Vertrag beim DBB läuft nur für diesen Sommer, zwei Monate mit der EM-Qualifikation. Hätten Sie nicht Lust, danach weiterzumachen?

Jetzt zählt erst einmal der Sommer. Über alles, was danach kommt, werden wir möglicherweise sprechen, wenn beide Seiten nach diesen zwei Monaten zufrieden sein sollten. Mein Vertrag mit dem FC Bayern läuft jedenfalls noch bis zum Ende der kommenden Saison. Und dann hängt es auch davon ab, was der DBB will: Wieder einen Honorartrainer oder einen Full-Time-Job?

Eigentlich kommt für dieses Amt doch nur Letzteres infrage, oder?

Ich sage es mal so: Der DBB sollte sich gut überlegen, was gut für den Basketball ist. Wenn man sich das vergangene Jahr ansieht oder in die Zukunft blickt, dann erkennt man: Den deutschen Vereinen geht es sehr gut, aber die Nationalmannschaft hat Probleme. Und wenn die BBL sagt, sie wäre gerne bis 2020 die stärkste Liga Europas, dann geht das nicht ohne deutsche Spieler. Ich sehe da ein grundsätzliches Problem im Land. Im Handball etwa ist es so: Die Bundesliga ist die beste der Welt – aber mit der Nationalmannschaft ging es in den vergangenen drei Jahren nur bergab. Im Basketball müssen wir alles versuchen, um diesen Trend zu stoppen.

Was können Sie in dieser Hinsicht tun?

Das erste Ziel ist die WM-Qualifikation, klar. Das zweite ist, die bestmöglichen Spieler für die Nationalmannschaft zu bekommen. Und eine Gruppe, einen Kern von Spielern zusammenzubringen, die auch in der Lage sind, langfristig zusammenzuspielen. Jetzt geht es um die EM – aber ein langfristiges Ziel ist, dass wir uns für Olympia 2016 in Rio qualifizieren. Was ohne Kontinuität – in jedem Bereich, besonders bei den Spielern – sehr schwer wird.

Dabei laufen Ihnen schon im Juli die Spieler weg – in die USA und die Summer League der NBA.

Ich sage es mal vorsichtig: Die Nationalmannschaft hat bisher nicht für alle unsere Spieler die oberste Priorität. Viele deutsche Spieler denken, der Weg nach oben, ob in die NBA oder zu einem europäischen Top-Klub, passe nicht mit der Nationalmannschaft zusammen. Ich sehe da ein großes Problem. Zu viele Spieler wollen in die Summer League: Tim Ohlbrecht, Niels Giffey, Danilo Barthel, Philipp Neumann, Elias Harris. Dennis Schröders Arbeitgeber sind die Atlanta Hawks, er muss Summer League spielen. Für viele Spieler gibt es nur: NBA, NBA, NBA. Was sie dabei aber offenbar vergessen, ist, dass sie sich auch in der Nationalmannschaft für die NBA empfehlen können. Nehmen wir einmal Tibor Pleiß: Sein Ziel ist auch die NBA. Er hat für Top-Vereine in Europa gespielt – und war in den vergangenen fünf Jahren immer bei der Nationalmannschaft. Damit hat er seine Wertschätzung gezeigt und damit sollte er ein Beispiel sein. Der Stellenwert der Nationalmannschaft muss wieder größer werden, bei allen Beteiligten: Trainern, Spielern und Agenten.

Raten die Spieleragenten ihren Klienten davon ab, in der Nationalmannschaft zu spielen?

Sie verdienen jedenfalls kein Geld damit. Geld verdienen sie mit den Klubs. Und sie schicken ihre Spieler dafür nach Amerika. Sie erzählen ihnen: Das ist gut für dich – und die Nationalmannschaft nicht. So was macht mich sauer. Ich habe die Summer League zweimal in den USA beobachtet. Da sind drei, vier Leute pro Team, die spielen immer – aber sie haben keine Lust. Und die drei, vier, die Lust haben – die spielen nicht. Hilft das einem Spieler, besser zu werden? Und die Problematik fängt im Grunde schon im Nachwuchs an: Da sagen 18-Jährige für die Nationalmannschaft ab, weil sie lieber individuell trainieren wollen. Gibt’s das? Dabei kann der Weg über die DBB-Mannschaften sehr schnell nach oben führen: Mit der U16, der U18 – immer gegen die Besten Europas. Aber wenn das nicht wertgeschätzt wird, wie sollen wir dann Kontinuität schaffen? Vielleicht muss hier auch der DBB mithelfen.

Inwiefern?

Wenn ein Spieler einen Vertrag in Deutschland hat – was ist dann seine Pflicht? Kann er dann einfach sagen: Ich habe keine Lust auf die Nationalmannschaft, ich spiele lieber in den USA? Vielleicht braucht es da eine feste Regelung. Das wäre auch wichtig für die Bundesliga. Spieler, Trainer, Agenten, Vereine – die ganze Kette muss die Nationalmannschaft wieder mehr wertschätzen. Man kann nicht immer nur nehmen. Man muss auch geben – so wie es ein Dirk Nowitzki getan hat, wann immer es ihm möglich war. Und man muss sich am Ende auch im Klaren sein: Hat die Nationalmannschaft keinen Erfolg, gibt es weniger Sponsorengelder. Weniger Sponsorengelder bedeuten zum Beispiel weniger Trainingslager für junge Spieler.

Ist die Deutschen-Quote in der BBL in ihrer jetzigen Form sinnvoll?

6+6 ist wichtig für den deutschen Basketball. Denn Deutscher Meister wirst du nur mit guten deutschen Spielern. Beim FC Bayern haben wir jetzt gezeigt, dass es funktioniert: Im entscheidenden Spiel in Berlin kamen bei unseren zwölf Dreiern sieben von deutschen Spielern. Dass die Liga sich vor der Quote so stark für ausländische Spieler geöffnet hat, das hat den Basketball in vielen Bereichen kaputt gemacht. Jetzt liegt es auch an den Spielern, für die Quote zu kämpfen – mit Qualität. Und hier kommt wieder die Nationalmannschaft ins Spiel. Natürlich ist es eine Ehre, für das eigene Land zu spielen – aber man profitiert auch davon: Wettkampf auf international höchstem Niveau und die bestmögliche Betreuung, auf und abseits des Parketts. Die Auswahl ist eine sehr gute Möglichkeit, um auch das individuelle Spiel zu verbessern. Das muss den Spielern bewusst sein. Und trotzdem ist fast die Hälfte meines Kaders bis zum 21. Juli in der Summer League, während unsere Vorbereitung schon am 1. Juli anfängt.

Das klingt einigermaßen mühsam.

In den vergangenen Wochen war ich neben meiner Aufgabe beim FC Bayern vor allem damit beschäftigt, die bestmögliche Mannschaft für den 1. Juli zusammenzubekommen, habe ständig mit den Spielern gesprochen. Elias Harris zum Beispiel: Er ist unser Power Forward, wir bräuchten ihn in der Vorbereitung. Ich habe ihm gesagt: Du musst dich langsam entscheiden – du bist 25 Jahre alt und hast schon so viel Geld verloren. Aber sein Traum ist nun mal die NBA. Überhaupt: Viele Spieler wollen den amerikanischen Weg gehen, wie Harris über die NCAA. Ich frage mich allerdings: Wie viele davon sind wirklich besser zurückgekommen?


Das komplette Interview findet Ihr in der aktuellen Ausgabe der BIG (Abonnenten haben sie bereits eine Woche früher im Briefkasten), und außerdem gibt es im Heft noch folgende Themen:

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