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BIG - Basketball in Deutschland
„Trash-Talk gehört zum Spiel dazu!“ – Berlins Akeem Vargas im BIG-Interview

„Trash-Talk gehört zum Spiel dazu!“ – Berlins Akeem Vargas im BIG-Interview

Akeem Vargas (24) verkörpert den neuen Alba-Stil wie kein Zweiter. Harte Defense, bedingungsloser Einsatz – Vargas opfert sich für den Erfolg auf. Über sein Spiel diskutiert die Liga: Es gibt Vorwürfe, sein Verhalten auf dem Spielfeld sei unfair und übertrieben. BIG traf einen Spieler, der ein sehr klares Bild von sich hat, dem seine Wirkung bewusst ist. Und der keinen Millimeter zurückstecken wird

Akeem Vargas sitzt in einem Café in Berlin-Mitte. Kapuzen-Sweater von Alba, Daunenweste – und dieses schelmische Lächeln. Auf den ersten Blick könnte niemand meinen, dort sitze der Bad Boy der Liga. Er nippt an seinem Cappuccino und bedankt sich bei BIG für die Einladung. Sein Fahrrad hat er an der Halle stehen lassen.

Sie kamen zum Saisonstart aus der ProA, aus Göttingen. Niemand in Berlin wusste, wer Sie sind, in der BEKO BBL kannten Sie nur Insider. In Göttingen waren Sie ein Scorer, fast 14 Punkte pro Spiel. Jetzt sind Sie in eine ganz andere Rolle geschlüpft. War das ein Problem?

Nein. Ich wusste, dass sich die Rolle verändern wird. Schon ProA und BEKO BBL sind zwei komplett verschiedene Dinge. Aber dann noch bei einem Top-Team zu spielen, verändert es noch mal. Die Rollenverteilung ist sehr klar. Es gibt eine ganz bestimmte Hierarchie. Nichtsdestotrotz war das für mich keine sehr große Umstellung, da ich eh immer viel Wert auf Defense gelegt habe und jetzt eben in die Rolle des Energizers, des Top-Defenders von der Bank geschlüpft bin. Oder eben auch als Starter den besten Angreifer des gegnerischen Teams zu verteidigen.

Aber Sie finden in der Offense deutlich weniger statt als früher.

Natürlich. Ich nehme deutlich weniger Würfe als in der ProA und ich habe auch nicht die Freiheit, schlechte Würfe zu nehmen, die unbestraft bleiben. Aber das ist der Preis, den man zahlt, wenn man um Titel spielen will. Dass man sich selbst zurücknimmt für den Teamerfolg.

Ihre Spielweise ist in der BEKO BBL aufgefallen. Trainer Sebastian Machowski aus Oldenburg hat schon vor dem Spiel gegen Alba vor Ihnen gewarnt.

Erst mal ist ja wichtig, zu sagen, dass Sebastian Machowski nicht mein Coach ist, deshalb ist er nicht mein Chef. Ich denke, es ist gut, zu wissen, dass andere Teams über uns nachdenken und auch über mich als Teil dieser Mannschaft. Das heißt, dass ich meinen Job ganz gut mache …

… was Marco Baldi in der letzten BIG ebenfalls gesagt hat …

Richtig ist: Ich plane aggressive Spielweise. Es gibt Rollenspieler, die kommen ins Spiel und du spürst nicht, dass sich der Rhythmus des Spiels ändert. Das ist etwas, was mir Sasa Obradovic schon im Sommer gesagt hat: Er möchte, dass Energie spürbar ist, wenn ich aufs Feld komme. Und ich denke, jeder, der mich mal hat spielen sehen, sieht, dass sich etwas verändert, wenn ich aufs Feld komme. Ich glaube, dass viele Spieler mit dieser Aggressivität Probleme haben. Weil diese Konstellation mit Cliff Hammonds und mir einfach nervt. Wenn du als gegnerischer Guard auf jemanden wie Cliff triffst, der immer da ist, extrem physisch spielt, aber nie etwas sagt. Und dann geht Cliff runter und dann kommt der nächste Spieler, der vom Typ komplett  anders ist, einer, der nicht zurücksteckt, der sich selbst mal ein paar Takte sagt, der versucht, immer am Mann dran zu sein. Das nervt auf Dauer. Gerade Teams, die es nicht gewohnt sind, täglich so zu spielen. Und ich glaube, deshalb haben viele Teams Probleme mit unserer Spielweise.

Sie sprechen den Trash-Talk selbst an. Macht Ihnen das Spaß?

Ich glaube, es gehört zum Spiel dazu. Ich habe noch kein Spiel erlebt, in dem nicht geredet wurde. Das wurde zum Saisonstart viel thematisiert. Ich denke, ich habe mich an dieser Stelle im Laufe der Saison deutlich zurückgenommen und lasse mein Spiel sprechen. Anfangs hieß es, die Leute würden den Kopf verlieren, weil ich sie zutexten würde. Dann habe ich gar nicht mehr gelabert – die Leute verlieren trotzdem den Kopf. Ich glaube also, daran kann’s nicht liegen. Ich konzentriere mich darauf, zu versuchen, der beste Verteidiger bei uns zu sein, was natürlich sehr schwer ist, weil wir den besten Verteidiger der Liga haben. (lacht)

Hammonds?

Eindeutig. Aber es ist mein Ziel, der beste Verteidiger zu sein, wenn ich aufs Feld gehe.

Inwieweit ist Trash-Talk verantwortlich für den Alba-Erfolg?

Gar nicht. Das ist ja ein Etikett, das mir die Medien verpassen: Bad Boy. Man kann schreiben, dass die Mannschaft dirty ist, schmutzig spielt. Aber ich denke, es ist nicht so. Es gibt keinen Grund für mich, extrem dreckig zu spielen. Ich glaube, man neigt im deutschen Basketball leicht dazu, zu sagen, jemand spiele extrem dreckig, weil er etwas tut, das vielleicht unorthodox ist. Es gibt eben nicht viele Rollenspieler, die ihren Fokus so auf die Defense legen. Und deshalb sind vielleicht viele geneigt, zu sagen: Der Vargas, der spielt dreckig. Der Amerikaner würde eher sagen: tough guy.

Was hat das mit dem deutschen Basketball zu tun?

Hier gibt es einfach wenige, die so spielen. Wenn man sich die guten Verteidiger bei den Deutschen ansieht, einen Karsten Tadda, einen Philipp Schwethelm, und das sind extrem gute Verteidiger, dann haben die eine andere Spielweise als ich.

Tadda und Schwethelm sind freundlicher.

Ja, vielleicht. Das eine muss aber nicht besser als das andere sein. Reggie Miller war ein unglaublicher Schütze, er hat nach jedem Schuss gequatscht. Michael Jordan nicht. Unser David Logan schießt fünf Dreier in Serie rein und du hörst keinen Mucks von ihm. Er verzieht auch keine Miene, nichts. Jeder Typ ist etwas anders. Vielleicht sieht es bei mir einfach irgendwie dreckig aus, aber ich will vor allem tough spielen.

Wie geht’s mit Ihnen jetzt weiter? Wieder Offense?

Ich hoffe, dass ich in den nächsten Jahren den Best Defensive Player Award einsacken kann. Das ist ein großes Ziel, das ich habe auf meiner Liste. Was die Rolle bei Alba angeht: Ich bin noch ein junger Spieler. Ich denke, dass ich auf diesem Niveau noch nicht so lange gearbeitet habe. Ich merke, dass ich Schritte nach vorne mache. Ich werde sehen, wo das hinführt, ob sich die Rolle verändert oder nicht. Ich möchte für mich selbst als Spieler besser werden. Das war immer mein Anspruch. Und wenn ich das schaffe, dann wird sich die Rolle gegebenenfalls auch verändern.

Denken Sie an die Nationalmannschaft?

Ich hatte ein paarmal Kontakt zum Bundestrainer. Ich hoffe, dass ich nominiert werde. Es war immer mein Ziel, dort zu einem Lehrgang zu kommen. Und ich werde sehen, was dann draus wird.


Das komplette Interview könnt Ihr in der aktuellen Ausgabe der BIG lesen (Abonnenten haben sie bereits eine Woche früher im Briefkasten), außerdem gibt es im Heft noch folgende Themen:

- Frank Menz: Die Posse um den Bundestrainer nach der BIG-Enthüllung
- Das Prinzip Pesic: So führen Vater und Sohn den FC Bayern München Basketball
- Maximilian Kleber: Warum der begehrte Forward gut nach Bamberg passt
- Interview mit dem Trainer des Jahres Silvano Poropat vom MBC 
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