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BIG - Basketball in Deutschland
Berlins Geschäftsführer Marco Baldi im großen BIG-Interview vor den Playoffs: „Sasas Mannschaft...

Berlins Geschäftsführer Marco Baldi im großen BIG-Interview vor den Playoffs: „Sasas Mannschaft...

Berlins Manager Marco Baldi spricht über die erste Saison der neuformierten Albatrosse, die Defense von Akeem Vargas und die Verpflichtung von Wunschspieler Niels Giffey.

Herr Baldi, Sie haben abgesehen von Sven Schultze die gesamte Mannschaft ausgetauscht, aber es läuft trotzdem.

Marco Baldi: ALBA ist eine starke Marke, hat über 25 Jahre Basketball für Berlin national wie international etabliert, auch über Erfolg und Galionsfiguren. Wir sind kein Newcomer, der jetzt schnell mal ins Rennen geht, schaut was passiert, und wenn kein Erfolg da ist, dann gehen alle wieder nach Hause. Wir sind das Gegenteil, eine beständige Größe. Es gibt eine breite Basis an Unterstützung und natürlich auch an Kritik. Wir hatten nach dem Umbruch im Sommer zig Stornos und negative Rückmeldungen. Vor allem weil wir die Mannschaft so auseinander- und wieder zusammengebaut haben. Aber wir hatten keine andere Wahl.

Und jetzt?

Es gibt so etwas wie Euphorie, eine Welle der Unterstützung. Das hat mit einem Team zu tun, von dem jeder spürt, dass es sich jeden Tag für diesen Klub verausgabt, und zwar komplett. Tag für Tag. Spiel für Spiel. Übrigens auch im Misserfolgsfall. Wir haben ja nicht von Anfang an nur Erfolg gehabt.

Das ist alles?

Ja. Wir hatten Teams, die vielleicht erfolgreicher waren, aber dieses totale Verausgaben nicht hatten.

Akeem Vargas verausgabt sich so, dass sich die Liga über seinen Stil beschwert.

Das größte Kompliment und Lob, was Akeem Vargas bekommen kann, ist, dass sich ein Sebastian Machowski nach dem Spiel hinstellt und sagt: „Der hat uns aber richtig gestört. Das geht so nicht mit dem.“ Das zeigt, dass Akeem als Gegner so ernst genommen wird, dass man versucht, außerhalb des Spielfeldes etwas zu unternehmen. Und das nicht, weil Akeem so unsauber oder so unfair ist oder was weiß ich.

Was Machowski aber behauptet …

Sebastian behauptet, was er für richtig hält. Ich bin mir sicher, dass er auch gerne einen Verteidiger wie Akeem in seinen Reihen hätte. Das Problem ist, dass Akeem seit seiner öffentlichen Beschwerde mit Argusaugen überwacht wird und schneller als jeder andere BBL Spieler Fouls bekommt. Aber das gehört zu seiner Entwicklung dazu. Ein Vargas weiß, was er kann. Und das setzt er mit maximaler Intensität auch ein. Wenn jetzt nicht die Berater und Einflüsterer kommen. ..

Was sollten die ihm sagen?

Das Übliche: Du musst nicht 15–20 Minuten, sondern du musst doch 30 Minuten spielen … Oder: Kann doch nicht sein, dass du pro Spiel nur drei Würfe nimmst, du musst mindestens acht Würfe nehmen…

Glauben Sie, das passiert bereits?

Kann sein. Aber selbst wenn, ist entscheidend, was er draus macht. Es kann immer ein bisschen mehr sein. Da sind wir wieder beim Reich und Schön. Akeem versteht seine Rolle. Er identifiziert sich mit ihr. Verausgabt sich darin. Generiert darüber sein Spiel. Er versucht nicht, durch andere Dinge, die er noch nicht so gut kann, sein Spiel zu definieren. Er definiert sein Spiel über das, worin er in Deutschland einer der Besten ist. Defense. Klebrig ohne Ende. Geht keinen Schritt zurück. Und wenn er einen auf die Zwölf kriegt, und er kriegt viel auf die Zwölf, dann zuckt er nicht, sondern hält die andere Wange auch noch hin. Das ist seine Qualität und darüber kommt er ins Spiel. Und das kann er mittlerweile – er kommt aus der Zweiten Liga – auf dem höchsten Niveau. Selbst in Europa. Andere Fähigkeiten werden sich entwickeln. Das ist ja der zweite Teil unseres Plans. Dass wir versucht haben, die jüngeren Spieler, die auch ein gewisses Potenzial mitbringen, eben nicht nur ein Jahr an uns zu binden, sondern mindestens zwei oder drei.

Vargas, Wohlfarth-Bottermann, Jagla, King – die Mischung stimmt. Lohnt es sich, Geld auf eine Meisterschaft von ALBA zu setzen?

Also je mehr auf ALBA setzen, desto besser. Aber realistisch betrachtet, waren die Teams der vergangenen Jahre mit mehr Vorschusslorbeeren und mehr großen Namen besetzt.

Und mit mehr Geld bezahlt?

Auch mit mehr Geld, und in beiden Jahren sind wir im Viertelfinale ausgeschieden. Das lehrt Demut. Der Pokal ist ein wunderbares Geschenk für dieses Team, eine Belohnung. Und ein Signal an die Spieler, dass es sich lohnt, persönlich zurückzustecken und geschlossen aufzutreten. Aber eine Meisterschaft ist noch mal was komplett anderes. Eins bis sieben liegen dicht zusammen, ab acht geht’s vielleicht qualitätsmäßig einen kleinen Schritt nach unten. Wobei wir in Ludwigsburg deutlich verloren haben, und der MBC schlägt mittlerweile alle.

Sprechen wir über Sasa Obradovic. Trotz des Pokalsiegs im vergangenen Jahr ist er in der Vorsaison doch relativ sang- und klanglos ausgeschieden. Die Stimmung war gekippt. Insgesamt hatte man den Eindruck, dass die Chemie zwischen Mannschaft und Trainer dahin war. Was hat Obradovic in dieser Saison anders gemacht?

Das gesamte Trainerteam hat sich der Herausforderung gestellt. Eine komplett neue Mannschaft, die jung ist – da kannst du nicht mit Feintuning anfangen. Da wird extrem intensiv gearbeitet, Tag für Tag. Vor allem taktisch waren viele Spieler nicht auf dem höchsten Niveau. Das verlangt viel, weil man auch praktisch ständig Dinge findet, über die man sich tierisch aufregen könnte.

Und Sasa gehört ja nicht zu den geduldigsten Trainern …

Er hat das angenommen. Sein Team hat andere Dinge. Unbeugsamen Willen, Toughness. Er macht diese Arbeit, die viel aufwendiger und intensiver ist als im letzten Jahr, wenn du viele erfahrene Spieler hast, die schon alles mögliche erlebt haben. Ich kann wirklich nur sagen: Respekt! Das ist allererste Sahne.

Noch ein Versuch: Obradovic, so ist der Eindruck, lässt immer noch hart trainieren. Aber trotzdem scheint sich am Verhältnis zum Team irgendetwas getan zu haben.

Ich glaube, dass wir Charaktere haben, die verstanden haben, dass es nicht das Wichtigste ist, was meine Freundin auf der Tribüne denkt, wenn mich der Trainer anschreit. Sondern dass der Coach auf mich reagiert oder agiert, mit einem Ziel. Alle Spieler haben das verinnerlicht. Ich fände es auch nicht schön, wenn meine Freundin auf der Tribüne sitzt, und ich werde zusammengefaltet. Aber wenn ich spüre, dass ich vorwärtskomme, mich verbessere, dass intensiv auf mich eingegangen und mit mir gearbeitet wird, dann bin ich dazu bereit.

Und das war im vergangenen Jahr nicht so?

Wir hatten Spieler, die in ihrer individuellen Entwicklung, vor allem auch in ihrem Selbstbild, weiter waren. Aber natürlich hat sich auch Sasa weiterentwickelt und sich ein bisschen zurückgenommen. Was bei Sasa immer so sein wird: Wenn er spürt, dass sich jemand nicht mit aller Konzentration für die Aufgabe verausgabt und interessiert, dann gibt’s ein Problem. Da hat er die volle Unterstützung des Klubs. Wir brauchen diese Intensität.

Die Mannschaft wird entwickelt. Wir haben gehört, es gäbe eine Zusage von Niels Giffey. Das wurde später infrage gestellt.

Wir hätten ihn gern. Niels hat für uns eine ganz hohe Priorität – mit den Mitteln, die wir haben. Er ist ein sehr interessanter Spieler, der extrem gut reinpassen würde, er ist vielseitig und hartnäckig, wie der Charakter dieser Mannschaft. Er ist Berliner. Aber ob wir es am Ende schaffen, ihn davon zu überzeugen, das müssen wir sehen. Er wird sich alle Optionen anschauen und überlegen. Für uns ist er ein absoluter Wunschspieler.

Daniel Theis?

Hat Vertrag in Ulm. Er kann aus seinem Vertrag raus, gegen eine Ablöse. Und ich glaube, auch da wird ALBA bei einem Wettbieten nicht dabei sein. Das ist ein sehr interessanter Spieler, keine Frage. Sportlich wäre ALBA für ihn eine hoch interessante Adresse.

Ein Armenhaus ist ALBA nicht.

Wenn Bayern München oder Bamberg sagen: Diesen Spieler will ich ums Verrecken, und der Spieler will nicht aus irgendeinem Grund unbedingt nach Berlin, haben wir keine Chance. Da geht es ja nicht um zehn Prozent.

Wer holt denn nun den Titel?

Favoriten sind ganz klar Bamberg und die Bayern. Im Pokal, als zum ersten Mal richtig Druck drauf war, haben beide gepatzt. Aber das ist ein Spiel. Da kann alles passieren. In einer Serie Best of Five ist das anders – wir werden sehen. Und bitte Oldenburg und Ulm nicht vergessen. Denen traue ich sehr viel zu.


Im kompletten Interview spricht Marco Baldi außerdem über die neue Rivalität zwischen Berlin und München, sein Verhältnis zu Marko Pesic und seinen Gedanken, das ALLSTAR-Game abzuschaffen oder die Liga zu verkleinern. Alles in der aktuellen Ausgabe der BIG (Abonnenten haben sie bereits eine Woche früher im Briefkasten). Außerdem gibt es im Heft noch folgende Themen:

- Playoffs 2014: Alle Teams im großen BIG-Check vor der heißen Saisonphase
- Rick Stafford: Der schwere Kampf des ehemaligen Bambergers
- Maik Zirbes: Bambergs Center spricht über die Kritik an seiner Leistung
- Artland Dragons: Der Top-Klub aus dem kleinen Quakenbrück braucht dringend eine größere Halle
- Interview: Albas Geschäfstführer Marco Baldi über die Liga, Bayern München und das neue Team
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