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Das Buchgeschenk: „Almost Heaven – Mein Leben als Basketballprofi“ von Johannes Herber

Das Buchgeschenk: „Almost Heaven – Mein Leben als Basketballprofi“ von Johannes Herber

Hier der ultimative Buchtipp: „Almost Heaven – Mein Leben als Basketballprofi“ von Johannes Herber ist auf dem Markt. Klare Ansage: Jeder, der sich – sei es als Fan oder Spieler - zur deutschen Basketball-Gemeinde zählt, sollte das Buch des früheren Nationalspielers gelesen haben!

Bei Amazon gibt es die gebundene Ausgabe des ersten Buches von Joe Herber für 19,99 Euro und das eBook für 15,99 Euro. Und für alle, denen dieser schlichte Lesebefehl nicht ausreicht, werden nun noch ein paar weitere Argumente versammelt. Zuerst könnte ich beispielsweise meinen Eindruck von Joes Buch schildern:

Bei Thomas Pletzingers „Gentleman, wir leben am Abgrund“ und Jens Pfeifers Dokumentarfilm „Phoenix in der Asche“ gab es vor einigen Jahren erstmals einen tiefen Einblick in das Innenleben einer Profimannschaft aus der Beko BBL, bei Joe gibt es jetzt den tiefen Einblick in das Innenleben eines Profis –sowohl in den guten als auch in den harten Zeiten.

Jeder Basketballer fühlt sich gut aufgehoben, wenn Joe den Raum zwischen Freiwurf- und Dreierlinie benennt mit den Worten: „Hier crosste AI MJ“. Geheimcode für Eingeweihte. Großartig! Geschichtswissen unserer Sportart wird nicht doziert, sondern schlicht vorausgesetzt. Ein Buch von einem Basketballer für Basketballer.

Die Selbstreflektion von Joe in den verschiedenen Stadien seiner Karriere wird bei jedem Basketballer eigene Erinnerungen und die dabei vorherrschenden Gefühle wachrufen. Wenn Joe über seinen wichtigen Dreier gegen Italien bei der EM 2011 in Litauen schreibt, wird jeder an das eigene Hochgefühl erinnert nach einer Verletzungspause endlich wieder einen großen, einen wichtigen Wurf zu treffen, Entenpelle satt. Ein Textauszug:

„ … als der Ball durchs Netz fiel. Es war mir egal. Alles war egal. Die Kreuzbandrisse und Bandscheibenvorfälle, die Schmerzen, die Sorgen, die Zweifel. Der siebte Satz auf der Beinpresse, das ungute Knacken im Knie. Schultze hatte gebrüllt, Nowitzki gerempelt, Kommentator Frank Buschmann geschrien: EIN RIESENWURF. Es hatte Uuh gemacht, das war alles, was in dieser Sekunde zählte.“

Ich könnte beschreiben, wie es 2006 auf meine Anfrage hin bei Joe mit dem Schreiben seiner Kolumne anfing und einige seiner besten Kolumnen aus der FIVE hier aufführen (unbedingt den letzten Text checken, den er in seiner Zeit auf der Berliner Bank verfasst hat), aber beides ist ja bereits vor einiger Zeit geschehen. Stattdessen ließe sich vielleicht aufführen, wie viele Medien in Deutschland das Buch rezensiert haben:

Nämlich die F.A.Z. mit einem längeren Interview mit ihm („Keiner wollte mit Nowitzki tauschen“), der Deutschlandfunk (Vom Basketballfeld ins Autorenteam, oben rechts der Audioplayer), aus Berlin der Tagesspiegel (Ich leide, also bin ich) und die Morgenpost (Eine Karriere zwischen Himmel und Hölle), das Basketballportal Crossover Online (Beinahe im Basketballhimmel) und bei Radio Eins wirft Joe als Studiogast der Woche gegen den Moderator Thomas Wosch Papierknäuel auf einen Mülleimer.

Aber alle diese Artikel liefen bereits den Weg durch die schöne neue Welt von digitalem Gezwitscher, Internet-Foren und Gesichtsbuch-Einträgen, lies: die Basketball-Gemeinde kennt sie. Deshalb könnte ich stattdessen mein Lieblingsstück aus seinen Kolumnen der letzten Jahre als Appetitmacher bringen:

Joes Ecke – Herber geht’s nicht: Von den schwierigen Unterhaltungen mit und über Basketball

Ein guter Scorer ist ein famoser Geschichtenerzähler. Der Gedanke stammt nicht von mir, sondern von Holger Geschwinder. Er sagte mir mal, um einen Wurf zu kreieren müsse ich dem Verteidiger zuerst eine glaubwürdige Geschichte erzählen—einen Wurf gekonnt antäuschen zum Beispiel. „Entweder er glaubt Dir oder er glaubt Dir nicht. Wenn nicht, denkst Du Dir eine neue aus.“ Im gleichen Gespräch bemerkte Holger, dass mir im Grunde jegliches „Handwerkszeug“ fehle, um ein guter Spieler zu werden. Die Analogie vom Geschichtenerzählen hatte ich deshalb lange verdrängt. Sie fiel mir wieder ein, als ich vor einigen Tagen versuchte meiner Freundin das Pick’Roll zu erklären. Das Pick’n’Roll funktioniert nämlich ähnlich. Es gleicht einer Unterhaltung, einem kontinuierlichen Frage-Antwort-Spiel, zwischen Angriff und Verteidigung.

Man könnte das natürlich auch anders sehen. Man könnte das Pick’n’Roll beschreiben als klassisches „Two-Men-Game“, bei dem einer (meistens ein Guard) den Ball führt, ein anderer (meistens ein Center) für den Ballträger einen Block stellt. Der Guard streift seinen Verteidiger am Blocksteller ab und dieser rollt Richtung Korb. Zwei gegen Eins. Freier Schuss. Buckets! Habe ich so versucht, aber sie (meine Freundin) hat es nicht verstanden. Ich habe es dann folgendermaßen probiert.

Beim Pick’n’Roll stellt der Angriff der Verteidigung eine Frage (der Block). Die Antwort der Verteidigung besteht in der Regel aus einer Gegenfrage (die Verteidigungsvariante), die den Angriff wiederum zu einer Antwort (die richtige Entscheidung bzgl. Pass/Wurf) bzw. Gegenfrage zwingt. So entspinnt sich eine Unterhaltung, die erst dann endet, wenn einem der Diskutanten die Antworten ausgehen. Im Prinzip geht es darum das letzte Wort zu haben.

(Das verstand sie ohne Probleme.)

Die Länge einer solchen Unterhaltung variiert. Sie hängt ab von der Parität zwischen den Gesprächspartnern. Eine Debatte mit einem intelligenten Gegenüber wird immer länger dauern als eine mit einem Narr. Zwei ebenbürtige Narren, allerdings, verweilen länger im Gespräch, auch wenn (oder gerade weil) sie die Argumente des Anderen nicht verstehen. Das bedeutet ganz trivial: Ein guter Angriff punktet gegen eine schlechte Verteidigung schneller als gegen eine gute. Da das Frage-Antwortspiel auf 24 Sekunden beschränkt ist, braucht ein Team vor allem eins: Schlagfertigkeit.

(Sie nickte.)

Aufgrund der begrenzten Gesprächszeit hat der Angriff ein Interesse an scharfen, präzisen Fragen/Antworten, mit denen er den Verlauf des Gesprächs diktieren kann. Die sorgfältige Formulierung der Eröffnungsfrage („Pick?“) ist dabei schon die halbe Miete. Dazu gehören a) ein stabil gesetzter Block b) eine gute Blockvorbereitung des Ballführenden und c) eine gute Raumaufteilung zwischen den anderen drei Spielern. In der Regel entsteht durch eine solch scharf formulierte Eröffnungsfrage ein Vorteil, der sich durch richtiges Entscheidungsverhalten Schritt für Schritt vergrößern lässt.

Im Gegensatz zum Angriff will die Verteidigung das Gespräch bewusst verschleppen. Ihre Kunst besteht in der Un-Eindeutigkeit ihrer Fragen oder vielmehr darin, Fragen zu formulieren, die, zumindest auf den ersten Blick, keine eindeutigen Antworten zulassen. Der Angriff muss ins Grübeln geraten. Jedes Zögern erlaubt es der Verteidigung den Nachteil, der durch den Block entstanden ist, wieder auszugleichen. Was sie letztendlich dem Angriff entgegenschreit—ob „Hedge and Recover“, „Contain“, „Push up and Under“, „Trap“, „Push Down“, „Switch“ und so weiter—hängt ab von den Fähigkeiten der Spieler, der Position auf dem Feld, der Zeit auf der Shot Clock, dem Spielstand und nicht zuletzt von der Philosophie des Coachs. Hauptsache, die Verteidigung spricht mit einer Stimme. Fünf Spieler, die zuhören und mitreden. Wer es noch nicht gemerkt hat: Das Pick’n’Roll war nie bloß ein „Two-Men-Game“.

(Sie verdrehte die Augen. Zu viele Anglizismen.)

Der wortwörtlich entscheidende Spieler in jedem Pick’n’Roll –Gespräch ist immer der ballführende Guard. Ein gut ausgebildeter Guard kennt Antworten auf alle Fragen, die ihm die Verteidigung stellen könnte. Er gleicht einem Schachspieler, der die Fähigkeit besitzt mehrere Züge im Voraus zu denken. Anders als dem Schachspieler fehlt dem Guard zur ausführlichen Analyse die Zeit. Entscheidungen fällt er deshalb intuitiv, indem er auf sein „einverleibtes“ Körperwissen vertraut. Ein Pick’n’Roll ist wie Schach auf Speed.

(Sie blickte mich an, verständnislos. Wo hatte ich sie verloren? Zu viele Fragen, zu wenig Antworten?)

Ich hatte noch eine Idee und begann ein Schaubild zu zeichnen, eine Art Pick’n’Roll-Baum. Der Baum sollte die verschiedenen Verteidigungsvarianten sowie alle möglichen Antworten des Angriffs auf jede dieser Optionen abbilden. Die ganze wunderbare Vielfalt dieses Spielzugs auf einem Blatt Papier. Das ist jetzt einige Wochen her. Der Baum ist mittlerweile ein Busch, der sich über mehrere Seiten erstreckt. Meine Freundin hat aufgehört danach zu fragen. Sie sagt, ich könne nicht zeichnen. Manche Geschichten erzählt man besser auf dem Feld.

Aber diese Kolumne hat die Basketball-Gemeinde vermutlich bereits in der damaligen BIG gelesen. Stattdessen könnte ich erneut erwähnen, dass Joe als erster Basketballer überhaupt eine ganze Seite im Feuilleton der F.A.Z. vollschreiben durfte mit seinen Gedanken über den Swagger, aber auch das wird die Mehrzahl schon verschlungen haben.


Da zu Joes Schreibkünsten und seinem Buch bereits viel geschrieben wurde, wähle ich einen anderen Ansatz, schiebe den Autor Johannes Herber beiseite und hole den Profisportler Johannes Herber in den Fokus.

Ihr wisst schon: Der Kerl, der als Klebstoff-Allrounder die West Virginia University fast bis ins Final Four der NCAA geführt hat, der für ALBA BERLIN mal als Kapitän den Pokal hochrecken durfte, der als schmerzgeplagter Veteran immer noch gut war für so einen Dreier gegen beide, die Shotclock und den Serienmeister:

Der Nationalspieler, der 74 Länderspiele absolviert, Deutschland bei zwei Europa- und einer Weltmeisterschaft vertreten hat. Der Flügelspieler, der bei der EM 2007 gegen Italien mit seinem besten Länderspiel der deutschen Nationalmannschaft den Traum von den Olympischen Spielen am Leben erhielt – wie es hier in der Reportage von Andreas Egertz vom Bayrischen Rundfunk wunderbar eingefangen ist:

Dieser Basketballer namens Johannes Herber hat während seiner Karriere viele Höhen und noch mehr Tiefen erlebt. Viele Gedanken und Gefühle hat er festgehalten und in einem Buch niedergeschrieben. Seine Geschichten sind relevant. Das Innenleben eines professionellen Basketballspielers, der sich selber grandios gnadenlos analysiert und aus dem Fluss der 256 Seiten heraus überraschend viele Ebenen unserer vielfältigen Basketballwelt berührt. Und genau deshalb solltet Ihr jetzt dieses Buch hier bestellen

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