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BIG - Basketball in Deutschland
Der Mann, den jeder jagte – Bambergs Elias Harris im BIG-Interview: „Die Bundesliga ist die beste...

Der Mann, den jeder jagte – Bambergs Elias Harris im BIG-Interview: „Die Bundesliga ist die beste...

Elias Harris wurde bei den Los Angeles Lakers entlassen. Die ganze Beko BBL nahm den besten deutschen Basketball-Athleten ins Visier, am Ende bekamen die Brose Baskets Bamberg den Zuschlag. Ein BIG-Gespräch über die Unterschiede zwischen einer Kabine in der NBA und einer in der Beletage Deutschlands, den privaten Kobe Bryant und den Wert einer Ausbildung in der ProB

Elias Harris, von der Metropole Los Angeles in die „Provinz“ nach Bamberg. Wie groß ist der Kulturschock?

Natürlich ist das ein krasser Szenenwechsel. Aber ich würde auf keinen Fall sagen, dass das für mich ein Kulturschock ist. Deutschland ist ja nach wie vor meine Heimat, ich habe hier 20 Jahre lang gelebt, bin hier aufgewachsen. Und meine Heimatstadt Speyer ähnelt Bamberg schon sehr – die gemütliche Altstadt, die vielen Altbauten, das kenne ich von zu Hause. Von daher ist das kein Kulturschock. Ich fühle mich hier in Bamberg wohl.

Vermissen Sie irgendetwas aus Los Angeles?

Das gute Wetter. (lacht)

Seit Dezember sind Sie wieder zurück in Deutschland. Wie haben Sie Weihnachten gefeiert?

Es ist eine Weile her, dass ich gemeinsam mit meiner Familie am Tisch gesessen und Weihnachten zelebriert habe. Das familiäre Beisammensein habe ich vermisst. Die Jahre zuvor habe ich ja immer in den USA gefeiert.

Bei Facebook schrieben Sie, dass Sie sogar schon ein ProB-Spiel Ihres Heimatklubs in Speyer besucht haben.

Ja, das stimmt, ich war Mitte Dezember beim Speyrer Heimspiel gegen Nördlingen in der Halle. Das war superschön, eine echt spaßige Sache. Es hat gutgetan, die alten Gesichter wiederzusehen – und meinen basketballerischen Ursprung mal wieder zu erkunden. Denn ich hatte bei den Baskets in Speyer von 2005 bis 2009 eine sehr gute Zeit.

Von dort aus schafften Sie es bis zu den Los Angeles Lakers, dem Kultklub und 16-fachen NBA-Champion.

Was der FC Bayern im Fußball ist, das sind die Lakers im Basketball. Das war eine riesengroße Sache für mich. Ich habe mich sehr geehrt gefühlt, das lila-goldene Trikot der Lakers tragen zu dürfen. Manchmal war es wie in einem Traum. Aber zur gleichen Zeit, wenn man mit den ganzen Jungs auf dem Court stand, habe ich schnell gemerkt, dass das alles Realität ist. Zum großen Träumen blieb deshalb keine Zeit.

In der Saisonvorbereitung lief es für Sie sportlich noch sehr gut. Pro Partie standen Sie durchschnittlich 15 Minuten auf dem Feld. Warum haben Sie es in der Regular Season endgültig nicht mehr in die Rotation geschafft?

Keine Ahnung. Das ist eine gute Frage. An meiner Trainingseinstellung kann es auf keinen Fall gelegen haben. Da bin ich mir felsenfest sicher. Ich habe viel extra gemacht, habe viele Stunden zusätzlich trainiert und immer gutes Feedback bekommen. Das hat alles gepasst. Auch persönlich gab es keine Probleme. Mit allen bin ich gut zurechtgekommen. Ich glaube, am Ende war das eine Sache des Trainers. Der Trainer hat eben seine Spieler, die er rotiert. Während der Vorbereitung stand ich noch in dieser Rotation. Doch als die Saison begann, dann plötzlich nicht mehr.

Immerhin zwei Einsätze in der NBA konnten Sie verbuchen. Ihr Debüt feierten Sie am zweiten Spieltag bei den Golden State Warriors (94:125). Siebeneinalb Minuten vor Schluss, als die Warriors 102:73 führten, durften Sie aufs Feld. Welche Erinnerungen haben Sie daran?

Das war eine riesige Ehre, zum allerersten Mal in der NBA spielen zu dürfen. Im ersten Moment hat das Herz angefangen zu pumpen wie blöd, als der Coach mir sagte, dass ich bei der nächsten Gelegenheit ins Spiel komme. Aber im selben Atemzug war mir auch klar: Ich spiele hier aus einem gewissen Grund. Ich habe mir das durch viele Jahre harte Arbeit verdient. Wenn ich auf diesem Niveau nicht spielen könnte, wäre ich jetzt auch nicht hier. Das habe ich mir innerlich gesagt, und schon war ich wieder beruhigter.

Und als Sie dann aufs Spielfeld kamen?

Da habe ich nur gute Erinnerungen. Ich habe keinen Mist gebaut, sondern bin gleich gut reingekommen ins Spiel. Die allererste Aktion war direkt ein Steal: ein Querpass in der Zone, den ich abgefangen habe. Im Gegenangriff ist mir dann gleich ein Assist gelungen. Aber in einem Spiel, in dem man mit 40 Punkten hinten liegt, kann man leider keine Bäume mehr ausreißen. Diese siebeneinhalb Minuten gingen dann auch ziemlich schnell vorbei. Das lief ab wie in einem Film.

Haben Sie sich die DVD des Spiels brennen lassen?

Nein, daran habe ich nicht gedacht. Im Nachhinein wäre das eine gute Idee gewesen.

Wie war Ihr Verhältnis zu Superstar Kobe Bryant?

Ich habe mich mit Kobe sehr, sehr gut verstanden. Ich habe viel von ihm gelernt. Unter anderem hat er im Flugzeug neben mir gesessen. Oder besser gesagt: ich neben ihm.

Regelmäßig?

Ja genau, Kobe und ich waren feste Sitznachbarn.

Was konkret haben Sie von ihm gelernt?

Seine Mentalität und seine Einstellung zum Basketball sind beeindruckend. Als jüngerer Spieler kann man da mehrere Dinge aufpicken und versuchen umzusetzen.

Haben Sie irgendwelche persönliche Andenken mit nach Deutschland gebracht? Vielleicht Ihr erstes NBA-Trikot?

Mein ganzes Zeug, das in meinem Spind war, habe ich mitgenommen. Ein Trikot müsste auch irgendwo mit dabei sein. Aber ich musste ja per Flugzeug zurück nach Deutschland. Da konnte ich ja nicht so viel Gepäck mitnehmen. Das ging alles relativ schnell.

Nachdem die Lakers die Vertragsauflösung bekannt gemacht hatten, wurden Sie mit Angeboten überhäuft?

Ich würde es so formulieren: Ich hatte verschiedene Optionen und habe nicht auf dem Trockenen gesessen.

Hatten Sie eigentlich Angebote von anderen NBA-Klubs?

Ja, es gab ein paar Optionen. Aber das war immer mit der D-League (die Entwicklungsliga der NBA, Red.) verbunden. Deshalb war es mir lieber, nach Deutschland zu wechseln, wo einfach mehr Sicherheit gegeben ist.

Wie schwierig ist es für einen Spieler, im Laufe einer Saison zu einer neuen Mannschaft zu stoßen? Kann man dem Team direkt helfen oder ist man erst mal ein Fremdkörper?

Das kommt immer darauf an, was man vorher gemacht hat. Wenn man von zu Hause von der Couch kommt und dann direkt Leistung bringen soll, wird es schwierig. Aber wenn man wie ich auch vorher schon im Spielbetrieb war, gut trainiert hat und körperlich in Form ist, dann kann man sofort helfen. Natürlich muss man sich an einen neuen Trainer und neue Mitspieler gewöhnen. Aber ich habe es geschafft, schnell meine Leistung abzurufen.

Dies kann man unterstreichen. Gleich bei Ihrem Debüt gegen Hagen überzeugten Sie mit 25 Punkten.

Ich bin nicht unzufrieden. Aber ich will meine Leistung auf keinen Fall überbewerten. Das waren bislang nur ein paar Spiele. Und es gibt noch einen Haufen Basketball zu spielen, bis es am Saisonende wirklich zählt. Deshalb halte ich persönlich erst mal den Ball flach.

Wie bewerten Sie die Spielstärke der Beko BBL nach den ersten Wochen?

Die Bundesliga ist die beste Liga der Welt. Die NBA ist völlig überbewertet … (lacht)

Also sind Sie nun in der BBL am Ziel Ihrer Träume angekommen?

Nein, nein, Spaß beiseite: Ich kann die Spielstärke noch nicht im Detail einschätzen, weil ich erst so wenige Spiele absolviert habe. Aber bislang gefallen mir das Niveau und die Intensität sehr gut. Ich bin positiv überrascht. Aber die BBL mit der NBA zu vergleichen, das wäre Schwachsinn. Das sind zwei verschiedene Welten, auch von der Art des Spiels.

Aktuelles deutsches Aushängeschild in der Euroleague ist der FC Bayern München. Es gab jedoch leichte Verwirrungen um die Bayern, als Sie von der NBA nach Deutschland kamen …

Was meinen Sie mit Verwirrungen?

Manche Medien schrieben, Sie hätten ein Angebot der Bayern erhalten. Andere schrieben, Sie hätten keines erhalten.

Das ist eine Sache, die nur mich und mein Management betrifft. In der Öffentlichkeit will ich auf dieses Thema nicht näher eingehen.

In Bamberg haben Sie nun einen Vertrag bis 2015 unterschrieben. Mit Ausstiegsklausel, wenn ein passendes Angebot aus der NBA einflattert?

Genau.

Wie realistisch halten Sie eine baldige Rückkehr in die NBA?

Zunächst glaube ich, dass es zum aktuellen Zeitpunkt eine gute Entscheidung für mich war, zurück nach Deutschland zu kommen. Hier in Bamberg bin ich bei einem Klub gelandet, bei dem ich mich als Spieler weiterentwickeln kann. Das Ziel, in die NBA zurückzukehren, ist aber nach wie vor da.

Haben Sie dafür einen Zeitplan?

Nein. Wann es diese Rückkehr geben wird, kann ich jetzt noch nicht sagen. Ich bin selbst sehr gespannt, was bis zum Ende der Saison und darüber hinaus passiert. Meine Berater werden mir dann schon den richtigen Weg weisen. Aber momentan fokussiere ich mich nur auf die Brose Baskets.

Um sich auf die NBA-Saison vorzubereiten, hatten Sie auf die EM 2013 in Slowenien verzichtet. Stehen Sie der Nationalmannschaft nächstes Mal wieder zur Verfügung?

Wenn es passt und mich der Bundestrainer nominiert, bin ich sehr gerne wieder mit dabei. Vielleicht klappt’s ja mit der Wildcard für die WM in diesem Jahr, das wäre spitze.


Das komplette Interview gibt es in der aktuellen Ausgabe der BIG (Abonnenten haben sie bereits eine Woche früher im Briefkasten), und außerdem gibt es im Heft noch folgende Themen:

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