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Dirk Bauermann im Interview: „Es fällt schwer, nicht zu kämpfen, aber ich gehe davon aus, erst im...

Dirk Bauermann im Interview: „Es fällt schwer, nicht zu kämpfen, aber ich gehe davon aus, erst im...

Der frühere Bundestrainer über die Bedeutung von qualifizierten Trainern im Jugendleistungsbereich und seine Pläne für das Jahr 2014

Dirk Bauermann ist jemand, der etwas zu sagen hat. Der gebürtige Oberhausener, der als Vereins-Trainer in Leverkusen und Bamberg seine größten Erfolge feierte und der mit der deutschen Nationalmannschaft 2005 die EM-Silbermedaille gewann, ist nicht nur ein profunder Kenner der Szene, sondern bezieht klar Position, wenn es darum geht, Dinge in die richtige Richtung voranzutreiben.

Mitte Januar war der 56-Jährige, der zuletzt beim litauischen Spitzen-Klub Lietuvos Rytas Vilnius und der polnischen Nationalmannschaft unter Vertrag gestanden hat, zu Gast beim „Nachwuchstrainer-Programm“ der Beko BBL und der AG 2. Basketball-Bundesliga Herren („Die Junge Liga“ / DJL). In einem Fachgespräch erläuterte der erfolgreichste deutsche Vereins-Trainer den Teilnehmern seine Coaching-Philosophie und gab ihnen darüber hinaus wertvolle Tipps für ihre tägliche Arbeit in den Klubs.

Was zeichnet dieses Nachwuchstrainer-Programm im Speziellen aus?

Dirk Bauermann: „Das duale System, das Theorie und Praxis miteinander verbindet, eignet sich hervorragend, um angehende Jugendleistungs-Trainer auf ihre kommenden Aufgaben vorzubereiten. Dadurch, dass die Gruppe nur über sechs Teilnehmer verfügt, ist eine hohe Qualität der Ausbildung gewährleistet.“

Wie wichtig sind sehr gut ausgebildete und qualifizierte Trainer für die Nachwuchsförderung – speziell im Leistungsbereich?

Dirk Bauermann: „Enorm wichtig. Allerdings müssen wir einen größeren Markt schaffen, um talentierten und motivierten jungen Trainern die notwendige Perspektive zu geben. Wertschätzung und Respekt vor der Schwere und Bedeutung des Berufsbildes ‚Jugendleistungstrainer’sind weitere wichtige Bausteine. Schließlich ist es notwendig, sich ganz spezifisch mit den Anforderungen bei der Arbeit mit jungen Leistungssportlern in allen Bereichen (Didaktik, Methodik, Psychologie, Trainingslehre, etc., Anm. d. Red.) zu befassen, die Ergebnisse zu verschriftlichen und den Trainern zur Verfügung zu stellen. Mit der Vorgabe, dass jeder Beko BBL-Klub mindestens zwei hauptamtliche Jugendtrainer zu beschäftigen hat und den Fortschritten in der Ausbildung beim DBB wurden bereits wichtige erste Schritte getan.“

Wie beurteilen Sie die Trainersituation in Deutschland insgesamt? Wie sieht es mit der Arbeit an der Basis, insbesondere im Jugendbereich, aus?

Dirk Bauermann: „Es wäre wünschenswert, wenn es mehr qualifizierte Trainer im Breitensport geben würde, die sich dann der Arbeit mit den Anfängern annehmen würden. Diesen Trainern sollten wir ein Kompendium von Grundwissen an die Hand geben, idealer Weise über die neuen Medien. Inhalte und Materialen sollten kostenlos zur Verfügung stehen. Außerdem würde ich mir noch mehr deutsche Trainer in der Beko BBL wünschen, wenngleich die Generation relativ junger deutscher Trainer ein großer Fortschritt ist – wenn man dies mit meiner Zeit in Leverkusen vergleicht.“

Kommen wir zur Beko BBL? Wer oder was sind nach Ihrer Ansicht die größten sportlichen Überraschungen der Liga?

Dirk Bauermann: „Aus meiner Sicht läuft es in etwa so, wie man es erwarten durfte. Mit Vechta gibt es eine positive Überraschung. Würzburg und Bayreuth, wohl auch Tübingen, durfte man etwas stärker erwarten. Aber unsere Kochs (Stefan und Michael, Anm. d. Red.) werden das Ruder herumreißen, und Igor Perovic, den ich immer sehr geschätzt habe, wird das gleiche tun.“

Was sind Ihre Pläne in den kommenden Wochen beziehungsweise Monaten? Gibt es bereits konkrete Anfragen von Klubs aus dem In- oder Ausland – oder warten Sie, bis die neue Saison beginnt?

Dirk Bauermann: „Konkrete Anfragen gibt es nicht wirklich. Ich habe keine Eile und gehe davon aus, erst im Sommer wieder anzugreifen. Grundsätzlich bin ich in alle Richtungen offen. Ein etwas ruhigeres Arbeiten und ein nicht ganz so emotional und aufgeregt reagierendes Umfeld wäre mir aber ganz recht.“

Sie sprechen Ihre Zeit in Vilnius an.

Dirk Bauermann: „Genau. Als ich Lietuvos Rytas übernommen habe, lief es lange Zeit sehr gut. Wir haben uns in der vergangenen Saison noch vom fünften auf den zweiten Platz vorgearbeitet, sind Vizemeister geworden und haben die Saison gerettet. In dieser Spielzeit haben wir uns für die Euroleague qualifiziert, Panathinaikos Athen geschlagen uns dann aber schwer getan. Auch ein zweiter Platz in der VTB und die Tabellenspitze in Litauen konnten den Präsidenten nach einer deutlichen Niederlage gegen Kuban nicht davon abhalten, mich zu entlassen. Traurig. Dennoch war Litauen eine interessante Erfahrung, die mich weiter gebracht hat.“

Nach Ihren Erfahrungen in Litauen: Würden Sie lieber ein Vereins-Team oder eine Nationalmannschaft betreuen?

Dirk Bauermann: „Meinen polnischen Freunden habe ich schweren Herzens abgesagt, auch wenn mich der Wunsch vom Präsidium, aber vor allem der Mannschaft, weiter mit mir zusammenarbeiten zu wollen, sehr gefreut hat – und das trotz des sportlich nicht zufriedenstellenden Abschneidens. Jetzt bereite ich mich ganz auf eine Aufgabe bei einem Klub vor.“

Was werden Sie in den nächsten Wochen machen?

Dirk Bauermann: „ Ich muss gestehen, dass es mir schwerfällt, nicht zu coachen, zu kämpfen. Aber die Dinge sind, wie sie sind. Ich werde mir noch einige Spiele aus der Euroleague vor Ort anschauen und meinen Freund Ron Adams (Co-Trainer der Boston Celtics, Anm. d. Red.) besuchen.“

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