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Finale um die Deutsche Meisterschaft zwischen München und Berlin: Die Defense von Sasa Obradovic...

Finale um die Deutsche Meisterschaft zwischen München und Berlin: Die Defense von Sasa Obradovic...

Das Finale zwischen dem FC Bayern München und ALBA BERLIN in der Vorschau: Die Suche nach einem würdigen Nachfolger für den gestürzten Serienmeister Brose Baskets gipfelt in einem Finale, das nicht nur für die Medien mit vielen brisanten Nebenkriegsschauplätzen ein Traumfinale ist. Allein die Tatsache, dass die Berliner nun im Finale ein Bayern-Team herausfordern, das zu einem nicht unbeträchtlichen Teil aus der Mannschaft besteht, mit der die Berliner im letzten Jahr an den Bayern scheiterten, lässt die Tinte praktisch von alleine aus dem Füller tropfen.

Aber auch Basketball-Puristen kommen in diesem Finale auf ihre Kosten, stellt es doch von neuem die klassische Frage nach dem sichersten Weg zum Erfolg im Basketball: Mit dem Pokalsieger ALBA BERLIN spielt die beste Defense der Liga gegen ein Münchener Team, das im Saisonverlauf das größte Offensivtalent aufs Parkett brachte und damit Gewinner der Punktrunde wurde. Im ersten Spiel am Sonntag werden die Münchener vor allem darauf bedacht sein, ihren wohl größten Trumpf in dieser Serie zu verteidigen: Als Tabellenführer haben sie den Heimvorteil.

Sonntag, 16.15 Uhr: FC Bayern München (1) – ALBA BERLIN (3)

TV/Livestream:

Die erste Partie gibt es am Sonntag ab 16:10 Uhr als kostenfreien Internetstream hier auf unserer Homepage sowie im Fernsehen ab 16:00 Uhr live auf SPORT1.

Die weiteren Spieltermine:

Spiel 2: Donnerstag, 12. Juni, 18.15 Uhr, in Berlin

Spiel 3: Sonntag, 15. Juni, 17.00 Uhr, in München

Ev. Spiel 4: Mittwoch, 18. Juni, 19.30 Uhr, in Berlin

Ev. Spiel 5: Sonntag, 22. Juni, 19.45 Uhr, in München

Aktueller Aggregatzustand:

Beide Mannschaften hatten auf dem Weg ins Finale mehr Mühe als erwartet. So genügten den Berlinern im Viertelfinale gegen Ulm und im Halbfinale gegen die Artland Dragons zwar jeweils vier Partien zum Weiterkommen, aber in nahezu jedem dieser acht Spiele mussten die Berliner bis zur letzten Sekunde um den Sieg kämpfen. Beim FC Bayern waren die Playoffs bisher von sehr wechselhaften Leistungen geprägt. Zwar wurde Ludwigsburg im Viertelfinale in München mit Kantersiegen überrollt, aber auswärts präsentierte sich der FC Bayern nicht so souverän. Extrem wechselhaft präsentierten sich die Bayern auch im Halbfinale gegen Oldenburg: Den Donnervögeln wurde erlaubt, aus einem 0:2-Rückstand noch ein 2:2 zu machen, bevor München am Donnerstag mit einem 88:63 in eigener Halle den Sack zumachte. Ein Grund für das Auf und Ab waren sicher die Verletzungen von Nihad Djedovic und Paul Zipser, die Trainer Svetislav Pesic zwangen, während der bereits laufenden Playoffs bei der Suche nach Alternativen zu improvisieren. Djedovic und Zipser werden auch im Finale fehlen.

Rotation München:

Point Guard: Malcolm Delaney, Heiko Schaffartzik, Steffen Hamann

Shooting Guard: Lucca Staiger, Demond Greene

Small Forward: Bryce Taylor, Robin Benzing

Power Forward: Deon Thompson, Boris Savovic, Chevon Troutman

Center: John Bryant, Yassin Idbihi

Rotation Berlin:

Point Guard: Clifford Hammonds, Ismet Akpinar

Shooting Guard: David Logan, Akeem Vargas, Vojdan Stojanovski

Small Forward: Alex King, Reggie Redding

Power Forward: Levon Kendall, Jan-Hendrik Jagla, Sven Schultze

Center: Leon Radosevic, Jonas Wohlfarth-Bottermann

Duell im Fokus: Malcolm Delaney vs. Clifford Hammonds

Nach der Auszeichnung von Malcolm Delaney als MVP argwöhnten manche Beobachter, dass bei der Wahl wohl auch dessen starke Leistungen in der Euroleague in die Bewertung mit eingeflossen seien. Tatsächlich hielt sich der US-Spielmacher in der Bundesliga-Punktrunde nach europäischen Glanztaten oft etwas zurück. In den Playoffs zeigte der MVP aber zuletzt auch in der Beko BBL die starken Leistungen, die ihm sogar auf europäischer Bühne viel Lob einbrachten. In den vergangenen acht Bayern-Spielen war er fünfmal Topscorer und diese fünf Spiele waren auch exakt die, die der FC Bayern gewann. Die letzten drei Münchener Niederlagen hatten hingegen alle eines gemeinsam: Malcolm Delaney war in diesen Spielen mit Wurfquoten unter 50 Prozent nicht Bayerns Topscorer. Sasa Obradovic verrät somit kein Geheimnis, wenn er ankündigt, Delaney sei ein Schlüsselspieler der Bayern, an dem Berlins Defense ansetzen werde. Dafür haben die Albatrosse mit ihrem als besten Verteidiger der Liga ausgezeichneten Spielmacher Clifford Hammonds aber auch eine ausgesprochen scharfe Waffe in ihrem Arsenal: Gong frei zur ersten Runde!

X-Faktor gesucht: Leon Radosevic zum ersten Mal gegen Bayern

ALBA-Center Leon Radosevic fehlte den Berliner bei beiden Punktspielen gegen den FC Bayern. Dass diese Spiele trotzdem von den Berlinern gewonnen wurden (das Hinspiel verstärkt durch Ersatzcenter Uros Slokar und das Rückspiel dank für Berliner Verhältnisse ungewöhnlichen 14 Dreiern), ändert nichts an der Tatsache, dass das Berliner Innenspiel vorne wie hinten mit Leon Radosevic noch stabiler wird. Der Kroate ist zudem deutlich schneller als John Bryant und Yassin Idbihi, was Svetislav Pesic dazu verführen könnte, mit Deon Thompson auf der Fünf „Small Ball“ zu spielen. Hier ein Beispiel für die Schnelligkeit des Berliner Centers:

Wer soll in der Crunchtime den Ball haben: Reggie Redding und Heiko Schaffartzik

Bei den Berlinern hat sich Reggie Redding in dieser Saison schon so oft als Matchwinner in der Crunchtime erwiesen, dass es geradezu fahrlässig wäre, ihm bei Bedarf nicht den letzten Wurf zu geben. Bei den Münchenern gibt es mehrere Kandidaten für diesen Job, aber gegen ALBA erscheint uns Heiko Schaffartzik der richtige Mann zu sein, um einen letzten Treffer raus zu hauen – besonders in der o2 World, wo er die Körbe ja noch besser kennt als Bryce Taylor, Lucca Staiger und erst recht Malcolm Delaney. Und dass er wilde Dinger treffen kann, hat der Kapitän der Nationalmannschaft ja gerade erst wieder bewiesen:

Zahlen, bitte: Offense vs. Defense!

Die Zahlen untermauern, dass in diesem Finale die beste Verteidigung (Berlin) der Liga auf die beste Offensive (München) trifft. Die Bayern erzielten in der regulären Saison im Schnitt die meisten Punkte (86,5 Prozent), verzeichneten dabei mit 47,1 Prozent aus dem Feld die drittbeste Wurfquote (an der Freiwurflinie mit 80,8 Prozent die beste) und leisteten sich die wenigsten Ballverluste (nur 11,4 pro Spiel). ALBA führt hingegen die defensiven Statistiken an, kassierte die wenigsten Gegenpunkte (69,9 Prunkte pro Spiel), drückte am erfolgreichsten die gegnerischen Wurfquoten (auf 40,9 Prozent) und erlaubte den Gegnern die wenigsten Assists (im Schnitt 11,3).

Die Saison der beiden Klubs:

München: Der FC Bayern München übernahm schon am dritten Spieltag die Tabellenführung und gab sie fortan nicht mehr ab, auch wenn den Münchenern im Frühjahr zwischenzeitlich die Brose Baskets gefährlich nahe auf die Pelle rückten. Nach einem 76:75-Sieg in Bamberg am 29. Spieltag war aber auch dieser Spuk vorbei. Die souverän absolvierte Punktrunde ist umso höher zu bewerten, als die Münchener nebenbei noch 24 überwiegend knifflige Aufgabe in der Euroleague zu absolvieren hatten.

Berlin: Die Berliner verloren früh in der Saison zwei Auswärtsspiele in Quakenbrück und Bonn etwas unglücklich mit einem Punkt Differenz, was dafür sorgte, dass sie in der Tabelle zunächst für lange Zeit hinter Bayern und Bamberg in der zweiten Reihe unter dem Radar fliegen konnten. Spätestens in der Rückrunde, in der ALBA das beste Team in der Beko BBL war, und mit dem Pokalsieg empfahlen sich die Berliner aber für alle sichtbar als Titelkandidat.

Die ewige Bilanz: 6:4 für Berlin.

Hinspiel in dieser Saison: 94:74 für ALBA am 10. November. In der ausverkauften o2 World verpasst ALBA den Münchenern überraschend hoch die erste Saisonniederlage. Topscorer waren neben Vojdan Stojanovski (21 Punkte) Clifford Hammonds mit 20 und Malcolm Delaney mit 19 Zählern, wobei der Berliner im Spielmacher-Duell mit 4 Assists gegen Delaney (5 Ballverluste) Vorteile hatte. ALBA entschied auch das Rebound-Duell mit 40:27 überraschend deutlich für sich.

Rückspiel in dieser Saison: 80:72 für ALBA am 4. Mai. Ohne Bedeutung für die Tabelle hatte dieses „Spitzenspiel“ nur eine geringe Aussagekraft. Gehandicapt durch das Fehlen von Center Leon Radosevic suchte ALBA mit 14/33 Dreiern den Erfolg von außen, wo die vom PrePlayoff-Konditionstraining geräderten Bayern-Schützen mit 2/16 Dreiern verhungerten. Topscorer waren Reggie Redding (21) und David Logan (15) für ALBA, John Bryant und Deon Thompson (je 11) für den FC Bayern.

Was keine Rolle spielen wird:

In der letzten Saison wurden die Berliner im Viertelfinale mit 3:0 von den Bayern aus den Playoffs gesweept (Video unten). Von Rachegelüsten ist aber im Berliner Lager nichts zu hören – wie auch, denn im aktuellen Team war außer den Trainern nur Sven Schultze dabei und der wird einen Teufel tun, den neuen Spielern davon zu erzählen.

Darauf freuen wir uns besonders:

Viel wird im Vorfeld dieser Serie über die vielen ehemaligen Berliner im Münchener Team gesprochen und geschrieben werden. Angefangen von den beiden Trainern Svetislav Pesic und Emir Mutapcic über Steffen Hamann, Demond Greene, Lucca Staiger und Bryce Taylor bis hin zu den erst im letzten Sommer von der Spree an die Isar gewechselten Heiko Schaffartzik, Yassin Idbihi, Deon Thompson und Nihad Djedovic hat jeder zweite Münchener eine ALBA-Vergangenheit. Aber im letzten Sommer fuhr auch ein Zug von München nach Berlin und darin saß der von den Bayern ausgemusterte Jan Jagla, der in seiner Heimatstadt in dieser Saison seinen zweiten Frühling erlebt und sich sogar in Sasa Obradovics Startaufstellung gespielt hat. Dort ist er auf der Position 4 der Nachfolger von Deon Thompson, der nun das Trikot des FC Bayern trägt. Auch Thompson spielt in München eine starke Saison. Ein Tapetenwechsel kann offenbar durchaus positive Aspekte haben!

Weise Worte:

„Ich bin überzeugt, dass in einem Finale am Ende die bessere Defense gewinnt“, erklärt ALBA-Trainer Sasa Obradovic: „So habe ich das als Spieler von Svetislav Pesic gelernt.“ Der ALBA-Trainer spielte einst in Berlin und Köln sowie im jugoslawischen Nationalteam unter Pesic. Dass die Trainerlegende in München mit der stärksten Offensive der Liga nun offenbar von seiner früheren Lehre abweicht, wirft einige Fragen auf: Ist Pesic mit dieser Marschroute seinem ehemaligen Schüler womöglich einen neuen Schritt voraus? Oder schlägt der Schüler Obradovic seinen Lehrer mit dessen eigenen Waffen? Oder spielt Pesic gar mit verdeckten Karten und die Bayern-Defense erweist sich im Finale besser als ihr Ruf? Die Antwort auf diese Fragen gibt es in den kommenden zwei Wochen.

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