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Münchens Paul Zipser im BIG-Portrait: Der Durchbruch eines großen Talents

Münchens Paul Zipser im BIG-Portrait: Der Durchbruch eines großen Talents

Paul Zipser hatte beim FC Bayern München einen schweren Einstand. Ein halbes Jahr kämpfte er sich durch Reha-Maßnahmen, Spielzeit sah er so gut wie keine. Jetzt scheint der Durchbruch des Mega-Talents in München bald möglich zu sein

Paul Zipser ist müde. Erst morgens um halb fünf ist er an diesem Freitag im April mit dem Team des FC Bayern München vom letzten Euroleague-Spiel im russischen Krasnodar zurückgekehrt. Für die Bayern war es eine bedeutungslose Partie – sie hatten ihre letzte Chance auf das Viertelfinale schon eine Woche zuvor durch die knappe 92:94-Heimniederlage gegen Maccabi Tel Aviv verspielt. Für Paul Zipser war das Spiel aber alles andere als bedeutungslos, sondern der nächste Schritt auf dem Weg, der schon viel früher hätte beginnen sollen.

Als ProA-Ligist Heidelberg im Januar 2013 verkündete, dass sein Ausnahmetalent Paul Zipser mit sofortiger Wirkung nach München wechseln würde, schlug das ein wie eine Bombe. Dass der damals 18-Jährige nicht lange in den Niederungen der 2. Liga bleiben würde, war klar. Aber der Fakt, dass Zipser da schon wochenlang mit einer hartnäckigen Verletzung zu kämpfen hatte und nicht absehbar war, wann er auf das Parkett würde zurückkehren können, ließ den Zeitpunkt des Wechsels ungewöhnlich wirken. Worauf warten, wird Zipser gedacht haben. Der Wechsel zum FCB stand intern schon länger fest, und auch die medizinische Abteilung des Weltklubs versprach eine schnelle Heilung. „Ich litt an einer Überbelastung des Mittelfußknochens, und das an einer ziemlich blöden Stelle, die beim Basketball ständig stark belastet wird“, ist Zipser selbst längst Experte in medizinischen Fragen. „Ich habe in München direkt mit einem umfangreichen Reha-Programm angefangen, aber die Schmerzen kamen immer wieder.“ Von Juni bis August startete er die zweite intensive Rehabilitationsphase, und diese fruchtete dann auch endlich. „Uns war bis dahin unklar, wie es weitergeht. Keiner wusste letztlich mit Sicherheit, wann ich wieder spielen konnte.“

Eine frustrierende Zeit für Zipser – die auch nach seiner Genesung weitergehen sollte. „Ich habe mit der Profi-Mannschaft trainiert, konnte aber natürlich noch nicht spielen.“ Austoben durfte er sich nur beim Farmteam in der Regionalliga, unter Svetislav Pesic blieb er Bankdrücker. Über alles sprach er mit dem Headcoach, nur nicht über die Gründe, warum er draußen saß. „Klar habe ich mich hinterfragt, wenn ich selbst bei hohen Führungen nicht ins Spiel kam“, macht Zipser aus seinem Herzen keine Mördergrube. Die Assistenztrainer Emir Mutapcic und Andreas Wagner motivierten ihn, weiter an seinen Schwächen zu arbeiten – mit Erfolg. Zipser legte körperlich zu – im ersten Münchener Jahr fünf Kilo Muskelmasse – und verbesserte seine Defense.

Pesic nahm die Fortschritte seines Youngsters mit Wohlwollen zur Kenntnis und belohnte ihn vermehrt mit Kurzauftritten. „Ich will ja nicht einfach nur mitspielen, sondern ich möchte dem Team möglichst helfen können … und ich denke, das traut mir der Trainer jetzt zu“, sagt Zipser mit frischem Selbstvertrauen. Als BIG mit ihm spricht, liegt sein bis dahin bester Auftritt im Bayern-Trikot gerade ein paar Stunden zurück. Gegen den russischen Klub Lokomotive Kuban Krasnodar stand er knapp 25 Minuten auf dem Parkett, erzielte 14 Punkte und drei Assists. Sicher, der Ausgang der Partie (75:84) war ohne Belang, aber für Zipser war es eine wegweisende Partie – zeigte sie ihm doch, dass sich die Anstrengungen der letzten Monate gelohnt hatten. „Ich habe meine Situation nicht immer verstanden, aber ich habe diesem erfahrenen Trainer immer vertraut“, kann der Small Forward den Frust des zweiten Halbjahres 2013 inzwischen weglächeln.

Die große Frage war bei Paul Zipser stets: Auf welcher Position ist er am wertvollsten? In früheren Jahren sahen viele in ihm einen jungen Diamantidis – ein zwei Meter großer deutscher Point Guard schien wie ein Versprechen auf eine große Zukunft Basketball-Deutschlands. In Münchens Regionalliga-Team agierte er oft als Power Forward, doch Pesic sieht in Zipser einen modernen Dreier. 2,03 Meter groß, (inzwischen) kräftig, mit Range bis weit hinter die Dreierlinie: Der heute 20-Jährige kann sich aus seinen Vorschuss-Lorbeeren ganze Kränze binden. Zipsers vielleicht beste Eigenschaft: Er weiß den Hype um seine Person richtig einzuordnen. Der Youngster gilt als verbissener Arbeiter, und im täglichen Training hat er mit Demond Greene den richtigen Partner an seiner Seite. Der ehemalige Nationalspieler ist beim FCB nur noch beim Üben dabei, für Zipser aber ist er unverzichtbar. „Er spielt auf meiner Position, ist ein richtig guter Verteidiger und ein Arbeitstier. Er gibt mir viele wertvolle Tipps“, ist Zipser dem 34-Jährigen dankbar. Vielleicht lehrt ihn Greene auch, wie man sich eine dicke Haut zulegt, denn gerade in den Monaten, wo er ausschließlich die Bank wärmte, musste sich Zipser fast wöchentlich fragen lassen, ob der Wechsel zum großen FC Bayern denn die richtige Entscheidung gewesen sei. „Es war mir klar, dass ich hier nicht die Einsatzzeiten wie bei einem anderen Verein bekommen würde. Und auch wenn es wegen der Verletzung ein holpriger Start für mich hier in München war, kann ich im Rückblick nur sagen, dass es die richtige Entscheidung war.“ Noch ein paar Minuten in den Playoffs, den Sommer mit der U20-Nationalmannschaft verbringen und kommende Saison den Sprung in die Rotation des FC Bayern schaffen – Zipsers Ziele für dieses Jahr sind klar gesteckt.

Zum Abschluss noch ein älterer ARD-Beitrag über Paul Zipser beim Albert-Schweitzer-Turnier in Mannheim:


Dieser Artikel stammt aus der aktuellen Ausgabe der BIG (Abonnenten haben sie bereits eine Woche früher im Briefkasten), und außerdem gibt es im Heft noch folgende Themen:

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